30.06.2011
Geduld ist eine Tugend
30.06.2011
2
Auch auf die Gefahr hin, bereits zu nerven (aber ich werde ständig ungeduldig gefragt, wann es endlich so weit ist) ... ich habe heute die Datei vom korrigierten Aushänger bekommen. Ich hätte den Druck theoretisch danach freigeben können. Aber alle Fachmenschen inklusive Hersteller haben mir zur Freigabe nach Papier geraten, weil man nur da wirklich exakt erkennt, wie das gedruckte Buch aussieht. Und weil ich mich grün ärgern würde, am falschen Ende Zeit gespart zu haben, wenn doch noch etwas sein sollte. Ist etwas dran, denn schon das pdf der Druckerei wirkt auf dem Bildschirm anders als das von mir eingesandte.
Kommt also noch einmal Postversand von ca. einer Woche hinzu. Bei zweieinhalb Jahren Arbeit macht es das auch nicht fett. Schade nur, dass das Buch dann im Sommerloch erscheinen wird, aber bei PoD-Büchern nicht wirklich ein Beinbruch - sie werden ja nicht verramscht und müssen sich nicht innerhalb von vier Wochen bewähren.
Und um nicht zu nerven, werde ich jetzt nicht mehr über die Produktion des Nijinsky-Buchs sprechen, bis es wirklich die Neuigkeit der Bestellbarkeit gibt. Aktuell erfährt man den Stand der Dinge jederzeit hier.
Ich bitte, die Verzögerung zu entschuldigen, aber ich korrigiere lieber einmal zu viel als zu wenig!
Kommt also noch einmal Postversand von ca. einer Woche hinzu. Bei zweieinhalb Jahren Arbeit macht es das auch nicht fett. Schade nur, dass das Buch dann im Sommerloch erscheinen wird, aber bei PoD-Büchern nicht wirklich ein Beinbruch - sie werden ja nicht verramscht und müssen sich nicht innerhalb von vier Wochen bewähren.
Und um nicht zu nerven, werde ich jetzt nicht mehr über die Produktion des Nijinsky-Buchs sprechen, bis es wirklich die Neuigkeit der Bestellbarkeit gibt. Aktuell erfährt man den Stand der Dinge jederzeit hier.
Ich bitte, die Verzögerung zu entschuldigen, aber ich korrigiere lieber einmal zu viel als zu wenig!
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PvC
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6/30/2011 05:28:00 nachm.
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Der Fluch der Fotos
Früher waren nur Celebrities vom Foto her bekannt. Schriftsteller mit Gesicht - Fehlanzeige. Ich habe sie noch mitgemacht, die Zeiten, als in den Buchvorschauen der Verlage katastrophal von Familienmitgliedern geknipste Schwarzweißfotos Autoren sympathisch zu machen versuchten - wenn überhaupt. Die amerikanischen SchriftstellerInnen stachen davon extrem ab: Perfekt in Szene gesetzt, farbig, ansprechend. Das war einmal. Kaum noch jemand, der nicht mit Fotos im Web interagiert. Was aber die wenigsten wissen: Unsere Fotos im Web interagieren auch mit uns.
In der Karrierebibel gibt es einen sehr lesenswerten Artikel über eine Studie zur Verwendung von Avataren. Aus der Spieleszene sind sie ins Social Web geschwappt, jeder zeigt sich mit Namen oder Alias und eben dem Avatar. Da der Mensch ein Bildermensch ist, orientieren sich die meisten User übrigens am Bild, nicht am Namen. Lesenswert: "Über-Ich - Avatare können reale Persönlichkeiten verändern". Es betrifft alle User und alle User haben Narrenfreiheit, trotz der Nebenwirkungen.
Was aber ist, wenn ich mich professionell im Web bewege? Man kennt ja das Desaster bei der Bewerbung um einen Job, wenn einem das Partybild bei Facebook den Garaus macht, das man aus Versehen der gesamten Öffentlichkeit und damit auch Google präsentiert. Wie aber ist das bei AutorInnen? Viele Kolleginnen und Kollegen nehmen Autorenfotos immer noch nicht ernst und würden sich wahrscheinlich wundern, wie sehr so mancher Schnappschuss die Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit verändert. Wenn die obige Studie stimmt, strahlt das miese Spontanbild aber auch auf ihr Verhalten in der Öffentlichkeit zurück?
Machen wir uns nichts vor: Wer Bücher schreibt, ist heutzutage eine öffentliche Person - und ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Vor allem aber transportiert es sich selbst inzwischen durch das gesamte Internet und hängt dort sozusagen auf immer und ewig in den Caches von Google und Archivwebsites. Dumm nur, dass wir ja manchmal rein professionell und manchmal lieber etwas privat im Web unterwegs sein wollen. Mein Ratschlag wäre trotzdem: Gib dich im Web so, dass du nicht erröten oder es bereuen würdest, wenn das morgen so in der Zeitung gedruckt würde. Das Web verbreitet nämlich noch weiter und noch länger...
Wer professionell etwas erreichen will und womöglich Markenbildung des eigenen Namens anstrebt, darf ruhig auch auf "Corporate Identity" achten - einen Wiedererkennungswert, eine rote Linie, die sich durch alle Selbstdarstellungen hindurch zieht. Es mag vielleicht langweilig erscheinen, aber ich bin nur dann wirklich wiederzuerkennen, wenn ich auf der eigene Website, im Blog, in den Social Media immer das gleiche Foto verwende. Nur Menschen, die man länger "kennt" und mit denen man enger kommuniziert, sind fähig, sehr unterschiedliche Aufnahmen, womöglich noch in sehr verschiedenen Posen mit ein und derselben Person zu verbinden.
Das gilt auch für häufiges Avatarwechseln: Der schnell surfende User "verliert" seine "Bekannten" und muss mühsam nach dem Namen suchen. Ich selbst habe bei extremen Avatarwechseln bis zu einer Woche nach den Leuten gesucht - eine Woche, in denen ich ihre Inhalte nicht wahrgenommen habe. Bei einem professionellen Fotoshooting sucht man meist auch nur drei bis höchstens fünf gelungene Aufnahmen aus. Wer ein Pressefoto hat, sollte sich beim Avatar nicht dafür schämen.
Ganz wichtig beim Avatar: Am besten kommen Portraits. Die meisten Leute surfen nämlich mit Clients - und jeder mit einem anderen. Bei meinem Echofon z.B. erscheinen die Avatare nur wenige Millimeter groß, das Auge erkennt darauf nur grobe Strukturen. Stechnadelköpfe auf komischen Körpern, womöglich mit unruhigem Hintergrund, werden in der Fantasie dann schon einmal zum Wal oder zum Segelschiff. Portraits haben außerdem den Vorteil, dass man das Gefühl hat: Mein Gesprächspartner schaut mich an, sitzt mir gegenüber, nimmt mich ernst.
Natürlich habe ich auch den Test am eigenen Leib gemacht. Ich wollte wissen, ob sich durch die Veränderung meines Avatars die Wahrnehmung meiner Person ändert. Ich habe bei Twitter ein recht schönes Foto mit intensiven Farben eingestellt, auf dem ich verträumt nach oben schaue und etwas schräg präsentiert bin. Ein Foto, auf dem ich mir sehr ähnlich sehe (was auf den wenigsten gelingt) - und wie ich es Freunden und Verwandten schicken würde. Es hagelte Komplimente. Und von denen sollte man sich nicht verführen lassen. Frauen begeisterten sich an den Farben, am Gesicht. Aber auch Männer fanden es toll. Eine Frau vom Fach warnte mich schon, ich habe es aber nicht glauben wollen - das ist bereits das Alarmzeichen...
Plötzlich folgten mir reihenweise recht eindeutige Zeitgenossen und angeblich schreibende Typen, die mit Muskeln, Sport und manchmal auch Zwielichtigem prahlten. Merke: Gewisse Posen, vor allem bei Frauen, sind im Internet ein eindeutiges Zeichen dafür, dass diese Frau dringend etwas sucht ... Auf einem Pferdebuch für Mädchen oder einem Nackenbeißer absolut o.k., wenn die Autorin verträumt nach schräg oben schaut und den Kopf dabei etwas zurücklegt. Im Internet anrüchig und damit sogar rufschädigend. Als die erste männliche Anfrage für einen gemeinsamen Kaffee kam, habe ich das Experiment schleunigst abgebrochen. Übrigens habe ich ohnehin den Eindruck, bei Frauen wird noch sehr viel mehr nach dem äußeren Eindruck geurteilt.
Ich wollte aber dann noch etwas anderes wissen. Einfache Portraits können manchmal ja so langweilig sein. Als Autorin habe ich mit Themen zu tun. Würde sich die Wahrnehmung verändern, wenn ich zwar ein seriöses Gesicht machte, aber den Hintergrund veränderte? Und würde ein Thema meine Persönlichkeit anders darstellen? Ich habe eine Kulturgeschichte über die Rose geschrieben. Beinahe hätte ich mir damals ein Fotoshooting im Rosengarten geleistet. Also fotografierte ich mich vor blühenden Rosen - die Farbkontraste waren apart. Die Wirkung war genau die, warum ich damals auf das Fotoshooting verzichtet habe. Hier kamen nämlich zwei Dinge zusammen: Frau und Rosen. Und diese Symbole - das hatte ich in meinem Buch gezeigt, sind sehr eindeutig besetzt, nicht zugunsten der Frauen. Würde sich ein männlicher Autor eines solchen Buchs im Rosengarten ablichten lassen?
Ich versuche, nicht nur in diesem Buch, kompetent zu sein, Wissen und Erfahrung an Mann und Frau zu bringen. Bei meiner Arbeit möchte ich über mein Hirn beurteilt werden, nicht über meinen Lippenstift. Bei Twitter stehe ich für "Brancheninformationen".
Es ist passiert, was ich vermutet habe. Diesmal kamen weniger offene Komplimente, aber auch keine zwielichtigen Follower mehr. Es folgten mir Typen mit Küchenrezepten, Hausfrauenseiten, Gartenzubehör und jede Menge von diesen ekelhaften Verkäufertypen, die einem sogar noch die eigene Großmutter für Geld aufschwatzen wollen. Es veränderte sich merklich etwas in der Kommunikation. Frauen, die sich fachlich weniger beteiligen, wurden plötzlich kommunikativ in Sachen Kuchenbacken und Wetter. Frauen, an denen mir etwas liegt, wurden stiller. Manche Männer nahmen mich einen Tick weniger ernst oder fingen ebenfalls an zu tratschen. Es passierte genau das, was die oben genannte Studie herausstellt - ich kam mir selbst vor, als würde ich ein Dirndl tragen. Fehlte nur noch ein Alias wie "Rosenreserl".
Natürlich passieren einem solche Dinge nicht mit Menschen, mit denen man längerfristig kommuniziert. Die haben sich längst ein Bild gemacht. Aber wollen wir nicht mehr und neues Publikum begeistern? Auch mit dem Sich-ein-Bild-Machen ist das so eine Sache. Kürzlich postete einer aus Firmenumfeld, bei mir abgespeichert als kompetent, seriös, Fachmann, Leader-Persönlichkeit - bei FB ein Privatfoto. Der Tisch vor ihm voll mit Halblitergläsern für Bier, alle ziemlich leer, er selbst lustig und nicht unsympathisch lachend unter Leuten, mit hochrotem, verschwitzten Gesicht. Ich kenne den Mann nicht persönlich und deshalb hinterlassen Fotos einen tieferen Eindruck. Würde ich mit ihm beruflich zu tun bekommen oder ihn womöglich in seinem Firmenumfeld kennenlernen, es stünde fortan immer dieses Bierfoto zwischen uns. Mag sein, dass es eine harmlose Fete war. Mag sein, dass er das nur einigen Verwandten zeigen wollte und seine Privateinstellungen bei FB nicht managen kann. Aber nehme ich diesen Mann noch als Leader und Fachmann war? Im Biertrinken vielleicht ...
In der Karrierebibel gibt es einen sehr lesenswerten Artikel über eine Studie zur Verwendung von Avataren. Aus der Spieleszene sind sie ins Social Web geschwappt, jeder zeigt sich mit Namen oder Alias und eben dem Avatar. Da der Mensch ein Bildermensch ist, orientieren sich die meisten User übrigens am Bild, nicht am Namen. Lesenswert: "Über-Ich - Avatare können reale Persönlichkeiten verändern". Es betrifft alle User und alle User haben Narrenfreiheit, trotz der Nebenwirkungen.
Was aber ist, wenn ich mich professionell im Web bewege? Man kennt ja das Desaster bei der Bewerbung um einen Job, wenn einem das Partybild bei Facebook den Garaus macht, das man aus Versehen der gesamten Öffentlichkeit und damit auch Google präsentiert. Wie aber ist das bei AutorInnen? Viele Kolleginnen und Kollegen nehmen Autorenfotos immer noch nicht ernst und würden sich wahrscheinlich wundern, wie sehr so mancher Schnappschuss die Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit verändert. Wenn die obige Studie stimmt, strahlt das miese Spontanbild aber auch auf ihr Verhalten in der Öffentlichkeit zurück?
Machen wir uns nichts vor: Wer Bücher schreibt, ist heutzutage eine öffentliche Person - und ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Vor allem aber transportiert es sich selbst inzwischen durch das gesamte Internet und hängt dort sozusagen auf immer und ewig in den Caches von Google und Archivwebsites. Dumm nur, dass wir ja manchmal rein professionell und manchmal lieber etwas privat im Web unterwegs sein wollen. Mein Ratschlag wäre trotzdem: Gib dich im Web so, dass du nicht erröten oder es bereuen würdest, wenn das morgen so in der Zeitung gedruckt würde. Das Web verbreitet nämlich noch weiter und noch länger...
Wer professionell etwas erreichen will und womöglich Markenbildung des eigenen Namens anstrebt, darf ruhig auch auf "Corporate Identity" achten - einen Wiedererkennungswert, eine rote Linie, die sich durch alle Selbstdarstellungen hindurch zieht. Es mag vielleicht langweilig erscheinen, aber ich bin nur dann wirklich wiederzuerkennen, wenn ich auf der eigene Website, im Blog, in den Social Media immer das gleiche Foto verwende. Nur Menschen, die man länger "kennt" und mit denen man enger kommuniziert, sind fähig, sehr unterschiedliche Aufnahmen, womöglich noch in sehr verschiedenen Posen mit ein und derselben Person zu verbinden.
Das gilt auch für häufiges Avatarwechseln: Der schnell surfende User "verliert" seine "Bekannten" und muss mühsam nach dem Namen suchen. Ich selbst habe bei extremen Avatarwechseln bis zu einer Woche nach den Leuten gesucht - eine Woche, in denen ich ihre Inhalte nicht wahrgenommen habe. Bei einem professionellen Fotoshooting sucht man meist auch nur drei bis höchstens fünf gelungene Aufnahmen aus. Wer ein Pressefoto hat, sollte sich beim Avatar nicht dafür schämen.
Ganz wichtig beim Avatar: Am besten kommen Portraits. Die meisten Leute surfen nämlich mit Clients - und jeder mit einem anderen. Bei meinem Echofon z.B. erscheinen die Avatare nur wenige Millimeter groß, das Auge erkennt darauf nur grobe Strukturen. Stechnadelköpfe auf komischen Körpern, womöglich mit unruhigem Hintergrund, werden in der Fantasie dann schon einmal zum Wal oder zum Segelschiff. Portraits haben außerdem den Vorteil, dass man das Gefühl hat: Mein Gesprächspartner schaut mich an, sitzt mir gegenüber, nimmt mich ernst.
Natürlich habe ich auch den Test am eigenen Leib gemacht. Ich wollte wissen, ob sich durch die Veränderung meines Avatars die Wahrnehmung meiner Person ändert. Ich habe bei Twitter ein recht schönes Foto mit intensiven Farben eingestellt, auf dem ich verträumt nach oben schaue und etwas schräg präsentiert bin. Ein Foto, auf dem ich mir sehr ähnlich sehe (was auf den wenigsten gelingt) - und wie ich es Freunden und Verwandten schicken würde. Es hagelte Komplimente. Und von denen sollte man sich nicht verführen lassen. Frauen begeisterten sich an den Farben, am Gesicht. Aber auch Männer fanden es toll. Eine Frau vom Fach warnte mich schon, ich habe es aber nicht glauben wollen - das ist bereits das Alarmzeichen...
Plötzlich folgten mir reihenweise recht eindeutige Zeitgenossen und angeblich schreibende Typen, die mit Muskeln, Sport und manchmal auch Zwielichtigem prahlten. Merke: Gewisse Posen, vor allem bei Frauen, sind im Internet ein eindeutiges Zeichen dafür, dass diese Frau dringend etwas sucht ... Auf einem Pferdebuch für Mädchen oder einem Nackenbeißer absolut o.k., wenn die Autorin verträumt nach schräg oben schaut und den Kopf dabei etwas zurücklegt. Im Internet anrüchig und damit sogar rufschädigend. Als die erste männliche Anfrage für einen gemeinsamen Kaffee kam, habe ich das Experiment schleunigst abgebrochen. Übrigens habe ich ohnehin den Eindruck, bei Frauen wird noch sehr viel mehr nach dem äußeren Eindruck geurteilt.
Ich wollte aber dann noch etwas anderes wissen. Einfache Portraits können manchmal ja so langweilig sein. Als Autorin habe ich mit Themen zu tun. Würde sich die Wahrnehmung verändern, wenn ich zwar ein seriöses Gesicht machte, aber den Hintergrund veränderte? Und würde ein Thema meine Persönlichkeit anders darstellen? Ich habe eine Kulturgeschichte über die Rose geschrieben. Beinahe hätte ich mir damals ein Fotoshooting im Rosengarten geleistet. Also fotografierte ich mich vor blühenden Rosen - die Farbkontraste waren apart. Die Wirkung war genau die, warum ich damals auf das Fotoshooting verzichtet habe. Hier kamen nämlich zwei Dinge zusammen: Frau und Rosen. Und diese Symbole - das hatte ich in meinem Buch gezeigt, sind sehr eindeutig besetzt, nicht zugunsten der Frauen. Würde sich ein männlicher Autor eines solchen Buchs im Rosengarten ablichten lassen?
Ich versuche, nicht nur in diesem Buch, kompetent zu sein, Wissen und Erfahrung an Mann und Frau zu bringen. Bei meiner Arbeit möchte ich über mein Hirn beurteilt werden, nicht über meinen Lippenstift. Bei Twitter stehe ich für "Brancheninformationen".
Es ist passiert, was ich vermutet habe. Diesmal kamen weniger offene Komplimente, aber auch keine zwielichtigen Follower mehr. Es folgten mir Typen mit Küchenrezepten, Hausfrauenseiten, Gartenzubehör und jede Menge von diesen ekelhaften Verkäufertypen, die einem sogar noch die eigene Großmutter für Geld aufschwatzen wollen. Es veränderte sich merklich etwas in der Kommunikation. Frauen, die sich fachlich weniger beteiligen, wurden plötzlich kommunikativ in Sachen Kuchenbacken und Wetter. Frauen, an denen mir etwas liegt, wurden stiller. Manche Männer nahmen mich einen Tick weniger ernst oder fingen ebenfalls an zu tratschen. Es passierte genau das, was die oben genannte Studie herausstellt - ich kam mir selbst vor, als würde ich ein Dirndl tragen. Fehlte nur noch ein Alias wie "Rosenreserl".
Natürlich passieren einem solche Dinge nicht mit Menschen, mit denen man längerfristig kommuniziert. Die haben sich längst ein Bild gemacht. Aber wollen wir nicht mehr und neues Publikum begeistern? Auch mit dem Sich-ein-Bild-Machen ist das so eine Sache. Kürzlich postete einer aus Firmenumfeld, bei mir abgespeichert als kompetent, seriös, Fachmann, Leader-Persönlichkeit - bei FB ein Privatfoto. Der Tisch vor ihm voll mit Halblitergläsern für Bier, alle ziemlich leer, er selbst lustig und nicht unsympathisch lachend unter Leuten, mit hochrotem, verschwitzten Gesicht. Ich kenne den Mann nicht persönlich und deshalb hinterlassen Fotos einen tieferen Eindruck. Würde ich mit ihm beruflich zu tun bekommen oder ihn womöglich in seinem Firmenumfeld kennenlernen, es stünde fortan immer dieses Bierfoto zwischen uns. Mag sein, dass es eine harmlose Fete war. Mag sein, dass er das nur einigen Verwandten zeigen wollte und seine Privateinstellungen bei FB nicht managen kann. Aber nehme ich diesen Mann noch als Leader und Fachmann war? Im Biertrinken vielleicht ...
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6/30/2011 02:32:00 nachm.
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Foto,
Kunst und Kultur,
Schreiben,
Sinnesreisen
29.06.2011
Werbespots im Buch
29.06.2011
1
Endlich bin ich wieder wahrhaft Mensch - ich schreibe. Der Auftraggeber will es ganz modern haben, multimedial, sagt er.
Der Auftrag: Werbung im Buch schalten, richtig fett zwischen die Kapitel in die Pinkelpausen setzen. Kurz genug, sie zumindest subliminal mitzubekommen, bevor man noch auf dem Klo ist. Packend, überzeugend, naja ... Werbesprech eben.
Zuerst habe ich mich gewehrt. Werbung in einem Buch? Kaufgedöns zwischen hochliterarischen Zeilen? Verneoliberalikapitalisierung der Kultur? Ausverkauf der Schriftsteller? - Aber so eine Schriftstellerin braucht auch Butter aufs Brot. Unsereins ist käuflich. Unsereins schreibt sogar für Mammon. Und dann hat mich ja die Vorgabe gereizt. Multimedial im Buch! Und das ganz ohne i-pad und Technikgedöns, nur in vier und ein paar mehr Buchstaben. Ohne Zeichnungen, Grafiken, Videos und mp-Dingens. Nur schwarze Kunst. Man soll die Werbespots lesen, ok. Man soll den Film aber auch sehen. Und vor allem soll man ihn hören. Eine echte Herausforderung.
Ich schwöre, ich war sturznüchtern, als ich den ersten Spot abdrehte, pardon, herunterschrieb. Beim zweiten möchte ich gern noch Geruch einbauen. Bücher sind schließlich geduldig.
Werbeunterbrechung
Knallrot abgefilterte Gesamtaufnahme des Kreml. Quietschbunte Zwiebeltürmchen. Scharfe Schnitte auf eine quietschbesoffene Frau mit blonder Zwiebelturmfrisur. Wieder der Kreml, regengewaschen, Pfützen davor. Der Kopf der Frau in einer Pfütze auf blank poliertem Kneipentisch.
Mühsam hebt sie den Kopf und eine Flasche ins Bild. Noch mühsamer lächelt sie, hebt dazu ein Glas und flüstert:
„Wwwodka Med... Medwed... nur den echten guten Medizin, glucks, MedwedMedwod, äh Wwwwoddd..., hicks, Wodka Medwed... also ich, glucks, hicks, trinke nur den echten Wodjew Medwedka!“
Totale auf eine Pfütze, in der sich der Kreml spiegelt.
Der Auftrag: Werbung im Buch schalten, richtig fett zwischen die Kapitel in die Pinkelpausen setzen. Kurz genug, sie zumindest subliminal mitzubekommen, bevor man noch auf dem Klo ist. Packend, überzeugend, naja ... Werbesprech eben.
Zuerst habe ich mich gewehrt. Werbung in einem Buch? Kaufgedöns zwischen hochliterarischen Zeilen? Verneoliberalikapitalisierung der Kultur? Ausverkauf der Schriftsteller? - Aber so eine Schriftstellerin braucht auch Butter aufs Brot. Unsereins ist käuflich. Unsereins schreibt sogar für Mammon. Und dann hat mich ja die Vorgabe gereizt. Multimedial im Buch! Und das ganz ohne i-pad und Technikgedöns, nur in vier und ein paar mehr Buchstaben. Ohne Zeichnungen, Grafiken, Videos und mp-Dingens. Nur schwarze Kunst. Man soll die Werbespots lesen, ok. Man soll den Film aber auch sehen. Und vor allem soll man ihn hören. Eine echte Herausforderung.
