Hagebuttenfest

Ich habe mir in diesem Jahr wieder von besonders traditionellen Besserwissern anhören müssen, dass ich meine Rosen falsch pflege - denn ich verschneide sie nicht im Herbst. Auch wenn es bei den derzeitigen Temperaturen seltsam klingt, aber die immer wärmer werdenden Winter und langsam fehlenden Zwischenjahreszeiten wirken sich natürlich auch auf die Pflanzen aus. In den Breiten, in denen ich lebe, pflücke ich noch bis tief in den Dezember hinein frische Rosen. Ein Herbstschnitt wäre dumm, denn die Pflanzen treiben dann noch einmal kräftig aus und haben weniger Kraft im Frühjahr. Und ich brächte mich um meine Dezemberblüten, die im Winter wie süße Bonbons duften.

Also mache ich das, was die Natur vorgesehen hat: Ich schneide erst im März / April, sobald sich kleine Augen zeigen und anschwellen. Und lasse meine Rosen ab Spätherbst Hagebutten bekommen. Die Vielfalt der Formen und Farben ist fast ebenso schön wie die der Blüten. Da stehen dicke lachsrosa Kugeln, hängen längliche spitze Hagebutten in Knallrot. Die Rottöne im Grün des Rasens oder im Weiß des Schnees machen gleich eine andere Laune. Und die Weichheit der Formen gegen die Vielfalt und Farben der Stacheln ergeben hübsche Dekorationen.

Nicht nur ich freue mich darüber. Mein Garten ist heute ein einziges Glückskonzert. Laufe ich an einem Rosenbusch vorbei, stieben sie auf, aber nur kurz. Sobald die Luft rein ist, schlagen sie sich wieder die Bäuche voll, die Vögel. Die Amseln klauben auf dem Boden die Hagebuttenschalen auf.

Warum also sollte ich Rosen im Herbst schneiden, nur weil "man" das "schon immer" so gemacht hat und Gärtner es in den Sechzigern gepredigt haben? Na ja, im nächste Frühjahr werden mich die gleichen Leute verdutzt fragen, wie ich es schaffe, dass meine Rosen immer früher und üppiger blühen als ihre abrasierten traurigen Stecken. Oder warum meine Queen Elisabeth 2,50 Meter hoch vor dem Fenster steht und fast ins Zimmer blüht... Auf der tummeln sich gerade die Meisen.

Lesetipp: Petra van Cronenburg: Das Buch der Rose, Parthas Verlag Berlin

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