riengevablü

Ich liebe diese Tage, die sich anfühlen, als habe mir jemand einen sauren Hering aufs Marmeladenbrot geklitscht. Rien ne va plus, nichts geht mehr, oder wie der sprachunkundige Casino-Besucher gern murmelt: "Riengevablü" (korrekt ungefähr "riä nö va plü").

So, jetzt habe ich mir endlich einmal Luft gemacht gegen die Banausen, die in meinem Blog ständig nach diesem Satz suchen und ihn nie auch nur annähernd richtig schreiben. Jetzt sollte er sich finden lassen. Immerhin sucht die andere Hälfte zufälliger Blogbesucher bei mir nach "komplizierte Wörter" - das habt ihr jetzt davon. Pah.

Jetzt, wo es draußen herbstlich stürmt, würde ich mir ja gern noch viel mehr Luft machen! Aber wie macht man das, wenn jeder mitliest? Wo ich doch so schlechte Laune habe, dass ich mit den Fingernägeln an Dachrinnen kratzen könnte, dass ich das Erbstück aus Meißen zerkloppen könnte - wenn ich denn eins hätte - oder ein paar Leute zur Adoption freigeben zwecks nochmaliger Erziehung und Bildung. Ich habe es nämlich heute geballt mit einer Sorte Mensch zu tun, die ich vornehmlich Anfang der Neunziger auf Behörden in Polen kennenlernen durfte und die nicht nur ich für ein typisches Phänomen untergegangener kommunistischer Systeme hielt. Ein Phänomen, das bald untergehen würde wie das starre System selbst. Die Rede ist vom "Betonkopf".

Der Betonkopf befindet sich meist in sicherer Anstellung, bewegt sich vornehmlich zwischen Schreibtischstuhl und Kaffeemaschine und weiß, wie man Schlag Feierabend einen breitgesessenen Hintern blitzartig nach oben bringt. Betonköpfe sind zutiefst entscheidungsunfreudig und extrem auf Absicherungen von außen und noch besser von oben bedacht. Alles außer ihrem nächsten Urlaub und dem Gespräch mit der besten Freundin / dem besten Stammtischkumpel wägen sie endlos ab und hin und her, bis das Gewäge und Gewackel sogar das Doppelkinn erreicht. Betonköpfe pflegen nämlich größtenteils einen gemütlichen Lebensstil. Doch auch Flintenweiber und Möchtegerndespoten wurden bereits in dieser Spezies ausgemacht.

Betonköpfe können einem bereits Antworten geben, bevor man überhaupt gefragt hat. In Polen war das die Standardfloskel "nie ma", hammwernich, jibbetnich. Riengevablü eben im globalisierten Dorf, das sich Welt nennt. In der Regel folgen dann möglichst lang ausgehaltene drei Punkte im Gespräch: "..." Betonköpfe wissen zu schweigen, während ihre Wurstfinger unschlüssig zwischen Kaffeemaschine und Bedenkenträgermiene hin und herwandern. Wenn ihnen nichts mehr einfällt, versuchen Sie einem zu beweisen, was sie alles vom Beruf ihres Gegenübers verstehen. Betonköpfe wissen alles besser, können alles besser und haben jede Menge wertvoller Ratschläge zur Hand, wie man sie anbetet. Deshalb sitzen sie auch wie Buddha auf ihrem Schreibtischstuhl und bewegen sich erst dann, wenn tatsächlich das Nirwhana droht.

Es ist jedoch ein Gerücht, dass Betonköpfe absolut unbeweglich im Denken seien und alles auf herkömmlichem altvertrauten Weg und am liebsten in Automatismen erledigen, die keinen Raum im Gehirn beanspruchen. Es ist ein schlimmes Vorurteil, wenn man Betonköpfe für entscheidungsunfähig und risikoscheu, halbgebildet und rigide hält. Ich vermute schon lange, dass diese Typen extrem schlau und hinterhältig agieren. Al Kaida ist ein Kindergarten voller Wasserköpfe dagegen!

Den Betonköpfen ist es nämlich durch irgendeinen Trick gelungen, die östlichen, ehemals kommunistischen Länder zu verlassen und sich zu einer globalen Bedrohung zu vermehren. Langsam aber sicher übernehmen sie die Weltherrschaft. Während in Osteuropa fröhlich experimentiert und entwickelt wird, denken im fortschrittlichen Westen immer mehr mit ihrem breitgesessenen Hintern: Betonköpfe sind überall. Ist schon einmal jemandem aufgefallen, dass sie überall die gleichen Biotope besetzen? Betonköpfe gegen Bürger auf Behörden, angestellte Betonköpfe gegen Freie und Unternehmer, Betonköpfe gegen Brücken-Köpfe. Die Welt wird nicht an Viren, Ratten oder Kakerlaken untergehen - sie wird sich freiwillig ausknipsen, auf der Flucht vor Betonköpfen!

Sie sind Legion. Sie sind überall. Und wenn mir heute noch ein weiteres Exemplar begegnet, dann verspreche ich feierlich, mir keinen Hering mehr aufs Marmeladenbrot legen zu lassen, sondern mit stinkenden Fischen zurückzuschlagen wie weiland in diesem gewissen kleinen Dorf in Gallien! Aaaaatttackkkkeeeeeeeeeee!!!

PS: Die Autorin hat sich nun genügend abgeregt, um ein paar Amtsbriefe an Betonköpfe zu schreiben.

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