Ich schwöre, ich war sturznüchtern, als ich den ersten Spot abdrehte, pardon, herunterschrieb. Beim zweiten möchte ich gern noch Geruch einbauen. Bücher sind schließlich geduldig.
Werbeunterbrechung
Knallrot abgefilterte Gesamtaufnahme des Kreml. Quietschbunte Zwiebeltürmchen. Scharfe Schnitte auf eine quietschbesoffene Frau mit blonder Zwiebelturmfrisur. Wieder der Kreml, regengewaschen, Pfützen davor. Der Kopf der Frau in einer Pfütze auf blank poliertem Kneipentisch.
Mühsam hebt sie den Kopf und eine Flasche ins Bild. Noch mühsamer lächelt sie, hebt dazu ein Glas und flüstert:
„Wwwodka Med... Medwed... nur den echten guten Medizin, glucks, MedwedMedwod, äh Wwwwoddd..., hicks, Wodka Medwed... also ich, glucks, hicks, trinke nur den echten Wodjew Medwedka!“
Totale auf eine Pfütze, in der sich der Kreml spiegelt.
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6/29/2011 03:36:00 nachm.
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28.06.2011
Versuch macht kluch
28.06.2011
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Die Reihe "Ich bastle ein Buch" wäre weder komplett noch ehrlich, wenn ich nicht auch über die eigene Dummheit berichten würde. Die kann Selbstverleger wie Indies gleichermaßen befallen und vor allem verlagsverwöhnte Autoren sind offensichtlich nicht davor gefeit. Fahnen sind nämlich nicht gleich Fahnen.
Was wir im Verlagsgeschäft "endkorrigieren", ist so eine Art Vorstufe der Vorstufe und sieht nur so aus wie ein gedrucktes Buch. Zehn Prozent Korrekturen darf man sich großzügig erlauben und ruhig schlafen, weil die Lektorin auch noch einmal über das Epos schaut. Bis das als Druckmaster in der Druckmaschine landet, ist noch viel möglich. Das "imprimatur" unter solchen Fahnen ist nicht mehr als ein Bonbon fürs eigene Ego - die eigentliche Druckfreigabe macht der Verlag.
Tja, ich hatte also nun den Aushänger im Haus, fand natürlich noch klitzekleine Fehler. Und weil ich dazu eh ans pdf musste, glättete und schönte ich auch noch ein paar Satzschwächen hinweg. Schickte das korrigierte pdf ein, schrieb eine Druckfreigabe und dachte, das wäre es. Denkste.
Ich hatte vergessen, dass ich mich mit meiner Arbeit längst kurz vor der Druckmaschine befand. "Fahnen" wäre das gewesen, was ich im eigenen Computer hatte. Nun bekomme ich noch einmal einen Aushänger, denn die Druckdaten haben sich ja geändert. Damit das diesmal keinen abenteuerlichen Weg über Paris nimmt, lasse ich mir die Daten online übertragen und - prüfe ein letztes, allerletztes Mal am Bildschirm, ob meine Korrekturen auch brav in der Maschine gelandet sind. Aber dann...
Merke: Der Aushänger sollte perfekt sein. Der Aushänger ist keine Fahne. Fahnenkorrektur ist vorher. Und Druckfreigabe beim Eigenbau-Buch ist echt, wirklich ganz echt der Befehl zum Anlaufen der Maschinen. Nicht das Bonbongetue, das man im Verlag erlebt, wo man virtuell so tun darf, als hätte man die Macht...
Auch in meinem Alter lernt man noch dazu: Das Drücken auf den roten Knopf will gelernt sein!
Was wir im Verlagsgeschäft "endkorrigieren", ist so eine Art Vorstufe der Vorstufe und sieht nur so aus wie ein gedrucktes Buch. Zehn Prozent Korrekturen darf man sich großzügig erlauben und ruhig schlafen, weil die Lektorin auch noch einmal über das Epos schaut. Bis das als Druckmaster in der Druckmaschine landet, ist noch viel möglich. Das "imprimatur" unter solchen Fahnen ist nicht mehr als ein Bonbon fürs eigene Ego - die eigentliche Druckfreigabe macht der Verlag.
Tja, ich hatte also nun den Aushänger im Haus, fand natürlich noch klitzekleine Fehler. Und weil ich dazu eh ans pdf musste, glättete und schönte ich auch noch ein paar Satzschwächen hinweg. Schickte das korrigierte pdf ein, schrieb eine Druckfreigabe und dachte, das wäre es. Denkste.
Ich hatte vergessen, dass ich mich mit meiner Arbeit längst kurz vor der Druckmaschine befand. "Fahnen" wäre das gewesen, was ich im eigenen Computer hatte. Nun bekomme ich noch einmal einen Aushänger, denn die Druckdaten haben sich ja geändert. Damit das diesmal keinen abenteuerlichen Weg über Paris nimmt, lasse ich mir die Daten online übertragen und - prüfe ein letztes, allerletztes Mal am Bildschirm, ob meine Korrekturen auch brav in der Maschine gelandet sind. Aber dann...
Merke: Der Aushänger sollte perfekt sein. Der Aushänger ist keine Fahne. Fahnenkorrektur ist vorher. Und Druckfreigabe beim Eigenbau-Buch ist echt, wirklich ganz echt der Befehl zum Anlaufen der Maschinen. Nicht das Bonbongetue, das man im Verlag erlebt, wo man virtuell so tun darf, als hätte man die Macht...
Auch in meinem Alter lernt man noch dazu: Das Drücken auf den roten Knopf will gelernt sein!
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6/28/2011 06:22:00 nachm.
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corpus libris
Emily Pullen ist Indie-Buchhandlerin in Los Angeles und hatte eines Tages im Laden eine geniale Idee: Sie fotografierte Buchcover am Körper.
Inzwischen ist daraus eine Mitmachaktion für Leserinnen und Leser geworden, die besten Fotos werden im Blog "Corpus Libris" vorgestellt (via @ju_les). Diese Inszenierungen muss man einfach gesehen haben! Übrigens ließen sich daraus fantastische Werbeaktionen in den Social Media machen, liebe Verlage und Buchhändler.
Ob das mit deutschen Covers auch funktioniert? Aber klar doch, jetzt wissen wir endlich, warum ein ganzes Genre Frauen den Kopf abschneidet!
Inzwischen ist daraus eine Mitmachaktion für Leserinnen und Leser geworden, die besten Fotos werden im Blog "Corpus Libris" vorgestellt (via @ju_les). Diese Inszenierungen muss man einfach gesehen haben! Übrigens ließen sich daraus fantastische Werbeaktionen in den Social Media machen, liebe Verlage und Buchhändler.
Ob das mit deutschen Covers auch funktioniert? Aber klar doch, jetzt wissen wir endlich, warum ein ganzes Genre Frauen den Kopf abschneidet!
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PvC
um
6/28/2011 12:15:00 nachm.
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Buch,
der ganz normale Wahnsinn,
Foto,
Grenzgänger,
Grenzgängereien,
Kunst,
Kunst und Kultur,
Sinnesreisen
27.06.2011
Alte Büsche, neue Zeiten
27.06.2011
2
Während ich mich altmodisch mit einem Manuskript beschäftigte, drehte sich draußen die Bücherwelt weiter. Man könnte das ganz grob so auf den Punkt bringen: Viele Verlage und der Buchhandel bekommen kalte Füße vor der Zukunft, weil der Sog der Veränderungen anscheinend nicht nur langsam über den großen Teich schwappt, sondern kaum noch weggeträumt werden kann.
Zeit, innezuhalten und zurückzuschauen. Das Branchenblog Future-e-Book erinnert an die "guten alten" Zeiten, als Penguin für Jack Kerouac tüchtig auf den Busch klopfen musste, pardon, die Werbetrommel rühren. Komisch zu lesen, dass man sich früher genauso einen abzappeln musste, um ein Buch bekannt zu machen wie heute. Technisch gesehen sind ein paar Büsche dazugewachsen und Verlage haben es schwerer, "eine Stimme fürs Buch" zu entwickeln. Wer sich durchliest, wie man das verwöhnte Publikum heute auf unterschiedlichen Kanälen erreicht, wird schnell feststellen: Entweder müssen die Verlage wieder lernen, Bücher einzeln und individuell zu betreuen (mit neuen Fachleuten) - oder Autoren haben eindeutig die besseren Karten in der Hand. Sie wissen nämlich, wie man mit Lesern über ein Buch kommuniziert. Man könnte verwegen auf die Idee kommen, Verlage könnten Autoren eines Tages für deren Social-Media-Arbeit bezahlen ... wäre doch nur gerecht, oder?
Auf einen Kanal, der selbst ein Buch sein kann, bezieht sich die New York Times in ihrem Beitrag "Using E-Books to sell More Print Versions". Die Jünger des Gutenberg'schen Universums werden aufschreien, aber tatsächlich könnten E-Books gedruckte Bücher fördern, anstatt sie auszulöschen. Die Promotion des Verlags Algonquin ist so einfach wie wirkungsvoll und soll sogar den Buchhandel unterstützen. Nicht ganz einfach nachzumachen im genauestens regulierten Deutschland - da ist Fantasie gefragt. Aber die Kunden schreien eigentlich längst nach einer Bündlung von E und Print.
Nachdenklich fragt the Utopianist, ob Crowdfunding eine Möglichkeit wäre, Autoren in der Indie-Szene zu Geld und Brot zu verhelfen. Nicht jeder Autor hat es drauf, seinem Publikum die richtigen Extras zu bieten oder überhaupt eine Community zu bewegen, aber es kann sogar hierzulande funktionieren, wie das Beispiel von Andrea Kamphuis zeigt. Der Blogger sieht jedoch eine Gefahr durch die erfolgreichen Selbermacher - Verlage könnten sich in Zukunft auf den Lorbeeren ausruhen und gleich mal vorfiltern. Man müsste dann vielleicht nicht nur ein gutes Manuskript heranschaffen, sondern auch eine große Community und womöglich sogar eine Teilfinanzierung? Bevor Verlage derart ihre eigenen Aufgaben vergessen, schlage ich doch einen Alternativweg vor: Warum bemühen sich eigentlich nicht die oft an Finanzen knappen Verlage um Crowdfunding? Wäre eine schöne Gelegenheit, das eigene Zielpublikum kennenzulernen und das Verlagsprofil zu schärfen.
Bleiben wir beim schnöden Mammon. Publishing Perspectives befasst sich mit einem hochinteressanten Phänomen, das sich derzeit bei großen Verlagen ausdünnt, aber in der Indie-Szene wächst. Die Midlist-Autoren. Zu Recht kreidet die Autorin den Medien und Blogs an, dass mit Meldungen über die superreichen Selbstverleger eine künstliche Blase geschaffen wird, die bei näherer Betrachtung genauso platzt wie im Verlagsbetrieb: Diese Leute sind eine verschwindende Minderheit, die aber wie die Sau durch die Medien getrieben wird. Wie aber steht es nun um Autoren, die mit ihren Büchern vielleicht ein Monatsgehalt von 1500 Dollar erwirtschaften? Und wie viel verdienen einige Kindle-Autoren im Schnitt? Die vorgelegten Rechenexempel sind nicht sehr repräsentativ, dazu fehlt die Masse, aber sie zeigen doch einen deutlichen Trend. Wenn er sich bewahrheitet, dann heißt das, dass Indie-Autoren in ein paar Jahren von ihren Büchern leben könnten. Und es heißt jetzt schon, dass man als Indie-Autor durchaus Lizenzen in andere Länder verkaufen oder bei Verlagsanfragen höhere Vorschüsse aushandeln kann. Schließlich hat man gezeigt, was man wert ist, wenn das Buch läuft.
Wer sich für weitere Themen dieser Art mit dem Schwerpunkt Self-Publishing interessiert, Holger Ehling hat bei Facebook gerade die neue Gruppe Self Publishing gegründet.
Und brand eins bringt die letzten News, was in der Nachbarschaft derzeit abgeht, nämlich in der Musikbranche mit ihren Verkaufsmodellen. Den Artikel sollte man mit sehr langer Neugiernase lesen, bekanntlich hinkt die Buchbranche gerade der Musikbranche hinterher. Indies können sich eine ganze Menge Ideen abschauen.
Und morgen ist Sonntag. Da habe ich nämlich frei.
Zeit, innezuhalten und zurückzuschauen. Das Branchenblog Future-e-Book erinnert an die "guten alten" Zeiten, als Penguin für Jack Kerouac tüchtig auf den Busch klopfen musste, pardon, die Werbetrommel rühren. Komisch zu lesen, dass man sich früher genauso einen abzappeln musste, um ein Buch bekannt zu machen wie heute. Technisch gesehen sind ein paar Büsche dazugewachsen und Verlage haben es schwerer, "eine Stimme fürs Buch" zu entwickeln. Wer sich durchliest, wie man das verwöhnte Publikum heute auf unterschiedlichen Kanälen erreicht, wird schnell feststellen: Entweder müssen die Verlage wieder lernen, Bücher einzeln und individuell zu betreuen (mit neuen Fachleuten) - oder Autoren haben eindeutig die besseren Karten in der Hand. Sie wissen nämlich, wie man mit Lesern über ein Buch kommuniziert. Man könnte verwegen auf die Idee kommen, Verlage könnten Autoren eines Tages für deren Social-Media-Arbeit bezahlen ... wäre doch nur gerecht, oder?
Auf einen Kanal, der selbst ein Buch sein kann, bezieht sich die New York Times in ihrem Beitrag "Using E-Books to sell More Print Versions". Die Jünger des Gutenberg'schen Universums werden aufschreien, aber tatsächlich könnten E-Books gedruckte Bücher fördern, anstatt sie auszulöschen. Die Promotion des Verlags Algonquin ist so einfach wie wirkungsvoll und soll sogar den Buchhandel unterstützen. Nicht ganz einfach nachzumachen im genauestens regulierten Deutschland - da ist Fantasie gefragt. Aber die Kunden schreien eigentlich längst nach einer Bündlung von E und Print.
Nachdenklich fragt the Utopianist, ob Crowdfunding eine Möglichkeit wäre, Autoren in der Indie-Szene zu Geld und Brot zu verhelfen. Nicht jeder Autor hat es drauf, seinem Publikum die richtigen Extras zu bieten oder überhaupt eine Community zu bewegen, aber es kann sogar hierzulande funktionieren, wie das Beispiel von Andrea Kamphuis zeigt. Der Blogger sieht jedoch eine Gefahr durch die erfolgreichen Selbermacher - Verlage könnten sich in Zukunft auf den Lorbeeren ausruhen und gleich mal vorfiltern. Man müsste dann vielleicht nicht nur ein gutes Manuskript heranschaffen, sondern auch eine große Community und womöglich sogar eine Teilfinanzierung? Bevor Verlage derart ihre eigenen Aufgaben vergessen, schlage ich doch einen Alternativweg vor: Warum bemühen sich eigentlich nicht die oft an Finanzen knappen Verlage um Crowdfunding? Wäre eine schöne Gelegenheit, das eigene Zielpublikum kennenzulernen und das Verlagsprofil zu schärfen.
Bleiben wir beim schnöden Mammon. Publishing Perspectives befasst sich mit einem hochinteressanten Phänomen, das sich derzeit bei großen Verlagen ausdünnt, aber in der Indie-Szene wächst. Die Midlist-Autoren. Zu Recht kreidet die Autorin den Medien und Blogs an, dass mit Meldungen über die superreichen Selbstverleger eine künstliche Blase geschaffen wird, die bei näherer Betrachtung genauso platzt wie im Verlagsbetrieb: Diese Leute sind eine verschwindende Minderheit, die aber wie die Sau durch die Medien getrieben wird. Wie aber steht es nun um Autoren, die mit ihren Büchern vielleicht ein Monatsgehalt von 1500 Dollar erwirtschaften? Und wie viel verdienen einige Kindle-Autoren im Schnitt? Die vorgelegten Rechenexempel sind nicht sehr repräsentativ, dazu fehlt die Masse, aber sie zeigen doch einen deutlichen Trend. Wenn er sich bewahrheitet, dann heißt das, dass Indie-Autoren in ein paar Jahren von ihren Büchern leben könnten. Und es heißt jetzt schon, dass man als Indie-Autor durchaus Lizenzen in andere Länder verkaufen oder bei Verlagsanfragen höhere Vorschüsse aushandeln kann. Schließlich hat man gezeigt, was man wert ist, wenn das Buch läuft.
Wer sich für weitere Themen dieser Art mit dem Schwerpunkt Self-Publishing interessiert, Holger Ehling hat bei Facebook gerade die neue Gruppe Self Publishing gegründet.
Und brand eins bringt die letzten News, was in der Nachbarschaft derzeit abgeht, nämlich in der Musikbranche mit ihren Verkaufsmodellen. Den Artikel sollte man mit sehr langer Neugiernase lesen, bekanntlich hinkt die Buchbranche gerade der Musikbranche hinterher. Indies können sich eine ganze Menge Ideen abschauen.
Und morgen ist Sonntag. Da habe ich nämlich frei.
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PvC
um
6/27/2011 07:25:00 nachm.
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Hurenkinder und Schusterjungen in hohlen Gassen
Bisher glaubte ich, ich könne bei zu viel Buchkonsum irgendwann keine Buchstaben mehr sehen. Heute geht es mir genau andersherum: Man zeige mir noch einen einzigen zu breit geratenen Zwischenraum, ein überflüssiges Loch - und ich schreie. Nun ja, ganz so schlimm ist es nicht. Aber nachdem ich nun eh noch ein paar lächerliche Korrekturen in den Buchsatz eintragen musste, habe ich mir letzteren auch noch einmal zur Brust genommen. Hurenkinder und Schusterjungen gibt's bei mir ja normalerweise nicht, da bin ich berufsallergisch. Aber man kann das pdf selbst ausdrucken, trotzdem sieht man die Feinheiten in der Typografie der wirklich gedruckten Fassung einfach nicht so genau. Der Aushänger bringt es an den Tag - weswegen ich nie mit einem Hersteller arbeiten würde, der keinen liefert (ja, das gibt es).
Also habe ich noch einmal fleißig herumspationiert (moderne Menschen sagen "spacing") und kam mir vor wie der Gänsehirt, der seine Wortgänschen brav in Reihe zwingt. Auch immer wieder schön: hohle Gassen. Ich wusste zwar, dass man das sieht, wenn man einen Text von weitem anschaut oder vor Überarbeitung leicht schielt. Es sieht einfach unfein aus. Was ich nicht kannte, war jedoch die Gefahr, der ich meine Leser damit aussetzen würde: Sie können in Textgassen regelrecht die Seite herunterstürzen!
Gassen bilden sich, wenn in mehreren Zeilen Wortabstände genau untereinander sitzen oder diagonal laufen. Wenn man mit Spationieren nicht weiterkommt, hilft Tricksen mit kleinen Wörtern. Eine Wonne, wenn man im Fremdtext, etwa bei einem Interview, tricksen muss. Da hilft nicht jedes Wort! Unauffällig muss es sein, darf den Text nicht verändern, aber auch nicht so floskelhaft sein, dass der Interviewte sich beschwert, er würde solche hohlen Wörter nie benutzen. Und das alles nur gegen hohle Gassen ...
Nun hoffe ich, das Schlimmste bereinigt zu haben, soweit Word das zulässt. Noch viel mehr hoffe ich, durch die Korrekturen nicht neue Fehler einkorrigiert zu haben (don't touch running systems). Auf der anderen Seite bin ich riesig stolz: In meiner gesamten Autorenlaufbahn hatte ich noch niemals derart fehlerfreie Fahnen, noch nie, von keinem Verlag. Allerdings liegt das auch nur daran, dass Arbeit aus einer einzigen Hand gewisse Fehlerquellen durch Übertragungswege ausschließt. Aber das ist im Verlag gar nicht machbar.
Und nun sehe ich alles, was nicht perfekt ist, noch deutlicher.
Vorhin schlug ich ein Buch von Suhrkamp auf und fand unschöne Blocksatz-Spationierungen in letzten Absatzzeilen. In einem Krimi von Piper fiel ich einen ganzen Absatz lang durch eine Gasse. Irgendein Verlag sparte sich Einrückungen, krampfte aber mit niedlichen Kapitälchen. Ich will meine alten Augen zurück!
Merkt jemand etwas? Ich rede mir nur meine Angst schön. Ich kann die korrigierte Datei nicht noch einmal korrigieren. Irgendwann ist Schluss. Irgendwann muss man mit dem dämlichen Abstand auf Seite X leben, den man ja nur vergrößert hatte, damit kein Hurenkind weint ... Irgendwann muss man sich sagen, dass gleich der erste Leser einen Druckfehler finden wird, den alle Beteiligten vorher gemeinsam überlesen haben.
Und irgendwann ist sogar die 30,96 MB-Datei in die Herstellung übertragen.
Was ich damit sagen will: Ich habe das Imprimatur erteilt. JETZT.
Rien ne va plus.
In einer Woche etwa - so das Sortiment nicht schnarcht - kann man den Nijinsky bestellen. Ähm, toitoitoi!
Also habe ich noch einmal fleißig herumspationiert (moderne Menschen sagen "spacing") und kam mir vor wie der Gänsehirt, der seine Wortgänschen brav in Reihe zwingt. Auch immer wieder schön: hohle Gassen. Ich wusste zwar, dass man das sieht, wenn man einen Text von weitem anschaut oder vor Überarbeitung leicht schielt. Es sieht einfach unfein aus. Was ich nicht kannte, war jedoch die Gefahr, der ich meine Leser damit aussetzen würde: Sie können in Textgassen regelrecht die Seite herunterstürzen!
Gassen bilden sich, wenn in mehreren Zeilen Wortabstände genau untereinander sitzen oder diagonal laufen. Wenn man mit Spationieren nicht weiterkommt, hilft Tricksen mit kleinen Wörtern. Eine Wonne, wenn man im Fremdtext, etwa bei einem Interview, tricksen muss. Da hilft nicht jedes Wort! Unauffällig muss es sein, darf den Text nicht verändern, aber auch nicht so floskelhaft sein, dass der Interviewte sich beschwert, er würde solche hohlen Wörter nie benutzen. Und das alles nur gegen hohle Gassen ...
Nun hoffe ich, das Schlimmste bereinigt zu haben, soweit Word das zulässt. Noch viel mehr hoffe ich, durch die Korrekturen nicht neue Fehler einkorrigiert zu haben (don't touch running systems). Auf der anderen Seite bin ich riesig stolz: In meiner gesamten Autorenlaufbahn hatte ich noch niemals derart fehlerfreie Fahnen, noch nie, von keinem Verlag. Allerdings liegt das auch nur daran, dass Arbeit aus einer einzigen Hand gewisse Fehlerquellen durch Übertragungswege ausschließt. Aber das ist im Verlag gar nicht machbar.
Und nun sehe ich alles, was nicht perfekt ist, noch deutlicher.
Vorhin schlug ich ein Buch von Suhrkamp auf und fand unschöne Blocksatz-Spationierungen in letzten Absatzzeilen. In einem Krimi von Piper fiel ich einen ganzen Absatz lang durch eine Gasse. Irgendein Verlag sparte sich Einrückungen, krampfte aber mit niedlichen Kapitälchen. Ich will meine alten Augen zurück!
Merkt jemand etwas? Ich rede mir nur meine Angst schön. Ich kann die korrigierte Datei nicht noch einmal korrigieren. Irgendwann ist Schluss. Irgendwann muss man mit dem dämlichen Abstand auf Seite X leben, den man ja nur vergrößert hatte, damit kein Hurenkind weint ... Irgendwann muss man sich sagen, dass gleich der erste Leser einen Druckfehler finden wird, den alle Beteiligten vorher gemeinsam überlesen haben.
Und irgendwann ist sogar die 30,96 MB-Datei in die Herstellung übertragen.
Was ich damit sagen will: Ich habe das Imprimatur erteilt. JETZT.
Rien ne va plus.
In einer Woche etwa - so das Sortiment nicht schnarcht - kann man den Nijinsky bestellen. Ähm, toitoitoi!
