Was liest sie so zum Frühstück?

Texte natürlich, digital neben der Tasse, zum Aufwachen oder Aufregen, zur Information oder zum Wundern. Meine heutige Frühstückslektüre will ich gern teilen:

Viel haben wir von den "Nahrungsketten" auf dem Weg zwischen Autor und Leser hier schon erfahren, denn bekanntlich verdienen ja viele an einem Buch, bis es in der Altpapierpresse landet (das Recyclingunternehmen nimmt natürlich ebenfalls Geld). Wer einmal wissen will, "Wie Verlage vom Buchhandel zur Kasse gebeten werden" schaut bei den epublizisten nach. Aufmerksame LeserInnen, die etwas für die bedrohte Tierart Autor unternehmen wollen,dürfen nach solchen Einsichten gern ihr Kaufverhalten ändern.

Thema Preise - Thema Buchpreisbindung. Inzwischen sollten sich auch Autoren einmal damit beschäftigen, wenn sie Bücher selbst herausgeben wollen. Denn für das Ebook gelten eigene Regeln. Die beste Zusammenstellung über die Bedingungen fand ich auf der Website für Buchpreisbindung.

Bleiben wir beim Thema Ebook, das ja einen kleinen Aufreger hat, der bei Lesungen für Frust sorgen könnte: Ebooks kann man theoretisch nicht signieren. Klar, dass inzwischen auch daran getüftelt wird, schließlich will man nicht ständig mit dem Scanner unterm Arm herumlaufen. Was sich die Macher ausdenken und wie Autoren künftig zu Knipsvieh werden könnten, berichtet Publishing Perspectives.

Nahrungskette, Knipsvieh, Geld - in die Reihe passt ein Urteil, das gerade Wellen schlägt. "Gericht erklärt GEO: Autoren haben Rechte" titelt Stefan Niggemeier und ruft wie immer eine heiße Diskussion hervor. Für Lesefaulere hat carta-info die kürzere Version. Worum geht's? Ein GEO-Autor ging vor Gericht, weil sein Artikel von Redakteuren bis zur Unkenntlichkeit redigiert wurde und bekam Recht zugesprochen, das Urheberpersönlichkeitsrecht nämlich. Nicht, dass es das vorher nicht gegeben hätte, aber jetzt haben Journalisten im Ernstfall ein Grundsatzurteil zur Hand.

Wer glaubt, das sei nur für Journalisten relevant, irrt. Auch in der Buchwelt gilt, dass ein Lektorat in gegenseitiger Absprache stattfindet, nicht zu exzessiv verändernd in den Text eingreifen darf - und der Autor im Zweifelsfall immer das letzte Wort hat. Wie sensibel das gemeinsame Finden einer Grenze dabei ist, zeigen die Kommentare zum Urteil. Besserwisser-Autoren, die auf jedem I-Tüpfelchen beharren, sind genauso wenig ideal wie Redakteure / Lektoren, die "unbequeme" Freie / Autoren ablehnen.

Bei so viel Unmus unserer Zeit fragt man sich natürlich schnell, wo die Zeit fürs Frühstück schon wieder geblieben ist. Mein Tipp: Noch ein Musbrot schmieren und FAZ lesen. Vergnüglich der Beitrag in den Blogs: "Verloren auf der Suche nach der Zeit". Nicander A. von Saage schlägt der Netzgeneration eine neue Medizin vor: Interpassivität. Seine praktische Form des Genussdelegierens macht deutlich: Wir sind alle irgendwie irre.

Da freut man sich dann wieder über die wohltuende Normalität in der Frankfurter Schirn. Die aufsehenerregende Ausstellung "Weltenwandler" wird von der Kunsthalle vorbildlich im Internet begleitet und aufbereitet. Absolut lesenswert der Beitrag der Kuratorin Martina Weinhart: "Im Königreich des eigenen Ichs" über Outsider Art. Was ist eigentlich Kunst und was haben Kunst und Wahn miteinander zu tun? Wen dieses Thema interessiert, dem lege ich jetzt schon mein Nijinsky-Projekt ans Herz, wo dieser Aspekt von Kunst ebenfalls eigens beleuchtet wird. Nicht zuletzt deshalb, weil Nijinsky in "geistiger Umnachtung" jede Menge Bilder gemalt hat.

An die Arbeit Leute, länger habe ich heute auch nicht gefrühstückt!

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