Ich bastle ein Buch

Ich habe bereits angekündigt, dass mein Buch "Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt" wieder auferstehen wird. Zuerst muss ich jedoch die Rechterückfall-Formalitäten abwarten. Und weil ich dieses mir und anderen so liebe Buch möglichst schön und professionell gestalten will (der Autor hat ja nur die Rechte am eigenen Text und evtl. eigenen Abbildungen, nicht am Fremdlayout u.ä.), möchte ich zuerst einmal üben. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch andere interessiert, wie ein Buch im Eigenbau entsteht. Dafür gibt es fortan die Rubrik "Ich bastle ein Buch" mit Beiträgen in loser Folge.

Das Projekt
Ein nettes kleines Geschenkbüchlein, das zu meinem Buch "Das Buch der Rose" gut passt und relativ schnell zu schreiben und herzustellen ist - schließlich will ich ja "nur mal schnell üben" und Hobbyspaß mit dem Beruf nützlich verbinden. Ich nenne es im folgenden "Projekt Rosen".

Die Veröffentlichungsform
Ich habe mich für BoD entschieden aus folgenden Gründen:
  • Ein Investment von 40 Euro ist auch für Autoren zu stemmen, falls es schief geht. Ich muss nur bei der Herstellung geschickt kalkulieren, damit der Endkundenpreis vernünftig ausfällt.
  • Ich komme damit - theoretisch - in den Buchhandel, das Buch ist überall bestellbar und mir wird die gesamte Logistik einschließlich des Formularkrams abgenommen.
  • Da Autoren in Frankreich selbst keine Bücher verkaufen dürfen, gerate ich nicht in Bredouille - das macht ganz ordentlich ein Verlag für mich und alles läuft wie gehabt.
  • Vorgehensweise und Technik sind auch von einer wie mir zu kapieren und gut erklärt.
  • Ich kann das Machwerk jederzeit vom Markt nehmen, ideal für ein Experiment
Die Voraussetzungen
Ich muss nicht nur das Buch schreiben. Ich muss die gesamte Herstellung außer dem Drucken selbst in die Hand nehmen oder an Profis vergeben. Letzteres verteuert die ganze Sache, allerdings sollte man an nichts sparen. Nichts ist schlimmer als ein unprofessionell gestaltetes Buch, womöglich voller Fehler. Ich brauche also:

Lektorat / Korrektorat: kann ich als gelernte Redakteurin selbst, würde bei größeren Texten jedoch unbedingt Testleser für die Betriebsblindheit zwischenschalten. Für ein kleines Geschenkbuch werden mehrmalige Korrekturdurchgänge jedoch reichen. Dafür habe ich einen Trick entwickelt: Ich setze den Text jedes Mal in einer anderen Schrift und Breite und korrigiere zum Schluss immer auf Papier. So entgehen mir weniger Fehler, weil der Text "fremd" erscheint.

Grafik fürs Cover und evtl. Abbildungen, Layout: Fotos bieten sich an, die ich selbst gemacht habe. Layouten habe ich gelernt - für Printprodukte der herkömmlichen Art wie für Prospekte, die ich schon selbst gestaltet habe. Ein schlichtes Cover traue ich mir in diesem Fall zu. Trotzdem muss ich mich jetzt endlich in Adobe Photoshop einlernen und mich wieder an Millimeterarbeit gewöhnen - ich habe das lange nicht mehr gemacht. Das Cover verlangt am meisten. Wie viel, wird jeder Laie sich vorstellen können, der einmal einen Schutzumschlag glatt gestrichen hat und von beiden Seiten geschaut, was da alles wo und wie platziert werden muss. Auch bei Bod muss man einen Umschlagrücken bemessen können oder den freien Platz für den Barcode. Zum Glück habe ich genügend Profigrafiker im Bekanntenkreis, die ich um Rat fragen kann. Bei einem aufwändigeren Projekt würde ich hier am wenigsten sparen wollen und einen Grafiker bezahlen. Denn mit dem Cover steht und fällt der Hingreifeffekt beim Leser!

