Werbespots im Buch

Endlich bin ich wieder wahrhaft Mensch - ich schreibe. Der Auftraggeber will es ganz modern haben, multimedial, sagt er.
Der Auftrag: Werbung im Buch schalten, richtig fett zwischen die Kapitel in die Pinkelpausen setzen. Kurz genug, sie zumindest subliminal mitzubekommen, bevor man noch auf dem Klo ist. Packend, überzeugend, naja ... Werbesprech eben.

Zuerst habe ich mich gewehrt. Werbung in einem Buch? Kaufgedöns zwischen hochliterarischen Zeilen? Verneoliberalikapitalisierung der Kultur? Ausverkauf der Schriftsteller? - Aber so eine Schriftstellerin braucht auch Butter aufs Brot. Unsereins ist käuflich. Unsereins schreibt sogar für Mammon. Und dann hat mich ja die Vorgabe gereizt. Multimedial im Buch! Und das ganz ohne i-pad und Technikgedöns, nur in vier und ein paar mehr Buchstaben. Ohne Zeichnungen, Grafiken, Videos und mp-Dingens. Nur schwarze Kunst. Man soll die Werbespots lesen, ok. Man soll den Film aber auch sehen. Und vor allem soll man ihn hören. Eine echte Herausforderung.

Ich schwöre, ich war sturznüchtern, als ich den ersten Spot abdrehte, pardon, herunterschrieb. Beim zweiten möchte ich gern noch Geruch einbauen. Bücher sind schließlich geduldig.

Werbeunterbrechung
Knallrot abgefilterte Gesamtaufnahme des Kreml. Quietschbunte Zwiebeltürmchen. Scharfe Schnitte auf eine quietschbesoffene Frau mit blonder Zwiebelturmfrisur. Wieder der Kreml, regengewaschen, Pfützen davor. Der Kopf der Frau in einer Pfütze auf blank poliertem Kneipentisch.
 

Mühsam hebt sie den Kopf und eine Flasche ins Bild. Noch mühsamer lächelt sie, hebt dazu ein Glas und flüstert:
„Wwwodka Med... Medwed... nur den echten guten Medizin, glucks, MedwedMedwod, äh Wwwwoddd..., hicks, Wodka Medwed... also ich, glucks, hicks, trinke nur den echten Wodjew Medwedka!“
Totale auf eine Pfütze, in der sich der Kreml spiegelt.

1 Kommentar:

  1. Schade, dass die Kommentare zum Blog immer häufiger nicht mehr hier abgegeben werden, sondern in unterschiedlichen Social Media Kanälen zerfasern. Doch eins erschüttert mich überall: Wie oft dieser Beitrag absolut ernst genommen wurde.

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