Buchcover - alles ganz einfach?

Autoren leiden oft unter dem Buchcover, das in der Gesamtkonferenz des Verlags ausgetüftelt wird - das sie aber in den seltensten Fällen beeinflussen können oder dürfen. Denn Autoren sind in den seltensten Fällen Grafiker, haben keine Ahnung von der Corporate Identity ihres Verlags (Wiedererkennungswert von Reihen / Programmen etc.) und schon gar kein Vertriebswissen. Und wer keine Ahnung hat, sollte die Finger davon lassen und auf die Profis vertrauen.

Die können es natürlich auch nicht immer. Mein schärftes Erlebnis hatte ich mit dem Roman "Lavendelblues", auf dessen Deckel sich eine extrem leicht bekleidete Blondine am Strand räkelte, hochgeschürzt, die Beine breit für - tja, für was eigentlich? Ich erinnere mich an meinen Entsetzensschrei, als ich die bereits an Buchhändler verteilte Vorschau aufschlug. Keiner hatte die Autorin gefragt oder informiert. Damals habe ich mit Zähnen und Krallen gekämpft, weil ich einen Ruf zu verlieren hatte. Und zum Glück unterstützte mich die ebenso entsetzte Lektorin.

Ich selbst suchte in nächtelanger Arbeit bei Getty-Images 48 Fotos aus und gab die Order: Ihr nehmt eins davon. Das, von dem ich ahnte, dass sie es nehmen würden, kam dann als Titelbild aufs Buch. Hinterher stellte sich heraus, die vorherige Grafikerin war überlastet gewesen, hatte sich diese Fotorecherche nicht erlauben können. Aber der Schaden, den das billige Schmachtliebchen in der Buchhändlervorschau angerichtet hatte, war so schnell nicht auszubügeln gewesen.

Trotzdem, auch ich gehe viel zu geschmäcklerisch und subjektiv an Buchcover heran. Ich bekomme einen Fluchtreflex bei präraffaelitischen Dekolletés und kopflosen Frauen auf Mittelalterromanen und kann auf Krimis keine Blutschlieren mehr sehen. Dabei sollte auch Autoren klar sein: Ein Buchcover hat nichts mit dem Inhalt zu tun, muss nicht unbedingt geschmackvoll oder gar künstlerisch sein und wirkt auch noch nach der 1001sten Version. Cover sind nämlich nichts als Hingucker, Reizstoff. Man lege sich verschiedene Bücher eng nebeneinander auf einen Tisch und nähere sich von Weitem. Welches Buch fällt rein optisch zuerst ins Auge? Wo verspüren wir den größten Reiz, hinzugreifen und warum?

Tja, und jetzt sitze ich da und muss mein Elsassbuch neu gestalten. Plötzlich bin ich frei, freier geht es gar nicht mehr. Und gerate an die gleichen Grenzen wie ein Verlag: Welche Abbildung ist zu haben? Werden die Rechte zu bezahlen sein? Ist ein Foto billiger / weniger aufwändig als grafische Gestaltung? Und wie muss das überhaupt aussehen, dass es nicht mit einem Baedecker verwechselt wird, und Genussleute anspricht? Wer sind meine Leser und wonach grapschen die? Was kommt auf dem Büchertisch an?

Zuerst beobachtet man die Konkurrenz. Die Sucheingabe "Elsass" beim Onlinehändler meiner Qual förderte Kitsch zutage, wie ich ihn befürchtete. Von 16 Büchern zeigen 8 schnulzigstes Fachwerkidyll und 5 austauschbare Landschaften. Der Rest kommt aus der Billigretorte. Schnell weiß ich, was ich nicht will: Fachwerkidyllen und Tourismuskitsch. Wie aber unterscheidet sich dann mein Elsass von Baden, Bayern oder Brandenburg? Auf dem bisherigen Buch hatten wir das Zugeständnis an Storch und Münster gemacht, um einen Wiedererkennungswert zu haben. Also vielleicht doch Fachwerkidyll, nämlich das Ungewöhnliche, das keiner kennt?

