Vereinsmeierei

In meiner Studentenzeit habe ich mir einmal geschworen, nie in einen Verein einzutreten. Tja, man soll nie nie sagen. Heute abend muss ich zu meiner ersten Generalversammlung eines französischen Vereins (ja, das gibt's). Stimmt auch nicht ganz, als Volontärin war ich immer gebeutelt, weil ich über alle möglichen Generalversammlungen von Angorahasenzüchtern bis zum Männergesangverein berichten musste. Ich empfand das als eine Qual. Heute wird es spannender, wir besprechen nämlich, wie man ländliche Grenzgebiete mit Theaterkunst infiltrieren kann, Theatertruppen aufs Land bringt und Landbewohner in Stadttheater.

Die französischen Tagesordnungspunkte sind bedeutend weniger als deutsche, und einer davon heißt natürlich Weintrinken. Und bei 27 Grad im Schatten wird die Fahrt zu einer kleinen Ausflugsfahrt - in die Gegend meiner Kindheit, nach Seltz. Auf der Website des Grenzortes habe ich gleich wiederentdeckt, wo wir uns als Kinder herumtrieben, sobald wir ein Fahrrad hatten: Am Baggersee! Der für uns Kinder natürlich viel leerer, viel sauberer und viel schöner war als die badischen. So wie das Baguette besser schmeckte und die Merguez. (Heute fahren die Elsässer ins Badische hinüber, um deutsches Brot und Nürnberger Bratwürste zu kaufen).

Am schönsten aber ist auf der Website das bewegliche Panoramabild der Fähre von Seltz (Kindheitserinnerung pur!). Die grüne Seite ist Deutschland (Plittersdorf), die mit den Häusern das Elsass (Seltz). Die Fähre ist inzwischen ein Museumsnachbau der Originalfähre, die irreparabel kaputt war. Aber eins hat sich seit meiner Kindheit nicht geändert: "Die Fähre ist zur Zeit nicht in Betrieb."

So war es immer! Die Fähre fiel aus bei Nebel, bei starkem Dauerregen, wenn die Maikäfer flogen oder der Bürgermeister Husten hatte. Man wartete vergeblich auf sie, wenn ein Schiff auf Grund gelaufen oder der Fährmann besoffen war, wenn die Rosen blühten oder wenn der Himmel blau war. Keiner hat je herausgefunden, woran man erkennen kann, dass die Fähre fährt. Für Urlauber immer ein Erlebnis - wer Termine hat und arbeiten muss, nimmt die Rheinbrücke zwischen Wintersdorf und Beinheim.

1 Kommentar:

  1. Hehe. Ich hab mir auch mal geschworen, nie einem Verein beizutreten!

    Ich bin aber konsequent geblieben - ich habe einen gegründet!! ;)

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