Wohin mit all der Zeit?

Es soll Autoren geben, die den ganzen Tag nichts besseres zu tun haben, als stündlich auf die Amazonränge ihrer Bücher zu schauen. Und da kleben sie dann an den geheimnisvollen Zahlen, starr wie das Reh vor dem Jäger, und geheimnissen noch mehr hinein. Schluss damit! "Writingwoman" Petra A. Bauer hat sich die Mühe gemacht "Insides the Amazon Sales Rank" auf Deutsch in ihrem Blog zusammenzufassen. All diejenigen, die dieses Ranking-Gestarre schon immer idiotisch fanden, seien getröstet: Kaffeesatzlesen bringt exaktere Überblicke. Wer den Glauben an das Amazongetue dann endgültig verlieren will, dem empfehle ich, seine Bücher bei Novelrank einzugeben. Das System braucht eine Weile, bis es Zahlen ausspuckt, idealerweise einen ersten Buchverkauf, dann setzt es die Ränge in absolute Zahlen um. Und das ist dann so ernüchternd, dass man sich lieber an den - korrekten - Verlagsabrechnungen erfreut.

Nun soll es aber auch Autoren geben, die ständig bei Amazon vorbeisurfen und im gleichen Atemzug behaupten: Ich will nur Bücher schreiben, ich habe keine Zeit für anderes. Nun - Zeit ließe sich je nach Prioritäten schon anders einsetzen. Sinnvoller zum Beispiel. Andere Künstler machen es uns längst vor, dass Klappern zum Handwerk gehört und von "reiner Kunst" noch keiner gelebt hat - geschweige denn bekannt wurde. Diejenigen, die sich da am meisten hineinknien müssen, sind die Popmusiker. Und von denen können wir uns tatsächlich einiges abschauen, vor allem, wie man online seinen Song sein Buch bekannter machen kann.

Die Popakademie Mannheim hat einen kostenlosen Leitfaden zum Download bereitgestellt: Online Künstler-Selbstvermarktung. Natürlich geht es über große Strecken um Musikspezifisches wie z.B. Distributionskanäle. Doch die Tipps für Social Media, für den Umgang mit Kunst und Kommerz und das Spannungsfeld dazwischen sind absolut aufs Schreiben übertragbar. Hilfreich die Checklisten und Fragen zu den einzelnen Bereichen, mit denen man seine eigene Strategie überprüfen kann. Und wer ein wenig Fantasie besitzt, übersetzt GEMA mit VG Wort, macht seine eigenen Listen von Buch-Distributionskanälen und überlegt sich, auch einmal ungewöhnliche Wege zu beschreiten. Warum, zum Teufel, sollte man auf Lesungen oder der Website eigentlich nicht das T-Shirt zum Buch anbieten?

Und wer jetzt jammert, warum es einen solch hilfreichen Leitfaden nicht für Autoren gibt, der sollte einige Kolleginnen und Kollegen erst einmal aus ihren einsamen Kämmerchen scheuchen. Da drinnen streitet man nämlich immer noch ums genialische Weltbild vergangener Jahrhunderte, wo der böse böse Kommerz die hehre Kunst ahahachso töhötet. Und natürlich sind Leute, die solche Tipps geben würden, auch grundböse oder haben es ahahachso nötig. Lernen wir derweil also von den anderen Künsten!

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