Texterfassung und Technik: Zum Glück gibt es keinen Klebesatz mehr wie in meinen Ausbildungszeiten, obwohl man da noch schön mit der Hand tricksen konnte, wenn etwas nicht passte. Heutzutage stehe ich vor einem anderen Problem: Programme wie InDesign oder QuarkXPress, die natürlich auch bei BoD-Büchern ideal wären, kann ich mir nicht einmal im Traum leisten. Und ich weiß von Broschüren her, wie extrem fehleranfällig, ungenau und pfriemelig Microsoft Word ist, wenn man für den fertigen Satz layoutet. Das Programm, das ich stattdessen für Text und Grafik benutze, ist aber leider nicht kompatibel mit BoD. Ich fürchte, ich werde viele Seiten in den Datenorkus schicken müssen, bis im pdf genau das erscheint, was ich gedruckt sehen möchte. Und weil ich auch für die Herstellung der pdfs ein Billigprogramm benutzen muss, werde ich Rat einholen müssen, ob das funktioniert. Den Buchblock satzfertig herzustellen, wird wahrscheinlich die größte Geduldsarbeit!

Konzept und Titel
Das Projekt Rosen muss natürlich zuerst genau geplant werden. Hier kommt mir die Arbeit mit meinen eigenen Verlagsbewerbungen (auch mit Geschenkbüchern) zugute - aus jahrelanger Erfahrung kann ich mir vorstellen, was geht und was nicht geht, wie man den Konkurrenzmarkt untersucht und Doppler vermeidet oder Leser mit einem Thema anspricht. Außerdem erstelle ich mir ein genaues Briefing: Was soll das Buch bewirken, ausdrücken, an wen sich wenden? Ideal wäre es, wenn es als Werbemittelchen für mein großes und "richtiges" Rosenbuch fungieren könnte, zu dem es natürlich keinerlei Konkurrenz bilden darf. Welchen Unique Selling Point könnte es im unübersichtlichen Markt der Rosengeschenkbüchlein haben? Und setze ich auf ein einheitliches Thema, etwa Gartentipps - oder finde ich einen roten Faden für ein buntes Sammelsurium?
Und genauso wie das Cover alles ist, damit überhaupt jemand hinschaut, genauso steht und fällt alles mit dem Titel. Das ist eine Kunst für sich und braucht wahrscheinlich länger als der gesamte Text.

Klappentexte, Werbetexte
Zum Glück auch Teil meiner eigenen Berufe. Ich arbeite nicht nur meinen eigenen Verlagen in Sachen Klappentext zu, sondern schreibe im Brotberuf genügend PR für andere. Inzwischen habe ich auch genügend Routine und Eigendistanz, um zu schaffen, was das Schlimmste und Schwierigste ist: Eigen-PR. Das wird flutschen, sobald das Konzept steht - und der Klappentext dient dann der Autorin in mir als Leitlinie, um sich nicht zu verzetteln. Die wird in diesem Fall übrigens am wenigsten zu tun haben, denn ein Geschenkbüchlein dieser Art schreibt sie in drei Tagen beim Kaffeetrinken nebenher.

Bleibt zu sagen, dass all diese Punkte während der gesamten Herstellung immer und immer wieder kritisch überprüft werden müssen. So wird es nicht ausbleiben, dass der ein oder andere Entwurf bis kurz vor Schluss noch einmal umgeworfen wird. Wie ich mich kenne, werde ich mindestens fünf ausgearbeitete Coverentwürfe verschleißen - nicht zu reden von all den schnellen Kritzel-Entwürfen, die ich mit Filzstiften auf Papier entwerfen werde. Zwischendurch werde ich außerdem Menschen in meinem Bekanntenkreis um einen scharfen kritischen Blick bitten. Denn nichts ist so schlimm wie das Schmoren im eigenen Saft. Das Experiment fordert mich allerdings auch heraus: Hier schmore ich im Wortsinn im eigenen Saft, in all meinen bisher gelernten Berufen, von denen einige im Leben immer zu kurz kommen. Keine schlechte Schule, finde ich. Und so ein bißchen Fingerfertigkeit kommt dann meinen Brotberufs-Kunden wieder zugute. Wie ich aber die Programmkonferenzen mit all meinen dickschädeligen Egos aushalten soll, ist mir jetzt noch ein Rätsel!

Hausaufgaben für mich selbst:
Konzept und Briefing entwickeln. Texte sichten. Andere Buchcover genau beäugen und Inspirationen sammeln. Design passend zum Konzept und der Zielgruppe entwickeln.
Eminent wichtig vor dem Beginnen: Format und Ausstattung festlegen und Seiten / Farbseiten kalkulieren!
Bis zum nächsten mal vom Basteltisch!