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PvC
um
6/27/2011 03:27:00 nachm.
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Buch,
Buchmacherei,
Ich bastle ein Buch,
Nijinsky,
Schreiben
26.06.2011
overload
26.06.2011
2
Eimerweise Tee der Marke "Ich hau dich zum Mars", Butterbrote mit dick Buchweizenhonig zwischendurch, und jetzt tränende Augen, galoppierende Gähnanfälle und Schüttelfrost bei über 30 Grad, dazu Orientierungsprobleme in Zeit und Raum - das kann nur eines heißen: Die Fahnen sind korrigiert.
Bevor mir jetzt zugejubelt wird: nur auf dem Papier. Morgen früh muss ich die Korrekturen in den Satz einarbeiten und das gesamte Buch noch einmal in ein druckfertiges pdf umwandeln. In der Hoffnung, es passieren dabei nicht wieder so herrliche Unfälle wie beim ersten Mal. Und dann wird das Ganze wieder in den Verlag genudelt ... und dann und dann ... Warum habe ich nicht auf meine Eltern gehört und einen "anständigen Beruf" gelernt!?!
Bevor mir jetzt zugejubelt wird: nur auf dem Papier. Morgen früh muss ich die Korrekturen in den Satz einarbeiten und das gesamte Buch noch einmal in ein druckfertiges pdf umwandeln. In der Hoffnung, es passieren dabei nicht wieder so herrliche Unfälle wie beim ersten Mal. Und dann wird das Ganze wieder in den Verlag genudelt ... und dann und dann ... Warum habe ich nicht auf meine Eltern gehört und einen "anständigen Beruf" gelernt!?!
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6/26/2011 06:50:00 nachm.
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24.06.2011
Indianertanz
24.06.2011
0
Schon bemerkt? Nebenan im Nijinsky-Blog wird gejubelt:
Jubelschrei von Paris bis Petersburg
Jubelschrei von Paris bis Petersburg
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6/24/2011 01:31:00 nachm.
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Ballets Russes,
Ballett,
der ganz normale Wahnsinn,
Literatur,
Nijinsky
23.06.2011
Kann das Buch ein Prinzip sein?
23.06.2011
7
Der Börsenverein hat den Slogan vom "Prinzip Buch" ausgerufen, um ... ja, um was eigentlich? Klar ist schon einmal, dass der Slogan zum neuen Logo gehört und damit zum Corporate Design. Also hat er auch etwas mit der Zukunft des Verbands zu tun - und mit der Zukunft des Buchs, wie sie dieser sieht. Alles verstanden? Macht nichts, auch andere Leute aus der Buchbranche versuchen, das Geheimnis zu durchdringen, z.B. Wibke Ladwig und Wenke Richter bem BuchCamp 2011 oder der Berater Leander Wattig in seinem Blog. Eine Gruppe bei Facebook diskutiert derzeit, ob "Buch" überhaupt der richtige Begriff sei, wenn sich immer mehr multimediale Inhalte und Formen ins Buch schleichen.
Dabei könnte alles so einfach sein. Es gibt nämlich ein eigenes Buch-Genre, das uns zwischen zwei Pappdeckeln oder auf dem Bildschirm die Welt vereinfacht und auf Formeln herunterbricht, erkennbar am "Prinzip" im Titel. Klangvoll heißt das dann "das Uschi- oder Peter-Prinzip"; aber auch "Eva", "Aida" und "Lola" tummeln sich als Welterklärer. All diesen Büchern ist eines gemeinsam: Sie behaupten, komplexe lebendige Systeme ließen sich mit der Kenntnis einer Geheimformel - dem Prinzip - beherrschen und je nach Gusto des Prinzipientreuen lenken. Und der sammelt dann seine Getreuen um sich, die Anhänger des Prinzips, um Macht auszuüben und jede Menge Cash zu machen. Das kann es aber doch auch nicht sein beim "Prinzip Buch", oder?
Sogar Wörterbücher lassen einen im Regen stehen (z.B. hier oder hier). Sucht der Börsenverein nach einem Grundsatz oder Leitsatz, dem alles unterzuordnen ist? Sucht man einen Maßstab zum Handeln, eine Grundidee, auf der man aufbaut? Geht es um eine allgemeine Leitlinie oder Denkschule? Hat man gar schon ein Ergebnis? Will man eine Gesetzmäßigkeit postulieren oder eine allgemeine Grundregel, nach der sich alle zu richten haben? Hoppla, schon wieder ein Denkfehler! Wenn es ein Slogan ist, sucht man nicht mehr, dann hat man bereits gefunden und ist sich der Sache gewiss. Oder der Slogan funktioniert nicht. Das wollen wir gar nicht erst andenken! Warum aber muss man dann so um die Begriffe ringen und diskutieren?
Ich habe einen bösen Verdacht. Es ist nicht das Wort "Buch", das bei diesem Slogan missverständlich und interpretierbar ist. Es ist das Wort "Prinzip", das nicht passt.
Als Autorin habe ich in Sachen Buch einen anderen Ansatz und stelle deshalb eine Hypothese in den Raum: "Buch" in jeder nur denkbaren Form (auch aus Papier) kann nicht eindimensional gedacht werden und darum auch nie zum Prinzip werden.
Ein Buch hat mindestens zwei Dimensionen, die sich zwar überschneiden oder berühren können, die sich aber auch widersprechen:
1. Dimension:
Das Buch ist ein lebendiger Organismus, eine eigene Galaxie intellektueller Schöpfung, die sich in ständiger Bewegung, Entwicklung (durch Einfluss auf andere) und Interaktion mit Menschen befindet.
Schöpfungsimmanent sind Zufälle, Unerklärbarkeiten, Unfassbares. Bücher wirken ein, beeinflussen, berühren, verändern, auf völlig unterschiedlichen Ebenen - vom Anreichern von Wissen bis zu menschlichen Emotionen.
Der schöpferische Ansatz sucht für die Inhalte die adäquate Form von der literarischen Ebene bis zur Verpackung: Die Story über einen sterbenden Baum kann zum Gedicht (gereimt oder ungereimt, in traditioneller Form oder frei), Roman oder Umweltsachbuch werden. Das Gedicht sucht vielleicht die Geschenkausgabe in Büttenpapier, das Sachbuch wird interaktives E-Book. Einen Inhalt automatisch durch alle Verpackungen zu jagen, wird dem Inhalt nicht gerecht. Jeder weiß, dass sich manche Texte nicht gut anhören (Hörbuch), Gedichte auf Papier anders wirken als am Bildschirm, ein Fachbuch mit Bilderbuchaufmachung Blödsinn wäre.
Autoren suchen nach der adäquaten Idealform für einen Text, benutzen technische Möglichkeiten als Vehikel und formten darum auch in der Vergangenheit die äußeren Darstellungsarten ihrer Kunst. Mit dem Aufkommen des Massendrucks im 19. Jahrhundert begann die schleichende Entmündigung der Schöpfer: Verlage hielten eigene Genres für Frauen bereit, ließen Autoren am Fließband Fortsetzungstexte produzieren, steckten Inhalte in die gefragtesten Verpackungen. Nicht nur Thomas Mann machte sich darum viele Gedanken um das Verhältnis von Form und Inhalt - ein Verhältnis, das eigentlich der Künstler bestimmen muss. Wie weit haben wir uns davon entfernt!
Nichtsdestotrotz, die Dimension des Buchs als lebendiger Organismus widerspricht der Findung eines Prinzips. Niemand hat bisher eine Weltenformel, eine Formel fürs Leben oder auch nur eine Bestsellerformel gefunden.
2. Dimension
Bliebe die andere Dimension, die den Börsenverein eher interessieren dürfte: das Buch als Ware, als technisch hergestelltes und gegen Geld gehandeltes Etwas in unterschiedlichen Formen. Die Ware Buch ist berechenbar, abgeschlossen, fest definierbar wie ein Shampoo gegen fettige Haare oder Hühneraugensalbe. Kundenreaktionen werden messbar, weil man innere und kulturelle Abläufe ausklammern kann. Die Inhalte selbst befinden sich sozusagen im Verpuppungszustand - da bewegt sich nichts mehr.
Der technokratische Ansatz kehrt den schöpferischen Ansatz um: Nicht mehr der Schöpfer ringt um die Form. Alle anderen am Buchmarkt Beteiligten, die mit der Ware Buch und den Schöpfungen der Urheber Geld verdienen, schaffen jetzt die Formen, in die geeigneter Inhalt eingepasst werden soll. Es braucht nicht mehr freie Schöpfer, sondern Auftragsschreiber, Contentzulieferer. Und schließlich passiert genau das Gleiche wie mit dem Shampoo: Man konstruiert ein angebliches Zielpublikum und manipuliert es dahingehend, gegen fettiges Haar nur noch das gehypte Shampoo mit Orangenduft zu kaufen. Orangenduft-Autoren haben dann eine Weile Konjunktur. In dieser Dimension funktioniert die Lehre von einem Prinzip perfekt bis zur Sollerfüllung...
Ich versuche die ganze Zeit herauszufinden, warum ich bei solchen Diskussionen ein äußerst unbehagliches Gefühl habe - das "Prinzip Buch" ist ja nur ein winziges Symptom dessen, wie derzeit über das nachgedacht wird, was manchen eine Ware und anderen (Autoren und Lesern) Leben bedeutet. (Gedanken zum Kapitalismus der Jetztzeit drängen sich nicht zufällig auf). Hier sollen Weichen für ein Kulturgut gestellt werden, für ein ganzes Spektrum von Kunst, die in den gleichen Beutel gepackt wird wie das Uschi-Prinzip, das Buch über die Bekämpfung von Fußschweiß oder Dieter Bohlens Auslassungen.
Mir fallen dazu spontan zwei Dinge ein.
Zum einen die in Frankreich hochpolitische Aussteigerbewegung etablierter SchriftstellerInnen aus dem üblichen Verlags- und Buchhandelsbetrieb, über die ich bereits berichtet hatte. Diese Leute steigen nicht aus, weil sie etwa keinen Verlag fänden. Sie steigen aus, weil sie sich den neoliberalen Bedingungen des Markts entziehen wollen, dem Denken des Buchs als Ware, Verlagen und Buchhandel als "Profitcenter". Natürlich wollen auch sie Geld verdienen - und einige verdienen tüchtig auch außerhalb des Systems. Aber sie wollen vor allem eins: freie Kunst schöpfen, Literatur in all ihrer Vielfalt, deren Form sie selbst bestimmen und entwickeln, weil nur sie ihre Schöpfung wirklich kennen. Sie wollen Experiment, Wagnis, Ungewohntes - nicht Contentbehälter, Schubladen oder gar Prinzipien. Sie wollen wieder da anfangen, wo Formen noch nicht gedacht werden, wo zuerst Galaxien explodieren ...
Dann fällt mir wieder die europäische Avantgarde ein, die den Bestimmungen und Regeln von oben abschwor, die eine Gegenkultur zum ermüdeten etablierten Literaturbetrieb schuf. Die meisten ihrer Vertreter wurden zunächst selbst Verleger oder verlegten im Kollektiv, sie verkauften ihre Bücher aus den Manteltaschen heraus oder auf der Straße. Nicht, weil sie keinen Verleger oder Buchhändler gefunden hätten. Aber das System war zu träge geworden, konnte mit ihren innovativen Inhalten und Formen nichts anfangen. Sie wollten nicht abwarten, bis die Zeit reif wäre - sie mussten schöpfen.
Apollinaire schuf damals Gedichte, die gleichzeitig Bilder waren und die vom Eiffelturm als Tondimension gesendet werden sollten. Pech für ihn, dass er seiner Zeit voraus war - die Sache mit dem multimedialen Text kam erst später. Strawinsky verzweifelte fast bei der Inszenierung von Petruschka, weil er seine Geschichte in Zeit und Raum brechen wollte - ein Unding auf der Bühne, was musste er damals tricksen! Aber andere Künstler experimentierten wie wild an dieser Problematik, weil solche Geschichten zeitgemäß waren, weil sie den Nerv der Menschen und vor allem ihren eigenen trafen. Um solche Geschichten erzählen zu können, erfanden Strawinskys Zeitgenossen wenige Jahre später den Parallelschnitt im Film und brachte der erste Künstler den Film auf die Theaterbühne. Damit war erstmals möglich, was sich Strawinsky erträumt und wofür er doch eine innovative Form gefunden hatte.
Ich weiß nicht, ob der Slogan des Börsenvereins vielleicht einfach nur verunglückt ist. Ich weiß nur - meine Welt des Büchermachens ist das nicht. Aber ich habe auch einen großen Vorteil: Für eine Autorin ist das Wort "Profit" ohnehin ein Fremdwort und ein Buch nicht nur Ware. Also kann von einem Prinzip gar keine Rede sein.
Ich denke, unsere Buchwelt ist gerade dabei, sich zu teilen. Irgendwo werden sie Contentbehälter mit dem passenden Content befüllen, mit den passenden oder passend gemachten Autoren, mit ordentlichen Regeln und Prinzipien. Und in der Parallelgesellschaft kümmern sich Autorinnen und Autoren einen Dreck ums System, schöpfen nach Lust und Laune und warten nicht, bis zu Ende diskutiert ist. Sie werden sich ihre Formen selbst suchen und mit den passenden Entwicklern und Herstellern verbünden. Immer diesen lebendigen Organismus Buch im Herzen, der auch Leserinnen und Leser so süchtig macht ...
Bange ist mir nur um diejenigen Verlage und Buchhandlungen, die zwischen beiden Stühlen sitzen.
Dabei könnte alles so einfach sein. Es gibt nämlich ein eigenes Buch-Genre, das uns zwischen zwei Pappdeckeln oder auf dem Bildschirm die Welt vereinfacht und auf Formeln herunterbricht, erkennbar am "Prinzip" im Titel. Klangvoll heißt das dann "das Uschi- oder Peter-Prinzip"; aber auch "Eva", "Aida" und "Lola" tummeln sich als Welterklärer. All diesen Büchern ist eines gemeinsam: Sie behaupten, komplexe lebendige Systeme ließen sich mit der Kenntnis einer Geheimformel - dem Prinzip - beherrschen und je nach Gusto des Prinzipientreuen lenken. Und der sammelt dann seine Getreuen um sich, die Anhänger des Prinzips, um Macht auszuüben und jede Menge Cash zu machen. Das kann es aber doch auch nicht sein beim "Prinzip Buch", oder?
Sogar Wörterbücher lassen einen im Regen stehen (z.B. hier oder hier). Sucht der Börsenverein nach einem Grundsatz oder Leitsatz, dem alles unterzuordnen ist? Sucht man einen Maßstab zum Handeln, eine Grundidee, auf der man aufbaut? Geht es um eine allgemeine Leitlinie oder Denkschule? Hat man gar schon ein Ergebnis? Will man eine Gesetzmäßigkeit postulieren oder eine allgemeine Grundregel, nach der sich alle zu richten haben? Hoppla, schon wieder ein Denkfehler! Wenn es ein Slogan ist, sucht man nicht mehr, dann hat man bereits gefunden und ist sich der Sache gewiss. Oder der Slogan funktioniert nicht. Das wollen wir gar nicht erst andenken! Warum aber muss man dann so um die Begriffe ringen und diskutieren?
Ich habe einen bösen Verdacht. Es ist nicht das Wort "Buch", das bei diesem Slogan missverständlich und interpretierbar ist. Es ist das Wort "Prinzip", das nicht passt.
Als Autorin habe ich in Sachen Buch einen anderen Ansatz und stelle deshalb eine Hypothese in den Raum: "Buch" in jeder nur denkbaren Form (auch aus Papier) kann nicht eindimensional gedacht werden und darum auch nie zum Prinzip werden.
Ein Buch hat mindestens zwei Dimensionen, die sich zwar überschneiden oder berühren können, die sich aber auch widersprechen:
1. Dimension:
Das Buch ist ein lebendiger Organismus, eine eigene Galaxie intellektueller Schöpfung, die sich in ständiger Bewegung, Entwicklung (durch Einfluss auf andere) und Interaktion mit Menschen befindet.
Schöpfungsimmanent sind Zufälle, Unerklärbarkeiten, Unfassbares. Bücher wirken ein, beeinflussen, berühren, verändern, auf völlig unterschiedlichen Ebenen - vom Anreichern von Wissen bis zu menschlichen Emotionen.
Der schöpferische Ansatz sucht für die Inhalte die adäquate Form von der literarischen Ebene bis zur Verpackung: Die Story über einen sterbenden Baum kann zum Gedicht (gereimt oder ungereimt, in traditioneller Form oder frei), Roman oder Umweltsachbuch werden. Das Gedicht sucht vielleicht die Geschenkausgabe in Büttenpapier, das Sachbuch wird interaktives E-Book. Einen Inhalt automatisch durch alle Verpackungen zu jagen, wird dem Inhalt nicht gerecht. Jeder weiß, dass sich manche Texte nicht gut anhören (Hörbuch), Gedichte auf Papier anders wirken als am Bildschirm, ein Fachbuch mit Bilderbuchaufmachung Blödsinn wäre.
Autoren suchen nach der adäquaten Idealform für einen Text, benutzen technische Möglichkeiten als Vehikel und formten darum auch in der Vergangenheit die äußeren Darstellungsarten ihrer Kunst. Mit dem Aufkommen des Massendrucks im 19. Jahrhundert begann die schleichende Entmündigung der Schöpfer: Verlage hielten eigene Genres für Frauen bereit, ließen Autoren am Fließband Fortsetzungstexte produzieren, steckten Inhalte in die gefragtesten Verpackungen. Nicht nur Thomas Mann machte sich darum viele Gedanken um das Verhältnis von Form und Inhalt - ein Verhältnis, das eigentlich der Künstler bestimmen muss. Wie weit haben wir uns davon entfernt!
Nichtsdestotrotz, die Dimension des Buchs als lebendiger Organismus widerspricht der Findung eines Prinzips. Niemand hat bisher eine Weltenformel, eine Formel fürs Leben oder auch nur eine Bestsellerformel gefunden.
2. Dimension
Bliebe die andere Dimension, die den Börsenverein eher interessieren dürfte: das Buch als Ware, als technisch hergestelltes und gegen Geld gehandeltes Etwas in unterschiedlichen Formen. Die Ware Buch ist berechenbar, abgeschlossen, fest definierbar wie ein Shampoo gegen fettige Haare oder Hühneraugensalbe. Kundenreaktionen werden messbar, weil man innere und kulturelle Abläufe ausklammern kann. Die Inhalte selbst befinden sich sozusagen im Verpuppungszustand - da bewegt sich nichts mehr.
Der technokratische Ansatz kehrt den schöpferischen Ansatz um: Nicht mehr der Schöpfer ringt um die Form. Alle anderen am Buchmarkt Beteiligten, die mit der Ware Buch und den Schöpfungen der Urheber Geld verdienen, schaffen jetzt die Formen, in die geeigneter Inhalt eingepasst werden soll. Es braucht nicht mehr freie Schöpfer, sondern Auftragsschreiber, Contentzulieferer. Und schließlich passiert genau das Gleiche wie mit dem Shampoo: Man konstruiert ein angebliches Zielpublikum und manipuliert es dahingehend, gegen fettiges Haar nur noch das gehypte Shampoo mit Orangenduft zu kaufen. Orangenduft-Autoren haben dann eine Weile Konjunktur. In dieser Dimension funktioniert die Lehre von einem Prinzip perfekt bis zur Sollerfüllung...
Ich versuche die ganze Zeit herauszufinden, warum ich bei solchen Diskussionen ein äußerst unbehagliches Gefühl habe - das "Prinzip Buch" ist ja nur ein winziges Symptom dessen, wie derzeit über das nachgedacht wird, was manchen eine Ware und anderen (Autoren und Lesern) Leben bedeutet. (Gedanken zum Kapitalismus der Jetztzeit drängen sich nicht zufällig auf). Hier sollen Weichen für ein Kulturgut gestellt werden, für ein ganzes Spektrum von Kunst, die in den gleichen Beutel gepackt wird wie das Uschi-Prinzip, das Buch über die Bekämpfung von Fußschweiß oder Dieter Bohlens Auslassungen.
Mir fallen dazu spontan zwei Dinge ein.
Zum einen die in Frankreich hochpolitische Aussteigerbewegung etablierter SchriftstellerInnen aus dem üblichen Verlags- und Buchhandelsbetrieb, über die ich bereits berichtet hatte. Diese Leute steigen nicht aus, weil sie etwa keinen Verlag fänden. Sie steigen aus, weil sie sich den neoliberalen Bedingungen des Markts entziehen wollen, dem Denken des Buchs als Ware, Verlagen und Buchhandel als "Profitcenter". Natürlich wollen auch sie Geld verdienen - und einige verdienen tüchtig auch außerhalb des Systems. Aber sie wollen vor allem eins: freie Kunst schöpfen, Literatur in all ihrer Vielfalt, deren Form sie selbst bestimmen und entwickeln, weil nur sie ihre Schöpfung wirklich kennen. Sie wollen Experiment, Wagnis, Ungewohntes - nicht Contentbehälter, Schubladen oder gar Prinzipien. Sie wollen wieder da anfangen, wo Formen noch nicht gedacht werden, wo zuerst Galaxien explodieren ...
Dann fällt mir wieder die europäische Avantgarde ein, die den Bestimmungen und Regeln von oben abschwor, die eine Gegenkultur zum ermüdeten etablierten Literaturbetrieb schuf. Die meisten ihrer Vertreter wurden zunächst selbst Verleger oder verlegten im Kollektiv, sie verkauften ihre Bücher aus den Manteltaschen heraus oder auf der Straße. Nicht, weil sie keinen Verleger oder Buchhändler gefunden hätten. Aber das System war zu träge geworden, konnte mit ihren innovativen Inhalten und Formen nichts anfangen. Sie wollten nicht abwarten, bis die Zeit reif wäre - sie mussten schöpfen.
Apollinaire schuf damals Gedichte, die gleichzeitig Bilder waren und die vom Eiffelturm als Tondimension gesendet werden sollten. Pech für ihn, dass er seiner Zeit voraus war - die Sache mit dem multimedialen Text kam erst später. Strawinsky verzweifelte fast bei der Inszenierung von Petruschka, weil er seine Geschichte in Zeit und Raum brechen wollte - ein Unding auf der Bühne, was musste er damals tricksen! Aber andere Künstler experimentierten wie wild an dieser Problematik, weil solche Geschichten zeitgemäß waren, weil sie den Nerv der Menschen und vor allem ihren eigenen trafen. Um solche Geschichten erzählen zu können, erfanden Strawinskys Zeitgenossen wenige Jahre später den Parallelschnitt im Film und brachte der erste Künstler den Film auf die Theaterbühne. Damit war erstmals möglich, was sich Strawinsky erträumt und wofür er doch eine innovative Form gefunden hatte.
Ich weiß nicht, ob der Slogan des Börsenvereins vielleicht einfach nur verunglückt ist. Ich weiß nur - meine Welt des Büchermachens ist das nicht. Aber ich habe auch einen großen Vorteil: Für eine Autorin ist das Wort "Profit" ohnehin ein Fremdwort und ein Buch nicht nur Ware. Also kann von einem Prinzip gar keine Rede sein.
Ich denke, unsere Buchwelt ist gerade dabei, sich zu teilen. Irgendwo werden sie Contentbehälter mit dem passenden Content befüllen, mit den passenden oder passend gemachten Autoren, mit ordentlichen Regeln und Prinzipien. Und in der Parallelgesellschaft kümmern sich Autorinnen und Autoren einen Dreck ums System, schöpfen nach Lust und Laune und warten nicht, bis zu Ende diskutiert ist. Sie werden sich ihre Formen selbst suchen und mit den passenden Entwicklern und Herstellern verbünden. Immer diesen lebendigen Organismus Buch im Herzen, der auch Leserinnen und Leser so süchtig macht ...
Bange ist mir nur um diejenigen Verlage und Buchhandlungen, die zwischen beiden Stühlen sitzen.
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6/23/2011 12:31:00 nachm.
