Endorphine pur

Gestern hatte ich einen dieser ganz schwarzen Tage im Leben eines Autors, wo man an nichts mehr glaubt, auch nicht an Veröffentlichen und ans Schreiben sowieso nicht. Und selbst die Biografie Nijinskys von seiner Schwester, dich ich gerade noch einmal lese, hat mich zwischen seinen Jugendauftritten im Marijnsky in Petersburg nur noch mehr in Trübsal gebracht. Mir kam mein eigener Text schon nicht mehr wahr vor.

Zum Glück gab es dann auch noch Lichtblicke an solchen Tagen. Ein Schriftsteller aus Petersburg tauchte im Blog auf - und fast zeitgleich renne ich der Briefträgerin nach, die gerade ein Päckchen wieder hat mitnehmen wollen. Bordeauxrot, sehr edel, mit nicht weniger edlem Inhalt - dem Programm des Festspielhauses Baden-Baden. Ich hatte mir für den immensen Kraftakt der Arbeit an den Ballets Russes eine Eintrittskarte geschenkt: Valerij Gergiev mit seinem Ensemble des Marijnsky-Theaters in Baden-Baden...

Und heute schlägt das Glück zu. Ich muss gleich mal eine Flasche Mousseux kaltstellen. Als Schreiberin glaube ich ja immer alles nur, wenn ich es auch schwarz-auf-weiß sehe. Eben entdeckt:
Die Frühjahrsvorschau des Hörhaus-Verlagsverbunds (mit Hörbuchverlag Der Diwan)

"Ich will eine Liebesschlange. Eine Annäherung an Vaslav Nijinsky" ist Spitzentitel
auf den ersten beiden Seiten (Anschauen lohnt sich schon allein wegen des wunderbaren Kostümentwurfs von Leon Bakst). Und wenn ich mir die anderen Titel im Katalog anschaue, bin ich riesig stolz, in diesem Verlag gelandet zu sein.
Eine der beiden Seiten vorab: 

Ach ja, das Hörbuch erscheint laut Katalog im März, also noch vor Nijinskys 60. Todestag. Für uns geht die Produktion nun erst los und wenn der Sprecher feststeht, wird man das natürlich auch hier erfahren. Ich selbst muss mir noch einmal kritisch meinen Text durchlesen und überprüfen, ob ich die Originalmusik an den richtigen Stellen einspielen lasse.

Denn das ist der Vorteil bei einer Produktion exklusiv fürs Hörbuch - wir wollten die Ballette hörbar machen. Gleichzeitig habe ich die vier Kapitel aber auch mit dem jeweiligen inneren Thema und Bild dieser vier Ballette textlich verschränkt - denn Nijinsky hat seine Rollen nicht einfach nur getanzt, sondern bis an den dramatischen Abgrund gelebt. Irgendein Gott der Musikrechteverteilung hat es dann noch besonders gut gemeint - eins der Musikstücke wurde von Nijinskys Schwiegersohn, dem ebenfalls bekannten Dirigenten Igor Markevitch, eingespielt.

Nijinsky ist mein bisher liebstes Projekt, sein "Making of" so verrückt und herausfordernd und auch beglückend, dass man es gar niemandem erzählen kann (und noch ist er ja in diesem Stadium, toitoitoi!). Und die Ballets Russes haben mich meinem eigenen Schreiben endlich nahegebracht, das ich so lange gesucht habe. Ich bin jetzt einfach mal unzurechnungsfähig für den Rest des Tages ... und sollte ich in den nächsten Tagen unverständliches Zeug schreiben oder ständig von Petersburg und Ballett und Nijinsky und Diaghilew schwärmen, dann sei es mir nachgesehen - ich kann mich von dem Thema nicht trennen! Diaghilew gehört posthum besonderer Dank - ohne sein Beispiel vor Augen hätte ich das vergangene Jahr nicht durchgehalten.

Dieser Artikel ist restlos überholt - der Verlag ist nicht mehr aktiv und ich besitze inzwischen wieder die Rechte an meinem Werk. Ich bringe das Ganze selbst als Printbuch heraus. Zum genauen Erscheinungstermin im Nijinsky-Blog nachschauen!

Kommentare:

  1. Gratuliere! Viel Spass bei der Ausgelassenheit und Heiterkeit.

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  2. Danke! Aber besser noch dreimal auf Holz geklopft und ein toitoitoi hintennach, weil immer erst alles in trockenen Tüchern ist, wenn die CDs aus dem Presswerk im Verlag gelandet sind...
    die Autorin, die ersatzweise schnell an den Kopf klopft

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  3. Bravo! Und schön, an so einem Ereignis und der zugehörigen Freude teilhaben zu können!

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  4. Super, Petra,und herzlichen Glückwunsch! Ich wünsche deinem Werk alles nur erdenklich Gute!

    Christa

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  5. Danke an alle! Ich muss jetzt einfach einen Freund und Kollegen zitieren, der mir gestern so herrlich sagte: "Wir Autoren immer mit unserer Vorschau-Aufregung. Dabei ist da noch nichts gebacken, aber der schöne Schein hat sich etwas verdichtet."

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