In einem Dorf kenne ich ein rotes und pinkfarbenes Haus in Nachbarschaft. Dann gäbe es noch dieses knallblaue neben dem giftgrünen. Ich sehe schon: Mein Fotomaterial (Selbstausbeutung ist billiger) genügt Coveransprüchen nicht unbedingt und ist zur Auswahl nicht reichhaltig genug. An jedem Foto habe ich etwas anderes zu meckern. Eins schwirrt in meinem Kopf herum, weil sich auf den ruhigen Flächen Name und Titel leicht montieren lassen. Aber ist es Hingucker genug? Bringt es "Elsass" rüber und Genuss und Sinnesreisen? Wie und wo müsste ich es beschneiden? Was mache ich mit einem Querformat auf einem hochformatigen Buch? Wo nimmt eine Querformat-Liebhaberin hochformatige Fotos her? Gar nicht so einfach... (Foto durch Anklicken vergrößerbar). Mir fehlt doch tatsächlich die Programmkonferenz! Vielleicht mal die Leser hier fragen: Wie sollte ein neues Kleid des Elsassbuches (altes Cover / Cover Hörbuch) aussehen?


Ich habe jetzt mal mit dem Idiotenprogramm (Pi mal krummem Daumen) aus dem Foto ein Cover-Dummie gebastelt, damit man sich das vorstellen kann (zum Vergrößern anklicken). Meine Meinung: Das ist schon ohne Minifotos voll genug. Mit Minifotos müsste man es völlig anders schneiden und umbauen. Hach, macht das Spaß.


Und in so etwas könnte Zander schwimmen, hahaha (aber der See könnte auch sonstwo liegen):

Kommentare:

  1. Oh je, oh je! Da sind Sie wirklich nicht zu beneiden, Petra! Mir fallen auch immer nur die typischen Elsass-Klischees ein. Und dass man Wein aus komischen Gläsern trinkt, in denen selbst der beste Tropfen nicht zur Geltung kommt. Und dann denke ich an mein Lieblingsrestaurant in Colmar, das sie ganz bestimmt auch kennen (http://www.jean-yves-schillinger.com/) - und da ist das Elsass dann doch ganz anders.
    Die beiden Pole zusammenzubringen, das wärs! Aber dafür braucht es dann doch eine/n gute/n Grafiker/in, oder? Also ich könnte es nicht.

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  2. Bleiben die Sublines? Das Foto von den Feldern ist nett, drückt aber nicht „Oasen für die Sinne“ aus. Und könnte auch aus Hessen stammen.

    Wenn es um Vielfalt und Reichhaltigkeit geht, ist eine Collage schon nicht schlecht. Oder ein Bild, auf dem verschiedene Dinge zu sehen sind (ein Bild jedoch, welches trotzdem den einen entscheichenden Hingucker hat).

    Worum geht es im Buch? Essen, Landschaft, Leute?

    Generell sind Menschen, die etwas tun, anziehender. Weintrinker, Spaziergänger... Leute, die einladen, mitzumachen.

    Ich würde mal bei Flickr „Elsass“ eingeben. Die Fotografen dort sind meistens glücklich, wenn sie für ein Projekt angesprochen werden, und damit auch bezahlbar. Außerdem günstig: http://www.istockphoto.com/index.php und fotalia.de

    Das heißt, es wird nun doch ein BoD geben?

    (Schönes Bild: http://www.flickr.com/photos/ronile/3231315008/)

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  3. Ist das Foto im Blog ein Elsassfoto? Das hätte ja, einfach mal so gesponnen, am rechten oder linken Rand oder neben dem Weg Platz für zwei drei kleine touristische "Kitschfotos": kein ganzes Fachwerkhaus, aber ein Detail, ein Rieslingglas mit Lippenstiftspur, ein Munsterkäse, von dem einer abgebissen hat oder der in der Sonne grade davonläuft oder auf dem (knapp vor der Ekelgrenze) ne Fliege sitzt.

    Also Elsasskitsch mit kleinen Brüchen vor einer schönen Landschaft....

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  4. Ich antworte mal auf ein paar konkrete Fragen stichwortartig:

    Restaurant: Das Testen von solchen Perlen bezahlt mir leider keiner ;-) Nordelsässer essen in Baden + Pfalz, weil billiger und oft besser, pschttt... Die Touris haben hier oben Preis + Qualität verdorben und der fette Süden ist zu weit weg :-( Aber "man" kennt es!

    Angela:
    nur der Titel bleibt, alles andere fällt unter die Verlagsrechte. Worum geht's? Ein literarisches Reisebuch über Kultur, Küche, Geschichte, Traditionen, Landschaften etc., völlig subjektiv anhand von Erlebnissen erzählt. Keinerlei Restaurant- oder Hoteltipps (zeitlos), geeignet auch zum "Nichtreisen" im heimischen Sessel. KEIN Reiseführer. "Sinnesreisen".