Kommentare:

  1. Zur Korrektur: Guter Trick mit dem unterschiedlichen Satzbild, muss ich mir merken.

    Layout: Besser in Indesign oder Quark machen, gibts beides auch als 30 Tage-Demo bzw. 60-Tage-Demo bei Quark (vielleicht ne Alternative für das Endlayout).

    Werd ich öfter reinschauen, interessiert mich. :-)

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  2. Bei dem Wort „Basteln“ habe ich erst mit Missmut reagiert, denn ein großes Problem bei BoD Büchern ist diese Werbung, die von Laien geglaubt wird: Man müsse keine Ahnung von Layout etc. haben. Aber beim Lesen wurde mir ja schnell klar, dass „basteln“ anders gemeint war :-)

    "Ich kann das Machwerk jederzeit vom Markt nehmen, ideal für ein Experiment"

    Das ist so nicht richtig: Der Vertrag läuft über fünf Jahre und man muss sich ggf. freikaufen. Oder meinst Du damit, erst einmal mit einer „Fun“ Version zu experimentieren?

    Soll das Projekt über BoD Frankreich oder Deutschland laufen?

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  3. Gerade wollte ich anregen, auch Fragen zu stellen, da kommt schon feines Feedback, danke.

    @Peter Hellinger
    Wie viele Tage bräuchte man denn, um bei durchschnittlicher Intelligenz das Programm zu beherrschen? Verführerisch wäre das auf alle Fälle!

    @Nele Tabler
    Danke für den Hinweis mit dem Vertrag, den werde ich natürlich noch innigst studieren. Dann müsste ich also Bleibendes schaffen ;-) (Ich bastle schon gleich ein Büchlein, Paperback)
    Und ein deutschsprachiges Buch wird natürlich über Deutschland verkauft.

    Das mit dem Basteln ist durchaus ernst gemeint, ich betrachte das so, denn ich bin weder ausgebildete Grafikerin noch Lektorin etc. und habe Layouten zu einer Zeit gelernt, als Quark X noch nicht erfunden war (erinnere mich noch ans erste schwerfällige Desktop Publishing Programm, das ich eher besaß als meine Zeitung elektrische Schreibmaschinen). Profis, womöglich mit Diplom, die "drin" sind, werden sich also über mich schief lachen. Man sollte schon seinen Platz kennen.

    Da BoD all diese Zusatzdienste gleich am Anfang gegen Geld anbietet, muss man als Laie schon arg naiv sein, zu glauben, man müsse nichts können. Natürlich gibt es diese Leute, die ich Tante Erna nenne, die sich einbilden, große Schriftsteller zu sein und den Bestseller herzustellen, obwohl sie keinen Satz geradeaus schreiben können.

    Ganz ehrlich: das lässt mich ziemlich gelassen. Wenn ich an mein erstes Machwerk denke, das ich in der Schulzeit als bestsellerverdächtig an die Zeitung schickte, schäme ich mich noch heute ungespitzt in den Boden. Ein seitenweise gereimtes Epos. Ich wäre heute nicht die, die ich jetzt bin, wenn ich nicht aus solchen Blamagen gelernt hätte.

    Aber ganz grundsätzlich: Ich werde natürlich weiter bei richtigen seriösen Verlagen veröffentlichen, weil ich sehr zu schätzen weiß, was die mir an Arbeit abnehmen und viel besser können. Nach diesem Experiment werde ich es noch genauer wissen.

    Ich weiß aber jetzt schon, weil ja noch Vertrieb und Werbung zu bedenken sin, dass es sich rechnerisch absolut nicht lohnt, mit neuen Büchern zu landen. Zur Wiederbelebung vergriffener Titel ist es jedoch ideal (wobei ich bei Belletristik zum Ebook greifen würde).pro

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  4. Vertrag noch mal gecheckt - der läuft über fünf Jahre (absoluter Usus) und kostet in dieser Zeit an Datenvorhaltekosten insgesamt zur Grundgebühr 159 Euro. Man kann ihn jederzeit vorzeitig kündigen - gegen eine Gebühr von 299 E.
    Nur bei BoDFun ist man frei.
    Da muss man natürlich sein eigenes Projekt mal ein wenig berechnen...

    Hmmm tja, für ein Experiment lohnt das wohl doch nicht... mal den Rechner holen.

