German Angst mit Biss

Es gibt Wörter, die scheinen so eindrücklich und unlösbar mit einem bestimmten Land verbunden, dass sie in anderen Sprachen zu Fremdwörtern werden. So unübersetzbar wie "le waldsterben" benennen sie nicht einfach nur ein konkretes Ding, das im Ausland oft gar nicht existiert, sondern schleppen einen ganzen Rattenschwanz an Befindlichkeiten und Emotionen hinter sich her. German Angst ist auch so ein Konstrukt. Neuerdings sagt man dazu in Deutschland Terrorangst. Und als wäre es möglich, dieses Wortgebilde zu konkretisieren, überbieten sich die katastrophengeilen deutschen Medien darin, es gehörig mit Bedeutung aufzuladen. Oder mit dem, was man dafür hält. Für uns im Ausland mit dem Blick aus der Ferne ist diese gewollt gefühlige Nebelsuppe nicht ganz zu unterscheiden: Ist Terrorangst nicht auch nur eine German Angst?

Machen wir Unversteher uns das also einmal bildlich bewusst: Mama, Papa und Kind sitzen vor der Glotze. Deutsche Kleinfamilie, Hans im Glück. Sie ziehen sich in Anbetracht der Terrorangst mit dem Terrorexperten und dem Terrorbeurteiler und dem Antiterrorspezialsicherheitspolitiker irgendetwas Fleischiges rein, ein Bierchen dazu, ein gesundes Kinderteechen. Muttis Glückspillen, garantiert fettfrei und aus kontrolliert biologischem Anbau, dürfen natürlich nicht fehlen. Neben Mutti liegt ihr ausgelesener Roman, sie steht wie viele Frauen in Deutschland derzeit auf harte Krimis. Durchgeknallter Serienkiller verfolgt magersüchtige Mamas, schneidet ihnen die Gedärme aus dem zuvor kunstvoll malträtierten Leib und macht Karnevalsluftschlangen daraus, mit denen er kleine Kinder ins Verderben lockt und in Spinatsuppe ertränkt. Papa liest BILD, das geht weniger auf die Augen. Und Kindchen mit dem Kinderteechen ist bald in dem Alter, wo Kids davon träumen, von einem bisschen Vampir mal so richtig hergenommen zu werden, während der Klassenkamerad das Ganze mit dem Handy filmt und social ins Web stellt.

In diese ungetrübte, garantiert fettfreie und biologisch abbaubare Idylle platzt nun dieses ekle Wort: Terrorangst. Es steht im Raum wie ein Koffer, der nicht abgeholt wurde. Was, wenn der neue Wagen vor dem neuen Eigenheim ein Kratzerchen abbekommen würde? Was, wenn es Tante Erna das Hirn wegblasen würde, nachdem man sie schon dreimal vergeblich ins Grab gewünscht hat? Was, wenn sich hinter Nachbar Nikolausis weißem Wallebart ein muslimischer Knecht Ruprecht verstecken würde? Was, wenn die durchgeknallten Serienmörder gar nicht so kunstvoll morden könnten wie in Muttis Seelenstreichelkillerbüchern? Hoffentlich würde noch genügend Zeit bleiben, um auf den anderen Kanal zu zappen! CO2-frei, versteht sich.

Es ist schon kurios, wie gezielt man sich selbst Angst machen kann, ohne Angst vor dem wieder einmal propagierten Demokratieabbau zu bekommen. Es ist erstaunlich, wie sich künstliche Ängste hochzüchten lassen, um freien Willen und freies Denken zu betäuben. Wer heute noch Bomben wirft, ist dumm. German Angst allein genügt, um alle gesellschaftlichen Errungenschaften einer freien Demokratie langsam zunichte zu machen. Selbst das älteste Synonym für Reiselust und Geschichten aus aller Welt wurde innerhalb kürzester Zeit zum Angstträger. Zum Glück haben wir keine Angstangstträger mehr, pardon, Kofferträger.

Ich muss in diesen Tagen oft an die Zeit denken, als ich zum ersten Mal wirklich mit dem Begriff "Terror" lebte. Es war 1993, als ich ins erst ganz frisch freie Polen gegangen war, als im ehemaligen Ostblock noch die ganz wilden Zeiten herrschten. Mafiabanden aller Länder - einschließlich der westlichen - teilten sich die Ostwelt auf. Diktaturen gingen über den Umweg krimineller Systeme in Demokratien über und Wetten wurden abgeschlossen, welche Mafia gewissenloser tötete. Granateneinschläge waren an der Tagesordnung, im heftig umkämpften Warschau mied man eben die Kampfgebiete. Schnell lernte ich vom Taxifahrer, dass die dick gepolsterten, lustig ausschauenden schwarzen Männchen auf der Straße Bombenräumkommandos waren und ich mal wieder einer Evakuierung entgangen war. Als das Lieblingsrestaurant zur Apéritifzeit mit Granaten verwüstet worden war, hatten wir nichts besseres zu tun, als aus Solidarität bei der Neueröffnung unter dem Blick von Kellnern zu essen, die besser mit der Kalaschnikoff umgehen konnten als mit dem Abtragen von Geschirr. Eine Granate schlägt nie zweimal in die gleiche Stelle, das hatten wir gelernt.