    Danke für die Idee mit Flickr & Co., das ist hilfreich!
    Ja, es gibt ein BoD, sobald die Rechte wieder frei sind.

    @Sabine:
    Deine Spinnerei kommt meiner Idee sehr nahe, solch eine Art Teilung (z.B. durch Titel) schwebt mir vor.
    Habe grade an einer Broschüre mitgearbeitet, wo so ein traumhafter Weg in eine Traumlandschaft montiert wurde, eine umwerfende Manipulation! (Den Macher werde ich auch anhauen, aber erst will ich selbst "basteln")

    Dank fürs tolle Feedback! Die Hirnwindungen glühen...

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  5. Wie fängt man eigentlich Zander? Mit dem Netz? Der Angel? Wäre ja auch ein gutes Foto: irgendeinen Typ, der sich einen zappelnden Zander ranholt, in er einen Hand den gerade toten Fisch, die Rieslingflasche an den Lippen und ein seeliges Lächeln auf den Lippen!

    Das Ganze verkörpert dann das bodenständige Elsass inkl. des Wissens, dass das Tier irgendwie auf den Teller muss!

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  6. Oh, aber ja doch, im langen hölzernen Rheinnachen, mit gauloise-geschwärzten Stummelzähnen, Achttagebart und lockigem Rotschopf! Hab ich noch ein Klischee vergessen? ;-)

    Wie man Zander im Elsass angelt? Vornehmlich mit Einkaufsnetz im Supermarkt, wohin er fangfrisch direkt aus estnischen oder russischen Weiten herbeigeflogen kommt. Böse Zungen munkeln, seit meinem Buch sei der heimische Zander recht ausgestorben.

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  7. Apropos Menschen:
    Wenn man kein finanzstarker Verlag ist, meidet man die meist. Da sind nämlich wieder extra Rechte zu bezahlen und bei Einkauf via Flickr & Co. begibt man sich auf juristisches Glatteis - Laien beachten das nicht unbedingt. Ich muss im Ernstfall, wenn ich jemanden für eine Veröffentlichung ablichte, mit diesem einen Kurzvertrag wegen der Persönlichkeitsrechte schließen!
    Bei einem Buchcover ist das sehr viel strenger geregelt als bei Pressefotos.

    Gefällt mir übrigens am ücherbasteln: Man lernt auch als Autor noch stärker die Verlagsarbeit schätzen. Was die einem alles abnehmen!

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  8. Der See ist irgendwie gar nicht Elsass! Weder vom Erkennungswert noch gefühlt.

    Das Cover finde ich per se gut - und dass es Elsass ist, sieht man ja: es steht drauf! ;-

    Allerdings würde ich mit Elsass nie so eine einsame Landschaft assoziieren und beim Thema "Genuss" fällt mir immer so was Blödes wie Essen und Trinken ein. Kopier doch mal neben dem Weg unten einen leergefressenen Picknickkorb rein.....oder ein paar Weinflaschen!

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  9. Dass ist höchst interessant! einsame herrliche Natur ist offensichtlich nicht für jeden einen Genuss...
    (BTW, auf dem Foto ist der Ziegenberg bei Niederbronn zu sehen, glaubt man also kaum, dass an dessen Fuß nicht nur ein Casino nebst Kurörtchen zu finden ist, sondern auch die Abfüllerei des gesunden Celtique-Wassers.)

    Mal weiter reifen lassen. Mir ist das Cover im Moment ein wenig sehr "Roman". Wenn ich mal wieder Zeit zum Spielen habe, werde ich etwas Konventionelles mit Touristen- und Fressbildchen basteln, als Kontrast.

    Problem: Dann denkt auch jeder, er bekäme ein konventionelles Touristenbuch. ;-)

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  10. Mitnichten, liebe Petra, mitnichten!

    Aber im Augenblick steht auf dem Cover etwas mit "promillevoll, fetthaltig, Bier, gekochte Eingeweide" und die leere Landschaft mit dem schönen, aber elend lang aussehenden Weg signalisiert eher "Kalorien abtrainieren"!

    Vielleicht schmeißt Du die Rezepte raus und machst einen Führer "Pour votre santé: activités sportives en Alsace apres avoir mangé trop!" draus?

