Bald Klorollenschreiber?

Wer länger hier mitliest, hat sich wahrscheinlich schon mindestens fünf mal die Anekdote anhören müssen, wie mich meine Mutter als ungefähr Fünfjährige besorgt zum Arzt schleifte, weil ich nicht "normal" mit meinen Wachsstiften umging. Anstatt brav wie alle anderen schöne bunte Bilder für Mama zu malen (was ich natürlich auch tat), kritzelte ich nämlich massenhaft Papier mit einem seltsamen Krikelkrakel in Linien voll. Und das Schlimme: Ich war kaum zu stoppen. Weil ich noch nicht schreiben und lesen konnte, hatte ich schnell mal eine "Geheimschrift" erfunden, um all die Geschichten aufzuschreiben, die mir Schmetterlinge und Tulpen erzählten. Der wunderbare Arzt verordnete mir damals Tapetenrollen und mindestens drei mal täglich deren Benutzung. Seither schrieb ich meine Geheimschrifttexte als Meterware herunter.

Als ich größer wurde, gab es Klopapierrollen mit aufgedruckten Witzen zu kaufen, das war damals absolut hip. Siehste, sagte ich mir, falls aus dir mal nichts werden sollte, kannste immer noch als Klopapierrollenbeschrifter gehen. Rollenerfahrung hatte ich ja bereits. Jetzt bin ich ganz groß, aus mir ist tatsächlich nichts Gescheites geworden, aber die Schreibaussichten laut Deutschlandfunk sind noch prunkiger als damals. Der titelte nämlich kürzlich: "Stapelware vor Kompetenztapete".
Meine Mutter fragt sich ja heute noch, was mit mir kaputt war. Jetzt kann ich die Krankheit endlich benennen: Kompetenztapeten-Durchfall!

Das Sendescript unter dem Link empfehle ich nur ganz Hartgesottenen, welche die Perversitäten aushalten, denen wir Autoren in Zukunft immer stärker ausgeliefert sind. Ich empfehle ihn außerdem den Aufklärung suchenden Lesern, die sich danach ihre Bücher lieber bei Verlagen direkt bestellen oder im unabhängigen Buchhandel - so viel Öko darf sein zum Artenschutz bald aussterbender Autoren. Und selbstverständlich ist er ein gefundenes Fressen für Typen wie mich, die bei solchen Zukunftsschauen immer lauter lachen und sich denken: Profithaie, passt auf, dass ihr euch nicht bald ganz böse gegenseitig überflüssig macht. Für Tapeten brauchen wir euch nämlich nicht mehr - das kann jedes Kind allein!

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