Die Freunde in Moskau berichteten, wie ihnen in einer Wohnung in der Nähe beim Angriff des Militärs aufs Weiße Haus die Kugeln um die Ohren gepfiffen waren. Zuerst war es nur ein Querschläger in der Zimmerdecke gewesen, aber mit der Zeit ähnelte die Erzählung immer mehr einem alten Film mit John Wayne. Wir hätten alle Angst haben sollen, aber wir stießen mit Wodka aufs Leben an. Wir stumpften ab. War dem Kollegen mit Waffengewalt der Geschäftswagen abgenommen worden, prostete man dem Kollegen ebenfalls zu. War ja noch am Leben, hätte ja nicht den neuesten BMW anzuschaffen brauchen. Es gab Sicherheitsregeln, man lernte sie, man übernahm sie, ohne nachzudenken. Wohnen mit Standleitung zwischen Alarmanlage und Polizei, mit eigenem Sicherheitsdienst, überall die fleißigen schwarzen Männer - ein neuer Berufszweig entstand. Im Fernsehen zeigten sie Einsatzübungen der Antiterroreinheit wie Soap-Operas. Manche Frauen flogen auf die Kleiderschränke in Schwarz, die jede Diskothek zierten, jedes größere Restaurant, jede Menschenmenge.

Wir hatten keine Angst. Wir machten uns lustig. Wahrscheinlich gaben wir sogar zuhause mit diesem abenteuerlichen Leben an. Aber keiner nahm uns ernst. Das gab es doch nicht. Mafiaterror mitten in Europa, ihr übertreibt! Als in Warschau ein Hochhaus explodierte, kamen die Anrufe von daheim: Das ZDF habe berichtet, wie marode diese uralten polnischen Gasleitungen in Polen seien, alles so marode und verkommen. Das passte besser ins Bild als der meistgesuchte Terrorist des Landes, der hier einen kollektiven Selbstmord unternommen hatte - zum Glück zur falschen Uhrzeit. Die Bewohner waren größtenteils woanders gewesen. Also prostete man aufs Leben und mied gewisse Stadtteile noch mehr. Das Leben war schließlich lebensgefährlich.

Wenn ich nach Hause fuhr, erlebte ich sie wieder, die German Angst. Wie man freiwillig in solch gefährliche Länder reisen konnte? Eingebrochen hatte man einen Tag nach unserer Abreise in Frankreich - nie in Polen. Wie man freiwillig zwischen den Fronten von Mafiorganisationen hausen konnte? Einer der ganz großen Clans kam aus Hamburg. Ob man keine Angst vor den Waffen habe? Der Verkehrsunfall im heimischen Elsass erschien mir gefährlicher. Angst ist relativ. Sicherheit ist trügerisch. Drei Jahre lang habe ich mir nach meiner Rückkehr eine Sicherheitsmaßnahme regelrecht abtrainieren müssen: Ich durfte endlich wieder ein Fenster auch dann öffnen, wenn ich selbst nicht im Raum war! Treudoof und sicherheitsgläubig hatte ich streng nach Verhaltensregel beim Verlassen eines Zimmers insgesamt sieben Jahre lang sofort jedes Fenster im Raum fest verschlossen! Nie war mir auch nur in den Sinn gekommen, wie idiotisch es war, lieber in Anwesenheit einem Eindringling freie Bahn zu geben.

Sicherheitsdenken ist trügerisch. Polnische Freunde nahmen mich mit ins schlimmste Viertel über der Wisla - und siehe da, dort lebten ganz normale Leute in ganz normalen Häusern und liefen ganz normal die Straßen entlang. Viel echtes, authentisches Leben erfuhr ich dort, weitab von den Schwarzmännchen-bewehrten Zentren. Wenn es dort einen Mafiakrieg gab, so fand er offensichtlich immer nur dann statt, wenn ich woanders war. Das Bedrohlichste an diesem Viertel war für mich, dass meine Zahnärztin dort wohnte.

