Synapsensalat, kometenhell

Ein klimaverwandelter Maientag, wie er sein sollte: Dichte Morgennebel wabern aus herbstlicher Waldeskühle und lassen von den Dörfern nichts mehr übrig. Die ersten Bäume, kaum dass sie Blättchen angesetzt haben, verdorren schon in der Trockenheit, während die Luft dampft. Ganz genau so elektrisch-chemisch-evolutionär funktioniere große Literatur, sagen jetzt die Forscher, diesselben, die auch schon Gott im Gehirn gesucht haben, und nun Lesern ein schickes Kabel-Häubchen überstreifen (zum Artikel im "Freitag" anklicken).

Warum zum Teufel schreiben so viele Schriftsteller über die Liebe und menschliche Beziehungen? Nicht dass man sie selbst fragen könnte, diese kleinen menschelnden Schreibmenschlein, nein, objektiv soll nun bewiesen werden, ob unsere großen Autoren einfach nur schlechten Sex hatten oder Nachhilfe für eben jenen geben wollten. "Lesen ist in unserem Hirn fest verdrahtet", behauptet da gar ein Professor Richard Wise, und ich stelle ihn mir vor, mit einem Kopf aus festem Leder, die textilummantelten Kupferdrähte frisch festgelötet. Überhaupt kann ich mir denken, worauf das alles hinauslaufen wird: Gott und die Große Literatur sitzen in genau dem gleichen Hirnareal und lesen sich gegenseitig, während der Mensch sich selbst zerlegt, in einer Dehnungsfuge aus abgelesenen Synapsenfeuern und leseschwachem Blutfluss.

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