Wenn die Utopie gestern begann

Und immer noch lassen die Nachrichten über, für oder gegen den Heidelberger Appell nicht nach. Das Bashing unterschiedlicher kommerziell interessierter Interessensgruppen, die auch die Medien teilweise vereinnahmen, lassen wir mal weg, dann bliebe da ein Artikel in der FR über Open Access und die Gegner des Heidelberger Appells - und ein Artikel in der ZEIT, der noch einmal schön den Brief der VG Wort an die Autoren beschreibt, über die Sache an sich berichtet und aufgreift, dass man schon als Spielverderber gilt, wenn man gegen Google protestiert. Neues kommt nicht viel, dafür aber ein schön klarer Überblick über die Sachlage für alle, die noch nicht verstanden haben, worum es geht - sowohl in Sachen Google Books als auch Open Access.

Man erfährt außerdem endlich, was die VG Wort noch vor hat (warum nicht von der VG Wort selbst?). Interessant der Aspekt, dass man zukünftig als Autor peinliche Jugendsünden ein Leben lang in aller Öffentlichkeit ertragen muss. Vielleicht geht's aber in den Datenmengen zwischen Aussichten auf Silikonkörper und dörflichen Ansichten aus Google Earth auch verloren. Denn die werden immens steigen. Die Datenmengen natürlich...

Wer das alles immer noch für harmlos und normal hält, der sollte einen Blick in zwei andere Meldungen werfen: Google darf den Werbevermittler DoubleClick übernehmen, der bereits in den USA wegen seiner undurchsichtigen Datensammlungen ins Gerede kam. Und dann heißt es, Google und Twitter diskutierten miteinander. Was gemauschelt wird, bleibt Gerücht, aber allein der Gedanke einer Vernetzung auch dort ... vielleicht werden heute kaum noch gute Science Fictions und Utopien mehr geschrieben, weil sie längst in einer "Parallelgesellschaft" stattfinden?

Und ein Blick auf die aktualisierte Unterschriftenliste des Heidelberger Appells lohnt auch, da steht nämlich jetzt vieles, was Rang und Namen hat, oben - und viele sind dann verstreut zu finden. Wer für seine Unterschrift dort als Spinner, Unaufgeklärter, Dummer, Ewig-Gestriger oder sonstwas beschimpft werden sollte, befindet sich in bester und intelligentester Gesellschaft. 1169 Unterzeichnende waren es eben.

Mein Lesetipp zum Tage:
George Orwell: 1984, Heyne Verlag / Hörbuch: Der Audio Verlag (Radio-Hörspiel von 1977)

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