Am Markt vorbei

In manchen Autorenforen redet man sich die Köpfe darüber heiß, wie und was man schreiben sollte, um sich gut zu verkaufen. Autorinnen der Unterhaltungsbranche waren sich bisher sicher: Was trendy ist, geht wie geschnitten Brot. Zuerst waren es die historischen Romane, dann die durchgeknallten Serienmörder und schließlich deren Steigerung, die romantischen Vampire. Epigonentum schien gefragt wie nie zuvor. So mancher erfolgreiche Genre-Autor arbeitete längst als Buchfabrik unter mindestens zwei Pseudonymen.

Die Konzernverlage, die seit Jahren immer mehr auf Massenware setzen und jedes Risiko scheuen, schienen sich ebenfalls sicher: Ein Hype wird so lange ausgereizt, bis sich der Kunde erbricht. Bis dahin aber ist guter Profit zu machen. Selbst Agenturen bekamen immer wieder von Programmgestaltern zu hören: DIE Leserin von heute will das so. DIE Leser brauchen ... unsere Leser wollen das so.

Alles Kappes. Milchmädchenrechnungen. Schaumware.

Buchreport zitiert die Geschwister Hugendubel aus einem SZ-Interview:
"Verlage nehmen immer mehr unverkäufliche Titel ins Programm."
Beschäftigen wir uns jetzt mal nicht mit der Sottise, dass Hugendubel gern den Verlagen diktieren würde, welche Bücher Autoren künftig zu schreiben hätten. Lassen wir einfach diesen Satz genüsslich auf unserer Autorenzunge zergehen. Ein Logikpralinchen mit Trend-Feinbitter.

Seit etwa einer Stunde versuche ich vergeblich, eine schwierige algebraische Gleichung zu lösen:
L hoch 2 : Sp - B x H + X = minus unendlich
L = "unsere Leser wollen das so"
hoch 2 steht für Trendentwicklung
SP =  Spitzentitel
B = Buchhandel
H = Hugendubel

Jetzt komme bloß noch einer daher und behaupte, die Unbekannte X stehe für all die Manuskripte, die nicht angekauft wurden, weil ungleich L. Ich war noch nie gut in Mathematik. Oh heiliger Hugendubel, hilf!

Kommentare:

  1. Liebe Frau Cronenburg,
    der Schwachsinn will gelesen werden. Es ist das altbekannte Geschäft mit der Kolportage. Es ist ebenso die altbekannte Geschichte von der Gier. Die Verlage sind so gierig wie die Gesellschaft, in der sie agieren. Dieser Untergang des Abendlandes ist aber zugleich die Morgendämmerung für die andere Litertur, und die gab und gibt es ebenso zu allen Zeiten in den Nischen, in die sich die Dummheit nicht zwängen kann.
    Halten wir es mit dem Frühling - satte Blüte wünscht
    Matthias Mala

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  2. Lieber Herr Mala,
    habe ich denn nun schon wieder falsch gerechnet? ;-) Wenn Hugendubel sagt, dass der ganze Schwachsinn sich immer schlechter verkauft, müsste doch eigentlich...?
    Ach, ich schaffe diese Gleichung einfach nicht. Irgendeine Konstante ist da faul!
    Frühlingsgrüße auch aus dem Elsass (heute leider diesig-stürmisch),
    Petra van Cronenburg

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  3. Liebe Frau van Cronenburg,
    nun, Nina Hugendubel leugnet mit ihrer Feststellung schlicht den Schweinezyklus. Päpstinnen sind durch, mittlerweile schwer wie Blei. Vampire werden flügellahm. Doch nun kommt die Landfrau, weise und magisch. Spätestens wenn auch die Selbstverlegerautoren diese Sau schlachten wollen, ist der Zyklus durch, und man macht wieder in Rind.
    Außerdem ist die Diversifikation bei Weltbild und Hugendubel schon recht weit fortgeschritten. Wenn Bücher nicht mehr gehen, gehen halt mit Lyrik bedruckte Erfrischungstücher - was soll's. Vielleicht stellt man auch Tätowierer ein, die das unbelesene Publikum gleich Lady Gaga mit Lesbarem beschriftet.
    Schirrmacher beklagte sich in der letzten Sonntags-FAZ, dass die Literatur nicht mehr politisch sei; auch er wünscht sich einen neuen Zyklus herbei. Er wird ihn bekommen ...
    Gruß M. M.

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  4. Weise und magische Landfrauen, lieber Herr Mala? Warum ist diese Sau an mir vorbeigegangen, wo ich doch so magisch auf dem Lande lebe?! Da muss ich doch gleich einen Salamizyklus kreieren...
    Danke für den herrlichen Lacher - schöne Grüße,
    Petra van Cronenburg

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  5. Die Idee mit dem Tätowierer im Buchladen gefällt mir. Zumal sie völlig neue Vermarktungsideen der eigenen Texte eröffnet - die allerdings kurz, von hoher Qualität und gewisser Beständigkeit sein sollten. Also eher goethe- oder nietschemäßig.

    Man lässt sich den Text auf einen interessanten Körperteil tätowieren und wer zahlt, darf lesen....

    (Pfui Sabine, solch unbotmäßige Ideen in einem Blog mit solch literarischer Qualität....)

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  6. .....schicke dem Nietzsche ein "z" hinterher....

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  7. Vor vielen Jahren, als die Tattoos in den USA aufkamen, finanzierte sich eine Autorin ihren Erstling so: Für Geld ließ sie sich Worte aus ihrem Manuskript tätowieren und stellte das für den zahlenden Leser zur Schau. Leider habe ich nie erfahren, welchen Erfolg das Buch hatte und ob es je gedruckt wurde... Naja, irgendwie gedruckt ist es schon, sogar sehr haltbar.

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