Marketing für Autoren

In meiner Linklese heute geht es nur vordergründig um Eigenmarketing von Indie-Autoren. Die Tipps und Überlegungen sind meiner Meinung nach genauso für herkömmlich verlegte Autoren wichtig, die zunehmend dazu gezwungen werden, selbst etwas für den Erfolg ihrer Bücher zu tun. Und Querdenken schadet bekanntlich auch nie.

Zuerst eine Warnung: In den US-Blogosphäre machen drei äußerst geschwätzige Autoren die Runde, denen es bisher nicht gelungen ist, ihre Online-Gespräche von einem harschen Lektor kürzen oder wenigstens mit Zwischenüberschriften versehen zu lassen. Ich habe mich durchgekämpft und muss sagen: Ein Exzerpt wäre hilfreich gewesen, die Gespräche lohnen sich jedoch in ganzer Länge (außer beim Baseballgeschwätz). Hintergrund für die öffentliche Tratschaktion: Barry Eisler hat einen Vertrag für zwei Bücher zu einer halben Million Dollar ausgeschlagen. Und das nur, um die Bücher auf eigene Kosten selbst zu verlegen.

Damit schafft der bereits verfilmte Erfolgsautor Eisler neue Maßstäbe. Barry Eisler und der nicht minder berüchtigte Joe Konrath unterhalten sich deshalb über Verlage, E-Books und die Chancen des Selbstverlegens in einem fast 30seitigen pdf. Das ist aber nicht alles: Beide diskutieren (kürzer) mit dem Autor Dean Wesley Smith sehr kontrovers das sogenannte Agentenmodell. Dabei geht es darum, für Indie-Bücher Herstellungsleistungen als Provisionen zu bezahlen und möglicherweise eines Tages Literaturagenturen zu übertragen. Ein Modell, das im englischsprachigen Raum breit diskutiert wird, seit einige Agenten ihre Autoren selbst im E-Book verlegen. Gegner werfen dem Konzept vor, ein Autor zahle damit lebenslänglich für Einmaljobs wie Grafik oder Werbung. Wer den US-Buchmarkt für ein weit entferntes exotisches Kuriosum hält, kann sich den ganzen Sabbel sparen, Zukunftsorientierte können aus den Gesprächen wertvolle Anregungen, Warnungen vor Fallstricken und einen Hauch dessen, was noch kommen wird, erfahren.

Immer wieder erfrischend bodenständig und kundig ist Victoria Strauss, die auch via Twitter jede Menge wertvoller Brancheninformationen bereit hält. Sie holt Autoren nach Erfolgsmeldungen über Konrath, Hocking & Co. auf den Teppich und warnt vor überzogenen Auflagenträumen. Ihre Tipps, wie man den Erfolg seiner Bücher richtig einschätzt und welche Illusionen man sich sparen kann, sollten sich auch Autoren in Großverlagen gönnen, die wie das starre Rehlein auf Amazonränge schielen.

Und weil das arme eierlegende Wollmilchschweinchen namens Autor inzwischen ja auch noch mit Links das eigene Marketing stemmt (Presseabteilungen in Konzernverlagen machen das nicht für jeden), ist eine kritische Frage angebracht. Publishing Perspectives fragt zu Recht "Are Authors too naked in their Self-Promotion?" Absolut lesenswert sind die Antworten der Leser, wie viel Eigenwerbung sein darf und ab wann es peinlich wird - aber auch, was Leser eigentlich von Autoren erfahren wollen.

Das ist übrigens ein Thema, das nicht nur Autoren, sondern auch Verlage interessieren sollte. Im Eisler-Konrath-Gespräch wird ein ähnliches Problem angesprochen: Es wird immer wichtiger, direkt mit den Lesern ins Gespräch zu kommen, um Bücher zu verkaufen. Bisher dachte man, das sei nur eine Chance für Nische, für Außergewöhnliches, für all das, was Leser nicht in Stapeln finden. Inzwischen zeigt sich jedoch in den neuesten Entwicklungen der Buchbranche, dass auch Hersteller von Trendware zunehmend verlieren, wenn sie die Kundenkommunikation vernachlässigen. Wie weit aber haben sich die Verlage schon von ihren Lesern entfernt? Tele-Read wirft einen Blick auf drei Wahrheiten, die Verleger bei der Kundenbindung beherzigen sollten. Wen wundert es, dass die Beherzigung eben dieser drei Punkte u.a. den Erfolg von Konrath & Co. ausmacht? Wen wundert es, dass die Schlussfolgerungen so einfach und banal klingen: Lesern ist die Art des Verlegens und des Handels von Büchern piepschnurzegal. Sie wollen ihren Lesestoff einfach zugänglich, leicht zu kaufen, zu vernünftigen Preisen und ohne irgendwelche Barrieren.