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Buchmacherei,
der ganz normale Wahnsinn,
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Grenzgängereien,
Hörbuch,
Kunst und Kultur,
Literatur,
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Roman,
Sachbuch,
Schreiben
22.06.2011
geoseo
22.06.2011
2
Мир тесен. Приятно, что люди из Санкт-Петербурга на мой блог ищем хороших ресторанов. К сожалению, Google не раскрывает, что я на востоке Франции. Я знал русский ресторан в Баден-Бадене ...
Приятного аппетита!
Die Welt ist klein. Es ist schön, dass Menschen aus Petersburg in meinem Blog nach guten Restaurants suchen. Leider verrät Google nicht, dass ich im Osten Frankreichs sitze. Ich wüsste ein russisches Restaurant in Baden-Baden...
Guten Appetit!
Приятного аппетита!
Die Welt ist klein. Es ist schön, dass Menschen aus Petersburg in meinem Blog nach guten Restaurants suchen. Leider verrät Google nicht, dass ich im Osten Frankreichs sitze. Ich wüsste ein russisches Restaurant in Baden-Baden...
Guten Appetit!
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6/22/2011 07:23:00 nachm.
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Gänsehautmusik
Einer meiner liebsten Radiosender zum Autofahren ist France Musique. Es gibt nichts Schöneres, als mit Schostakowitsch Haarnadelkurven auf einen Berg hinauf zu kurbeln, mit Mozart auf der Autobahn oder mit Tschaikowsky über Land zu fahren. Der Sender kann aber auch gehörig nerven. Neuerdings spielt er, sobald ich nur den Motor gestartet habe, irgendeine Ballettmusik der Ballets Russes. Das ist so schlimm, dass ich manchmal erst tief durchatme und den Schlüssel zwei Minuten später umdrehe; aber keine Chance, kein Entkommen. Heute war es Debussys L'Après-midi d'un faune. Mit dem fängt das bewusste Buch an, dessen Aushänger wieder nicht in der Post war (aber seit 5 Tagen mit derselben herumgondelt) ... Wie soll man bei so einem Programm abschalten und innere Gelassenheit aufbauen!?!
In der Pause haben sie sich dann meiner Nerven erbarmt und ein russisches Schlaflied gebracht, am hellichten Mittag. Und das habe ich beim Haarnadelkurvenschrauben selten: Gänsehaut, die an den Füßen anfängt und sich wellenförmig bis zum Kopf ausbreitet. Welch ein Bass! Ein Charisma in der Stimme, das man nur selten hört. Der Sprecher brachte mich dann zum Grinsen: Boris Christoff hatte da gesungen, Lieder von Glinka. Sie können es einfach nicht lassen. Glinka ist der heute recht unbekannte Komponist, nach dessen Musik Nijinsky ... jeder weiß, was jetzt kommt. Boris Christoff ist auch ein Beitrag in meinem Nijinsky-Blog gewidmet. Leider war die Pausenmusik beim Sender nicht mehr zu eruieren, da gab es etwas Todtrauriges über Soldaten, Tod und Liebe - aber das Schlaflied habe ich bei youtube gefunden, mittlerweile eine Fundgrube für seltene historische Aufnahmen!
Ich bin natürlich nicht am Steuer eingeschlafen, sondern in einem reizvollen Städtchen gelandet, in dem es von August bis September noch mehr Gänsehautmusik geben wird! Die ist so exquisit und außergewöhnlich, dass ich alle dazu einladen möchte:
Wissembourg (an der deutsch-französischen Grenze zur Pfalz) feiert wie jedes Jahr sein internationales Musikfestival vom 25. August bis 11. September 2011 in der Kirche St. Jean
Programm (deutsch)
Das auf Kammermusik spezialisierte Festival ist inzwischen nicht mehr ganz so ein Geheimtipp, das Stammpublikum reiste im vergangenen Jahr von Frankfurt, Mannheim, Stuttgart oder dem Bodensee an, aus Innerfrankreich natürlich auch - und das erste schon fast familiär vertraute Quartett hat es in diesem Jahr ins Festspielhaus Baden-Baden geschafft. Was mich dabei fasziniert, ist die Mischung zwischen Musiker-Neuentdeckungen und großen Talenten, die man in einer Stadt wie Wissembourg nie vermuten würde - und ein Programm, bei dem auch eher selten gehörte Komponisten zu entdecken sind. Und nur selten ist man den Musikern räumlich derart nah.
In diesem Jahr kommen die Musiker aus Frankreich, Russland, Tschechien, Polen und der Schweiz - besonders gefeiert werden die Streichquartette - und da sind angesagt Atrium (Berlin / Petersburg), Gringolts (Zürich), Raphael (Paris), Szymanowski (Hannover) und Zemlinsky (Prag).
Wie der Name des einen Quartetts schon sagt, wird es viel vom polnischen Komponisten Karol Szymanowski zu hören geben, der Mahler-Fans gefallen könnte. Entdecken lassen sich aber auch Komponisten wie Faure, Chausson, Szamotuly, Janacek oder Fasil Say - während die "üblichen Verdächtigen" von Wagner über Beethoven, Bach, Brahms, Rachmaninov, Prokofieff oder Schostakowitsch nicht zu kurz kommen.
Im letzten Jahr bin ich durch das Festival süchtig nach Schostakowitsch geworden, mein Geheimtipp: Wenn der russische Pianist Peter Laul wieder seine Schostakowitsch-CDs mitbringt, die es nur in Russland gibt, kaufen!!! Und live von unterschiedlichen Interpreten beim Festival hören. Die romanische Kirche bietet nicht nur perfekte Akustik, sondern ist für die Bühne als Ambiente wie geschaffen - in rosenrotem Vogesensandstein.
Übrigens - wer mir vorher Bescheid gibt, könnte mich vielleicht bei einem Glas Sekt in der Pause treffen, ich treibe mich da ziemlich oft halb beruflich und voll Begeisterung herum. Im letzten Jahr habe ich es sogar geschafft, an einem Tag so etwas wie einen Musikkater zu entwickeln...
Überhaupt wird es für mich persönlich ein sehr wichtiges Festival werden, weil sich ein ganz besonderes, verrücktes Ereignis jährt. Wenn man mir im vergangenen Jahr gesagt hätte, dass ich in diesem Jahr mein Nijinsky-Buch den Menschen überreichen kann, die mich zur Produktion "aufgehetzt" haben - ich hätte es nicht geglaubt. Ich habe ja nicht einmal glauben können, dass ich verrückt genug wäre, meinen Traum aus eigener Kraft (und mit wunderbarer Unterstützung) in die Wirklichkeit zu bringen. Da sind wir schon wieder bei Nijinsky. Aber ungelogen, das "blaue Buch" nahm bei diesem Festival seinen Anfang...
Die richtigen Begegnungen zur richtigen Zeit können anscheinend ein Leben verändern.
In der Pause haben sie sich dann meiner Nerven erbarmt und ein russisches Schlaflied gebracht, am hellichten Mittag. Und das habe ich beim Haarnadelkurvenschrauben selten: Gänsehaut, die an den Füßen anfängt und sich wellenförmig bis zum Kopf ausbreitet. Welch ein Bass! Ein Charisma in der Stimme, das man nur selten hört. Der Sprecher brachte mich dann zum Grinsen: Boris Christoff hatte da gesungen, Lieder von Glinka. Sie können es einfach nicht lassen. Glinka ist der heute recht unbekannte Komponist, nach dessen Musik Nijinsky ... jeder weiß, was jetzt kommt. Boris Christoff ist auch ein Beitrag in meinem Nijinsky-Blog gewidmet. Leider war die Pausenmusik beim Sender nicht mehr zu eruieren, da gab es etwas Todtrauriges über Soldaten, Tod und Liebe - aber das Schlaflied habe ich bei youtube gefunden, mittlerweile eine Fundgrube für seltene historische Aufnahmen!
Ich bin natürlich nicht am Steuer eingeschlafen, sondern in einem reizvollen Städtchen gelandet, in dem es von August bis September noch mehr Gänsehautmusik geben wird! Die ist so exquisit und außergewöhnlich, dass ich alle dazu einladen möchte:
Wissembourg (an der deutsch-französischen Grenze zur Pfalz) feiert wie jedes Jahr sein internationales Musikfestival vom 25. August bis 11. September 2011 in der Kirche St. Jean
Programm (deutsch)
Das auf Kammermusik spezialisierte Festival ist inzwischen nicht mehr ganz so ein Geheimtipp, das Stammpublikum reiste im vergangenen Jahr von Frankfurt, Mannheim, Stuttgart oder dem Bodensee an, aus Innerfrankreich natürlich auch - und das erste schon fast familiär vertraute Quartett hat es in diesem Jahr ins Festspielhaus Baden-Baden geschafft. Was mich dabei fasziniert, ist die Mischung zwischen Musiker-Neuentdeckungen und großen Talenten, die man in einer Stadt wie Wissembourg nie vermuten würde - und ein Programm, bei dem auch eher selten gehörte Komponisten zu entdecken sind. Und nur selten ist man den Musikern räumlich derart nah.
In diesem Jahr kommen die Musiker aus Frankreich, Russland, Tschechien, Polen und der Schweiz - besonders gefeiert werden die Streichquartette - und da sind angesagt Atrium (Berlin / Petersburg), Gringolts (Zürich), Raphael (Paris), Szymanowski (Hannover) und Zemlinsky (Prag).
Wie der Name des einen Quartetts schon sagt, wird es viel vom polnischen Komponisten Karol Szymanowski zu hören geben, der Mahler-Fans gefallen könnte. Entdecken lassen sich aber auch Komponisten wie Faure, Chausson, Szamotuly, Janacek oder Fasil Say - während die "üblichen Verdächtigen" von Wagner über Beethoven, Bach, Brahms, Rachmaninov, Prokofieff oder Schostakowitsch nicht zu kurz kommen.
Im letzten Jahr bin ich durch das Festival süchtig nach Schostakowitsch geworden, mein Geheimtipp: Wenn der russische Pianist Peter Laul wieder seine Schostakowitsch-CDs mitbringt, die es nur in Russland gibt, kaufen!!! Und live von unterschiedlichen Interpreten beim Festival hören. Die romanische Kirche bietet nicht nur perfekte Akustik, sondern ist für die Bühne als Ambiente wie geschaffen - in rosenrotem Vogesensandstein.
Übrigens - wer mir vorher Bescheid gibt, könnte mich vielleicht bei einem Glas Sekt in der Pause treffen, ich treibe mich da ziemlich oft halb beruflich und voll Begeisterung herum. Im letzten Jahr habe ich es sogar geschafft, an einem Tag so etwas wie einen Musikkater zu entwickeln...
Überhaupt wird es für mich persönlich ein sehr wichtiges Festival werden, weil sich ein ganz besonderes, verrücktes Ereignis jährt. Wenn man mir im vergangenen Jahr gesagt hätte, dass ich in diesem Jahr mein Nijinsky-Buch den Menschen überreichen kann, die mich zur Produktion "aufgehetzt" haben - ich hätte es nicht geglaubt. Ich habe ja nicht einmal glauben können, dass ich verrückt genug wäre, meinen Traum aus eigener Kraft (und mit wunderbarer Unterstützung) in die Wirklichkeit zu bringen. Da sind wir schon wieder bei Nijinsky. Aber ungelogen, das "blaue Buch" nahm bei diesem Festival seinen Anfang...
Die richtigen Begegnungen zur richtigen Zeit können anscheinend ein Leben verändern.
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PvC
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6/22/2011 04:36:00 nachm.
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21.06.2011
Das liebe Budget
21.06.2011
3
Im Moment kreischen die Groupies ganz laut, weil es in den USA mal wieder ein Autor mit selbstverlegten Kindle-Books zum Millionär geschafft hat. Meist halten sich solche Tellerwäscher-Märchen-Prinzessinnen und -Prinzen ja gern bedeckt, wie viel Lebenszeit und Finanzen sie anfangs investiert haben, bevor mehr als nur ein Rubel rollte. Und natürlich haut die Selbstverlegerszene nun wieder auf die Verlage, nach dem Motto: Schaut her, ihr macht uns nicht zum Millionär! Dummdreist, diese Schwarz-Weiß-Malerei, nicht nur, weil der E-Book-Markt hierzulande (noch) verschwindend klein ist. Zählt man nämlich die winzige Elite derer, die vom Bücherschreiben überhaupt leben können, finden sich unter den Selbstverlegern auch in den USA sehr viel weniger als in Verlagen. Aber man macht sich ja gern etwas vor in Zeiten des Goldrauschs...
Als verlegte und verlegende Autorin sitze ich genügend zwischen den Stühlen, um vielleicht ein paar abhebende Milchmädchenrechner wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Das sei noch einmal laut und deutlich gesagt: Wenn mich ein Verlag nimmt, kostet mich das keinen einzigen Cent - es sei denn, ich muss unbedingt eine Kneipenrunde auf alle schmeißen. Wenn mich ein Verlag nimmt, bezahlt er mich! Da sind zum einen die Tantiemen, für die es zwar Richtwerte gibt, die aber frei verhandelbar sind - mit Agentur umso besser. Auch eine seriöse Agentur, die bessere Honorare für mich erzielt, kostet mich keinen Cent - sie arbeitet ausschließlich auf Provisionsbasis bei Gewinnen.
In der Regel bezahlt mir ein Verlag außerdem eine Garantiesumme (früher missverständlich Vorschuss genannt). Die bekomme ich vorab, meist geteilt bei Vertragsabschluss und Manuskriptabgabe. Garantiesumme bedeutet: Mein Buch kann vollkommen floppen - ich bekomme diese Summe trotzdem. Manche Verlage sind zu klein, um Garantiesummen zahlen zu können, gleichen das aber mit den Tantiemen wieder aus. Manche zahlen auch nur, wenn der Agent sie hart genug fordert. Aber egal wie - ich bin mit einem Buch im Verlag im Plus! Das wirtschaftliche Risiko übernimmt der Verlag.
Als Independent-Autorin übernehme ich selbst das volle Risiko. Ich kann so viel wie möglich selbst machen und auch selbst verhunzen. Ich kann mir bei der zu erwartenden verkauften Auflage in die Tasche lügen (das Gros der 0815-BoD-Autoren kann mit 20-50 verkauften Exemplaren froh sein!). Ich kann am falschen Ende sparen. Mein Buch kann völlig floppen, auf meine Kosten. Denn egal, wie hoch die Summe sein mag: Beim selbstverlegten Buch bezahle ich als erstes.
Woran man meiner Meinung nach absolut nicht sparen sollte, wenn man es selbst nicht einigermaßen professionell kann:
Bliebe noch zu sagen, dass es eine zweite Budgetrechnung beim PoD gibt, die dem Herstellungspreis im Offset entspricht. Qualität und Ausstattung, Seitenzahl und Abbildungen schlagen sich nämlich im Endverbraucherpreis des PoD-Projekts nieder. Schon ein Zentimeter in der Buchgröße oder vier Seiten mehr können diesen Preis verändern! Es gibt zwar Firmen, die einem versprechen, man könne locker und lustig Tantiemen aufschlagen, wie man wolle, aber dadurch steigt auch der Endverbraucherpreis. Und dann kann es ganz schnell passieren, dass das Buch durch den Preis zum Ladenhüter wird!
Kleines Beispiel: Als ich mein Nijinsky-Buch zuerst rein nach Aussehen, Lust und Gusto kalkulierte, hätte das Hardcover im Laden 49,90 E gekostet. Also probierte ich heftig mit Ausstattung, Größe, Buchsatz etc. Zuerst fiel der Schutzumschlag zugunsten einer Mattlackierung weg. Das Buch wurde kleiner und kompakter. Bei einem Großanbieter wäre ich dann auf einen Ladenpreis von über 20 Euro - mit größeren Tantiemen - gekommen. Aber 20 E sind eine absolute Schmerzgrenze bei Käufern, für ein 128-Seiten-Buch allemal! Beim jetzigen Anbieter bekomme ich weniger Tantiemen, aber der Endpreis ist vernünftiger: 15,50 E. Das ist immer noch teurer, als wenn ich eine Auflage in China drucken lasse, aber dafür wird ja individuell für jeden Kunden einzeln gedruckt und ich muss keine Auflage vorfinanzieren.
Noch einmal: Nur durch Veränderungen in der Ausstattung, dem Format und der Seitenzahl und einen anderen Anbieter kostet das gleiche Buch statt 49,90 E nur 15,50 E!
Das klingt jetzt so einfach, war aber eine elende Rechnerei und Probiererei, weil auch Fotos im Spiel waren. Viele der Fotos, die bei meinem Format kostenfrei waren, hätten in einem großformatigeren Band Geld gekostet, etwa 60 bis 80 E pro Stück - für die Aufbereitung durch Bibliotheken. Geld, das ich ebenfalls hätte erwirtschaften müssen. Stattdessen habe ich durch meine Sparsamkeit sogar mehr Fotos als vorgesehen untergebracht, nämlich statt vier nun zweiundzwanzig.
Mit diesen Anregungen wünsche ich fröhliches Budgettieren auf dem Weg zur ersten Million!
Und mir wünsche ich natürlich verdammt viele Käuferinnen und Käufer, damit ich mir wenigstens nach Begleichung der Unkosten eines Tages die Robe zur großen Gala-Lesung* leisten kann ;-)
* irgendwer von meinen Lesern grinst jetzt wahrscheinlich vorlaut.
Als verlegte und verlegende Autorin sitze ich genügend zwischen den Stühlen, um vielleicht ein paar abhebende Milchmädchenrechner wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Das sei noch einmal laut und deutlich gesagt: Wenn mich ein Verlag nimmt, kostet mich das keinen einzigen Cent - es sei denn, ich muss unbedingt eine Kneipenrunde auf alle schmeißen. Wenn mich ein Verlag nimmt, bezahlt er mich! Da sind zum einen die Tantiemen, für die es zwar Richtwerte gibt, die aber frei verhandelbar sind - mit Agentur umso besser. Auch eine seriöse Agentur, die bessere Honorare für mich erzielt, kostet mich keinen Cent - sie arbeitet ausschließlich auf Provisionsbasis bei Gewinnen.
In der Regel bezahlt mir ein Verlag außerdem eine Garantiesumme (früher missverständlich Vorschuss genannt). Die bekomme ich vorab, meist geteilt bei Vertragsabschluss und Manuskriptabgabe. Garantiesumme bedeutet: Mein Buch kann vollkommen floppen - ich bekomme diese Summe trotzdem. Manche Verlage sind zu klein, um Garantiesummen zahlen zu können, gleichen das aber mit den Tantiemen wieder aus. Manche zahlen auch nur, wenn der Agent sie hart genug fordert. Aber egal wie - ich bin mit einem Buch im Verlag im Plus! Das wirtschaftliche Risiko übernimmt der Verlag.
Als Independent-Autorin übernehme ich selbst das volle Risiko. Ich kann so viel wie möglich selbst machen und auch selbst verhunzen. Ich kann mir bei der zu erwartenden verkauften Auflage in die Tasche lügen (das Gros der 0815-BoD-Autoren kann mit 20-50 verkauften Exemplaren froh sein!). Ich kann am falschen Ende sparen. Mein Buch kann völlig floppen, auf meine Kosten. Denn egal, wie hoch die Summe sein mag: Beim selbstverlegten Buch bezahle ich als erstes.
Woran man meiner Meinung nach absolut nicht sparen sollte, wenn man es selbst nicht einigermaßen professionell kann:
- Lektorat / Korrektorat (kann auch ein Profi nicht bei sich selbst)
- Cover / Layout / Satz
- Klappentexte / Pressetexte
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Kleines Beispiel: Als ich mein Nijinsky-Buch zuerst rein nach Aussehen, Lust und Gusto kalkulierte, hätte das Hardcover im Laden 49,90 E gekostet. Also probierte ich heftig mit Ausstattung, Größe, Buchsatz etc. Zuerst fiel der Schutzumschlag zugunsten einer Mattlackierung weg. Das Buch wurde kleiner und kompakter. Bei einem Großanbieter wäre ich dann auf einen Ladenpreis von über 20 Euro - mit größeren Tantiemen - gekommen. Aber 20 E sind eine absolute Schmerzgrenze bei Käufern, für ein 128-Seiten-Buch allemal! Beim jetzigen Anbieter bekomme ich weniger Tantiemen, aber der Endpreis ist vernünftiger: 15,50 E. Das ist immer noch teurer, als wenn ich eine Auflage in China drucken lasse, aber dafür wird ja individuell für jeden Kunden einzeln gedruckt und ich muss keine Auflage vorfinanzieren.
Noch einmal: Nur durch Veränderungen in der Ausstattung, dem Format und der Seitenzahl und einen anderen Anbieter kostet das gleiche Buch statt 49,90 E nur 15,50 E!
Das klingt jetzt so einfach, war aber eine elende Rechnerei und Probiererei, weil auch Fotos im Spiel waren. Viele der Fotos, die bei meinem Format kostenfrei waren, hätten in einem großformatigeren Band Geld gekostet, etwa 60 bis 80 E pro Stück - für die Aufbereitung durch Bibliotheken. Geld, das ich ebenfalls hätte erwirtschaften müssen. Stattdessen habe ich durch meine Sparsamkeit sogar mehr Fotos als vorgesehen untergebracht, nämlich statt vier nun zweiundzwanzig.
Mit diesen Anregungen wünsche ich fröhliches Budgettieren auf dem Weg zur ersten Million!
Und mir wünsche ich natürlich verdammt viele Käuferinnen und Käufer, damit ich mir wenigstens nach Begleichung der Unkosten eines Tages die Robe zur großen Gala-Lesung* leisten kann ;-)
* irgendwer von meinen Lesern grinst jetzt wahrscheinlich vorlaut.
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PvC
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6/21/2011 05:33:00 nachm.
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20.06.2011
Mein Traumverlag
20.06.2011
7
Seit 1998 erscheinen meine Bücher in "ordentlichen" Verlagen, insgesamt sind es mit Auslandslizenzen 14 Titel. Viele davon sind inzwischen vergriffen, nicht wegen ihrer Inhalte, sondern weil die Verlage in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr existieren oder Nachfolger ganze Programmteile gestrichen haben. Titel Nr. 15 erscheint demnächst in Eigenregie als gedrucktes Buch, auch meine Backlist werde ich nach und nach selbst neu auflegen - die Romane exklusiv als E-Book. Ich habe schon angedeutet, dass mich diese Erfahrung völlig verändert hat. Ich bin "im Brotberuf" gerade bei der Gründung eines binationalen Verlegerinnenkollektivs dabei, das eigentlich ein Autorinnenkollektiv ist. Wie und wo aber werde ich meine ganz persönliche Nr. 16 an die Leserinnen und Leser bringen?
SpOn titelte gerade etwas reißerisch "Wer braucht noch einen Verlag?" - und doch ist die Frage berechtigt und der Artikel über die Selbstverlegersituation bei den E-Books in Deutschland mehr als überfällig. Neben den Chancen sind nämlich nun auch Spam, Missbrauch und Müll aus Pseudobüchern Tür und Tor haushoch geöffnet. Kritisch setzt sich auch Holger Ehling in seinem Blog mit der Frage auseinander: "Selbstverlegen: Alternative zum Verlag oder Spamschleuder?" Seine entmutigenden Beispiele aus der Verlagswelt kommen nun einmal nicht von einem frischgebackenen Adepten der Selbstverlegerszene. Holger Ehling war stellvertretender Direktor der Frankfurter Buchmesse und führt eine Agentur, die eng mit Verlagen zusammenarbeitet. Er weiß also, wovon er spricht. Aber wissen wir Autorinnen und Autoren, wie wir künftig unsere Bücher ans Publikum bringen wollen?
Ich zumindest weiß es nach einem Vierteljahrhundert in der Verlagswelt genau. In meinem Kopf habe ich neuerdings das Bild vom Wunschverlag. Finde ich ihn nicht, würde ich wieder selbst verlegen - und versuchen, mit den heutigen Techniken und mit meinen Finanzen dem eigenen Ideal möglichst nahe zu kommen. So beschränkt beides sein mag - ich liefere mich nicht mehr kopflos aus. Eigene Bücher, zumindest als E-Book, würden auch den eigenen Ruin überleben. Ob Selbstverlegen wirklich die Wahl ist, sei dahingestellt. Auf alle Fälle stärkt es die Position der AutorInnen. Wer eine Alternative hat, kann leichter Nein sagen!
