Evolution

"Ach, Kunst zu machen, ist doch was Schönes", sagte mir gestern jemand, "da lebst du noch innere Werte, das wärmt doch in diesen Zeiten!"

Ja, echt irre, wie die Kunst wärmt. Seit ich mit Honoraren von anno dazumal den Heizöltank füllen muss, darf ich plötzlich doppelt so viel Kunst in die Welt werfen, damit mir nicht der Hintern auf Grundeis geht. Und jetzt, wo bei schwarzen Freitagen und schwarzen Montagen zusätzlich die spärliche Privatrente einer Selbstständigen mit der Börse irgendwo versickert, taugt auch die Rente mit 67 nichts mehr. Schuften, bis einem der Griffel aus den abgestorbenen Händen fällt. Früher gab's ja noch Sozialhilfe für minderbemittelte Alte - bis dahin wird sich der Staat an Männer mit Krawatte pleite gezahlt haben.

Also, haltet euch ran, liebe Künstlerinnen und Künstler. Arbeitet doppelt so viel und doppelt so lang. Habt kein Mitleid, mit euch hat's auch keiner. Verkunstet die Welt. Und wenn euer letzter Scheck nichts mehr wert sein wird, denkt dran: Kunst wärmt. Kunst ist ein innerer Wert. Man kann im Notfall sogar ein Lagerfeuerchen damit machen.

Früher war das alles ganz anders. Der schöne Philipp, so eine Art Vorgänger von der schönen Angela im Land vom schönen Sarko, hat 1314 nicht lang gefackelt. Hat die Erfinder des bargeldlosen Zahlungsverkehrs schnell mal auf dem Scheiterhaufen gebrutzelt und gesagt: “Das Geld ist meins!”
Heute schmeißt der Staat auch noch sein letztes Geld ins Feuer und die Schuldigen bräunen sich auf der Insel…

Sehen wir’s doch mal positiv: Die Honorare entwickeln sich vielleicht nicht, aber der Mensch entwickelt sich! Na, wird's euch jetzt wenigstens warm ums Herz?

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