    ;-)

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  11. Du hast meinen Blindtext nicht wirklich ernst genommen? ;-)
    Da du das Buch kennst, hast du natürlich recht, ich sollte eine riesige schwere Kalorie abbilden...
    Aber wie schon gesagt: Auf einem Cover muss nicht drauf sein, was drin ist!

    Übrigens erstaunlich - das Originalbuch hat überhaupt keine Abbildungen, es ist schlicht und schön bordeauxrot (die Fotos sind ja auf dem Schuber und auch dort sind nur Kohlkopf und Trauben essbar).

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  12. Enttäusche mich jetzt nicht! Den Text fand ich jetzt ausgesprochen gut! Einen Reiseführer mit sonnem Klappentext würde ich sofort durchblättern!

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  13. Lassen Sie doch einfach den Zander im Rieslingglas schwimmen. Kann mir die Montage ganz gut vorstellen.

    Und was das Restaurant und die Kosten angeht: Im Vergleich zu manchem "Möchtegern-Gourmet-Tempel" am See hier ist das Preis-Leistungs-Verhältnis bei JYS durchaus ok.
    Wir halten es inzwischen so, nur noch selten im Jahr überhaupt auswärts zu essen. In diesen seltenen Fällen gehen wir aber zu einem Koch, der etwas kann, was wir selbst nicht zustande brächten. Kochkunst eben.

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  14. Also, ich könnte dir fotolia.com empfehlen. Dort habe ich meine Fotos her. Spottbillig und sehr legal. Du musst nur im Impressum den Copyright-Vermerk angeben, also keine große Sache. Der einzige Haken ist, dass du tausende Fotos durchsehen musst, aber vielleicht ist ja eine Perle dabei? Ich habe festgestellt, dass Profi-Fotografen aus dem östlichen Teil Europas ihre tollen Bilder einstellen. Wenn man Glück hat, stolpert man über den einen oder anderen. Ob es dahingehend etwas zum Elsaß gibt, tja, das kann ich natürlich nicht sagen.

    Alternativ gäb's natürlich die Möglichkeit, GrafikerInnen oder KünstlerInnen zu engagieren und etwas "zeichnen/malen" zu lassen. Es gibt genügend junge Menschen, die für ein geringes Entgelt ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Eventuell vielleicht Künstler aus deiner Gegend, dem Elsaß?!

    Cover ist sicherlich DAS Wichtigste Werbemittel für Kleinverlage, deshalb würde ich dahingehend viel Zeit und ein wenig Geld in die Hand nehmen, am Ende rechnet es sich hundert Mal.

    Aber ich kenn das Leid, wenn man keine Vorgaben hat, völlig frei entscheiden kann und beinahe erschlagen wird, von den vielen Möglichkeiten, die man plötzlich hat. Oui, oui :-)

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  15. Merci für den Tipp mit fotolia.com (bei Angela führt der Vertipper auf eine Werbemaschine), Richard und Angela!
    3000 Fotos zum Stichwort Elsass, eine Menge davon offensichtlich von Tante Erna fotografiert, aber zwei, drei feine sollten drin sein. ;-) Habe sogar ein Foto aus dem Buch wiederentdeckt (klein ist die Welt)...

    Was ich nicht kapiert habe: Da zahlt man jedes Jahr von Neuem? Das ist ungewöhnlich, normalerweise kauft man die Rechte für Buchabdruck zum Fixpreis und Schluss. Und das ist unter Umständen genauso billig, denn Kleckerlesbeträge im Jahresabo summieren sich. Oder hab ich das nur nicht kapiert?

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  16. Da dieses Bild ein Kunstwerk ist, sollte das Cover auch schon nach Kunst aussehen. Wie ein Ölgemälde? (ähnlich http://www.martin-missfeldt.de/images-pictures/oelbilder-schule/oelbild-haus-normandie.jpg
    Oder so?
    http://www.antikcenter-pirmasens.de/scans5/7824.JPG

    Fotos sind zwar auch Klasse, aber es sollten wenigstens Kollagen sein, die ineinander fließen, nicht einfache Landschaftsbilder.

    Ich weiß, woher nehmen und nicht stehlen - heißt die Devise.

    Ich bleibe auch am Ball.

    Gruß Heinrich

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  17. Da dieses BUCH ....war natürlich gemeint

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