Da wäre noch die technische Seite der Kommunikation zwischen Verlag und Kunde oder Autor und Leser, die aufgrund der Kommunikationsgewohnheiten und finanzieller Vorteile natürlich zunehmend im Netz stattfindet - idealerweise auf unterschiedlichen Ebenen. Eine Studie hat die Lebensdauer von Beiträgen bei Twitter und in Blogs geprüft und kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem Inhalte über Bücher, Videos, Musik und Magazinartikel recht langlebig sind. Blogs werden dabei zu einem wichtigen Instrument jener Kommunikation - vorausgesetzt, sie sind richtig vernetzt.

Einen absolut lesenwerten Beitrag über die Vorteile von Twitter und die Eigenheiten der sich dort tummelnden Leute bringt das Blog "Der 13. Stock". Wer immer schon wissen wollte, was man mit Twitter tatsächlich erreichen und bewegen kann, sollte den Beitrag unbedingt lesen.

Wahrscheinlich ist allen aufgefallen, dass deutschsprachige Beiträge in Sachen Weiterdenken recht rar sind im Gegensatz zum brodelnden anglo-amerikanischen Geschehen. Wir lassen uns das Denken leider immer noch allzu gern aus der Hand nehmen, um Jahre später zu imitieren, was über den Teich schwappt. Von dort kommt auch das Beispiel einer Autorenkooperative in Sachen Eigenmarketing. Solche Kooperativen sind übrigens auch in Europa schon gang und gäbe (ich berichtete über Frankreich) - nur in Deutschland kämpft man noch selbstverliebt den genialischen Traum der Einzelkämpfer.

Die Fiction Writers Co-Op wurde von etwa 50 etablierten Autoren gegründet, um Eigenmarketing auf eine breitere und schlagkräftigere Basis zu stellen. Die Stärke liegt in der Mischung: Bestsellerautoren aus den Listen der New York Times sind neben Anfängern im gleichen Club. Entstanden ist die Idee aufgrund des zunehmenden Drucks, der verlagsseitig auf Autoren ausgeübt wird. Der reicht von der Berechnung des Marketing-Budgets nach der Zahl der Facebook-Freunde bis zum Verlangen, Autoren müssten immer stärker in Social Media auftreten. Und endet dabei, dass Autoren häufiger als früher dazu gezwungen sind, Eigenmittel aufzuwenden, um ihr Buch zu bewerben, weil es der Verlag nicht ausreichend erledigt.

Die Autorenkooperative nimmt das nun gruppenweise in die Hand und wirbt gegenseitig für die Bücher der Kollegen, schreibt Beiträge in Blogs, bei Twitter, auf Facebook und kann sich vor allem durch Gruppenrabatte sogar professionelle Marketingaktionen leichter leisten. Inzwischen gibt sie aber auch wie ein Buchclub besonders ausgewählte Buchtipps heraus und wendet sich damit an Buchhändler und Bibliotheken. Die Mitglieder schätzen vor allem die offene Struktur zwischen alten Hasen, Bestsellerautoren und blutigen Anfängern: Jeder lerne von jedem und schüchterne Autoren würden in der Gruppe mutiger. Vor allem aber stärke der kameradschaftliche Umgang die Motivation in einem sonst einsamen Beruf. Das Konzept ist so erfolgreich, dass es bereits eine Warteliste für Mitgliedschaften gibt. (Fiction Writers Co-Op bei Facebook).

Ich finde, dieses Konzept sollte Schule machen (in Frankreich gibt es solche Gruppen übrigens auch). Denn die meisten Einzelkämpfer sind einfach überfordert mit dem, was Verlage manchmal neben dem immer schnelleren Schreiben von ihnen verlangen. Allerdings müsste sich dann grundlegend etwas an der Konkurrenzmentalität ändern und jeder gleichermaßen bereit sein, Buchmarketing zumindest grundlegend zu erlernen. Vernetzung ist bekanntlich nur so effektiv wie die Präsenz der Einzelnen in den unterschiedlichen Werbemedien.