Mein Traumverlag
Spam und Müll und Pseudobücher bei Amazon schrecken mich nicht. Ein bißchen davon gibt es in jedem großen Publikumsverlag. Ein Buch gegen Tante Erna oder Zockercontentpiraten durchzusetzen, mag sogar einfacher sein, als gegen einen Dieter Bohlen im Programm anzukommen.
Ich bin gespannt auf Nummer 16!
SpOn titelte gerade etwas reißerisch "Wer braucht noch einen Verlag?" - und doch ist die Frage berechtigt und der Artikel über die Selbstverlegersituation bei den E-Books in Deutschland mehr als überfällig. Neben den Chancen sind nämlich nun auch Spam, Missbrauch und Müll aus Pseudobüchern Tür und Tor haushoch geöffnet. Kritisch setzt sich auch Holger Ehling in seinem Blog mit der Frage auseinander: "Selbstverlegen: Alternative zum Verlag oder Spamschleuder?" Seine entmutigenden Beispiele aus der Verlagswelt kommen nun einmal nicht von einem frischgebackenen Adepten der Selbstverlegerszene. Holger Ehling war stellvertretender Direktor der Frankfurter Buchmesse und führt eine Agentur, die eng mit Verlagen zusammenarbeitet. Er weiß also, wovon er spricht. Aber wissen wir Autorinnen und Autoren, wie wir künftig unsere Bücher ans Publikum bringen wollen?
Ich zumindest weiß es nach einem Vierteljahrhundert in der Verlagswelt genau. In meinem Kopf habe ich neuerdings das Bild vom Wunschverlag. Finde ich ihn nicht, würde ich wieder selbst verlegen - und versuchen, mit den heutigen Techniken und mit meinen Finanzen dem eigenen Ideal möglichst nahe zu kommen. So beschränkt beides sein mag - ich liefere mich nicht mehr kopflos aus. Eigene Bücher, zumindest als E-Book, würden auch den eigenen Ruin überleben. Ob Selbstverlegen wirklich die Wahl ist, sei dahingestellt. Auf alle Fälle stärkt es die Position der AutorInnen. Wer eine Alternative hat, kann leichter Nein sagen!
Mein Traumverlag
- beschäftigt bei der Beurteilung von Exposés und Probetexten, die von Agenturen kommen, fachkundiges und erfahrenes Personal mit guter Allgemeinbildung.
- kann einem Sachbuch-Exposé das Themenpotential und Zielpublikum ansehen und entwickelt mit mir zusammen ein Buch, anstatt selbst von Agenturen fünf Exposé-Versionen zu verlangen, um dann zu sagen, das Thema könne man nur mit einem Mann besetzen.
- braucht nicht ein halbes Jahr für eine Absage bei einer Agentur.
- weiß, wo und wie das Zielpublikum meiner Bücher abzuholen ist und spricht mit mir darüber.
- bietet Verträge, in denen nicht nur die Autorin gefordert wird, sondern auch der Verlag Leistungen festschreiben muss.
- schafft fleißig Lizenzen herbei, wenn er auf dem Erwerb von Nebenrechten besteht.
- besteht nicht auf Nebenrechten, wenn er gar keine Kontakte dafür hat.
- interessiert sich wirklich für Bücher, ist vielleicht sogar begeistert von ihren Inhalten.
- ist bereit, Bücher und Autoren zu entwickeln und redet mit mir über meine Karriereplanung im Hause.
- produziert technisch einwandfreie Ware, wenn nicht sogar schöne Bücher.
- behauptet nicht nur Gatekeeper-Funktion, sondern zeigt sie in seinem Programm deutlich.
- beschäftigt richtig gute Lektorinnen, die ihr Handwerk im Teamwork mit den Autoren verstehen und nicht mit reinem Korrektorat verwechseln. Er zwingt keine unterbezahlten Lektorinnen zu Arbeitsnachweisen anhand von angeblichen Fehlern, die ich auf Kosten meiner Arbeitszeit wieder rückgängig machen muss, damit der Schein gewahrt bleibt.
- gibt das Korrektorat nicht an Dumping-Sklaven im Ausland.
- hat einen funktionierenden Vertrieb oder geht Vertriebskooperationen ein, wenn er das nicht selbst stemmen kann.
- macht Pressearbeit nicht nur für Spitzentitel und beschäftigt für Klappen- und Pressetexte nicht studentische Praktikanten, die keine Zeit haben, auch nur in die Bücher hineinzuschauen.
- spricht mit mir die Pressearbeit ab und stellt mir kein Bein, wenn ich als Presseprofi Adress- und Ideenvorschläge habe.
- unterstützt mich bei selbst organisierten Lesungen mit Ankündigungen und Material und liefert die Exemplare für den Büchertisch rechtzeitig und nicht erst nach der Lesung.
- kennt die Unterschiede zwischen Werbung, Marketing und Pressearbeit.
- sagt mir offen, wenn er aufgrund seiner Größe bestimmte Aufgaben nicht leisten kann und bespricht Teamwork vor dem Vertrag.
- finanziert mich ordentlich und bezahlt seine Rechnungen vertragsgerecht und pünktlich.
- muss nicht für jede Jahresabrechnung gemahnt werden.
- kommuniziert partnerschaftlich auf Augenhöhe mit mir.
- weiß, dass es ohne AutorInnen keine Bücher gibt - und pflegt seine AutorInnen dementsprechend.
- hat keinen hohen Verramschungsfaktor in immer kürzeren Zeiträumen.
- hat ein klar erkennbares Verlagsprofil.
- weiß, dass die meisten AutorInnen sich mit einem anderen Beruf finanzieren müssen und nimmt deshalb Rücksicht auf deren Termine.
- baut mich auf. Gibt mir mehr Feedback als "nettes Manuskript" nach der Druckfreigabe.
- sagt auch mal Danke für unentgeltliche Arbeit.
- verpasst mir nur ein Image, hinter dem ich als Mensch stehen kann und mit dem ich einverstanden bin.
- gibt sich genau so viel Mühe mit dem Buch wie ich.
Spam und Müll und Pseudobücher bei Amazon schrecken mich nicht. Ein bißchen davon gibt es in jedem großen Publikumsverlag. Ein Buch gegen Tante Erna oder Zockercontentpiraten durchzusetzen, mag sogar einfacher sein, als gegen einen Dieter Bohlen im Programm anzukommen.
Ich bin gespannt auf Nummer 16!
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PvC
um
6/20/2011 12:40:00 nachm.
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Buch,
Buchmacherei,
Ebook,
Ich bastle ein Buch,
Kunst und Kultur,
Literatur,
Roman,
Sachbuch,
Schreiben
18.06.2011
2050: Schreib mir die Zukunft!
18.06.2011
8
Eine Mitmachaktion in diesem Blog!
2025 ist für den Börsenverein des deutschen Buchhandels eine magische Zahl. Derzeit werden bei den Mitgliedern heftig die sogenannten 55 Thesen für das Jahr 2025 diskutiert. Man kann sie unter dem Link nachlesen und wird Aussagen finden wie:
Als Autorin drehe ich den Spieß einfach um. Und ich drehe das Zeitrad sogar noch um 25 Jahre weiter, auf 2050. Das ist in genau 39 Jahren, wenn die meisten dieser Manager bereits berentet sein werden und einige vielleicht gar nicht mehr leben. Es ist also ungefähr so, als hätte man einem jungen Menschen 1965 erzählen wollen, wie die Branche 2004 aussehen würde.
1965. Da gab es noch in Bleisatz und Tiefdruck hergestellte Lektüren, die moralischen und politischen Grundsätzen gerecht werden sollten. Zeitungen druckten noch auf den Maschinen der Nazizeit und brachten Tipps für die patente Hausfrau, deren größter Stress die neue Aufklärungliteratur werden sollte. Eltern kämpften vehement gegen die neue Pest aus Amerika, billig gedruckte Schundhefte, Comics, welche die gesamte Kultur und Bildung in den Abgrund treiben würden. Ein paar Schriftsteller lehnten sich gegen den Betrieb auf, indem sie eigene Literaturformen schöpften. Manche, natürlich wieder die Amerikaner, nahmen dazu sogar Drogen. Eine Elite von Bessergestellten konnte sich die ersten Fernseher leisten. Aber noch stand die Röhre nicht im Verdacht, die Lesekultur zu zerstören, noch ahnte man nicht, welche Macht sie entwickeln würde. Man hörte die Beatles auf Vinyl und galt damit als übler Revolutionär. Echte Bücher wurden in Leinen gebunden. Der erste Buchclub brachte sie auch in bildungsferne Familien. Wie hätten sich die Leute damals die Zukunft des Buchs im Jahr 2004 vorgestellt? 2000 war doch Science Fiction pur!
Wer hätte ahnen können, was dann alles passierte. Die erste Mondlandung, Millionen von Menschen gleichzeitig vor dem Fernseher. Die 1968er-Revolution mit einer Umwälzung sondergleichen in Kunst und Kultur, auch Literatur. Handhektografierte Fanzines, später Independent-Texte aus dem Copyshop. Bücher schrumpften zu Taschenbüchern, wurden für breite Massen erschwinglich. Schulen bekamen Bibliotheken. Die Revolutionäre nahmen die Literatur aus den bildungsbürgerlichen Geniestuben an sich, trugen sie auf die Straße, experimentierten mit Film. Was dann folgte, werden die meisten von uns erlebt haben: Die ersten Heimcomputer, die Atari-Spielewelle, der klobige Telefonhörer, der ein Modem war. Das Internet in Grellgrün auf Schwarz, die ersten Mailinglisten von Wissenschaftlern, geocities und compuserve. Videokassetten, CDs und schließlich DVDs, HD und Blueray. Internet nicht nur für Auserwählte, eine neues Schriftmedium für alle, Bücher zum Selbermachen, Bücher bei Tschibo, Bücher statt Pralinen und Schlüsselanhänger statt Bücher und jede Menge Texte, die keine Bücher mehr sein wollen.
LeserInnen und AutorInnen mangelt es zum Glück selten an Fantasie. Deshalb möchte ich heute ein Experiment starten.
Schreibt mir / schreiben Sie mir, wie die Zukunft unserer Lektüre im Jahr 2050 aussehen könnte! Was werden wir lesen, in welcher Form - wie und wo werden wir es uns besorgen? Werden wir noch lesen? Oder was für eine Buchzukunft wünscht ihr euch?
Verlassen wir unsere altbekannten Buchhandlungen, legen wir einmal den alten Goethe zur Seite. Stellen wir uns vor, auch uns stünden Revolutionen oder Mondlandungen bevor - oder Entsprechungen. Stellen wir uns vor, wir könnten unsere Zukunft frei gestalten. Alles ist möglich!
Und so wird's gemacht:
Ihr mailt mir euren kurzen Text (maximal 3300 Zeichen mit Leerzeichen) als virenfreie .txt-Datei (unformatierter Text!)
- und erklärt euch damit einverstanden mit einer Veröffentlichung in diesem Blog (und sämtlichen Aggregatoren, die diesen Blog spiegeln oder verbreiten). Alias ist möglich (wir wollen ja wichtige Branchenmenschen nicht outen), aber ich möchte wissen, wie euer Zugang zum Buch ist: LeserIn / AutorIn / BuchhändlerIn / VerlegerIn / LektorIn und was es alles gibt. Mailzugang hier (nicht abschrecken lassen!) Bitte dazuschreiben, unter welchem Namen veröffentlicht werden soll.
Formal seid ihr völlig frei, aber selbstverständlich behalte ich mir vor, Texte nicht zu veröffentlichen, die gegen die guten Sitten oder Gesetze verstoßen oder persönlich beleidigen oder plumpe Eigenwerbung bringen - das übliche Disclaimerzeug. Rechtschreibfehler sind erlaubt, ihr bekommt die Korrektur kostenlos - aber leider auch kein Honorar - wie die Blogmacherin selbst ... Ich werde übrigens vielleicht auch mitmachen...
Ich werde nur Texte berücksichtigen, die diese Vorgaben wirklich einhalten. So viel Intelligenz muss sein. Der Text mit 3500 Zeichen oder in anderer Dateiform oder ohne Zugang zum Buch fliegt gnadenlos in den Mülleimer.
Ich duze hier der Einfachheit halber, nehme aber natürlich auch gesiezte Mails an und antworte ordentlich.
Sollte ich wider Erwarten so viele Zuschriften bekommen, dass ich in ihnen ertrinke, werde ich leider die besten aussuchen müssen.
Überrascht mich! (Einsendeschluss gibt's keinen, weil die Serie lose mitlaufen soll)
Wenn ihr noch Fragen habt - einfach hier stellen.
2025 ist für den Börsenverein des deutschen Buchhandels eine magische Zahl. Derzeit werden bei den Mitgliedern heftig die sogenannten 55 Thesen für das Jahr 2025 diskutiert. Man kann sie unter dem Link nachlesen und wird Aussagen finden wie:
1. Alle gedruckte Medien verlieren an Bedeutung. Der Rückgang bei Buch, Zeitschrift und Zeitung liegt bezogen auf Vertriebserlöse jeweils bei über 25%.Wahllos herausgegriffen, um zu zeigen, wie man sich im Börsenverein Gedanken um die Zukunft von Büchern, Verlagen und Buchhandel macht. Diejenigen, die die Inhalte dieser Bücher schöpfen, kommen in solchen Diskussionen leider seltenst vor.
2. Der stärkste Rückgang bei den Vertriebswegen für Bücher betrifft den stationären Buchhandel (-31%).
12. Der Sortimentsbuchhandel muss die durch Umsatzrückgang frei werdenden Flächen durch neue Produkte auffüllen.
Als Autorin drehe ich den Spieß einfach um. Und ich drehe das Zeitrad sogar noch um 25 Jahre weiter, auf 2050. Das ist in genau 39 Jahren, wenn die meisten dieser Manager bereits berentet sein werden und einige vielleicht gar nicht mehr leben. Es ist also ungefähr so, als hätte man einem jungen Menschen 1965 erzählen wollen, wie die Branche 2004 aussehen würde.
1965. Da gab es noch in Bleisatz und Tiefdruck hergestellte Lektüren, die moralischen und politischen Grundsätzen gerecht werden sollten. Zeitungen druckten noch auf den Maschinen der Nazizeit und brachten Tipps für die patente Hausfrau, deren größter Stress die neue Aufklärungliteratur werden sollte. Eltern kämpften vehement gegen die neue Pest aus Amerika, billig gedruckte Schundhefte, Comics, welche die gesamte Kultur und Bildung in den Abgrund treiben würden. Ein paar Schriftsteller lehnten sich gegen den Betrieb auf, indem sie eigene Literaturformen schöpften. Manche, natürlich wieder die Amerikaner, nahmen dazu sogar Drogen. Eine Elite von Bessergestellten konnte sich die ersten Fernseher leisten. Aber noch stand die Röhre nicht im Verdacht, die Lesekultur zu zerstören, noch ahnte man nicht, welche Macht sie entwickeln würde. Man hörte die Beatles auf Vinyl und galt damit als übler Revolutionär. Echte Bücher wurden in Leinen gebunden. Der erste Buchclub brachte sie auch in bildungsferne Familien. Wie hätten sich die Leute damals die Zukunft des Buchs im Jahr 2004 vorgestellt? 2000 war doch Science Fiction pur!
Wer hätte ahnen können, was dann alles passierte. Die erste Mondlandung, Millionen von Menschen gleichzeitig vor dem Fernseher. Die 1968er-Revolution mit einer Umwälzung sondergleichen in Kunst und Kultur, auch Literatur. Handhektografierte Fanzines, später Independent-Texte aus dem Copyshop. Bücher schrumpften zu Taschenbüchern, wurden für breite Massen erschwinglich. Schulen bekamen Bibliotheken. Die Revolutionäre nahmen die Literatur aus den bildungsbürgerlichen Geniestuben an sich, trugen sie auf die Straße, experimentierten mit Film. Was dann folgte, werden die meisten von uns erlebt haben: Die ersten Heimcomputer, die Atari-Spielewelle, der klobige Telefonhörer, der ein Modem war. Das Internet in Grellgrün auf Schwarz, die ersten Mailinglisten von Wissenschaftlern, geocities und compuserve. Videokassetten, CDs und schließlich DVDs, HD und Blueray. Internet nicht nur für Auserwählte, eine neues Schriftmedium für alle, Bücher zum Selbermachen, Bücher bei Tschibo, Bücher statt Pralinen und Schlüsselanhänger statt Bücher und jede Menge Texte, die keine Bücher mehr sein wollen.
LeserInnen und AutorInnen mangelt es zum Glück selten an Fantasie. Deshalb möchte ich heute ein Experiment starten.
Schreibt mir / schreiben Sie mir, wie die Zukunft unserer Lektüre im Jahr 2050 aussehen könnte! Was werden wir lesen, in welcher Form - wie und wo werden wir es uns besorgen? Werden wir noch lesen? Oder was für eine Buchzukunft wünscht ihr euch?
Verlassen wir unsere altbekannten Buchhandlungen, legen wir einmal den alten Goethe zur Seite. Stellen wir uns vor, auch uns stünden Revolutionen oder Mondlandungen bevor - oder Entsprechungen. Stellen wir uns vor, wir könnten unsere Zukunft frei gestalten. Alles ist möglich!
Und so wird's gemacht:
Ihr mailt mir euren kurzen Text (maximal 3300 Zeichen mit Leerzeichen) als virenfreie .txt-Datei (unformatierter Text!)
- und erklärt euch damit einverstanden mit einer Veröffentlichung in diesem Blog (und sämtlichen Aggregatoren, die diesen Blog spiegeln oder verbreiten). Alias ist möglich (wir wollen ja wichtige Branchenmenschen nicht outen), aber ich möchte wissen, wie euer Zugang zum Buch ist: LeserIn / AutorIn / BuchhändlerIn / VerlegerIn / LektorIn und was es alles gibt. Mailzugang hier (nicht abschrecken lassen!) Bitte dazuschreiben, unter welchem Namen veröffentlicht werden soll.
Formal seid ihr völlig frei, aber selbstverständlich behalte ich mir vor, Texte nicht zu veröffentlichen, die gegen die guten Sitten oder Gesetze verstoßen oder persönlich beleidigen oder plumpe Eigenwerbung bringen - das übliche Disclaimerzeug. Rechtschreibfehler sind erlaubt, ihr bekommt die Korrektur kostenlos - aber leider auch kein Honorar - wie die Blogmacherin selbst ... Ich werde übrigens vielleicht auch mitmachen...
Ich werde nur Texte berücksichtigen, die diese Vorgaben wirklich einhalten. So viel Intelligenz muss sein. Der Text mit 3500 Zeichen oder in anderer Dateiform oder ohne Zugang zum Buch fliegt gnadenlos in den Mülleimer.
Ich duze hier der Einfachheit halber, nehme aber natürlich auch gesiezte Mails an und antworte ordentlich.
Sollte ich wider Erwarten so viele Zuschriften bekommen, dass ich in ihnen ertrinke, werde ich leider die besten aussuchen müssen.
Überrascht mich! (Einsendeschluss gibt's keinen, weil die Serie lose mitlaufen soll)
Wenn ihr noch Fragen habt - einfach hier stellen.
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PvC
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6/18/2011 03:11:00 nachm.
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Aus der Hexenküche
Während im deutschsprachigen Raum noch über die sogenannte "Holzklasse" Buch (Buch aus Papier) gestritten wird, sind die Leute in anderen Ländern kräftig am Experimentieren. Offensichtlich braucht man nicht einmal mehr Verlage für jede Lösung.
Ein kleiner Blick in die Hexenküche der Buchentwickler -
Liz Castro hat ein bebildertes Reisebuch über Barcelona ausgearbeitet, dass als DRM-freies Epub mit fixiertem Layout vertrieben wird. Ein Buch, das direkt mit Google Maps verbunden ist, schließlich will man die Sehenswürdigkeiten auch finden!
Barcelona Beyond Gaudí Demo: Interactive Fixed Layout ebook from Liz Castro on Vimeo.
H. P. Lovecraft hat einst die Welt von Kadath geschaffen. Sein französischer Verlag Mnémos setzte dem noch eins drauf und entwickelte zusammen mit Walrus Productions ein interaktives Buch, das diese Bezeichnung wahrhaftig verdient hat. Hier lösen sich Grenzen zwischen den Welten völlig auf - das Buch wird sogar zum Spiel...
Walrus Epub Demo#3 - Kadath from Walrus Books on Vimeo.
Ein kleiner Blick in die Hexenküche der Buchentwickler -
Liz Castro hat ein bebildertes Reisebuch über Barcelona ausgearbeitet, dass als DRM-freies Epub mit fixiertem Layout vertrieben wird. Ein Buch, das direkt mit Google Maps verbunden ist, schließlich will man die Sehenswürdigkeiten auch finden!
Barcelona Beyond Gaudí Demo: Interactive Fixed Layout ebook from Liz Castro on Vimeo.
H. P. Lovecraft hat einst die Welt von Kadath geschaffen. Sein französischer Verlag Mnémos setzte dem noch eins drauf und entwickelte zusammen mit Walrus Productions ein interaktives Buch, das diese Bezeichnung wahrhaftig verdient hat. Hier lösen sich Grenzen zwischen den Welten völlig auf - das Buch wird sogar zum Spiel...
Walrus Epub Demo#3 - Kadath from Walrus Books on Vimeo.
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PvC
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6/18/2011 12:05:00 nachm.
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17.06.2011
Eine wunderbare Verlegerin pausiert
17.06.2011
5
Gestern hatte ich eine Mail von Lisette Buchholz im Kasten, die mir wie selten ein Text tief aus dem Herzen sprach - und die mich doch auch traurig und sprachlos machte. Lisette Buchholz ist die fabelhafte Verlegerin des Persona Verlags in Mannheim, eine dieser kleinen, aber feinen Perlen von verlegergeführten Verlagen, wo Bücher noch Bücher sein dürfen. Unermüdlich gab die Verlegerin seit 1983 Werke vor allem aus der vergessenen Exilliteratur zwischen 1933 und 1945 heraus. Ich entdeckte den Verlag durch das grandios übersetzte Buch "Die Engelspuppe" wieder - Literatur, wie sie sich nicht mehr viele Verlage trauen, weil immer mehr in einem glattgebügelten Markt das Risiko und den Übersetzungsaufwand scheuen.
Dank Gesine von Prittwitz ist die Mail nun zu einem offenen Brief geworden, den gesamten Text kann man hier nachlesen: "Warum ich 2011 kein Buch verlege." Jeder Mensch, dem Bücher auch nur irgendwie am Herzen liegen, sollte diesen offenen Brief unbedingt lesen!
Denn Lisette Buchholz bringt darin das ganze Dilemma einer schnellstdrehenden Warenwelt zum Ausdruck, in der Bücher zur Melkkuh fürs Profitdenken à la Mc Kinsey geworden sind, in der selbst sogenannte Hochliteratur nur noch hektisch im Karussell von Preisen und Hypes dreht.
Aber er macht mich auch unendlich traurig. Es scheinen ausschließlich diejenigen nachzudenken, die ohnehin Bücher mit Hirn machen. Börsenverein & Co. diskutieren "Content", machen sich Gedanken um Bücher, als könne man sie künftig wie billige Zahnpasta aus Schreibsklaven und Übersetzerprostituierten pressen. Nirgendwo in den einschlägigen Branchendiskussionen hört man sich die Schöpferinnen und Schöpfer der Inhalte an - und die echten, alten, womöglich schon aussterbenden Verlegerpersönlichkeiten, die Inhalte wie Schöpfer pflegen!
