Friedlich und plötzlich eingeschlafen

Inzwischen haben wir in diesem Blog unterschiedliche Todesarten bei Büchern kennenlernen können, von denen die Verramschung die für den hinterbliebenen Autoren schmerzhafteste und qualvollste ist. Obwohl sie im 21. Jahrhundert häufig von Fremdviren verursacht wird oder eintritt, weil das Krankenhaus zur falschen Zeit verkauft wurde oder schnell flüssiges Geld braucht und dafür ein paar Patienten meuchelt, sucht in diesem Fall der Hinterbliebene viel zu oft die Schuld bei sich selbst: Habe ich es nicht genug gepflegt?

Eine ganz andere, friedlichere Todesart von Büchern, die ebenfalls schmerzt, lerne ich jetzt kennen. Das geliebte Stück hat intensiv ein reiches Leben gelebt bis zum letzten Atemzug, bis zum letzten Exemplar. Aber es war bereits hochbetagt, älter, als man es für möglich halten konnte. Und dann kippt es einfach ganz plötzlich um und ist tot. Der Autor vernimmt die Nachricht vom plötzlichen Herzstillstand und kann es noch nicht ganz begreifen, dass da nichts mehr sein wird, wo bisher so viel Freude und Glück herrschten. Aber wie das so ist mit den plötzlichen stillen Toden, man sagt sich, es war gut so, es war schön und das Buch hat zum Glück nicht lang leiden müssen.

Ja, ich bekomme es kaum über die Tasten: Nach sehr erfolgreichen sechs Jahren Leben, zwei prächtigen Auflagen und einer Hörbuchfassung, ist mein mir liebstes Buch "Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt" ganz plötzlich und unerwartet von mir gegangen. Weltlich ausgedrückt: Die Auflage ist restlos verkauft. Weil es aber nun schon so viele Jahre auf dem Buckel hat, ungewöhnlich viele für ein Buch heutzutage, wird es bei Hanser nicht mehr nachgedruckt. Im Handel sind also nur noch gebrauchte oder zufällig noch vorrätige Bücher und das Hörbuch zu haben, das bei Gugis Hörbücher erschienen ist.

Einen Nachruf wird es dennoch nicht geben. Das Buch lief nämlich so fantastisch, das es auch die besten Verkaufszahlen im Massenverlag gesprengt hat und immer noch Freunde finden wird, obwohl es mittlerweile sechs Jahre Staub angesetzt hat. Ich habe also auch eine gute Nachricht: Es wird wieder auferstehen! Nicht erst am Jüngsten Tag, sondern wenn das Prozedere mit dem Rechterückfall schriftlich gelaufen ist. Dann werde ich es für eine eigene kleine Backlist-Bibliothek neu auflegen. Leider wird es dann nicht mehr diese aufwändige Geschenkaufmachung mit Schuber haben - so eine Verarbeitung würde saftig Geld kosten.

Ich eruiere jedoch bereits, wie ich das Buch am schnellsten und kostengünstigsten wieder produzieren kann - vielleicht kann ich mit Fotos arbeiten - das wird zu kalkulieren sein. Wer "Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt" wegen seiner äußeren Aufmachung haben will, sollte schnell zugreifen bei dem, was im Handel noch im Regal liegt. Vom Hörbuch sind noch ein paar Exemplare mehr da - aber auch hier sollte man nicht zu lange warten! Wer das Buch wegen des Inhalts liebt, muss sich nur ein wenig gedulden: die Reanimation wird eingeleitet.

Selbstverständlich wird die Lesung aus diesem Buch am 16.5. stattfinden! Und selbstverständlich wird es einen Büchertisch geben.

Kommentare:

  1. Drücke die Daumen, dass sich eine gute Möglichkeit findet, dem Buch ein zweites Leben zu schenken.

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  2. Das find ich direkt schandbar - und ganz unverständlich. :(

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  3. @Jan
    Vom unternehmerischen Standpunkt verstehe ich es vollkommen: Die Auflagenzahlen für eine Auflage in dieser Reihe sind recht hoch. Nach sechs Jahren lässt ein Buch beim jährlichen Abverkauf aber schon ein wenig nach ;-), so dass eine dritte Auflage über ein paar Jahre laufen würde (irgendwann ist der Markt auch gesättigt).
    Kommt dazu, dass der Buchhandel seit einiger Zeit gnadenlos alte Titel wegsortiert und Verlage immer größere Schwierigkeiten haben, ihre Backlisttitel in den Buchhandel zu bekommen!

