Klimamärchen


Im Moment ist es die letzte Rose in meinem Garten (Foto eben gemacht), eine Red Parfume - aber wenn es wieder eine Warmphase geben sollte, öffnen sich noch ein paar Knospen von anderen Sorten. Neuerdings wuchert aber etwas anderes ganz heftig. Plötzlich zeigen sie mit den Fingern auf meine Rosen, Städter meist und Leute ohne Ahnung von Natur, und dann reden sie ganz aufgeregt: "Da kann man die Klimaerwärmung sehen! Rosen im Dezember, wenn das nicht schon die Vorboten der Klimakatastrophe sind!"

Mir bleibt dann nur nachsichtiges Grinsen, denn dank der Panikmache in den Medien sind solche Leute mit vernünftigen Argumenten nicht mehr zu überzeugen. Wir haben in geschützten Lagen in unseren Breiten IMMER Rosen im Dezember. Würden wir keine haben, sollten wir uns eher Sorgen machen. Seit ungefähr zwanzig Jahren lebe ich hier, seit zwanzig Jahren schneide ich noch an Weihnachten frische Rosen vor dem Fenster an der Südseite. Früher klagten die Leute, dass es einfach kein richtiges Weihnachten mehr gebe. Heute beschreien sie eine Klimakatastrophe.

Mit die ältesten Weihnachtsbäume (neben Erzgebirge und Schlesien) sind im Elsass belegt. Die allerersten waren nicht etwa mit bunten Kugeln geschmückt, sondern mit Äpfeln - und Rosen! Der alte Lebensbaum blühte zur Wintersonnenwende besonders schön, verhieß mit den kürzer werdenden Nächten die Hoffnung auf wieder erneut keimendes Leben. Und nachdem die Kaltperiode des Mittelalters endlich überwunden war, ließen sich in jenen Breiten auch tatsächlich Rosen schneiden. Weil das Elsass zu großen Teilen jedoch aus Bergen und weniger verwöhnten Lagen als an der Weinstraße besteht, hat man die Rosen dort schnell haltbarer gemacht, nämlich aus Papier gebastelt (Meine Basteltipps). Es gibt Richtung Rheinebene und an der Weinstraße immer noch Rosen im Elsass im Dezember - verdammt kalt ist es heute obendrein.

Wenn Sie Rosen im Winter schneiden oder verschenken, gibt es Tricks, dass sich Knospen noch öffnen und Blüten länger frisch bleiben. Wickeln sie die Rosen (wie alle Blumen) beim Transport in schützendes Zeitungspapier (Plastik und Zellophan werden kalt, laufen leicht an und lassen die Blumen nicht atmen). Kurz bevor Sie die Rosen in die Vase stecken, müssen Sie die Stiele noch einmal schräg anschneiden, auch wenn das bereits gemacht wurde. Stellen Sie die Stielenden jetzt sofort in heißes (!) Wasser - und zwar so lange, bis keine Blasen mehr von der Schnittfläche aufsteigen. Und dann ebenso schnell ins kalte Wasser in die Vase! Geben Sie dem Vasenwasser etwas Backpulver zu, das wirkt wie Blumenfrisch. Und stellen Sie die Rosen nicht sofort in ein überheiztes Zimmer und nachts eher kühl.

Der Trick mit dem heißen Wasser hilft auch müden Blumen aus dem Laden wieder auf. Physikalisch ist das ganz einfach zu erklären: Blumen, die an der Schnittfläche zu lange Luft bekommen haben, verwelken schneller. Das heiße Wasser treibt einen Großteil des Lufteinschlusses heraus, daher die Blasen.

Genießen Sie Ihre Rosen im Dezember, falls Sie in solch gemäßigtem Klima wohnen wie ich - und lassen Sie sich von diesen herrlichen Blumen keine Furcht vor der Zukunft einjagen!

Weihnachtsgeschenk in letzter Minute gesucht? Vielleicht das hier?

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