best of

Schon wieder findet jemand meinen Jahresrückblick zu schwarz. Leute, was seid ihr für Harmonieküken im Eierkuchenparadies? Aber damit die ganz Empfindlichen unter uns auch endlich etwas zu lachen haben, bringe ich mal meine ganz persönliche "best of"-Liste, die wunderschöne Lichtblicke in ein stinknormales Autorenleben gestattet.

Vom Buch zum Bettbild
Verlagsverkauf steht an. Nicht schon wieder, denkt das gebrannte Kind. Meine beiden ersten Bücher gingen - nach gutem Erfolg - schon an einem Neubesitzer zugrunde, der ganz frische dritte hat endlich in diesem Jahr die Rechte zurückgegeben. Dann das Happy End: Die Verlegerin übernimmt den Verlag selbst. Wieder hat ein Buch überlebt. Und ich kann mir die Rechte für meine ersten beiden Bücher endlich übers Bett hängen.

Vom Buch zum Film
Auch nach einem Jahr gelingt es nicht, ein Projekt zu verkaufen, das selbst mein Agent für "heiß" hält. Der erste Erdölrausch in Europa, Spiegel für eine Zeit der Gier und des Zockens, bis sich plötzlich der globale Markt etwas verschob und alles abstürzte, Neues entwickelt werden musste. Die Autorin hat fast zehn Jahre recherchiert und sitzt auf einem Schatz historischer Fotos. (Ich sag das so frei, weil ich es begraben habe und falls ein billiger Hausautor meine Bewerbungsunterlagen nacharbeitet - die Idee kam vor weit über einem Jahr von mir). Dann kam die Krise und der Ölpreis stieg. Jetzt musste das doch Thema sein!
Autorin und Agent konnten die Absagen nicht glauben, denn Idee und Probetext fanden alle gut. Nicht immer explizit, aber alle redeten in eine Richtung: "Das nimmt keiner unserer Leser einer Frau ab. Einem Mann ja. Wenn sie wenigstens in einem verwandten Fach promoviert hätte." Oder "Wo der Ölpreis so hoch ist, können wir doch unseren Lesern keine so harten Themen geben, die brauchen Tröstliches." Oder: "Erdölgeschichte ist doch kein Thema!" Spaß: Während die Verlage reihenweis zauderten, fiel das internationale Fernsehen ein (leider nicht bei mir). Jetzt ist das Thema von den Schnelleren gegessen. ARTE war auch dabei. Gut's Nächtle, liebe Verlage.

Vom Buch zur Bühne
Feinster Verlagskontakt für ein feines Lieblingsprojekt. Ich möge doch bitte, bevor man an eine echte Zusammenarbeit denken könne, in Großstadt X zu einem Gespräch vorbeikommen, am Soundsovielten. Absage der Fahrt durch die Autorin - ich hätte für die weite Reise zwei Monate hungern müssen, war vollkommen blank (damals lebte ich noch vom Bücherschreiben, haha). Nie wieder vom Verlag gehört. Dann der Bauchtrotz: Warum das Zeug als Buch drucken? Das kann man doch spielen! Autorin schreibt nächtens eine szenische Lesung für die Bühne und engagiert sich selbst als Hauptdarstellerin, Kostümfrau, Klinkenputzerin etc. Die Premiere ist ein voller Erfolg und bringt mehr Besucher als jede Lesung. Aber alle wollen das Script kaufen! Plan: Bei mehr Zeit und Kraft wird das neu aufgemöbelt, dann werden Veranstalter gesucht und drucken kann man das auch selbst. Denn welcher Verlag kauft schon Bühnenstücke, die einmal ein Buch werden sollten?

Vom Inland ins Ausland
Interessante Idee. Die kauft mir kein deutscher Verlag ab, denke ich sofort, weil ich den Markt kenne. Und die Verlage, die könnten oder würden, gibt es schon fast nicht mehr. Dann ein Zufall, noch jemand mit der Idee in Frankreich. Wir vergären gerade gemeinsam: ein zweisprachiges Buch. Und voilà - Frankreich ist für solche Themen offener. Jetzt fehlt nur noch die Zeit, weil beide Autorinnen nicht wenig Brotjob zu erledigen haben. Wir hecken aber schon aus... Warum immer im "eigenen" Land veröffentlichen?

