Der feine Unterschied

Meine Serie "Ich bastle ein Buch" kommt in die heiße Phase und allerorten folgen mir durch die Beiträge bereits Menschen, die selbst gern basteln würden oder die mir allerhand abstruse Dienstleistungen anpreisen wollen (letzteres habe ich befürchtet, danke, brauche ich nicht, will ich nicht). Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie spannend das Mäuschenspielen bei anderen ist, möchte ich an dieser Stelle auch ganz ehrlich einiges klarstellen. Ich halte nämlich überhaupt nichts von diesen Erfolgsstories à la "Tante Erna hat's Büchel gebastelt und isch jetzt Vorstand im G'sangverein gworre". Ich werde auch nicht mit dem ersten Ebook der Welt berühmt, indem ich verschweige, dass da womöglich noch fünf andere Profis dran gebastelt haben, die das viel besser können.

Damit jeder seine eigenen Chancen besser einschätzen kann oder einmal sieht, was auf ihn zukommen könnte, sage ich besser zuerst, was bei mir alles ganz anders ist. Weil man an genau den Stellen nämlich oft investieren muss - und zwar nicht unbedingt finanziell. Vor allem aber lässt sich mein Projekt nicht ohne weiteres auf Belletristik übertragen! (Ganz ehrlich: Belletristik würde ich NIE im PoD-Verfahren anbieten).

Die Voraussetzungen:
  • Es ist nicht mein erstes Buch, das ich schreibe.
  • Ich habe zwar noch keinen richtigen Namen, aber nach zwölf Jahren im etablierten Verlagsgeschäft habe ich ein bißchen einen, von dem ich profitieren kann.
  • Mein Projekt ist kein "Privatspaß-Bastelbuch", sondern war ursprünglich von einem etablierten Verlag in Auftrag gegeben worden.
  • Was meine eigene Backlist betrifft, sind alle Bücher bereits in renommierten Verlagen erschienen. Sie haben also nicht nur einen gewissen "Segen" für die Ungläubigen unter den Thomassen, sondern müssen auch nicht mehr die Auflagen von früher erreichen.
  • Ich "bastle" ein Sachbuch, kann also von vornherein spezielle Zielgruppen und Menschen an bestimmten Orten dafür ansprechen, zumal es um ein Thema geht, bei dem der Sammeleffekt greift und nur wenige aktuelle Publikationen in deutscher Sprache zu haben sind.
  • Ich habe im Brotberuf eine Menge Nützliches gelernt, auch wenn ich es teilweise wieder auffrischen oder aktualisieren muss: Redaktion, professionelle Bildbearbeitung, Layouten, Satz, Arbeit mit Druckereien und alles, was zum Journalismus noch so dazugehört. Das ist Gold wert. Fängt damit an, dass ich mit dem Hersteller Fachchinesisch reden kann und weiß, warum ich was aussuche. Hört damit auf, dass ich mir die Arbeit von externen Profis spare und mich fröhlich selbst ausbeuten kann.
  • Ich mache immer wieder im Brotberuf PR und Pressearbeit für andere, weiß also, wie es geht.
  • Durch meinen Brotberuf habe ich ein Netzwerk von Profis wie z.B. für Grafik oder Satz an der Hand, falls ich doch einen bräuchte. Abgesehen vom Preis hat das den Vorteil, dass ich die Arbeit(sweise) der Leute kenne und einschätzen kann.
Vielleicht klingt das jetzt nach nichts oder nach dümmlicher Angeberei. Aber jeder, der vor so einem Projekt sitzt, sollte bedenken, wie wichtig diese Faktoren sind. Je mehr man außer Haus geben muss, desto unvorhersehbarer in Planung und Handling - und desto teurer kann ein Projekt werden. Je mehr man jedoch an den wichtigen Arbeiten wie Lektorat / Grafik etc. spart, desto schwerer wird es nachher, LeserInnen zu begeistern.
Auch hier bekenne ich offen: Wenn ich das alles nicht könnte, was ich einmal gelernt habe, würde ich dieses Buch nicht machen, sondern mir die Bettdecke über den Kopf ziehen! Und ich freue mich jetzt schon auf mein nächstes Projekt mit einem Verlag, wo ich andere schuften lassen kann ...

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