Traumbiss

Als ich heute bei subtropischen Temperaturen ins badische Ried fuhr (Beinheim im Elsass 36 Grad), roch zuerst die seit der Kindheit vertraute "Kartoffelfabrik" (eine Chemiefabrik, die im Idealfall nach Kartoffelstärke duftet) erschreckend nach vergorenem Kartoffelmatsch. Und ein wenig weiter müffelten dann die Altrheinarme nach Fäulnis, stand das Ozon riechbar über dem Rhein. Trotzdem war da plötzlich ein wässriger Duft...

...und mitten auf der Brücke kamen die Bilder dazu: Eine riesige Wasserfläche, fast wie ein kleines Meer, als könne man sich eine Horizontrundung schon einbilden, wo Narew und Bug zusammenfließen. 40 Grad Sommerhitze und pralle, süße Weichselkirschen. Lipiec, Lindenblütenmonat. In diesem Moment hätte ich glatt immer weiter fahren können, viele viele hundert Kilometer - bis eben dorthin. Bis ich mich einen Augenblick später schon an die riesigen echten Moskitos erinnerte, die es dort gab.

Und patsch. Prompt hat mich eins gebissen. Leider kein Traummoskito, sondern ein verdammt echtes, wahrscheinlich badisches, echtes eingeborenes Altrheinmoskito. So einfach können Träume manchmal in Erfüllung gehen, ohne dass man sich groß bewegen muss. Doch die Reise dahin, die Anstrengung vorher, die sieht man im Nachhinein kaum.

Eine, die ein schönes Gespür für die Verwirklichung von Träumen zu haben scheint, ist die Autorin Elisabeth Herrmann. Jedenfalls liest sich das Interview, das die Klappentexterin mit ihr gemacht hat, zauberhaft und sehr beflügelnd. Und sie erzählt,auf welche Weise man von irreführenden Illusionen zur Wunscherfüllung kommt. Ihr Buch, das zunächst kein Verlag haben wollte, das dem freundlichen Mittelmaß nicht entsprach, wird nun sogar verfilmt.

Ihr gesundes Selbstbewusstsein durch den "Sieg über die Diktatur des Mittelmaßes und den Hochmut von Menschen in verantwortlichen Positionen, die mir ins Gesicht gesagt haben, eine Geschichte über Zwangsarbeiter interessiert doch gar keinen" - das wünsche ich noch vielen KollegInnen, die ähnlich "am Markt vorbeischreiben"

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