Na, liebe Freunde rosiger Lebenschmonzetten, ist das nicht herrlich? Flexibel sein, improvisieren - irgendwie wird das schon. Was mich ein wenig erschreckt, ist nur die Tatsache, dass sich so viele Bücher in völlig andere Formen auflösen und mich das eigentlich gar nicht mehr wundert. Aber ich lasse im Brotberuf ja auch schon meine Texte auf Acrylglas dampfen und in Holz ritzen... Der Bedarf an erzählten Geschichten und guten Texten ist groß, sehr groß sogar - nur irgendwie woanders.

Gestern erzählte mir dann ein Freund, ein Bekannter sei voll aus dem Musik-Biz ausgestiegen, dem ginge es richtig gut. - Was der denn mache? - Na, der sitzt allein auf der Bühne und liest. - Und das funktioniere? - Ja, der hat so im Schnitt tausend Zuhörer. - Und der liest Bücher vor? - Nö, Texte, einfach Texte ohne Bücher. Die Leute sind verrückt danach.

Merke: 2010 den Bekannten fragen, wie man zu tausend Zuhörern kommt. Dann lese ich auch ganz ohne Buch.
Notiz: Überlegen, ob ich mich eines Tages noch BUCHautorin nennen darf. Vielleicht bin ich längst eine WALDautorin?

Kommentare:

  1. Da ist doch gleich noch ein Buch drin: Erfolgsautor "männlicher Literatur" entpuppt sich eines Tages als Frau, männlicher Lektor muss klein beigeben - hat sich aber gottlob in eben diese Dame verguckt, anlässlich eines Buches zum Thema Rosen. Am Ende küsst man sich in Cornwall. Plot passt auf eine Serviette, check, also TVfähig.

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  2. Pass bloß auf, ich kenne einen, der schon mal eine Serviette verfilmt hat...

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  3. ...jetzt fällt endlich der Groschen, hat lang gebraucht, stimmt - ich war ja schreiberisch auch schon als Mann unterwegs! (Haha, falls ich je bekannt werden sollte, recherchieren ab hier alle feste herum...)

    Wir hatten natürlich auch ein männliches Pseudonym diskutiert (aber bau mal im Sachbuch dieser Sorte einen Fake-Fachmann auf, puuuh, die Autorin geht dann als Sekretärin ans Telefon?). Andere sind da wahrscheinlich weniger zimperlich. Ich wär's bei Schmonzetten oder Ähnlichem wahrscheinlich auch.

    Aber da wollte ich meinen Namen sehen, wollte sagen: Die Autorin, die über Rosen nachdenken kann, kann auch über Erdöl nachdenken. Und die Leute, die ihre Bücher lesen wollen, sollen sie auch finden.

    Ich lebe in einem Land, in dem die Nationalschriftstellerin Colette sich sehr hart das Recht erkämpft hat, nicht unter dem Pseudonym des Ehemanns veröffentlichen zu müssen (wozu dieser und die Gesellschaft sie gezwungen hatten), sondern zeigen zu dürfen, dass auch Frauen schreiben können. Olympe de Gouges ist für das Erstreiten von Frauenrechten noch einen Kopf kürzer gemacht worden. Ich kann im 21. Jhdt. nicht hinter Colette zurück...

    Das wirklich Frauenverachtende an der Sache ist, dass immer die LeserINNEN vorgeschoben werden. Mich macht es nur noch ZYNISCH, wie in manchen Verlagen - wie beim Fernsehen auch - über das weibliche zahlende Publikum geredet wird, mit dem man zum Großteil sein Geld verdient.

    Aber die Genugtuung kam ja danach mit Nijinsky. Männerwelt. Von zwei Frauen gemacht. Werden sicher nur Männer kaufen ;-)

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