Was aber soll aus unserer Bücherwelt werden, wenn immer nur die ohnehin Bemühten nachdenken und aussteigen - oder wie derzeit an mehreren anderen Stellen spürbar, nah am Bankrott vorbeischrammen? Was, wenn uns in diesem überfüllten Fastfoodmarkt eines Tages all die Bücher wegbrechen, die anders sind, die individuell sind, die ihre Leserinnen und Leser im besten Sinne fordern und beschäftigen, berühren und verändern? Was, wenn diese AutorInnen, VerlegerInnen und ÜbersetzerInnen aufgeben angesichts der Übermacht? Wollen wir in einer Welt leben, die derart verarmt?
Zufällig kam eben eine Meldung von Reuters herein, in der beklagt wird, dass diese ach so schöne neue Welt des Kindle-Shops zu einem riesigen Mülleimer von Spam zu 99 Cent wird. Bücher, die gar keine richtigen Bücher sind. Dreck von Profitgeiern und billigen Jakobs, unter dem irgendwann die richtigen Bücher ersticken könnten. Man findet sie ja nicht mehr. Diese Bücher, von denen heute noch alle jubeln, sie würden unsere Zukunft bergen.
Ich denke, unsere Buchwelt braucht das Innehalten dringend. Aber danach braucht sie eine breite Angriffsfront von Qualität. Sie braucht engagierte Menschen auf allen Ebenen, für die Bücher mehr sind als nur ein Tor zum Hype, ein Aushängeschild fürs Feuilleton oder der Lottogewinn auf der Bank.
Die Bücher brauchen uns. Bücher brauchen Menschen. Sie brauchen Leidenschaft und Passion, Enthusiasmus und all die noch nicht erzählten wichtigen Menschengeschichten.
Bücher brauchen aber auch etwas, das im Laufe der Jahre vollends verlorengegangen ist in einigen Berufen (Verleger, Kritiker): Sie brauchen Trüffelschweine und Perlenfischer, Gärtnerinnen und Kuratorinnen.
Warten wir nicht darauf, bis sich der Börsenverein klar darüber geworden ist, welche Zukunft des "Prinzips Buch" er gerne hätte. Verramschen wir uns nicht als mies geachtete Contentsäue! Lassen wir nicht die Unternehmensberatungen urteilen, was Literatur sein darf.
Unsere Leserinnen und Leser sind hungrig. Aber sie sind bei weitem nicht so debil und anspruchslos, so hirnbegrenzt und dummgebürstet, wie sie einige Marktbeteiligte gern hätten.
Bin ich zu idealistisch, wenn ich daran glaube, dass genau diese mündigen Leserinnen und Leser auch noch in Zukunft gute Bücher lesen wollen - egal in welcher äußeren Form?
Dank Gesine von Prittwitz ist die Mail nun zu einem offenen Brief geworden, den gesamten Text kann man hier nachlesen: "Warum ich 2011 kein Buch verlege." Jeder Mensch, dem Bücher auch nur irgendwie am Herzen liegen, sollte diesen offenen Brief unbedingt lesen!
Denn Lisette Buchholz bringt darin das ganze Dilemma einer schnellstdrehenden Warenwelt zum Ausdruck, in der Bücher zur Melkkuh fürs Profitdenken à la Mc Kinsey geworden sind, in der selbst sogenannte Hochliteratur nur noch hektisch im Karussell von Preisen und Hypes dreht.
"Nachdenken? Nachsinnen? Einen Schritt beiseitetreten? Das Feld räumen? Aufräumen? Von wegen. Das Leben, zumal das literarische, ist eine Achterbahn", schreibt sie.Und was sie über ihre AutorInnen zu sagen weiß, fragen sich so viele AutorInnen anderer Verlage ebenso:
"Jeden Donnerstag, wenn ich das Börsenblatt aus dem Kasten ziehe, weiß ich schon, welche Gefühle mich erregen werden, wenn ich es durchblättere. Ist das noch meine Branche? Habe ich einen Verlag gegründet, um dabei mitzutun? Ich sehe meine Autorinnen und Autoren vor mir – sie eignen sich zu alledem nicht. ... Zu ernsthaft, zu selbstständig, zu wenig marktgerecht, waren bzw. sind sie nie an den richtigen Orten, um einschlägige Kontakte zu knüpfen. Alle Voraussetzungen für den Beruf des Adabeis fehlen ihnen. Manche leben im Ausland und sind in Deutschland schwer unterzubringen."Die Verlegerin nimmt sich für dieses Jahr eine Auszeit. So eine kreative Pause, ein solches Nachdenken können äußerst fruchtbar sein. Ich hoffe, sie kommt 2012 mit neuen Ideen wieder. Ich möchte laut Applaus klatschen für diesen aufrüttelnden Brief.
Aber er macht mich auch unendlich traurig. Es scheinen ausschließlich diejenigen nachzudenken, die ohnehin Bücher mit Hirn machen. Börsenverein & Co. diskutieren "Content", machen sich Gedanken um Bücher, als könne man sie künftig wie billige Zahnpasta aus Schreibsklaven und Übersetzerprostituierten pressen. Nirgendwo in den einschlägigen Branchendiskussionen hört man sich die Schöpferinnen und Schöpfer der Inhalte an - und die echten, alten, womöglich schon aussterbenden Verlegerpersönlichkeiten, die Inhalte wie Schöpfer pflegen!
Was aber soll aus unserer Bücherwelt werden, wenn immer nur die ohnehin Bemühten nachdenken und aussteigen - oder wie derzeit an mehreren anderen Stellen spürbar, nah am Bankrott vorbeischrammen? Was, wenn uns in diesem überfüllten Fastfoodmarkt eines Tages all die Bücher wegbrechen, die anders sind, die individuell sind, die ihre Leserinnen und Leser im besten Sinne fordern und beschäftigen, berühren und verändern? Was, wenn diese AutorInnen, VerlegerInnen und ÜbersetzerInnen aufgeben angesichts der Übermacht? Wollen wir in einer Welt leben, die derart verarmt?
Zufällig kam eben eine Meldung von Reuters herein, in der beklagt wird, dass diese ach so schöne neue Welt des Kindle-Shops zu einem riesigen Mülleimer von Spam zu 99 Cent wird. Bücher, die gar keine richtigen Bücher sind. Dreck von Profitgeiern und billigen Jakobs, unter dem irgendwann die richtigen Bücher ersticken könnten. Man findet sie ja nicht mehr. Diese Bücher, von denen heute noch alle jubeln, sie würden unsere Zukunft bergen.
Ich denke, unsere Buchwelt braucht das Innehalten dringend. Aber danach braucht sie eine breite Angriffsfront von Qualität. Sie braucht engagierte Menschen auf allen Ebenen, für die Bücher mehr sind als nur ein Tor zum Hype, ein Aushängeschild fürs Feuilleton oder der Lottogewinn auf der Bank.
Die Bücher brauchen uns. Bücher brauchen Menschen. Sie brauchen Leidenschaft und Passion, Enthusiasmus und all die noch nicht erzählten wichtigen Menschengeschichten.
Bücher brauchen aber auch etwas, das im Laufe der Jahre vollends verlorengegangen ist in einigen Berufen (Verleger, Kritiker): Sie brauchen Trüffelschweine und Perlenfischer, Gärtnerinnen und Kuratorinnen.
Warten wir nicht darauf, bis sich der Börsenverein klar darüber geworden ist, welche Zukunft des "Prinzips Buch" er gerne hätte. Verramschen wir uns nicht als mies geachtete Contentsäue! Lassen wir nicht die Unternehmensberatungen urteilen, was Literatur sein darf.
Unsere Leserinnen und Leser sind hungrig. Aber sie sind bei weitem nicht so debil und anspruchslos, so hirnbegrenzt und dummgebürstet, wie sie einige Marktbeteiligte gern hätten.
Bin ich zu idealistisch, wenn ich daran glaube, dass genau diese mündigen Leserinnen und Leser auch noch in Zukunft gute Bücher lesen wollen - egal in welcher äußeren Form?
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PvC
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6/17/2011 07:03:00 nachm.
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Rheingold oder: Schmeiß rhein!
Nach fast einem Vierteljahrhundert im Ausland und jahrelanger interkultureller Arbeit bilde ich mir immer ein, gegen die perversesten und kuriosesten Überraschungen des alltäglichen Grenzverkehrs gefeit zu sein. Aber heute haben mich ein paar verdorbene Gläser Joghurt drangekriegt!
Ich habe in Deutschland einem vergesslichen Urlauber die Blumen gegossen und ein paar vergessene, inzwischen abgelaufene Lebensmittel aus dem Kühlschrank geräumt. Keine große Sache, die ungeöffneten Joghurtbecher und ein Glas mit etwas waren einfach abgelaufen. Ich packte alles zusammen und wollte es entsorgen. Zufällig traf ich im Hausflur den Vermieter. Der kam mir wie gerufen, denn ich weiß zwar, dass man in Deutschland tausend verschiedene Tönnchen hat und eine davon ganz grässlich stinkt, aber ich weiß natürlich nach so vielen Jahren nicht mehr, was man in welche werfen darf. Ich fragte also lieber, bevor ich etwas falsch machte, denn Deutschland kennt ja auch so herrliche Wörter wie "Ordnungsgeld"...
Ja das ginge nun gar nicht, meinte der Vermieter. Ich könne nicht einfach das ganze Zeug in den Müll werfen.
Ich wolle es ja nicht einfach werfen, wenn er mir bitte die richtige Tonne nennen würde?
- "Sie können doch nicht einfach gemischtes Zeug in eine einzige Tonne werfen!"
- "Ja, was machen Sie denn, wenn ihr Joghurt mal abgelaufen ist?"
- "Das geht so gar nicht. Den müssen Sie auslöffeln und das Glas ausspülen und das gehört dann in den Glasmüll. Und der Plastikbecher ist Soundsomüll."
- "Ich kann den Joghurt nicht auslöffeln. Der ist schon verdorben. Ich will auch keinen Joghurt essen, sondern Joghurt wegwerfen. dafür muss es doch eine Tonne geben?"
- "Nein, das dürfen Sie nicht. Den müssen Sie erst aus der Verpackung holen."
- "Ich habe aber keinen Löffel dabei. Hätten Sie vielleicht einen Löffel für mich? Dann könnte ich schon mal hier im Treppenhaus..."
Da schaltete sich seine Frau ein, die bisher nur schweigend den Kopf über mich geschüttelt hatte. Praktisch, wie Frauen nun mal so sind, meinte Sie: "Schmeißen Sie die ganze Tüte mit dem Zeug in den Rhein!"
Ich hatte wohl nicht richtig gehört. Und vergewisserte mich: "Sie meinen, ich soll die ganze Tüte einfach in die Tonne reinschmeißen?"
- "Nicht in eine Tonne. Wir haben Mülltrennung! Das geht alles öko hier. Schmeißen Sie das ganze Gelump in den Rhein, das machen sie doch alle! Weg damit."
- "Ist das auch öko, im Rhein, Plastikmüll, Glasmüll, verdorbenes Zeug?", wollte ich vorwitzig wissen.
- "Sieht doch keiner, ist doch schwer genug, das geht unter. Werfen Sie's von der Brücke. Ihr habt in Frankreich doch auch nur eine einzige Sauereitonne für alles und schert euch nicht um Mülltrennung!"
Vorsichtig versuchte ich, der Frau zu erklären, dass wir sehr wohl eine Mülltrennung hätten, eine sehr strenge sogar, aber eben per Container. Das mit dem Rhein hielte ich für eine Sauerei. Hüben wie drüben.
Erbosten sich die beiden, dass ich sie der Sauerei bezichtigte. Ich solle mich nicht so haben. Rein in den Rhein, weg damit, ihr Haus sei sauber und da werde alles ökologisch getrennt!
Ich habe dann illegalen Mülltourismus über die Rheinbrücke betrieben (nichts geworfen, ich bin nur gefahren) und die Plastiktüte in der französischen Tonne entsorgt, in die wir Dinge werfen, mit denen wir unsere Gewässer nicht belasten möchten.
Das "Rheingold" hat für mich seit heute eine völlig neue Bedeutung.
Ich habe in Deutschland einem vergesslichen Urlauber die Blumen gegossen und ein paar vergessene, inzwischen abgelaufene Lebensmittel aus dem Kühlschrank geräumt. Keine große Sache, die ungeöffneten Joghurtbecher und ein Glas mit etwas waren einfach abgelaufen. Ich packte alles zusammen und wollte es entsorgen. Zufällig traf ich im Hausflur den Vermieter. Der kam mir wie gerufen, denn ich weiß zwar, dass man in Deutschland tausend verschiedene Tönnchen hat und eine davon ganz grässlich stinkt, aber ich weiß natürlich nach so vielen Jahren nicht mehr, was man in welche werfen darf. Ich fragte also lieber, bevor ich etwas falsch machte, denn Deutschland kennt ja auch so herrliche Wörter wie "Ordnungsgeld"...
Ja das ginge nun gar nicht, meinte der Vermieter. Ich könne nicht einfach das ganze Zeug in den Müll werfen.
Ich wolle es ja nicht einfach werfen, wenn er mir bitte die richtige Tonne nennen würde?
- "Sie können doch nicht einfach gemischtes Zeug in eine einzige Tonne werfen!"
- "Ja, was machen Sie denn, wenn ihr Joghurt mal abgelaufen ist?"
- "Das geht so gar nicht. Den müssen Sie auslöffeln und das Glas ausspülen und das gehört dann in den Glasmüll. Und der Plastikbecher ist Soundsomüll."
- "Ich kann den Joghurt nicht auslöffeln. Der ist schon verdorben. Ich will auch keinen Joghurt essen, sondern Joghurt wegwerfen. dafür muss es doch eine Tonne geben?"
- "Nein, das dürfen Sie nicht. Den müssen Sie erst aus der Verpackung holen."
- "Ich habe aber keinen Löffel dabei. Hätten Sie vielleicht einen Löffel für mich? Dann könnte ich schon mal hier im Treppenhaus..."
Da schaltete sich seine Frau ein, die bisher nur schweigend den Kopf über mich geschüttelt hatte. Praktisch, wie Frauen nun mal so sind, meinte Sie: "Schmeißen Sie die ganze Tüte mit dem Zeug in den Rhein!"
Ich hatte wohl nicht richtig gehört. Und vergewisserte mich: "Sie meinen, ich soll die ganze Tüte einfach in die Tonne reinschmeißen?"
- "Nicht in eine Tonne. Wir haben Mülltrennung! Das geht alles öko hier. Schmeißen Sie das ganze Gelump in den Rhein, das machen sie doch alle! Weg damit."
- "Ist das auch öko, im Rhein, Plastikmüll, Glasmüll, verdorbenes Zeug?", wollte ich vorwitzig wissen.
- "Sieht doch keiner, ist doch schwer genug, das geht unter. Werfen Sie's von der Brücke. Ihr habt in Frankreich doch auch nur eine einzige Sauereitonne für alles und schert euch nicht um Mülltrennung!"
Vorsichtig versuchte ich, der Frau zu erklären, dass wir sehr wohl eine Mülltrennung hätten, eine sehr strenge sogar, aber eben per Container. Das mit dem Rhein hielte ich für eine Sauerei. Hüben wie drüben.
Erbosten sich die beiden, dass ich sie der Sauerei bezichtigte. Ich solle mich nicht so haben. Rein in den Rhein, weg damit, ihr Haus sei sauber und da werde alles ökologisch getrennt!
Ich habe dann illegalen Mülltourismus über die Rheinbrücke betrieben (nichts geworfen, ich bin nur gefahren) und die Plastiktüte in der französischen Tonne entsorgt, in die wir Dinge werfen, mit denen wir unsere Gewässer nicht belasten möchten.
Das "Rheingold" hat für mich seit heute eine völlig neue Bedeutung.
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6/17/2011 05:24:00 nachm.
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Sinnesreisen
16.06.2011
...jetzt einen Wodka?
16.06.2011
0
Mir ist zum ersten Mal in meinem Schriftstellerleben nach einem Wodka auf nüchternen Magen. Die Grafik hat sich gemeldet - heute wurde der Aushänger vom Nijinsky gedruckt. Und dabei gab es den größtmöglichen Supergau mit einer Datei - wobei die - völlig unschuldige - Herstellung gleich mögliche Rettungsmaßnahmen ergriffen hat. Ich hatte irgendwie schon das Gefühl, dass da etwas passieren könnte ... Irgendwie war die Generalprobe noch nicht alles.
Nun denn. Entweder der Fehler findet sich oder eine der Alternativen wird genommen. Jedenfalls dürfte es nächste Woche zur Druckfreigabe kommen und dann geht das ganz rasant.
Vielleicht sollte ich den Wodka doch lieber durch eine Doppelpille Hopfenschnarchwohl ersetzen.
Dieser Beitrag ist all jenen Leserinnen und Lesern gewidmet, die sich fragen, warum Autoren Drogen nehmen. Nehme bitte heute keiner mehr das Wort "Nerven" in den Mund!
Kürzlich unterhielt ich mich mit einem Freund darüber, dass sich Autoren - einer berufsbedingten Deformation zufolge - ständig selbst inszenieren oder "verschriftlichen". Will heißen: Sobald etwas zu Papier gebracht wird, ist es schon mit einer eigenen Dramaturgie versehen, stehen die richtigen Requisiten auf dem Tisch, funktionieren die Dialoge. Wer hätte meinen Beitrag dramatisch genug gefunden, wenn ich erzählt hätte, was ich beim Schreiben wirklich trank? Einen ekligen Schokokaffee aus der Pulverdose! Aber man kann auch vor lauter Aufregung einen Kater bekommen...
Nun denn. Entweder der Fehler findet sich oder eine der Alternativen wird genommen. Jedenfalls dürfte es nächste Woche zur Druckfreigabe kommen und dann geht das ganz rasant.
Vielleicht sollte ich den Wodka doch lieber durch eine Doppelpille Hopfenschnarchwohl ersetzen.
Dieser Beitrag ist all jenen Leserinnen und Lesern gewidmet, die sich fragen, warum Autoren Drogen nehmen. Nehme bitte heute keiner mehr das Wort "Nerven" in den Mund!
Auch hierzu ein update:
Kürzlich unterhielt ich mich mit einem Freund darüber, dass sich Autoren - einer berufsbedingten Deformation zufolge - ständig selbst inszenieren oder "verschriftlichen". Will heißen: Sobald etwas zu Papier gebracht wird, ist es schon mit einer eigenen Dramaturgie versehen, stehen die richtigen Requisiten auf dem Tisch, funktionieren die Dialoge. Wer hätte meinen Beitrag dramatisch genug gefunden, wenn ich erzählt hätte, was ich beim Schreiben wirklich trank? Einen ekligen Schokokaffee aus der Pulverdose! Aber man kann auch vor lauter Aufregung einen Kater bekommen...
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6/16/2011 06:16:00 nachm.
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Klappentexte zum Wegwerfen
Unlängst beging ich einen großen Fehler. Ich versuchte, in einer Buchhandlung auf die Schnelle kurz vor Ladenschluss eine Bettlektüre zu ergattern, indem ich mich bewusst nur am Cover und Klappentext orientierte. Oweia!
Auf dem Bestsellertisch wurde ich erst einmal vom psychedelisch-retro-avantgardistischen Farbgrauen übermannt. Brombeereisrot kämpfte gegen Lilaglimmer, Goldprägedruck erschlug Blaugrüngelbbraun und außer Diogenes und ähnlichen Verdächtigen war kein Verlag erkennbar. Inzwischen scheint man sogar die Grafiker als Leiharbeiter reihum zu schicken, selbst die wirklich aus dem Rahmen fallende literarische Tana French bekommt die gleichen Trendcover, die man bei der Konkurrenz im Billigsektor schon über hat. Ansonsten: Mittelalter, Wolken, Barbiefrauen, präraffaelitische Frauen, Frauenbeine, Frauenbäuche, Schmachtefrauen, kopflose Frauen...
Nun gut. Augen zu und durch, nach Namen gesucht. Einen hatte ich mir notiert, eine literarische Entdeckung seines Landes sollte er sein, dort Bestsellerautor - und die bekannte Übersetzerin versprach Qualität. Dafür würde ich auch das "Premium-Taschenbuch" mit Kitschbildchen und Klischee ertragen. Premium Taschenbücher bestehen aus nichts anderem als mehrfach aufgeblasenem Papier, sie wirken dadurch dicker und schwerer und werden deshalb teurer verkauft - auch wenn man lieber Inhalt hätte als Gewicht.
Ein Blick in den Klappentext entmutigte mich vollends. Schöne Frau, gefährliche Liebe, Hingerissensein, Bedrohung, noch mal die Schöne und feurig der Liebhaber und eigentlich zwei Liebhaber und Liebe ... danke, meine Damen und Herren Klappentexter, ich wollte eigentlich einen literarischen Krimi erstehen, keinen Billigschmachtfetzen aus dem Heftchengenre!
Nächster Krimi: Ein Mord! Schau an. Wer hätte das gedacht! Ein brutaler Mord. Oha. An Frauen und Mädchen. Ein Serienmörder, brutal mordend, geht um. Soso, nicht schon wieder! Und nun geht der Mann auch noch um wie ein Gespenst... Aber Achtung, jetzt kommt's: Unser Held, der Ermittler, tut alles, um ihm auf die Spur zu kommen! Und ich tue alles, um diesem Buch zu entgehen.
Sollte ich jetzt zu den zwei verschwundenen kleinen Jungs hinter einem Cover greifen, das aussah wie ein Schiffsuntergangsroman aus Nazideutschland? Oder lieber den verschwundenen Jungen und das verschwundene Mädchen mit den kleinen Rabensilhouetten wählen? Auch Morde in Hotels gab es genug, einer so langweilig klappengetextet wie der andere. USP im Krimi? Bloß nicht!
Verzweifelt griff ich zum langweiligsten Buch, das ich im Getümmel ausmachen konnte. Es war einfach nur rot. Mit einem comicartigen Koffer drauf. Und im Klappentext kam auch nur ein Koffer vor. Von sieben Sätzen sagten fünf Sätze, dass es da einen Koffer gäbe, einen Koffer unter einem Bett, einen Koffer, der geöffnet würde. Ich habe das Buch gegrapscht, weil es so verdammt langweilig aussah und klang. Aber irgendwie hatten es mir die hellgrünen finnischen Acrylsocken angetan, die im sechsten Satz aus dem Klappentextkoffer quollen.
Gerade noch einmal die Kurve bekommen. Das Buch war nämlich höchst vergnüglich und absolut kurzweilig geschrieben, wenn man das überhaupt über ein hochpolitisches Buch eines Systemkritikers sagen kann. Aber seine absurden Geschichten aus dem Sowjetrussland der Siebziger sind so brillant und witzig erzählt, wie es weder Cover noch Klappentext vermuten lassen. Mein Tipp fürs Urlaubsgepäck:
Sergej Dowlatow: Der Koffer. Dumont.
Aber nur nicht süchtig werden. Der Autor, dessen Druckstöcke einst der KGB vernichtete und der Ende der Siebziger in die USA emigrierte, starb nach einem alkoholreichen Leben schon 1990 am Herzinfarkt.
Auf dem Bestsellertisch wurde ich erst einmal vom psychedelisch-retro-avantgardistischen Farbgrauen übermannt. Brombeereisrot kämpfte gegen Lilaglimmer, Goldprägedruck erschlug Blaugrüngelbbraun und außer Diogenes und ähnlichen Verdächtigen war kein Verlag erkennbar. Inzwischen scheint man sogar die Grafiker als Leiharbeiter reihum zu schicken, selbst die wirklich aus dem Rahmen fallende literarische Tana French bekommt die gleichen Trendcover, die man bei der Konkurrenz im Billigsektor schon über hat. Ansonsten: Mittelalter, Wolken, Barbiefrauen, präraffaelitische Frauen, Frauenbeine, Frauenbäuche, Schmachtefrauen, kopflose Frauen...
Nun gut. Augen zu und durch, nach Namen gesucht. Einen hatte ich mir notiert, eine literarische Entdeckung seines Landes sollte er sein, dort Bestsellerautor - und die bekannte Übersetzerin versprach Qualität. Dafür würde ich auch das "Premium-Taschenbuch" mit Kitschbildchen und Klischee ertragen. Premium Taschenbücher bestehen aus nichts anderem als mehrfach aufgeblasenem Papier, sie wirken dadurch dicker und schwerer und werden deshalb teurer verkauft - auch wenn man lieber Inhalt hätte als Gewicht.
