Schriftstellernebenverdienst

Kürzlich erzählte ich einer guten Bekannten, dass ich fürs Heizöl auch mal andere Sachen schreiben müsse als Bücher, zusätzlich. Meinte die begüterte Rentnerin: "Das find ich gut, du kannst dir solche Arbeiten nebenbei ja leisten, hast mit dem Schreiben ja so viel freie Zeit." Wenn ich ihr dann zur Wochenendparty absage, weil Nebenarbeiten nachts oder am Wochenende eingeschoben werden müssen, tut sie erstaunt: "Wenn man dich so hört, könnte man meinen, du wärst dauernd im Stress!"

Eben bekam ich einen Vorschlag per Telefon. Wie ich mein schmales Schriftstellersalär aufhübschen könne, wo ich doch nach soundsoviel Jahren immer noch nicht reich bin wie Frau Potter. Ich solle doch einen chronisch Kranken bei mir aufnehmen und dessen Frührente kassieren. Klar, Schriftsteller hocken ja auch die meiste Zeit daheim und haben eh nix Besseres zu tun, das bißchen Schreiben... Und dann kommt dieser Mensch daher und will mir ernsthaft verklickern, bei seinem Vorschlag handle es sich um einen ernsthaften, womöglich auch noch integren Nebenverdienst.

Pfui.

Meine deftige Oma selig hätte gesagt: "Denen hat wohl die Penunze ins Hirn gesch... "

So viel zum Thema Künstler und Wahnsinn. Der Wahnsinn sitzt nicht im Künstler, sondern begegnet ihm Schritt auf Tritt.

Kommentare:

  1. ... da kann man nur sagen:

    Danke Frau Rowling, dass sie das sonst in Deutschland bestehende Bild des "Armen Poeten", der mit dem Schirm in seiner Kammer sitzt, weil es reinregnet, durch das einer reichen Milliardärin ersetzt haben.

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  2. Da kann Mrs Rowling nichts dafür, Alexander! Das sind die Medien, die alles und jeden zum Star hochstilisieren müssen - mittlerweile ja sogar in der Hochliteratur (ich sag mal "Castinggesellschaft"). Und dann wird auf dieser extrem winzigen Minderheit in jedem Blatt herumgeritten, als sei es die Realität für alle. Das ist so, als würde man, wenn man über Bäcker spricht, immer nur die Verdienstspannen der Besitzer großer Bäckereiketten nennen.

    Tatsächlich denken die meisten Leute, Schriftsteller sei ein höchst einträglicher Beruf, in dem man über jede Menge Freizeit verfüge und arbeiten könne, was und wann man wolle. Diese Meinung erlebe ich sogar im engsten privaten Umkreis!

    Spricht man dagegen von den wahren Belastungen und dem Preis, den man für diese Berufung zahlt, stellen die Leute die Ohren auf Durchzug.

    Und dann wird bestenfalls verglichen, meist von Angestellten, die sich gar nicht vorstellen können, dass man pro Vertrag bezahlt wird und nicht monatlich.

    Ich bin im Allgemeinen nachsichtig mit diesem falschen Bild in der Öffentlichkeit (begegnet einem oft auch bei Lesungen). Aber das gestern hat mich einfach fassungslos gemacht, mir für einen Moment die Luft genommen. Bei aller schriftstellerischen Empathie möchte ich nicht wissen, was im Hirn eines solchen Menschen vorgeht. Und ich möchte so einem als Kranker nicht in die Hände fallen. (Na, liebe Krimikollegen, wäre das nicht eine Figur?!)

    Schöne Grüße,
    Petra

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