Die Sache mit der Haptik

Kürzlich habe ich einen halben Tag blau gemacht. Das sah so aus, dass ich durch die Bibliothek geturnt bin und jede Menge Bücher in die Hand nahm. Nicht etwa, weil ich sie lesen wollte, sondern weil ich mich von ihrer Haptik inspirieren lassen wollte. Welches Format, welche Form sollte mein Nijinsky-Projekt bekommen? Und was würde das ungefähr kosten? Die Überlegung muss ich zuerst anstellen, denn bevor der Text erfasst wird, brauche ich Seitenmaße.

Schnell stand für mich fest: Es muss ein Hardcover werden - und wenn schon, dann mit rundem Rücken, mattem Schutzumschlag und Lesebändchen. Kein Problem, denn in diesem Bereich geben die Sammler gern mal mehr aus als fünf Euro für ein Buch, wenn die Qualität stimmt.
Schnell hatte ich ein ideales Vorbild fürs Format gefunden, ein edles und außergewöhnliches Quadratformat, in dem es sich herrlich mehrspaltig arbeiten ließe. Und genau hier beginnt die Trennung von Wunschwelt und knallharten Marktbedingungen. Die Kalkulation, die eben noch angenehm wirkte, stieg erschreckend. Ein paar Probekalkulationen ergaben, dass die eleganten vier Zentimeter mehr fast genau zehn Euro mehr im Verkaufspreis ausgemacht hätten. Welcher Leser kauft leeren, luftigen Buchrand für zehn Euro? Also ... Kommando zurück.

Merke: Farbseiten einzusetzen ist billiger als eine Formatüberschreitung. Kosten-Nutzen-Rechnung. Nach einigem Hin- und Her habe ich nun ein in meinen Augen verträgliches, aber leider nicht mehr ganz so edles Format gefunden. Die Grafik kann da ja auch noch einiges herausreißen. Und ich will im Textbild luftig bleiben. Jetzt kann ich den Text probesetzen, um die voraussichtliche Seitenzahl zu berechnen - und danach einen genaueren Preis. Denn da gibt es durchaus Hemmschwellen beim Kunden, auch wenn er Sammler oder Ballettomane ist.
Buchherstellung fängt in der Tat mit dem Taschenrechner an.

Kommentare:

  1. Liebe Petra,
    abgesehen vom Aufwand und den finanziellen Möglichkeiten klingt das doch sehr spannend. Wo hat man sonst die Möglichkeit sich sein eigenes Buch zurecht zu basteln? Bei einem Verlag wären die Einspruchsmöglichkeiten doch sicher geringer, oder? Ich bin jedenfalls sehr neugierig wie sich dein Ballettomanen-Buch weiterentwickelt und wie schnell das Ganze im Vergleich zum "normalen" Verlag geschieht. Noch viel Erfolg!
    Liebe Grüße,
    Nikola

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  2. Liebe Nikola,
    ganz ehrlich: Ich würde jederzeit mit einem Verlag tauschen! Ich sage immer so lustig im Understatement "basteln", aber allein die Herstellung des Satzes ist Ochserei, ich hab's nämlich nicht so mit dem Rechnen.

    Ich habe zum Glück Layout und Satz im eigentlichen Beruf gelernt und kann auch mit den entsprechenden Programmen umgehen, die ich brauche. Aber allein das wäre normalerweise eine Leistung, die man vom Profi zukaufen müsste. Nichts zerstört ein Buch schlimmer als ein nicht gekonntes Schriftbild, das womöglich auch noch auf die Seite gequetscht wird, um Kosten zu sparen.

    Ich mag das Wort "Einspruchsmöglichkeiten" eigentlich nicht, weil es so klingt, als würde ein Autor im Verlag überfahren. Im Verlag arbeitet ein Apparat von Profis (vom Grafiker über den Setzer bis zu Vertrieblern) an der äußeren Gestaltung, für die es Kriterien gibt, vor allem muss das Buch ins Image des Verlags, eines Programms passen. Oft entscheiden die Vertriebler in letzter Instanz, welcher Entwurf verkaufbar wäre und was nach ihrer Erfahrung gar nicht geht.
    Die meisten Autoren haben davon keinen blassen Schimmer. Schlimm, wenn die auch noch mitreden würden. ;-)

    Im Idealfall bekommt man aber die Entwürfe zu sehen und darf auch sagen, was einem am besten gefällt. Die Lektorin wird das in der Programmkonferenz erwähnen, ist aber natürlich auch nur eine Stimme unter vielen. Und mit einer Agentur im Rücken kann man auch mal gegen ein absolut rufschädigendes Cover Einspruch erheben. In einem guten Verlag lasse ich mich eigentlich unheimlich gern total überraschen - die Gestaltung meines Elsass- oder Rosenbuchs hätte ich mir so schön kaum träumen können.