Und dann bekam ich wirklich einmal Angst, echte Angst. Solche Angst, dass ich sofort fliehen wollte, wenn ich gekonnt hätte. Es war ein Schickimicki-Empfang, zu dem irgendjemand geladen hatte, ausgerechnet in einem alten, zur Diskothek umfunktionierten Bunker. Geld, Macht und Miezen, Security so zahlreich wie die Drinks, Sicherheitschecks, Bodyguards ... dazu die Schwärze des Bunkers und überlaute Technomusik. Es war verdammt schwer, durch die Eingangskontrollen zu kommen. Selbst der Gang zum Klo war waffengesäumt. Wir bewegten uns in einem irren glitzernden Raumschiff, das vor Sicherheit und Risikofreiheit nur so strotzte. Wer hier eindringen wollte, war tot, bevor er auch nur einen Takt Musik gehört haben würde.

Da war sie dann, die Panik. Ich wollte nur noch raus. Raus aus dieser gesichtsgelifteten Happy Smiling Welt, in der es "gute" Kalaschnikoffs gegen "böse" gab, bei der Polizeieinheiten den Champagner bewachten, während draußen die Leute im Straßengraben verreckten. Ich wollte raus aus dieser sicheren Leere, hinaus ins echte Leben, ins lebensgefährliche. Lieber vor der Tür mit dem Risiko existieren müssen, von einem Auto überfahren zu werden, an einer gefährlichen Krankheit zu leiden, sich vielleicht nur den Fuß zu verstauchen oder auch von einer Kugel getroffen zu werden - als in der vorgelogenen Sicherheit zu verblöden und die Lebendigkeit zu verlieren. All diese schwarzen Männchen, dieser neue Berufszweig, diese hochgejubelten neuen Helden der Verteidigung: Ich konnte sie schon längst nicht mehr unterscheiden. Wer stand auf wessen Seite, ließ sich von wem bestechen? Wer war objektiv gesehen böse, wer gut? Wie viel persönliche und innere Freiheit hatten wir verloren, als es so übersicher wurde!

So geht es mir heute noch. Cui bono - wem nützt die Terrorangst wirklich? Wo sitzen die Guten, wo die Bösen? Was kostet uns die Sicherheit an Freiheit, an Leben, an Freuden, an demokratischen Errungenschaften? Wie lächerlich, dieser Glaube an Sicherheit. Totale Sicherheit. Dazu müsste man den Menschen abschaffen, dieses evolutionäre Risiko. Aber Tante Erna glaubt nun auch, es würde ihr Leben behüten, wenn sie nur Fenster in Zimmern öffnet, in denen sie sich gerade aufhält. Tante Erna fühlt sich wieder von den Männchen in Schwarz behütet, ohne daran zu denken: Eine Waffe ist eine Waffe ist eine Waffe.

Noch schlimmer. Tante Erna hat echten Terror zum Glück nie erlebt. Sie geilt sich an Serienmörder-Krimis und Gewalt im Fernsehen auf und das ist alles so schön weit weg. Sie zelebriert ihre German Angst und merkt nicht, dass sie längst der totalen Gefühlsbereinigung zum Opfer gefallen ist. Immer glücklich, immer happy, ob unter Ritalin oder Prozac, ausgeglichen und geliftet. Eine umweltkompatible Verbraucherin, die ihre geliehenen Emotionen wohlfeil aus der Werbung, aus Doku-Soaps und von festangestellten Terrorexperten im Fernsehen bezieht, bis sie sich den Finger in den Hals steckt und alles ins Social Web hinauskotzt. Ihr kann man alles erzählen, solange es ihr nur das Gefühl vermittelt, da draußen gäbe es tatsächlich ein Leben. Dieses verdammt gefährliche, irre wilde, wunderbar faszinierende Leben außerhalb des Sicherheitsbunkers, dem sich besser nur die anderen nähern.

Eine Meldung aus diesem Leben ging vor Monaten schon einmal im Terror-Hype unter. In Frankreich stirbt jede zehnte Frau unter 30 an häuslicher Gewalt, umgebracht vom eigenen Mann. Zahlen aus Deutschland sind mir nicht bekannt. Zahlen aus einem einzigen Lebensbereich allein sind auch so unbedeutend. Warum aber haben wir so wenig Angst vor dem Terror, den wir uns selbst antun?

Kommentare:

  1. "Warum aber haben wir so wenig Angst vor dem Terror, den wir uns selbst antun?"

    Sie kommen aus der Luft oder von der See her, sagte gestern ein Sprecher über die Terroristen.
    Du hast hier eindrücklich geschildert, was wahrer Terror war und ist-und ich würde mich wirklich nicht wundern, wenn demnächst ein Terroristen-Thriller erscheint-zum Ergötzen der ängstlichen Germans!:-)

    Herzlichst
    Christa

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  2. Gestern sagte ein Freund, mein Beitrag hätte einen großen Schönheitsfehler: Es habe doch gar niemand Angst. Am Beitrag in deinem Blog sehe ich, dass er leider Unrecht hat, wenn selbst Menschen wie du ihr Verhalten ändern...