Ein Blick in den Klappentext entmutigte mich vollends. Schöne Frau, gefährliche Liebe, Hingerissensein, Bedrohung, noch mal die Schöne und feurig der Liebhaber und eigentlich zwei Liebhaber und Liebe ... danke, meine Damen und Herren Klappentexter, ich wollte eigentlich einen literarischen Krimi erstehen, keinen Billigschmachtfetzen aus dem Heftchengenre!
Nächster Krimi: Ein Mord! Schau an. Wer hätte das gedacht! Ein brutaler Mord. Oha. An Frauen und Mädchen. Ein Serienmörder, brutal mordend, geht um. Soso, nicht schon wieder! Und nun geht der Mann auch noch um wie ein Gespenst... Aber Achtung, jetzt kommt's: Unser Held, der Ermittler, tut alles, um ihm auf die Spur zu kommen! Und ich tue alles, um diesem Buch zu entgehen.
Sollte ich jetzt zu den zwei verschwundenen kleinen Jungs hinter einem Cover greifen, das aussah wie ein Schiffsuntergangsroman aus Nazideutschland? Oder lieber den verschwundenen Jungen und das verschwundene Mädchen mit den kleinen Rabensilhouetten wählen? Auch Morde in Hotels gab es genug, einer so langweilig klappengetextet wie der andere. USP im Krimi? Bloß nicht!
Verzweifelt griff ich zum langweiligsten Buch, das ich im Getümmel ausmachen konnte. Es war einfach nur rot. Mit einem comicartigen Koffer drauf. Und im Klappentext kam auch nur ein Koffer vor. Von sieben Sätzen sagten fünf Sätze, dass es da einen Koffer gäbe, einen Koffer unter einem Bett, einen Koffer, der geöffnet würde. Ich habe das Buch gegrapscht, weil es so verdammt langweilig aussah und klang. Aber irgendwie hatten es mir die hellgrünen finnischen Acrylsocken angetan, die im sechsten Satz aus dem Klappentextkoffer quollen.
Gerade noch einmal die Kurve bekommen. Das Buch war nämlich höchst vergnüglich und absolut kurzweilig geschrieben, wenn man das überhaupt über ein hochpolitisches Buch eines Systemkritikers sagen kann. Aber seine absurden Geschichten aus dem Sowjetrussland der Siebziger sind so brillant und witzig erzählt, wie es weder Cover noch Klappentext vermuten lassen. Mein Tipp fürs Urlaubsgepäck:
Sergej Dowlatow: Der Koffer. Dumont.
Aber nur nicht süchtig werden. Der Autor, dessen Druckstöcke einst der KGB vernichtete und der Ende der Siebziger in die USA emigrierte, starb nach einem alkoholreichen Leben schon 1990 am Herzinfarkt.
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Krimi,
Literatur,
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Russland
15.06.2011
Kontrolle über die Marke?
15.06.2011
2
Es ist eigentlich ein Artikel über die Angst vor dem Kontrollverlust in Social Media bei Firmen. Aber was da über Markenbildung und Kontrolle gesagt wird, lässt sich durchaus auch auf die Markenbildung bei einem Autor querrechnen. Darum lesenswert: Social Media und die Mär vom Kontrollverlust.
Und wer mir nicht glaubt, dass es Ruckzuckdingensautoren gibt, der lerne hier die haarsträubende Realität kennen, wie unmöglich sich manche Möchtegerns gegenüber VerlasglektorInnen verhalten: "Wie man Verlage dezent bei der Meinungsbildung unterstützt." Tja, eine Menge Menschen schaufeln sich ihre Grube selbst. Typisches Futter übrigens für DKZVs...
Und wer mir nicht glaubt, dass es Ruckzuckdingensautoren gibt, der lerne hier die haarsträubende Realität kennen, wie unmöglich sich manche Möchtegerns gegenüber VerlasglektorInnen verhalten: "Wie man Verlage dezent bei der Meinungsbildung unterstützt." Tja, eine Menge Menschen schaufeln sich ihre Grube selbst. Typisches Futter übrigens für DKZVs...
update:
Es ist einfach hochnotpeinlich, wenn sogenannte "Profis" nicht einmal das Wort "VerlagslektorInnen" richtig tippen können. Setzen, sechs, hundertmal schreiben..."...
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Das lange Leiden
Alle wollen Schriftsteller werden. Manche legen schon Schriftsteller-Websites an, bevor sie wirklich einer sind. Bücher schreibt man so runter, weil jeder Schreiben in der Schule gelernt hat. Jetzt kann man Bücher auch noch ganz easy herstellen, ruckzuckhauruckhergeklickt - und haste nicht gesehen, schon ist das Geschreibsel ein echtes Buch. Pappedeckel und Papier, mehr braucht's heutzutage nicht, um Schriftsteller zu sein. Gut, ein paar Leser noch, aber die BILD hat ja schließlich auch genug gefunden. Und 'ne echte ISBN, weil ein echter Schriftsteller, der ist nichts ohne eine ISBN, so wie der Harzer Roller in der Tiefkühltheke auch nicht ohne Barcode kann. Verlage brauch'n wer nich, Buchhandel brauch'n wer nich, aber ohne ISBN und ohne Barcode schimmelt der Käse zweimal im Regal.
Und dann: Absahnen. Die große Knete machen. Berühmt werden. Das Konterfei säumt die Alleen in den Großstädten, Auftritte jagen sich. Händeschütteln, Bücher signieren, Starfotos schießen lassen. Easy ins Fernsehen, ruckzuckhauruckgecastet - ob die Schriftsteller-Attitude richtig sitzt? War doch gut, nicht Musiker oder Opernsänger oder Dirigent oder Ballettänzer geworden zu sein. Die sind schön doof dran: müssen nicht nur irre gut aussehen, sondern auch noch was können! So ein Schriftsteller hat's schön, der kann anders als der Kammersänger in der Kammer miefen, abgewrackt über der Tastatur hängen und Rotwein schlürfen, bis ihm die Gedanken von selbst aus dem Hirn fallen. Irgendwer kauft immer irgendwas, Hauptsache zwischen Pappedeckeln geadelt oder neuerdings auf schickem Technogerümpel.
Blasen vom Tanzen? Nada. Schriftsteller hängen die zarten Fingerchen in den Pool, während sie ein Interview nach dem anderen geben. Mit Disziplin einen Tag lang immer die gleichen Takte üben? Wer arbeitet denn heute noch am eigenen Text, wenn selbst Verlagen Schreibfehler unterlaufen! Aber wir haben alle mit fünf Jahren schon angefangen. Echte, wirklich ganz besonders echte Schriftsteller erzählen in ihren Website-Biografien seitenweise über frühkindliche Schreibprägungen und den ersten Füllhalter. Schriftsteller sind die größten. Musik und Theater kommt nur auf ARTE vor, aber sie füllen die Spalten, die Blogs und die Abgründe. Konkurrenz und Können fürchten die neuen Schriftsteller nicht, wozu sich anstrengen, Amanda Dingens hat's doch auch geschafft - und die war Altenpflegerin. Vampire sind immer gut, unsere Gesellschaft braucht Vampire dringender denn je. Kammermusik, pah, Minderheitengesülze. Dem Untergang geweiht.
Manchmal sieht so ein ruckzuckhauruckgedruckter Schriftsteller plötzlich einen Kollegen, wie er leidet. Absolut retro, aber solche Typen soll es ja noch geben. Dieser Typ also ringt um ein großes Thema, erleidet Schmerzen im Kampf mit Figuren und leidet unendlich daran, die richtige Erzählstimme zu finden, dem ersten Kapitel einen genau passenden Atem einzuhauchen. Dieser Typ hängt drei Tage an der gleichen Seite, als sei es eine Partitur, und komponiert immer wieder um und vorwärts und rückwärts und wirft dann alles weg und schreibt neu. Schön blöd, dämlich retro. Als ob's nicht für alles Leser gäbe! Wie viele Bücher könnte man aus diesen Papierkorbinhalten machen! Ruckzuckhauruckgedruckt, mit Pappedeckeln geadelt. Wie viele Genies und große Literaten gehen täglich durch die Altpapiersammlung der Welt verloren!
Und hat sich dann dieser altmodische Kollege endlich das Buch abgerungen, das Leben vergessen, Freunde vernachlässigt, die Fenster nicht geputzt, dann leidet er schon wieder! Bauchweh, Schlafstörungen, Schilddrüsenflattern, eiskalte Zehen, Drehschwindel und Zahnstein - und das alles nur aus Angst, wie schlecht das eigene Werk zwischen Pappedeckeln sein wird, wenn es gedruckt ist. Da hat man einen Fehler gefunden, den man nicht mehr korrigieren kann, und sicher ist die Schrift zu klein, der Text zu kurz, der Inhalt hanebüchen und schon achteinhalbmal dagewesen. Man hat das Beste gegeben, aber im Moment der Angst vor dem Erscheinen ist man über sich hinausgewachsen und hätte alles noch viel besser schreiben können. Man könnte mitsamt Drehschwindel und Zahnstein den Kopf gegen die nächste Wand stoßen. Es würde nichts nützen, man bliebe der weltschlechteste Schriftsteller mit dem weltidiotischsten Text, mit Schwächen von Kopf bis Fuß und vor allem im Hirn.
In solchen Momenten hasst sich der Retroschreiber, wird unleidlich oder schreibt noch ein Buch - nur um zu vergessen. Um abzuschalten. Um nur ja nicht daran zu denken, dass in dieser Zeit zwischen Herstellung und Erscheinen nichts mehr verbessert werden, nichts mehr aufgehalten werden kann. Es ist alles zu spät. Die Tage fühlen sich an wie heißer Teer, in den Nächten walzen einen die Federn platt. Plötzlich sitzt der Schriftsteller senkrecht im Bett: Die Zeit bis zum Erscheinen ist bereits mit zwei Händen zu greifen. Die Hände schmerzen. Man hört Chopin und überlegt sich, wo man denn herauskäme, wenn man sich heimlich unter den Teppich und in die Erde bis ans andere Ende der Welt davonstehlen würde. Kein Fegefeuer kann so brennen.
Da lacht ein Teufelchen. Lacht ruckzuckhauruckgescheppert. Wie blöd kann man denn sein! Wir haben doch alle Schreiben in der Schule schon gelernt, haben mit fünf Jahren einer Gans bei lebendigem Leib die Schreibfedern herausgerupft und später Liebesschmerz auf Herz gereimt. Ein Schriftsteller von heute leidet nicht mehr. Wir schreiben ratzfatz ein Buch, produzieren ruckzuckhauruck und sind schnellschnellschnell irre berühmt und noch irrer reich. Ein paar Buchstaben, Pappedeckel oder Technogerümpel - fertig ist das Prinzip Buch. Warum sich also unnötig Arbeit machen, warum unnötig leiden und dahinsiechen - in der Tierklinik haben sie dagegen doch auch eine Spritze!
Die Verfasserin dieser Zeilen kehrt schon wieder vom leeren Briefkasten zurück. Sie ist nicht mehr sie selbst. Eine falsche Berührung - und die Nerven zerreißen. Noch ein freundliches Bonjour der vorbeiknatternden Briefträgerin - und ein Krimi entsteht. Noch so ein langer Tag, noch so eine durchwälzte Nacht - und die Zähne fallen ganz von selbst aus. Chopin hilft schon lange nicht mehr. Vielleicht wäre es Zeit für jene Spritze.
Und was tut sie da auf den letzten Zentimetern des größten Marathons ihrer kleinen Welt? Sie muss vollkommen durchgedreht sein! Sie genießt es!!! Wie eine Figur von Molière lässt sie sich noch tiefer hängen, wenn jemand zuschaut. So viel Leiden, so viel Kraft - wie schön wird erst das Feiern werden! Das Ruckzuckhauruckgefühlsmittelmaß dürfen sich die Schnellen nehmen. Auch der Genuss des Leidens will hart erkämpft werden. So viele Tode sind schließlich bis zum ersten Andruck noch zu sterben...
Und dann: Absahnen. Die große Knete machen. Berühmt werden. Das Konterfei säumt die Alleen in den Großstädten, Auftritte jagen sich. Händeschütteln, Bücher signieren, Starfotos schießen lassen. Easy ins Fernsehen, ruckzuckhauruckgecastet - ob die Schriftsteller-Attitude richtig sitzt? War doch gut, nicht Musiker oder Opernsänger oder Dirigent oder Ballettänzer geworden zu sein. Die sind schön doof dran: müssen nicht nur irre gut aussehen, sondern auch noch was können! So ein Schriftsteller hat's schön, der kann anders als der Kammersänger in der Kammer miefen, abgewrackt über der Tastatur hängen und Rotwein schlürfen, bis ihm die Gedanken von selbst aus dem Hirn fallen. Irgendwer kauft immer irgendwas, Hauptsache zwischen Pappedeckeln geadelt oder neuerdings auf schickem Technogerümpel.
Blasen vom Tanzen? Nada. Schriftsteller hängen die zarten Fingerchen in den Pool, während sie ein Interview nach dem anderen geben. Mit Disziplin einen Tag lang immer die gleichen Takte üben? Wer arbeitet denn heute noch am eigenen Text, wenn selbst Verlagen Schreibfehler unterlaufen! Aber wir haben alle mit fünf Jahren schon angefangen. Echte, wirklich ganz besonders echte Schriftsteller erzählen in ihren Website-Biografien seitenweise über frühkindliche Schreibprägungen und den ersten Füllhalter. Schriftsteller sind die größten. Musik und Theater kommt nur auf ARTE vor, aber sie füllen die Spalten, die Blogs und die Abgründe. Konkurrenz und Können fürchten die neuen Schriftsteller nicht, wozu sich anstrengen, Amanda Dingens hat's doch auch geschafft - und die war Altenpflegerin. Vampire sind immer gut, unsere Gesellschaft braucht Vampire dringender denn je. Kammermusik, pah, Minderheitengesülze. Dem Untergang geweiht.
Manchmal sieht so ein ruckzuckhauruckgedruckter Schriftsteller plötzlich einen Kollegen, wie er leidet. Absolut retro, aber solche Typen soll es ja noch geben. Dieser Typ also ringt um ein großes Thema, erleidet Schmerzen im Kampf mit Figuren und leidet unendlich daran, die richtige Erzählstimme zu finden, dem ersten Kapitel einen genau passenden Atem einzuhauchen. Dieser Typ hängt drei Tage an der gleichen Seite, als sei es eine Partitur, und komponiert immer wieder um und vorwärts und rückwärts und wirft dann alles weg und schreibt neu. Schön blöd, dämlich retro. Als ob's nicht für alles Leser gäbe! Wie viele Bücher könnte man aus diesen Papierkorbinhalten machen! Ruckzuckhauruckgedruckt, mit Pappedeckeln geadelt. Wie viele Genies und große Literaten gehen täglich durch die Altpapiersammlung der Welt verloren!
Und hat sich dann dieser altmodische Kollege endlich das Buch abgerungen, das Leben vergessen, Freunde vernachlässigt, die Fenster nicht geputzt, dann leidet er schon wieder! Bauchweh, Schlafstörungen, Schilddrüsenflattern, eiskalte Zehen, Drehschwindel und Zahnstein - und das alles nur aus Angst, wie schlecht das eigene Werk zwischen Pappedeckeln sein wird, wenn es gedruckt ist. Da hat man einen Fehler gefunden, den man nicht mehr korrigieren kann, und sicher ist die Schrift zu klein, der Text zu kurz, der Inhalt hanebüchen und schon achteinhalbmal dagewesen. Man hat das Beste gegeben, aber im Moment der Angst vor dem Erscheinen ist man über sich hinausgewachsen und hätte alles noch viel besser schreiben können. Man könnte mitsamt Drehschwindel und Zahnstein den Kopf gegen die nächste Wand stoßen. Es würde nichts nützen, man bliebe der weltschlechteste Schriftsteller mit dem weltidiotischsten Text, mit Schwächen von Kopf bis Fuß und vor allem im Hirn.
In solchen Momenten hasst sich der Retroschreiber, wird unleidlich oder schreibt noch ein Buch - nur um zu vergessen. Um abzuschalten. Um nur ja nicht daran zu denken, dass in dieser Zeit zwischen Herstellung und Erscheinen nichts mehr verbessert werden, nichts mehr aufgehalten werden kann. Es ist alles zu spät. Die Tage fühlen sich an wie heißer Teer, in den Nächten walzen einen die Federn platt. Plötzlich sitzt der Schriftsteller senkrecht im Bett: Die Zeit bis zum Erscheinen ist bereits mit zwei Händen zu greifen. Die Hände schmerzen. Man hört Chopin und überlegt sich, wo man denn herauskäme, wenn man sich heimlich unter den Teppich und in die Erde bis ans andere Ende der Welt davonstehlen würde. Kein Fegefeuer kann so brennen.
Da lacht ein Teufelchen. Lacht ruckzuckhauruckgescheppert. Wie blöd kann man denn sein! Wir haben doch alle Schreiben in der Schule schon gelernt, haben mit fünf Jahren einer Gans bei lebendigem Leib die Schreibfedern herausgerupft und später Liebesschmerz auf Herz gereimt. Ein Schriftsteller von heute leidet nicht mehr. Wir schreiben ratzfatz ein Buch, produzieren ruckzuckhauruck und sind schnellschnellschnell irre berühmt und noch irrer reich. Ein paar Buchstaben, Pappedeckel oder Technogerümpel - fertig ist das Prinzip Buch. Warum sich also unnötig Arbeit machen, warum unnötig leiden und dahinsiechen - in der Tierklinik haben sie dagegen doch auch eine Spritze!
Die Verfasserin dieser Zeilen kehrt schon wieder vom leeren Briefkasten zurück. Sie ist nicht mehr sie selbst. Eine falsche Berührung - und die Nerven zerreißen. Noch ein freundliches Bonjour der vorbeiknatternden Briefträgerin - und ein Krimi entsteht. Noch so ein langer Tag, noch so eine durchwälzte Nacht - und die Zähne fallen ganz von selbst aus. Chopin hilft schon lange nicht mehr. Vielleicht wäre es Zeit für jene Spritze.
Und was tut sie da auf den letzten Zentimetern des größten Marathons ihrer kleinen Welt? Sie muss vollkommen durchgedreht sein! Sie genießt es!!! Wie eine Figur von Molière lässt sie sich noch tiefer hängen, wenn jemand zuschaut. So viel Leiden, so viel Kraft - wie schön wird erst das Feiern werden! Das Ruckzuckhauruckgefühlsmittelmaß dürfen sich die Schnellen nehmen. Auch der Genuss des Leidens will hart erkämpft werden. So viele Tode sind schließlich bis zum ersten Andruck noch zu sterben...
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PvC
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6/15/2011 11:24:00 vorm.
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Buch,
der ganz normale Wahnsinn,
Grenzgänger,
Grenzgängereien,
Kunst und Kultur,
Literatur,
Musik,
Schreiben
13.06.2011
Abenteuer in Facebook Land
13.06.2011
6
Einen Monat Spielerei, Extremproben und Beobachten hat es gebraucht, um sich ein umfassendes Bild vom hochgehypten Facebook zu machen und einigermaßen professionell unterschiedliche Kommunikationskanäle zu vergleichen. Vorneweg: Ich hasse FB nach wie vor, vor allem wegen seines Umgangs mit Daten und neuerdings solchen Scherzen wie biometrischer Gesichtserkennung, die man nur kompliziert sperren kann, aber eigentlich nicht wirklich ausschalten. Ich werde trotzdem weiter bei FB mein Unwesen treiben, weil es auch nicht besser oder schlechter ist als jeder Staubsauger, den immer noch der Mensch bedient. Hier nun mein absolut subjektives Fazit.
FB ist in der Bedienung höchst intuitiv und absolut idiotensicher - damit verführerisch. Will man seine Privatsphäre schützen und sich nicht zum gläsernen Mensch auf hunderte von Jahren machen, braucht man allerdings ein Fachstudium in angewandtem Facebook-Parameter-Verstecken oder die Lektüre in kritischen Blogs. Keine Fragen offen bleiben mit Annette Schwindts Face-Book Buch und ihren aktualisierten Tipps, die sie bei Twitter und Facebook gibt - auch im Dialog (Note 1 für Autorin-Leser-Dialog!). Und dann ersäuft man erst einmal in den Millionen AnwenderInnen und findet niemanden...
Privat gesehen ist FB absolut kurios. Ich fand eine Freundin im Chat, mit der ich gerade telefonierte. Ich konnte mit Freunden aus Polen, deren Telefon irgendwie nie funktioniert, ein Wiedersehen nach 15 Jahren arrangieren. Jemand aus meiner Klasse, der mich damals schon nicht interessierte, interessiert mich auch jetzt nicht. Der Großteil meiner Sandkastenfreunde ist nicht bei FB. Jemand, dem ich demnächst umständlich persönlich vorgestellt werde, lädt zum Befreunden ein.
Aber das Schlimmste kommt noch. Ich muss mein Bild von den eigenen Wurzeln völlig revidieren. Ich bin in einem kunst- und kulturfeindlichen Umfeld geboren und habe mir meine ganze Kindheit die bösen Geschichten von ein paar schwarzen Schafen anhören müssen, immer mit dem Zusatz: "Dass du mal bloß nicht so wirst! Du lernst was Ordentliches!" FB räumt plötzlich auf mit Familienmythen aus Emigranski Country. Die Jungs und Mädels, die nach Germany auswanderten, wurden alle etwas Ordentliches, Kunstfernes. Die Pioniersgeneration in den USA ist gestorben. Und was machen die lieben Nachkommen? Musik, Kunst, noch mehr Musik. Vielleicht bin ich doch nicht von den Elfen verwechselt, sondern nur im falschen Land geliefert worden?
Es ist nicht gesund, als öffentliche Person Privates und Öffentliches zu vermischen. Mich gibt's bei FB nur öffentlich, beruflich - privat pflege ich die gute alte Mail. Das empfehle ich jedem, der FB für geschäftliche Kontakte oder - pfui - für PR verwenden will.
Twitter versammelt Schlagzeilenintelligenz, auf Facebook werden die Todesanzeigen gelesen. Ganz im Ernst: Twitter ist ideal für Branchenkontakte, Fachinformationen, zum Abonnieren von Medientickern und dem knappen Austausch in der Kaffeepause. Es ist rasant, beweglich und für alle Zwecke einfach effektiv (ich liebe es mehr). Bei FB habe ich erst einmal gestaunt, was die hochintelligenten Fachinformanten plötzlich kicherten und schwätzten - ganz abgesehen von so manchem unterbelichteten Handy-Foto, dass man der Welt ersparen könnte. Überhaupt sieht man nirgends so viele so schlechte Fotos, die mit Wonne bequakelt werden wie annodunnemals Onkel Ernstens Diavortrag vom Mallorca-Urlaub.
Der Vorteil: Auch der größte Guru offenbart so seine Weichteile und man kommt menschlich näher an Leute heran, die man im echten Leben nicht anzusprechen wagt.
Der Nachteil: Irgendwann braucht man eiserne Disziplin und eine Strategie, um nicht selbst zum kichernden Fotofetischisten zu werden. Wobei man sich natürlich immer mit der Langeweile während der Kaffeepause herausreden kann.
Wozu aber ist Facebook dann gut, etwa für AutorInnen?
Man kann "Unternehmensseiten" aufmachen, für die eigenen Marke, für ein einzelnes Buch oder sogar für fiktive Buchfiguren. Mit denen sammelt man Fans (siehe rechts im Menu), aber die Kommunikation ist etwas begrenzter, einseitiger und damit hierarchischer. Ideal für Nachrichten, die man abladen möchte, für News, die nicht in die Zeichenzahl von Twitter passen. Mit einer App namens networked blogs kann man außerdem seine Blogs so verschalten, dass sie sich von selbst bei Facebook und Twitter verlinken mit selective tweets schaufelt man ausgewählte Tweets automatisch auf FB. Das bringt erstaunlich viele neue Leserinnen und Leser, sogar am Wochenende, wo in meinen Blogs sonst tote Hose herrscht.
