Dollarzeichen und Hurenkinder

Sparsam wie Dagobert
Es gibt nichts Schöneres, als einen raren Feierabend mit dem geliebten Projekt zu verbringen, vor allem, wenn einem gerade einige Selbermacher-Erfahrungsberichte untergekommen sind. Habe ich mich richtig entschieden? Kalkuliere ich richtig oder gibt es noch andere Quellen? Jedenfalls bin ich seit gestern nicht mehr so sicher, welcher Anbieter das Rennen machen wird. Und damit hatte dieser Feierabend vom Projekt und seiner Schönheit recht wenig - er verging mit technischer Recherche und Dagobert Ducks Dollarzeichen in den Augen. Selbermacher mit Autorengehalt sollten nämlich genauso knausrig vorgehen wie die sparsame Ente, aber nicht auf Kosten der Qualität.

Die Qual der Wahl
Ich werde im Verlauf dieses Eigenberichts aus rechtlichen Gründen nicht über Firmen reden und bitte meine Kommentatoren um das Gleiche. Ich werde zum Schluss nur verraten, wer das Rennen gemacht hat und warum. Allgemein sollte man unterschiedliche Angebote in Ruhe auf Herz und Nieren prüfen und sich unter Kollegen umhören, welche Erfahrungen sie gemacht haben. Zur Pauschalsumme kommen manchmal Zusatzkosten dazu, die nicht von jedem Anbieter gleich offen kommuniziert werden. Erhebliche Unterschiede bemerke ich inzwischen bei der Auswahl von Papier, Materialien, Bindearten und Formaten - eine Freiheit, die sich zwar manchmal in Kosten niederschlägt, aber gerade bei einem Sachbuch, das edel aussehen soll, eine erhebliche Rolle spielt. Vergessen wir das nicht: Beim gedruckten Buch spielt der erste Eindruck (Cover!) optisch wie haptisch eine enorme Rolle! Ein Buch, das man nur ungern anfasst, wird man auch nicht kaufen. Belletristiker haben es einfacher, da stören Normformate und Normpapiere nicht, im Gegenteil.

PoD oder Offset? Bauchladen oder Handel?
Ein gutes Zeichen für einen Anbieter ist, wenn er technische Hilfestellungen gibt, sämtliche Preise offen kommuniziert und auch ehrlich über Nachteile spricht. Denn es ist tatsächlich so: PoD-Verfahren rechnen sich nur bei Auflagenhöhen unter 500 Stück, danach sollte man im Offset drucken. Nachteil: Offset-Auflagen muss man kaufen, also eine Menge investieren, bei vollem Risiko. Was sich eigentlich bei keinem Anbieter rechnet: dicke Belletristikbücher oder luxuriöse Sonderausstattungen - letzteres dürfte man unter "auktorialer Selbstbefriedigung" abschreiben. Und wer kein perfekter Bauchladenverkäufer ist, sollte bedenken, dass die Aufnahme in Barsortimente und Buchhandelsrabatte die Tantiemen auf Margen schrumpfen lassen, die man auch im herkömmlichen Verlag verdient. Matthias Brömmelhaus hat gerade in seinem Blog "schreibtäter" einen sehr lesenswerten Beitrag zum Thema Verlegen und Verdienen geschrieben.

Verbraucherendpreise
Manche Anbieter locken damit, dass man die Endpreise der Bücher selbst festsetzen kann. Und da brauchen sich manche Autoren nicht zu wundern, wenn sie nichts verkaufen. Es gibt im Buchhandel nämlich Schmerzgrenzen. Genau deshalb haben es Belletristik-Taschenbücher so schwer im PoD-Verfahren. Wo heutzutage Lesefutter immer billiger verramscht wird, ist kaum einer bereit, die manchmal erschütternden Fantasiepreise von Selbermachern zu bezahlen (ich persönlich halte hier das Ebook für die bessere Variante). Fachbücher haben es am leichtesten - die verfügen über ein Fachpublikum, das auch mal tiefer in die Tasche greift.