    Nun ist dieses Buch in der Herstellung sehr viel teurer als jedes normale Bändchen - das muss sich amortisieren und tut es eher mit neuen Büchern in der Reihe. Und dann wird es auch über noch mehr Laufzeit wirklich zum "Oldie", müsste also grundlegend überarbeitet werden - was den Verlag wieder Geld kosten würde. Kurzum: das rechnet sich für ein Unternehmen nicht.

    Übrigens sind bereits einige Titel aus der Reihe "Oasen für die Sinne" verschwunden.

    Suhrkamp geht z.B. den Weg, solche Bücher selbst bei BoD auf Lager zu halten und das macht bei TBs keinen großen äußeren Unterschied. Nur dazu brauche ich dann wirklich keinen Verlag mehr - genau das habe ich nämlich wahrscheinlich vor (@Texterhäschen).
    Ich überlege / kalkuliere nur, wie ich das hübsch machen kann, damit man es auch gern in die Hand nimmt.

    Das Thema Elsass ist außerdem schon aufgrund meiner "Europaarbeit" nicht gegessen, da liegen die Themen noch auf der Straße - unser Team hat auch Ideen. Allerdings ist es in diesem speziellen Bereich sehr fraglich, ob man dazu heute noch über Verlage und Buchhandel gehen muss und sich unabhägigere und direktere Formen nicht eher lohnen. Zumal Reiseführer mit "vergänglichen" Tipps wie Restaurants etc. irgendwann wegen der Updates sowieso in elektronische Formen ausgelagert werden.

    Wir erleben im Buchmarkt an allen Stellen Umbrüche und Untergänge - aber ich denke, wenn man mehr als nur schreiben kann (z.B. Layouten / Technik etc), hat man als Autor auch neue Chancen.

    Allerdings bin ich selbst überrascht, wie zeitlos ich das Elsassbuch hinbekommen habe - bisher ist lediglich eine Orchideenwiese darin der Maismonokultur zum Opfer gefallen.

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  4. Ich hab's noch nicht, wollte es aber immer mal kaufen (nicht bei Amazon, daher etwas umständlich mit zweimal in die Stadt fahren) und muss mich jetzt beeilen, es noch in einer Buchhandlung zu bekommen. Wenn nicht, vertraue ich auf seinen Wiederauferstehungseist!:-)

    Herzlichst
    Christa

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  5. Ich würde raten, das Original zu schnappen, solange es noch da ist - die Preise im Antiquariat steigen bereits. Hätte ich es eher gewusst und gehortet, könnte ich jetzt richtig gut Geld verdienen ;-)
    Herzlichst,
    Petra

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  6. Achja, Geheimtipp: Unabhängige feine Buchhändler nehmen immer auch telefonische Bestellungen und Nachfragen entgegen, so dass man nur einmal fahren muss. Buchsupermärkte sind da allerding manchmal etwas anders...

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  7. So, erste Recherchen haben ergeben, dass ein Hardcover zu teuer würde, nämlich teurer als das Original. Dafür könnte ich im Paperback mehr spielen, und käme sogar mit Farbfotostrecke auf einen vernünftigen Endpreis!
    Aber jetzt muss ich erst den Rechtesabbel erledigen ;-)

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  8. Das ist so ein ausnehmend schönes buch - es wäre wirklich schade, wenn es vom Markt verschwinden würde. Auch, weil es einfach anders ist als andere Elsassreiseführer!

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  9. In der mittleren Buchhandlung unserer Stadt konnte man telefonisch bestellen, war dort aber vergriffen. Hab jetzt erst mal das "Buch der Rose" bestellt.
    Das andere wird mir sicher noch über den Weg laufen.

    Herzlichst
    Christa

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  10. Ich bin auch immer noch stolz drauf: Die meisten Leser haben es gleich mehrfach weiterverschenkt, was natürlich auch für Erfolg gesorgt hat. Und die lobenden Rezensionen in ZEIT, FAZ, Cosmopolitan etc. wärmten das Autorinnenherz.
    Menschen wie du, Sabine, sind "schuld" am Ausverkauf - zu viele Bücher gekauft ;-)

    Leider kann ich bei einer Eigenproduktion natürlich nicht mehr diese wunderschöne Aufmachung bieten, aber ich gebe mir Mühe, aus BoD herauszuholen, was machbar ist.

    Christa, online wird man es sicher lange gebraucht finden, aber ich fürchte, es wird durch die Knappheit zum Phänomen meines Odilienbuchs kommen, das oft für über 100 E wegging (was hätte ich reich werden können). Das ist ja der Unterschied zur Verramschung: die Ware ist in Leserhände verschwunden.

    Was schreiben Sie eigentlich, Madame?
    Spekulationsobjekte.

    Herzlichst,
    Petra

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