Der erste Arbeitstag

Es fängt gut an. Zum Frühstück habe ich intensiv gelesen, denn endlich hatte ich seit Ian Rankin einmal wieder einen packenden und vor allem hochintelligenten Krimi in der Hand, der so gar nicht den gängigen Klonklischees entspricht. Man kann sich eben doch auf die Rezensionen bei Amazon verlassen! Immer wenn ein gewisses Klientel, das der Sprache nicht ganz so mächtig ist, kritisiert, die Sätze seien zu lang oder das Buch so ganz ohne Action - dann verspricht es Niveau.

Ich möchte den Tipp vom @biograf weitergeben: Tana French: Grabesgrün. Ein Krimi mit ganz eigenem Atem, auf den man sich bewusst einlassen sollte. Denn es gibt weder Schlachterszenen noch Hausfrauen-Splatter, weder das verunglückte Reiseführergetue so mancher Regio-Krimis noch die ärmliche Sprache trendiger Massenware. Tana French schreibt auf einem Niveau, das beweist: Krimis können Literatur sein und einem trotzdem durchlesene Nächte voller Spannung bieten. Vom Fall selbst sollte man sich nicht abschrecken lassen, weil er scheinbar in eine Richtung weist, die man schon allzu oft gelesen haben mag - hinterhältig und gekonnt bricht die Autorin aber genau diese Erwartungshaltung gründlich.

Dass sie nicht nur billige Küchenpsychologie und Genderklischees erfindet, beweisen das lebendige Ermittlerpaar und die kunstvoll verwobene Geschichte von zwei Kriminalfällen aus unterschiedlichen Zeiten. Denn eigentlich dürfte der Detective nicht ermitteln, er selbst war Zeuge eines unaufgeklärten Verbrechens am Ort und wird nun mit seinem Trauma bis zur Zerreißprobe konfrontiert. Wer rasante Action, einfache Lösungen aus der Plottube und Happy Ends sucht, sollte die Finger von diesem Krimi lassen. Allen anderen wird er unter die Haut gehen! Mir allerdings unverständlich: Warum man solchen außergewöhnlichen Krimis die typischen Rot-Schwarz auf Weiß-Cover verpassen muss, die eben jenes Massenfutter suggerieren, das Tana French nicht schreibt, obwohl sie Bestseller landet. Zumindest ich bekomme von diesen ewig gleichen Krimicovers inzwischen genauso Sodbrennen wie von üppigem Faltenwurf und präraffaelitischen Damen ohne Kopf.

Nach dem Frühstück hatte ich dann nichts anderes zu tun, als darauf zu achten, dass überall Papier und Bleistift vorhanden waren. Entwicklung eines Markennamens für eine Buchreihe, der auf deutsch und französisch gleichermaßen powert. Gar nicht so einfach - mit dem Französischen kann man nicht so einfach Wortspielereien veranstalten. Und Mischworte gar versteht man zwar in Deutschland, aber nicht in Frankreich.

Während einer solchen Arbeit unternimmt man am besten Dinge, bei denen man die Gedanken frei schweifen lassen kann: Rosen schneiden, mit dem Hund laufen...

Oder man geht shoppen. In diesem Fall Fotos für die dritte Auflage des Buchs "Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt". Es soll, wenn alles klappt, diesmal auch innen farbige Bilder bekommen, denn der schöne Schuber von einst wird wegfallen. Und dann muss das Layout auch ganz neu montiert werden.

Etwas einfacher wird es dagegen mit der Neuauflage meines Romans "Lavendelblues", der zunächst exklusiv als Kindle-E-Book erscheinen soll. Keine Angst - das Format kann man mit einer kostenlosen App auch auf anderen Geräten und sogar dem PC lesen. Auch dafür habe ich heute ein wunderbares Cover-Foto gefunden. Warum ich den Roman nicht auf Papier herausgebe? Das lohnt sich meiner Meinung nach weder für mich noch für die Leser, weil für Papierliebhaber noch genügend Originalexemplare im Antiquariat zu haben sind. Und im Print-on-Demand ist Belletristik schlicht zu teuer und nicht wirklich wirtschaftlich. Zwar ist ein belletristisches Buch für den Kindle einfachst zu layouten, aber ein Korrekturvorgang wird trotzdem vonnöten sein. So viele Druck- und Logikfehler habe ich im "ordentlich" verlegten Buch bereits gefunden...

Feierabend. So lasse ich mir die Durchdringung von Brotberuf und leidenschaftlicher Berufung gefallen!

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