Aber wer sieht, wie selbst preziose Bild- und Kunstbände im Buchhandel nach kurzer Zeit auf die Hälfte reduziert werden müssen, kann sich denken, dass auch für Sachbücher das Geld nicht locker sitzt. Nicht umsonst sind viele Verlage heute gezwungen, aufwändig bebilderte Bücher in Osteuropa oder China herstellen zu lassen - der Preisdruck ist enorm. Hilfreich ist hier, sich Preise für vergleichbare Bücher aus herkömmlichen Verlagen anzuschauen und sich selbstkritisch einzuordnen, was die gebotene Qualität betrifft. Und tatsächlich lohnt es sich, wenn man sichere Abnehmer in größerer Menge weiß, nicht per PoD, sondern "richtig" zu drucken.

Hurenkinder und Grauschleier
Und dann ist man schnell bei der Technik. Selbst wenn man diese von honorierten Fachkräften erstellen lässt, sollte man sich mit einem Mindestmaß an Wissen vertraut machen, um planen zu können und um Fehler zu vermeiden. Im Verlag korrigiert man immer so schön nonchalant die Fahnen und spricht mit den Lektoren. Beim Selbermachen kostet jedes unnötige Hurenkind Zeit und damit Geld. Ein bißchen Layout-Gefühl schadet also kein bißchen, bevor man eine Datei ins pdf umwandelt. Wer beim Selbstmachen noch nicht der absolute Crack ist, tut gut daran, sich einen Hersteller zu suchen, der ansprechbar ist. Die sind nicht immer die billigsten. Wird man jedoch im Voraus beraten, dass man etwa im Laserdruck keine grauen Schriften verwenden sollte oder dass für ein Buch mit Seitenzahl X und Thema Y sich ein anderes Format besser rechnet und besser aussieht, kann das viele nachträgliche Unkosten und Ärger ersparen.

Unfallvorsorge
Sogenannte "Aushänger" sind auch nicht zu verachten. So nennt man einen Probedruck vor der Freigabe (nicht bei jeder Firma automatisch dabei), der einen vor Schlimmstem bewahrt. Denn selbst wenn das pdf auf dem heimischen Computer fürs Laienauge recht ordentlich aussah, kann auf der Druckmaschine plötzlich ein Bild verrutschen oder ein anderer netter "Unfall" passieren. Nachträgliche Reklamationen kosten bestenfalls Zeit, oft aber auch zusätzlich Geld. Auch hier macht es sich bezahlt, einen "ansprechbaren" Hersteller zu nutzen.

Abbildungen
Ein Geldgrab können Abbildungen sein. Ich habe mehrfach im Blog darauf aufmerksam gemacht, dass z.B. Wikipedia eine recht eigene, seltsame Urheberrechtedefinition bei Bildern an den Tag legt. Die mögen ausreichend Anwälte beschäftigen können - der Autor schaut achtet besser darauf, mit dem Gesetz nicht in Konflikt zu kommen, denn er ist allein verantwortlich. Für den einfachen Bedarf gibt es heutzutage genügend Datenbanken und CDs mit lizenzfreien, oft sogar kostenlosen oder extrem billigen Fotos. Nachteil: Die besten finden sich dann auch in vielen Publikationen wiederholt und den anderen sieht man die Herkunft - zumindest mit Profiauge - meist an. Nicht immer ist die Qualität außerdem für den Druck ausreichend, etwa bei Gemälde-CDs.

Für alle anderen gilt das, was ich derzeit mache: Seitenweise AGBs lesen, weltweit recherchieren und rechnen, rechnen, rechnen. Es gibt international keine einheitliche Regelung, ob Fotorechte pauschal oder jährlich zu bezahlen sind, es gibt immense Preisunterschiede. Und der größte Nachteil: Mit den meisten Agenturen lässt sich nicht handeln, der Selbermacher zahlt genauso viel wie der Kunstverlag mit 5000er Auflage. Wer eine eindeutig für Studienzwecke gedachte Doktorarbeit veröffentlicht, bekommt dagegen vor allem im angelsächsischen Raum Fotomaterial kostenlos bis sehr günstig - für normale Bücher gilt dies nicht. Wichtig zu bedenken: Fotos sollte man erst bestellen, wenn das Layout feststeht, weil viele Agenturen nach Druckgröße abrechnen. Fristen für den Bestellvorgang, falls nicht online möglich, sollte man jedoch in der Buchplanung bedenken. Mehr zum Thema Fotos habe ich bereits in der Serie "Ich bastle ein Buch" geschrieben.