Das private Profil (die Grundseite) nutzt man entweder privat, halb privat oder auch geschäftlich. Hier läuft eigentlich die Verschaltung von allem - man hat Zugriff auf seine Unternehmensseiten, kann Freunde aufnehmen, Nachrichten austauschen, chatten und hat eine Timeline, in der man den gesammten Sabbel aller Freunde sieht. FB zensiert da auch schon mal oder pennt und manche "Freunde" nerven mit dämlichen Spielen und Apps, die man zwar wegklicken und blockieren kann, aber das ist eben immer Handarbeit. Man soll ja möglichst viel Zeit auf FB verbringen. Schön: Man kann Diskussionsgruppen zu Themen gründen und da läuft dann z.B. in Sachen Buchbranche auch Hochwertiges, wo man mit Leuten am gleichen Tisch sitzt, die sich im Leben seltener vernetzen.
Vor allem aber kann man im Profil Dinge von anderen mit den eigenen Freunden teilen - der Grundgedanke und die Stärke von FB. FB ist nichts anderes als ein gigantisches virtuelles Poesiealbum, das man im Sandkasten herumzeigt und dann gibt jeder seinen Senf zu Horstis jämmerlichem Liebesgedicht. Leider gibt's keine "gefällt mir nicht"-Taste für Lehrer Lämpels Lebensmahnungen. Klar, dass der Klassenstreber Bilder vom eigenen Schulheft einklebt und damit hausieren geht, bis ihn der Rest der Welt wegklickt. Aber hier herrschen selbstreinigende Kräfte: Die hohlen Werbeschwätzer entlarven sich ganz schnell selbst, es gewinnen die Menschen, die wirklich teilen, die etwas zu geben haben. Deshalb tun sich manche Firmen mit FB so schwer, deshalb gewinnen z.B. Verlage hier so wunderbar ein neues und interessiertes Zielpublikum.
FB ist also ein Medium zum Kontakten in alle Richtungen, international und ohne Hierarchien. Hier sprechen Verleger mit Autoren und Designern, der Mann vom Börsenverein mit der Kinderbuchfigur, die Buchhändlerin mit den Literaturtage-Veranstaltern. Wie im echten Leben braucht man für Kommunikation Zeit, ein Händchen, Leidenschaft und vor allem Authentizität. Die Schiene Blog - Twitter - FB ist ideal in ihrer Ergänzung, weil jedes Medium seine eigenen Vorteile birgt und die - technisch automatische - Vernetzung dieser Medien ein noch umfassenderes Schaffen ermöglicht. Als öffentlicher Mensch ist nur der Strom von Freundschaftswilligen irgendwann nicht mehr zu bewältigen. Entweder lehnt man alle ab, die man nicht kennt und macht das kenntlich - oder man verschiebt die Unbekannten in eine Liste. Das hat den Vorteil, das man eigene Beiträge auf bestimmte Listen beschränken kann.
Nach dem einmonatigen Härtetest werde ich meine Anfangsstrategie an die Gegebenheiten anpassen:
Adieu Privatfrau... Mein bisher gut abgeschottetes Profil werde ich für Fans freigeben. Meine "Unternehmensseite" nutze ich für den Blog-Stream und News, für reine Werbung zu den Projekten. Aber als Autorin ist man eben keine Shampoomarke - ohne Kommunikation keine Kontakte und keine Fans. Diese Kommunikation läuft übers Profil einfacher. Wer zu faul ist, mir eine kurze Nachricht zu schicken, warum er "Freund" werden will, landet auf dem Müll oder einer Liste namens "Autobahn". Nur wer dann wirklich kommuniziert und nicht nur in meiner TL auftauchen will, rückt eine Stufe auf. Diese Vorgehensweise spart mir eine Menge Zeit. Nach dem Einlernen und mit Disziplin sollten zwei Stunden FB die Woche reichen - Privates nicht mitgerechnet.
Was hat FB innerhalb des ersten Monats an greifbaren Ergebnissen gebracht?
FB ist in der Bedienung höchst intuitiv und absolut idiotensicher - damit verführerisch. Will man seine Privatsphäre schützen und sich nicht zum gläsernen Mensch auf hunderte von Jahren machen, braucht man allerdings ein Fachstudium in angewandtem Facebook-Parameter-Verstecken oder die Lektüre in kritischen Blogs. Keine Fragen offen bleiben mit Annette Schwindts Face-Book Buch und ihren aktualisierten Tipps, die sie bei Twitter und Facebook gibt - auch im Dialog (Note 1 für Autorin-Leser-Dialog!). Und dann ersäuft man erst einmal in den Millionen AnwenderInnen und findet niemanden...
Privat gesehen ist FB absolut kurios. Ich fand eine Freundin im Chat, mit der ich gerade telefonierte. Ich konnte mit Freunden aus Polen, deren Telefon irgendwie nie funktioniert, ein Wiedersehen nach 15 Jahren arrangieren. Jemand aus meiner Klasse, der mich damals schon nicht interessierte, interessiert mich auch jetzt nicht. Der Großteil meiner Sandkastenfreunde ist nicht bei FB. Jemand, dem ich demnächst umständlich persönlich vorgestellt werde, lädt zum Befreunden ein.
Aber das Schlimmste kommt noch. Ich muss mein Bild von den eigenen Wurzeln völlig revidieren. Ich bin in einem kunst- und kulturfeindlichen Umfeld geboren und habe mir meine ganze Kindheit die bösen Geschichten von ein paar schwarzen Schafen anhören müssen, immer mit dem Zusatz: "Dass du mal bloß nicht so wirst! Du lernst was Ordentliches!" FB räumt plötzlich auf mit Familienmythen aus Emigranski Country. Die Jungs und Mädels, die nach Germany auswanderten, wurden alle etwas Ordentliches, Kunstfernes. Die Pioniersgeneration in den USA ist gestorben. Und was machen die lieben Nachkommen? Musik, Kunst, noch mehr Musik. Vielleicht bin ich doch nicht von den Elfen verwechselt, sondern nur im falschen Land geliefert worden?
Es ist nicht gesund, als öffentliche Person Privates und Öffentliches zu vermischen. Mich gibt's bei FB nur öffentlich, beruflich - privat pflege ich die gute alte Mail. Das empfehle ich jedem, der FB für geschäftliche Kontakte oder - pfui - für PR verwenden will.
Twitter versammelt Schlagzeilenintelligenz, auf Facebook werden die Todesanzeigen gelesen. Ganz im Ernst: Twitter ist ideal für Branchenkontakte, Fachinformationen, zum Abonnieren von Medientickern und dem knappen Austausch in der Kaffeepause. Es ist rasant, beweglich und für alle Zwecke einfach effektiv (ich liebe es mehr). Bei FB habe ich erst einmal gestaunt, was die hochintelligenten Fachinformanten plötzlich kicherten und schwätzten - ganz abgesehen von so manchem unterbelichteten Handy-Foto, dass man der Welt ersparen könnte. Überhaupt sieht man nirgends so viele so schlechte Fotos, die mit Wonne bequakelt werden wie annodunnemals Onkel Ernstens Diavortrag vom Mallorca-Urlaub.
Der Vorteil: Auch der größte Guru offenbart so seine Weichteile und man kommt menschlich näher an Leute heran, die man im echten Leben nicht anzusprechen wagt.
Der Nachteil: Irgendwann braucht man eiserne Disziplin und eine Strategie, um nicht selbst zum kichernden Fotofetischisten zu werden. Wobei man sich natürlich immer mit der Langeweile während der Kaffeepause herausreden kann.
Wozu aber ist Facebook dann gut, etwa für AutorInnen?
Man kann "Unternehmensseiten" aufmachen, für die eigenen Marke, für ein einzelnes Buch oder sogar für fiktive Buchfiguren. Mit denen sammelt man Fans (siehe rechts im Menu), aber die Kommunikation ist etwas begrenzter, einseitiger und damit hierarchischer. Ideal für Nachrichten, die man abladen möchte, für News, die nicht in die Zeichenzahl von Twitter passen. Mit einer App namens networked blogs kann man außerdem seine Blogs so verschalten, dass sie sich von selbst bei Facebook und Twitter verlinken mit selective tweets schaufelt man ausgewählte Tweets automatisch auf FB. Das bringt erstaunlich viele neue Leserinnen und Leser, sogar am Wochenende, wo in meinen Blogs sonst tote Hose herrscht.
Das private Profil (die Grundseite) nutzt man entweder privat, halb privat oder auch geschäftlich. Hier läuft eigentlich die Verschaltung von allem - man hat Zugriff auf seine Unternehmensseiten, kann Freunde aufnehmen, Nachrichten austauschen, chatten und hat eine Timeline, in der man den gesammten Sabbel aller Freunde sieht. FB zensiert da auch schon mal oder pennt und manche "Freunde" nerven mit dämlichen Spielen und Apps, die man zwar wegklicken und blockieren kann, aber das ist eben immer Handarbeit. Man soll ja möglichst viel Zeit auf FB verbringen. Schön: Man kann Diskussionsgruppen zu Themen gründen und da läuft dann z.B. in Sachen Buchbranche auch Hochwertiges, wo man mit Leuten am gleichen Tisch sitzt, die sich im Leben seltener vernetzen.
Vor allem aber kann man im Profil Dinge von anderen mit den eigenen Freunden teilen - der Grundgedanke und die Stärke von FB. FB ist nichts anderes als ein gigantisches virtuelles Poesiealbum, das man im Sandkasten herumzeigt und dann gibt jeder seinen Senf zu Horstis jämmerlichem Liebesgedicht. Leider gibt's keine "gefällt mir nicht"-Taste für Lehrer Lämpels Lebensmahnungen. Klar, dass der Klassenstreber Bilder vom eigenen Schulheft einklebt und damit hausieren geht, bis ihn der Rest der Welt wegklickt. Aber hier herrschen selbstreinigende Kräfte: Die hohlen Werbeschwätzer entlarven sich ganz schnell selbst, es gewinnen die Menschen, die wirklich teilen, die etwas zu geben haben. Deshalb tun sich manche Firmen mit FB so schwer, deshalb gewinnen z.B. Verlage hier so wunderbar ein neues und interessiertes Zielpublikum.
FB ist also ein Medium zum Kontakten in alle Richtungen, international und ohne Hierarchien. Hier sprechen Verleger mit Autoren und Designern, der Mann vom Börsenverein mit der Kinderbuchfigur, die Buchhändlerin mit den Literaturtage-Veranstaltern. Wie im echten Leben braucht man für Kommunikation Zeit, ein Händchen, Leidenschaft und vor allem Authentizität. Die Schiene Blog - Twitter - FB ist ideal in ihrer Ergänzung, weil jedes Medium seine eigenen Vorteile birgt und die - technisch automatische - Vernetzung dieser Medien ein noch umfassenderes Schaffen ermöglicht. Als öffentlicher Mensch ist nur der Strom von Freundschaftswilligen irgendwann nicht mehr zu bewältigen. Entweder lehnt man alle ab, die man nicht kennt und macht das kenntlich - oder man verschiebt die Unbekannten in eine Liste. Das hat den Vorteil, das man eigene Beiträge auf bestimmte Listen beschränken kann.
Nach dem einmonatigen Härtetest werde ich meine Anfangsstrategie an die Gegebenheiten anpassen:
Adieu Privatfrau... Mein bisher gut abgeschottetes Profil werde ich für Fans freigeben. Meine "Unternehmensseite" nutze ich für den Blog-Stream und News, für reine Werbung zu den Projekten. Aber als Autorin ist man eben keine Shampoomarke - ohne Kommunikation keine Kontakte und keine Fans. Diese Kommunikation läuft übers Profil einfacher. Wer zu faul ist, mir eine kurze Nachricht zu schicken, warum er "Freund" werden will, landet auf dem Müll oder einer Liste namens "Autobahn". Nur wer dann wirklich kommuniziert und nicht nur in meiner TL auftauchen will, rückt eine Stufe auf. Diese Vorgehensweise spart mir eine Menge Zeit. Nach dem Einlernen und mit Disziplin sollten zwei Stunden FB die Woche reichen - Privates nicht mitgerechnet.
Was hat FB innerhalb des ersten Monats an greifbaren Ergebnissen gebracht?
- Tolle Privatkontakte, Besuch aus Polen im echten Leben und das "Wiedersehen" mit alten vermissten Bekannten.
- Hochspannende Fachbeiträge in Gruppen.
- Runderes, umfassenderes Kennenlernen von guten Twitterkontakten - die Aliase werden plötzlich Mensch.
- Zugang zu "feinen Verlagen" wie in meinem Menu rechts.
- Bücherfrauenaustausch.
- Eine Rezension des Nijinsky (durch Twitter / FB / Mail zustande gekommen).
- Vorabbestellungen meines Nijinsky-Buchs durch einen Buchhändler, der mich kontaktierte.
- Baldiges Kaffeetrinken mit einer Verlegerin, bei der ich keine Bücher verlegen werde, also einfach so.
- Entdecken des Zweitlings von zwei Autoren, deren Erstling ich gelobt und geliebt habe.
- Kontakte, die sich ausweiten werden.
- Jede Menge unbezahlter Arbeitszeit, die sich aber als Erfahrung im Brotjob auszahlen wird.
- Das seltsame Gefühl, dass man überall durch alle Medien immer den gleichen Leuten begegnet und immer die anderen gleichen alles verschlafen. Facebook ist ein Dorf. Aber das waren ja auch erst vier Wochen...
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PvC
um
6/13/2011 07:41:00 nachm.
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der ganz normale Wahnsinn,
Grenzgänger,
Grenzgängereien,
Klatsch'n'Tratsch,
Medien,
Schreiben
Zukunft Buch im Feuilleton
Wenn ich hier meinen eigenen Senf zur Zukunft des Buchs gebe, sind meine Gedanken natürlich nicht allein auf meinem Mist gewachsen - ich lese fleißig deutsche Branchenblätter, internationale Fachblogs und bin in zwei Fachgruppen bei Facebook, darunter der zu den Buchtagen in Berlin. Die sind jetzt auch beim Feuilletonpublikum angekommen, in der FAZ kann man nachlesen, wie Kulturredakteure einen solchen Kongress betrachten. Weil es mordsgefährlich ist, die FAZ zu zitieren, möchte ich sie lieber kommentieren (das haben sie nun davon): Der Untergang des Abendlandes steht natürlich wieder vor der Tür.
Trotzdem bin ich froh, dass ich keine Buchhändlerlehre machen musste, um überhaupt Bücher schreiben zu dürfen. Und mal ganz ehrlich: Ich bin auch froh, wenn sich diese sogenannte "Buchhandelskultur" mit ihren Fast-Food-Läden, den ewig gleichen Stapel-Doppel-Würgern und den Extra-Size-Schund-Menus endlich gesund schrumpfen wird. Mir ist mein engagierter, kluger, bemühter und bestens ausgebildeter Buchhändler, der auch seltene Bücher von kleinen Verlagen bestellt oder sogar im Laden hat, hundert Mal lieber. So, das musste mal raus. Und den restlichen Feuilleton-Jammerern, die kettenrauchenden Verlegern nachheulen, die sich einst im Hinterzimmer mit kettensaufenden Autoren trafen; die Oden auf Druckerschwärze und Bütten singen und beim Anblick eines E-Books die Apokalypse zitieren - denen möchte ich zurufen: Jammert doch bitte im eichengetäfelten Club weiter. Schwappt eure Angst nicht ständig über eine Öffentlichkeit, die längst über euch lacht. Bütten wird es weiter geben. Und wenn sich der Verleger und der Autor nüchtern bei Tchibo treffen - so what?
Ich mag dieses Entweder-Oder nicht. Entweder Gedrucktes oder Elektronisches. Entweder "ordentlich" Verlegtes oder "unordentlich" Selbstverlegtes. Entweder Buchhandel oder Amazon. Entweder Leser oder Filmegucker. Entweder durch Vertrag und Siegel geadelter Superprofi oder professioneller Dilettant. Natürlich gibt es in einer solchen Schwarz-Weiß-Welt den Kampf der Extreme, Mord und Totschlag. Da verlustieren sich Haie und neuerdings immer öfter die Kannibalen. Statt Lust und Leidenschaft - was für Bücher doch viel besser passen würde?
Ich persönlich glaube, dass sich der Markt auf recht natürliche Weise diversifizieren wird. Die Independent Szene eignet sich schon jetzt hervorragend für das Besondere, das Risikofreudige, für die Nische, für Bücher mit einem recht klar umrissenen Zielpublikum, das man heute zuweilen auch an völlig ungewöhnlichen Orten findet. Verlage werden wir trotzdem auch künftig brauchen: Für komplexe und aufwändige, auch teure Produktionen, für Stapelware, für die ganz hohen Auflagen, für Übersetzungen aus anderen Sprachen und vieles mehr.
Verlage werden sich vielleicht künftig wieder auf ihre Kernkompetenzen besinnen (???): Autoren und Bücher zu entwickeln und aufzubauen - das kann die Independent-Szene nicht leisten. Großverlage werden nebenher verstärkt zu Dienstleistern werden, Holtzbrinck macht es längst vor. Und Distributoren wie Amazon wandeln sich jetzt schon zusätzlich zum Handelsgeschäft zu Verlegern.
Direktvertrieb wird neben das Sortiment und den üblichen Buchhandel treten - bei vielen Literaturverlagen und kleineren Verlagen längst das Mittel der Wahl zum Überleben! Und vielleicht wird eines Tages ein Grossist einen solchen Weg integrieren und ebenfalls zum Dienstleister werden? Fast-Food-Buchläden könnten neben Luxusrestaurants für Bücher existieren - wenn es der Buchhandel denn schafft, auf die Bedürfnisse der Leserinnen und Leser einzugehen, anstatt ihnen künstliche Bedürfnisse vorzuschreiben. Und warum sollen Bücher nicht eines Tages - wie in anderen Ländern auch - in Supermärkten oder Klamottenläden angeboten werden?
Verlage werden nicht aussterben. Nicht umsonst wollen so viele Independent-Autoren nicht einfach nur Autoren bleiben, sondern Selbstverleger werden. Schließlich kann man mit einem Verlag schon ein bißchen was bewegen, oder? Immer mehr Autoren werden aber auch nebenher (oft gezwungenermaßen) Händler ihrer eigenen Bücher. Die riesigen Onlinehändler haben das mit ihren Partnershops kapiert. Da wäre doch mal ein innovatives Geschäftskonzept denkbar?
Und vielleicht, vielleicht werde ich noch vor Gicht und Demenz und allerlei Alterswehwehchen eine Welt erleben dürfen, in der sogar eierlegende Wollmilchsäue wie ich einen selbstverständlichen Platz haben dürfen: Als Autorin, die zuweilen ihre Bücher selbst verkaufen muss, obwohl sie nicht mit Büchern handeln darf. Als "ordentlich" verlegte Autorin, die nebenher "unordentlich" selbst produziert - und im Brotjob hach so böse ein internationales Verlagsprojekt hochziehen hilft, in dem sie wiederum mit anderen schreibt, aber keine Bücher verkauft, obwohl sie das dort eigentlich wieder dürfte, aber dann Distributoren hat, die wiederum die anderen Bücher nicht ...
Trotzdem bin ich froh, dass ich keine Buchhändlerlehre machen musste, um überhaupt Bücher schreiben zu dürfen. Und mal ganz ehrlich: Ich bin auch froh, wenn sich diese sogenannte "Buchhandelskultur" mit ihren Fast-Food-Läden, den ewig gleichen Stapel-Doppel-Würgern und den Extra-Size-Schund-Menus endlich gesund schrumpfen wird. Mir ist mein engagierter, kluger, bemühter und bestens ausgebildeter Buchhändler, der auch seltene Bücher von kleinen Verlagen bestellt oder sogar im Laden hat, hundert Mal lieber. So, das musste mal raus. Und den restlichen Feuilleton-Jammerern, die kettenrauchenden Verlegern nachheulen, die sich einst im Hinterzimmer mit kettensaufenden Autoren trafen; die Oden auf Druckerschwärze und Bütten singen und beim Anblick eines E-Books die Apokalypse zitieren - denen möchte ich zurufen: Jammert doch bitte im eichengetäfelten Club weiter. Schwappt eure Angst nicht ständig über eine Öffentlichkeit, die längst über euch lacht. Bütten wird es weiter geben. Und wenn sich der Verleger und der Autor nüchtern bei Tchibo treffen - so what?
Ich mag dieses Entweder-Oder nicht. Entweder Gedrucktes oder Elektronisches. Entweder "ordentlich" Verlegtes oder "unordentlich" Selbstverlegtes. Entweder Buchhandel oder Amazon. Entweder Leser oder Filmegucker. Entweder durch Vertrag und Siegel geadelter Superprofi oder professioneller Dilettant. Natürlich gibt es in einer solchen Schwarz-Weiß-Welt den Kampf der Extreme, Mord und Totschlag. Da verlustieren sich Haie und neuerdings immer öfter die Kannibalen. Statt Lust und Leidenschaft - was für Bücher doch viel besser passen würde?
Ich persönlich glaube, dass sich der Markt auf recht natürliche Weise diversifizieren wird. Die Independent Szene eignet sich schon jetzt hervorragend für das Besondere, das Risikofreudige, für die Nische, für Bücher mit einem recht klar umrissenen Zielpublikum, das man heute zuweilen auch an völlig ungewöhnlichen Orten findet. Verlage werden wir trotzdem auch künftig brauchen: Für komplexe und aufwändige, auch teure Produktionen, für Stapelware, für die ganz hohen Auflagen, für Übersetzungen aus anderen Sprachen und vieles mehr.
Verlage werden sich vielleicht künftig wieder auf ihre Kernkompetenzen besinnen (???): Autoren und Bücher zu entwickeln und aufzubauen - das kann die Independent-Szene nicht leisten. Großverlage werden nebenher verstärkt zu Dienstleistern werden, Holtzbrinck macht es längst vor. Und Distributoren wie Amazon wandeln sich jetzt schon zusätzlich zum Handelsgeschäft zu Verlegern.
Direktvertrieb wird neben das Sortiment und den üblichen Buchhandel treten - bei vielen Literaturverlagen und kleineren Verlagen längst das Mittel der Wahl zum Überleben! Und vielleicht wird eines Tages ein Grossist einen solchen Weg integrieren und ebenfalls zum Dienstleister werden? Fast-Food-Buchläden könnten neben Luxusrestaurants für Bücher existieren - wenn es der Buchhandel denn schafft, auf die Bedürfnisse der Leserinnen und Leser einzugehen, anstatt ihnen künstliche Bedürfnisse vorzuschreiben. Und warum sollen Bücher nicht eines Tages - wie in anderen Ländern auch - in Supermärkten oder Klamottenläden angeboten werden?
Verlage werden nicht aussterben. Nicht umsonst wollen so viele Independent-Autoren nicht einfach nur Autoren bleiben, sondern Selbstverleger werden. Schließlich kann man mit einem Verlag schon ein bißchen was bewegen, oder? Immer mehr Autoren werden aber auch nebenher (oft gezwungenermaßen) Händler ihrer eigenen Bücher. Die riesigen Onlinehändler haben das mit ihren Partnershops kapiert. Da wäre doch mal ein innovatives Geschäftskonzept denkbar?
Und vielleicht, vielleicht werde ich noch vor Gicht und Demenz und allerlei Alterswehwehchen eine Welt erleben dürfen, in der sogar eierlegende Wollmilchsäue wie ich einen selbstverständlichen Platz haben dürfen: Als Autorin, die zuweilen ihre Bücher selbst verkaufen muss, obwohl sie nicht mit Büchern handeln darf. Als "ordentlich" verlegte Autorin, die nebenher "unordentlich" selbst produziert - und im Brotjob hach so böse ein internationales Verlagsprojekt hochziehen hilft, in dem sie wiederum mit anderen schreibt, aber keine Bücher verkauft, obwohl sie das dort eigentlich wieder dürfte, aber dann Distributoren hat, die wiederum die anderen Bücher nicht ...
Eingestellt von
PvC
um
6/13/2011 02:34:00 nachm.
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