    Und natürlich bin ich von der reinen Produktion her sehr viel langsamer als ein Verlag, da wird das ratzfatz erfasst, was ich wahrscheinlich in zwei Wochen mache. Ich bin nur insofern schneller, als ich lediglich ein einziges Buch zu machen habe.

    Frei in der Gestaltung bin auch ich nicht. Ich muss wie ein Verlag überlegen, wen ich ansprechen will und wie, muss mich informieren, was abgegriffen ist und was auffiele - dazu kommen dann die Kosten, die allein mit einem Coverbild explodieren könnten. Die guten Wünsche kann ich also brauchen.
    Schöne Grüße,
    Petra

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  3. Liebe Petra,
    angeblich sind die Bilder auf Wikimedia Commons frei zu verwenden, wenn man die Quellenangabe korrekt angibt.
    http://bit.ly/9A8dxz

    Gruß Heinrich

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  4. Lieber Heinrich,

    das hatten Sie schon einmal gesagt und ich kopiere einfach meinen Kommentar von damals (vielleicht untergegangen) noch einmal hierher, weil Wikipedia da ziemlich Schindluder treibt. Die können sich vielleicht einen Anwalt eher leisten als ein Einzelautor, der erwischt wird.

    Leider kann man sich bei Rechterecherchen nicht auf das Internet verlassen und schon gar nicht auf Wikipedia (die man übrigens auch inhaltlich ständig gegenrecherchieren muss, weil viele, oft sehr grobe Fehler). Ja, Bakst *selbst* ist gemeinfrei, aber dazu müsste man ihn selbst abfotografieren. Das gilt übrigens für alle Gemälde!

    Auch ein Foto hat Urheberrechte und selten ist der Fotograf von musealen Stücken schon über 70 Jahre tot. Und der will bezahlt werden. Viele Rechte liegen bei Museen oder der VG Wort.
    Leider wird gerade dieser Punkt bei Wikipedia oft übergangen, der Fotograf nicht einmal zum Nachfragen genannt.

    Ich muss das Abdruckrecht also von einer normalen Agentur für so etwas erwerben (zufällig kenne ich die Quellen für Bakst und die Preise...). Oder ich habe das Glück, dass ein Laienfotograf sagt: Hier, ich hab das Original abfotografiert, kannste haben. Dumm nur, dass solche Bilder in der Regel den Anforderungen für den Druck nicht genügen.

    Das ist übrigens bei Texten oft genauso, dass der Laie denkt: Klasse, der Autor ist seit über 70 Jahren tot, den verhäcksle ich. Und dann bedenkt er nicht, dass es eine Übersetzung ist, deren Rechte eben noch nicht abgelaufen sind, oder eine wissenschaftlich kommentierte Ausgabe...

    Die Recherche, welche Rechte noch zu beachten sind, ist oft mühsam und aufwändig. Auch das allein ist ein Grund, warum man sich in solchen Fällen besser einen Verlag sucht, der das regelmäßig macht.
    Ich selbst habe das zwar gelernt aber ich weiß auch, welche Arbeit das macht - und das lohnt sich für vielleicht 150 verkaufte Bücher nicht!

    Wikipedia ist eine wunderbare, hilfreiche Einrichtung, aber was da drin steht, hat leider nicht den verbindlichen, überprüften Charakter einer alten Enzyklopädie.

    Im Falle der Nijinsky-Bilder weiß ich definitiv, wo die Rechte tatsächlich liegen und was sie kosten. Gemeinfrei sind sie jedenfalls nicht! Auch eine genaue Quellenangabe schützt vor Gesetzesübertretung nicht.
    Ich werde es jedenfalls ordentlich machen und kann nur jedem dazu raten - erwischt zu werden ist nämlich um ein vielfaches teurer, als der brave Rechteeinkauf.