Software und Fortbildung
Außerdem zu bedenken: Wer mehr als ein Buch im PoD-Verfahren herstellen möchte oder sogar regelmäßig damit liebäugelt, die Herstellung aber nicht an Profis geben will, sollte in Software investieren. Und lernen, damit umzugehen. Man kann zwar mit Word einfache Bücher layouten, wenn man das Programm besser als eine Schreibmaschine beherrscht, aber Software wie InDesign und Quark XPress erspart eine Menge Schwächen und Fehler. Für Cover und aufwendige Grafik sollten es außerdem die einschlägigen Programme von Adobe sein. Vorteil: Jede Druckerei kann diese Daten mühlos verarbeiten.

Drei Fazits
Erstes Fazit, noch bevor ich überhaupt mit der Herstellung begonnen habe: In genau der gleichen Zeit, mit dem gleichen Energieaufwand hätte ich mich perfekt bei Verlagen und Agenturen beworben. Aber ich will es ja schnell und vor allem will ich es einmal wissen. Das Experiment am lebendigen Leib wird also bis zum hoffentlich nicht bitteren Ende durchgezogen.
Zweites Fazit: Ich bin glücklich, dass ich meine besten Noten im Volontärsunterricht für die Schlussredaktion bekam und mein Leben lang immer wieder mit Druckereien zu tun hatte. Und ich bin glücklich, schon früh mit Desktop Publishing gearbeitet zu haben. Das ist jetzt Gold wert. Genauso wie das, was ich derzeit für die Zukunft lerne.
Drittes Fazit: Wenn ich für mein nächstes Buch im herkömmlichen Verlag nur noch den Text liefern muss und allenfalls ein paar Abbildungsvorschläge, werde ich mich genüsslich-faul im Sessel räkeln und mich an der gut geölten Maschinerei von Profis freuen, die für meinen Text malochen, damit er die bestmögliche Form bekommt. Aber weil ich nicht faul sein kann, kommen mir bereits Ideen ... nein, jetzt nicht.

Übrigens, man kann es nicht oft genug betonen: Auch wenn PoD-Verfahren ein kleines Sümmchen Geld kosten, sollten sie doch eines endgültig überflüssig machen - die sogenannten DKZV oder Pseudoverlage, die große Versprechungen machen und riesige Summen verlangen. Davor kann man nicht oft genug warnen. Mehr Infos dazu gibt es bei Wikipedia und beim Aktionsbündnis faire Verlage.

1 Kommentar:

  1. Wie immer sehr spannend und interessant, liebe Petra. Und sollte ich einmal in die wahnwitzige Verlegenheit kommen, das selbst zu versuchen, dann werde ich mich genüßlich in Deinem Blog suhlen und mir Deine großzügig bereitgestellten Infos noch einmal zu Gemüte führen!
    Liebe Grüße,
    Nikola

    AntwortenLöschen

Dieses Blog wird moderiert, Kommentare werden also zeitversetzt manuell freigeschaltet. Anonymous spam ist filtered out!

Automatisiert gelöscht werden: Spam, unerwünschte Werbung, Beschimpfungen, Rassistisches, Fremdenfeindliches, Extremistisches und gegen die übliche Netikette verstoßende Kommentare. Gesetzesverstöße werden unverzüglich zur Anzeige gebracht (ein Anonym-Alias schützt hier gar nicht).
In diesem Blog ist kein Platz für diesen Dreck. Ich lese das auch nicht, sondern lasse automatisch löschen.

Powered by Blogger.