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  5. Sollte es doch zum Experiment kommen, würde ich mich anbieten, einen schnellen strengen Blick auf Typografie und Bildgestaltung des Covers zu werfen. Hab ja nen Design-Diplom, wa, und Indesign etc. kann ick ooch. – Nur aus Spaß und maximal eine halbe Stunde ;-)
    (Quark gibt es schon ewig...)

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  6. Liebe Frau Cronenburg,

    interessant fand ich Ihre Bemerkung, dass Autoren in Frankreich keine Bücher verkaufen dürfen. Damit fällt für Sie ja die Überlegung ob BoD-Comfort oder Bod Classic weg. Denn der Unterschied zwischen beiden Tarifen ist vor allem der, dass Sie im Tarif für 399 € die Bücher um 10 bis 20 % günstiger auf eigene Rechnung beziehen. Ein Argument für Autoren hierzulande, die viele Bücher bei Lesungen verkaufen.

    Ein Nachteil bei BoD ein Buch aufzulegen ist, dass Sie bei der VG Wissenschaft Ihr Sachbuch nur dann melden können, wenn es innerhalb von drei Jahren wenigstens 100 mal verkauft wurde, oder es wenigstens in drei wissenschaftlichen Bibliotheken steht. Handelt es sich um eine Wiederauflage, muss zudem wenigstens 10 % Text hinzugekommen oder ausgetauscht worden sein.

    Was das Layout angeht, lasse ich meine Bücher von professionellen Buchherstellern setzen. Mich in diese Satzprogramme hineinzuwühlen, um ein bis zwei Bücher im Jahr zu produzieren, tue ich mir nicht an. Dafür lese ich lieber etwas mehr über Typografie, damit ich entsprechend firm bin. Schließlich müssen Sie den Buchherstellern schon auf die Eisen steigen, damit sie ein typografisch einwandfreies Buch erhalten. Wenn aber die Buchhersteller kapieren, dass es Ihnen ernst ist mit der Typografie, lecken sie Blut und haben dann auch richtig Freude daran, endlich mal wieder ein schönes Buch zu setzen.

    Ich wünsche Ihnen viel Spaß und viel Erfolg mit Ihrem Projekt.

    Herzlichen Gruß
    Matthias Mala

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  7. Liebe Petra,
    jedes Mal wenn ich hier vorbei komme, bin ich begeistert über Ihre Ideen und Ihre unermüdliche Tatkraft. Das steckt richtig an!
    Wenn Sie Ihr Buch fertig gebastelt haben, helfe ich beim Ausliefern.
    Egal ob Sie die Bücher aus Quark, Ton oder Papier gebastelt haben, es passen eine Menge in mein Fahrradkörbchen http://s11server.de/images/fahrradkorb.jpg

    Gruß Heinrich

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  8. Das Feedback hier ist ja überwältigend, danke! Da wird mir der kritische Grafikerblick angeboten, ein Auslieferungskörbchen, in das sogar Denis Scheck der Länge nach hineinpassen würde - ja wenn das kein Netzwerken ist!!!

    Vor allem bringt es meine Experimentreihe so richtig in Schwung. Ich muss nämlich völlig neu anfangen. Dazu auch ein neuer Beitrag.

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  9. @angela
    Quark XPress gibt es schon ewig (1987), aber mich gibt's noch länger ;-)

    Wir haben in der Redaktion noch mit mechanischen Schreibmaschinen, menschlicher Texterfassung und Klebesatz gearbeitet, als mir ein großer Gönner den allerersten Aldus PageMaker schenkte. Darauf habe ich damals, um mich von den Arbeitsbedingungen bei der Zeitung abzureagieren, eine Literaturzeitschrift für Landfrauen gemacht und auf einem irre neumodischen Nadeldrucker vervielfältigt...

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  10. Ich habe ca. 1993 mit Quark angefangen und in der nächsten Agentur (= Quark-Hasser) mit PageMaker4 weitergemacht. War auch ok. Später kamen wieder Quark und Indesign dran. – Ich erinnere mich noch, als an unserer FH der erste Kopierer eingeführt wurde. Davor gab es einen „Umzeichner“. Unten Vorlage eingelegt, die wurde nach oben projeziert und dort durchgezeichnet. Oh, und toll war auch das Fließtextkleben mit Fixogum. Tja, und demnächst ebooks ;-)

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