    Schöne Grüße,
    Petra

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  5. PS: Wenn Sie bei Wikipedia unter "source" schauen, können Sie sehen, wo die Bilder abgescannt oder sonstwie kopiert wurden. Eines wurde z.B. einem Buch von Buckle entnommen, dessen Urheberrechte keineswegs abgelaufen sind. Andere werden dreist von Websites besorgt, eines sogar von der Bibliothèque National, die definitiv ihre Rechte vermarktet!
    Wundert mich, dass da noch kein Abwahner auf Ideen kam...

    Diese Fotos von Nijinsky kosten definitiv Genehmigung und Rechtehonorar!
    Was natürlich nicht heißt, dass ich mir nicht eins fürs Cover leisten werde.

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  6. Sorry liebe Petra, dass ich wiederholt meine Unwahrheiten verbreite. Sagen Sie nächstes Mal einfach: Heinrich, das Thema haben wir schon x-Mal durch!
    Danach lassen Sie mich recherchieren und, wann und wo das Gespräch stattgefunden hat, um mein Memory aufzufrischen ;)
    In solchen Fällen sollte die Arbeit dorthin verlagert werden, wo die Fehler entstehen. *hihi*

    Gruß Heinrich

    P.S. Ich "kokettiere" nicht mit meiner Vergesslichkeit - sie ist wirklich schlimm, aber ich versuche einfach, nicht darunter zu leiden - es scheint noch Schlimmeres zu geben. ;)

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  7. Ich habe eine grandiose Idee! Sie sagten, abfotografieren sei erlaubt.

    Hier in Hannover treffe ich häufiger Straßenmaler, die die lebende Person, aber auch von Fotos eine Zeichnung machen. Eine exzellente Zeichnung eines Originalbildes ist auch nicht schlecht als Cover und kostet einen Bruchteil.

    2. Idee
    Sie gründen einen Club der 22,33, oder 98 (keine Ahnung, wo ich das schon mal gesehen habe ...) ;)
    können von dem Geld das Bild oder gar einen Teil des Buches finanzieren. Ich bin Mitglied Nr.1 (oder 22)

    Gruß Heinrich

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  8. Liebe Petra,
    wie gut, dass Du als erfahrene Autorin, Übersetzerin etc. uns Unwissende so genau aufklären kannst. Wie viel Arbeit in einem solchen Sachbuch steckt, kann man sicher auch nicht mit einem Roman vergleichen.
    Du hast vollkommen Recht, wenn Du sagst, der Autor habe davon meist keinen blassen Schimmer. Je mehr ich von Dir höre, umso mehr stehe ich plötzlich im Dunkeln, und weiß, dass ich keine Ahnung habe.;-)
    Ich lerne noch.
    Liebe Grüße,
    Nikola

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  9. @Heinrich
    Ich habe das bewusst nach oben geholt, weil viele Menschen das nicht wissen und man es deshalb nicht oft genug wiederholen kann - das geht hier also gar nicht nur an Ihre Adresse, lieber Heinrich.
    Und machen Sie sich mal keine Sorgen ums Cover, das mache ich womöglich nicht ganz alleine...

    @Nikola
    Autoren müssen von Buchherstellung auch keine Ahnung haben. Ich klinge auch nur nach Ahnung, besitze aber allerhöchstens Halbwissen, denn gelernt habe ich an Zeitungslayout und habe dann mal ein bißchen Zeitschriftenseiten und Broschüren entworfen. Das ist kein Vergleich zum Buch und schlimmstenfalls sieht das nachher aus wie eine verunglückte Fremdenverkehrsbroschüre ;-)

    Reden ist leicht. Am Endprodukt werde ich gemessen...

    Schöne Grüße,
    Petra

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  10. Liebe Nikola,
    hören Sie nicht auf PvCs Tiefstapelei. Sie wirft mir immer vor, ich sei mit dem Honigeimer unterwegs.
    Mein virtueller Honigeimer ist aber von so geringem Gewicht, dass man dafür weder einen Gabel- noch einen Tiefstapler benötigt! ;)

    Gruß Heinrich

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  11. Hahaha, ich nenne das gesunde Selbsteinschätzung. Bevor ich etwas "verunfalle", lasse ich echte Profis ran. Auch bei Broschüren bin ich "nur noch" Texterin und Übersetzerin. Und das Cover bekommen vorher richtig echte Brutalstkritiker zu sehen!

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  12. Na gut, ich nehme den Tiefstapler zurück.
    Gruß Heinrich
    (der Hoch- ähmmm Gabelstapler
    http://heinrich11.files.wordpress.com/2010/08/gabelstapler.jpg

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