Immerhin gibt es im deutschsprachigen Raum nun einen Anfang: Der Virenschleuder-Preis soll nun jährlich für erfolgreiches Buchmarketing in den Social Media vergeben werden - bewerben können sich Verlage, der Buchhandel, aber auch Autoren. Für alle, die sich mangels Projekt nicht bewerben können, bietet die Website eine Fülle von Ideen.

Hätte eine Kooperative von Autoren oder das Eigenmarketing von Einzelkämpfern wirklich Erfolg, stellen sich allerdings die nächsten Fragen: Wozu brauchen Autoren dann überhaupt noch Verlage, wenn diese zunehmend typische Verlagsleistungen an ihre Autoren outsourcen? Müsste da nicht langsam eine Rückbesinnung auf die Kernkompetenzen innerhalb der Verlage stattfinden? Oder haben wir eines Tages nur noch Dienstleister mit Outsourcing-Kompetenzen statt Verleger?

Kommentare:

  1. Einen Beitrag den ich zum lesen empfehlen möchte. Mit vielen interessanten Tipps und Ansätzen. Es macht immer Freude bei Ihnen mitzulesen.

    AntwortenLöschen
  2. Beeindruckend finde ich mal wieder:
    Während wir uns hier noch die Köpfe einschlagen über die Frage, ob eine Kooperation unter Autoren zum Zwecke des Marketing nicht doch irgendwie anrüchig sei, werden anderenorts einfach Nägel mit Köpfen gemacht.

    Manchmal möchte man einfach auswandern ...

    Liebe Grüße
    Jutta

    AntwortenLöschen
  3. Nicht auswandern. Die Kleingeister (die es genauso in den USA oder Frankreich gibt) hinter sich lassen und handeln!

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es rechts vom Rhein fast ausschließlich KollegInnen sind, von denen Neid, Angriffe oder Schmäh bei "Pioniers"-Aktionen kommen - keineswegs die LeserInnen. Vielleicht würde es helfen, noch offener und selbstbewusster an die Sache heranzugehen? Denn es gibt auch in Deutschland bereits Autorenkooperativen, vorwiegend im literarischen Bereich, die sich einen Namen geben, eine Struktur, und öffentlich damit auftreten - geachtet. Nachher wollen dann plötzlich alle Gegner mitmachen.

    Ich erlebe diesen Gegenwind ja auch und lese den teilweise unterirdischen Schmäh von AutorInnen gegen KollegInnen, die ein Buch per PoD herstellen. Sollen sie ihre Energie verpuffen und alles besser machen, mich berührt das gar nicht. Wie erstaunt aber war ich z.B., als ich meine Interviewpartner offen darauf ansprach, ob sie es denn nicht stören würde. "Wieso soll das denn eine Rolle spielen?" war die verblüffte Antwort der wirklich hochkarätigen Leute, "Sie verkaufen doch ein Buch und keine Drucktechnik?"

    Irgendwie kann ich die Schimpfer sogar verstehen. Da spielen viele Ängste mit, sogar Existenzängste und die Angst, im Ernstfall selbst nicht flexibel zu sein. Und das muss man leider sagen: In Deutschland herrscht keine Kultur für Entrepreneurs und Experimentelle - aber die kann man sich schaffen mit Verbündeten. Die gibt es auch in den USA nicht in jedem Middlewest-Kaff.

    Pioniere haben es immer schwer. Aber eines Tages werden sie vielleicht sogar zum Vorbild und Ideengeber?

    Schöne Grüße,
    Petra

    AntwortenLöschen
  4. Heiliger Himmel! Was für ein Beitrag. Danke.

    AntwortenLöschen

Dieses Blog wird moderiert, Kommentare werden also zeitversetzt manuell freigeschaltet. Anonymous spam ist filtered out!

Automatisiert gelöscht werden: Spam, unerwünschte Werbung, Beschimpfungen, Rassistisches, Fremdenfeindliches, Extremistisches und gegen die übliche Netikette verstoßende Kommentare. Gesetzesverstöße werden unverzüglich zur Anzeige gebracht (ein Anonym-Alias schützt hier gar nicht).
In diesem Blog ist kein Platz für diesen Dreck. Ich lese das auch nicht, sondern lasse automatisch löschen.

Powered by Blogger.