    Aber ja, auch Terror und Terrorangst sind längst ein Markt. Kürzlich amüsierte sich eine arabische Hochglanzzeitschrift, mit welch geringen Investitionen (waren es 2000 $ für eine Warnung?) man Staaten dazu bringen könne, Millionen locker zu machen. Selbst mein Blogbeitrag wird vielleicht irgendwo Spracherkennungsmaschinen zum Laufen bringen und irgendwelchen Datensammlern Arbeit und Brot geben.

    Weil du um den Strasbourger Weihnachtsmarkt fürchtest: Erstens ist der schon mal nicht in die Luft gegangen. Zweitens braucht man für den keinen Bomben. Es reicht die Nachricht, der eh schon schaurige Glühwein sei verdorben - und die Menschenmenge trampelt sich freiwillig gegenseitig tot.
    Die Sicherheitslücke heißt Mensch.

    Herzlichst,
    Petra

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  3. Richtig, die Sicherheitslücke heißt Mensch.

    Und wenn ich von diesem Jan Sowieso lesen,der die beiden Jugendlichen umgebracht hat, dass er sich im Internet mit dem ersten Mord an dem Mädchen gebrüstet hat und schon vorher in einer Community Kontakt zu Jugendlichen in dem Alter gesucht hat, dann hätte etwas mehr rechtzeitige Achtsamkeit einiges verhindern können.

    Keine Panik, aber qualifizierte und verantwortliche Achtsamkeit.

    Übertrag das doch einfach mal auf das Thema "Terrorgefahr"....

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  4. Dazu fällt mir spontan ein erschütterndes Experiment des SWR von gestern ein. Die Reporterin platzierte einen türkischen Schauspieler mit angeklebtem Vollbart und weißem Käppi auf einem Weihnachtsmarkt, um Reaktionen zu testen und mit den Leuten zu reden.

    Mich macht das Fazit gruseln:
    1. Selbst vernünftig scheinende Menschen gaben zu, ein Feindbild "Islamist" im Kopf zu haben, das sie wie einst im Antisemitismus direkt am Aussehen festmachen. Egal welche Situation oder welcher Mensch - sie springen auf dieses Feindbild an: Generalverdacht. (Woher wissen die eigentlich so genau, wie ein Terrorist aussieht?)

    2. Noch während der Sendung alarmierten mehrere "ordentliche" Bürger die Polizei, auf dem Weihnachtsmarkt treibe sich ein verdächtiges Subjekt herum.

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  5. Und was bringen solche "Tests"? Außer einem weiteren skandalträchtigen Bericht im Fernsehn?

    Dass Leute Vorurteile haben, das wussten wir doch auch schon vorher? Wo also ist die Nachricht?

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  6. Hallo, Petra,

    vielleicht bin ich die Einzige, die am Wochenende nicht fliegt oder ICE fährt? (Was ich eh nicht vorhatte).
    "Selbst mein Blogbeitrag wird vielleicht irgendwo Spracherkennungsmaschinen zum Laufen bringen und irgendwelchen Datensammlern Arbeit und Brot geben."

    Da bin ich mir sicher! Ich sah gestern in meinen Statistiken, dass das Mikrofilmarchiv der Berliner politischen Fakultät Einsicht genommen hatte. Nein, um den Straßburger Weihnachtsmarkt mache ich mir kein Sorgen (Das war vor zehn Jahren, nicht?)

    Herzlichst
    Christa

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  7. @Sabine: Würdest du das bitte den SWR fragen? ;-)

    Vielleicht kommt das ja bei meinem Text über die German Angst nicht heraus, aber ich übe durchaus auch Medienkritik und frage mich als Journalistin - wie viele KollegInnen übrigens - ständig, wo die Grenzen zwischen Informationspflicht und Sensationsgeilheit / Instrumentalisierung liegen.

    Der Beitrag des SWR mag ein gutes Beispiel dafür sein, wie weit die Instrumentalisierung bereits gediehen ist, nicht nur auf Seiten der Medien. Er könnte aber auch ein Beispiel dafür sein, wie wenig die Menschheit aus der Geschichte lernt.

    Vielleicht stehe ich damit ganz allein da - so wie Christa mit dem ICE-Verzicht: Mir machen all diese Mechanismen sehr viel mehr Angst als potentielle Anschläge.

    Ich denke auch schon viel weiter... wenn ich die fleißigen Meldebürger vom Weihnachtsmarkt betrachte und mit dem neuen Bürgerspitzelsystem gegen Sozialhilfesünder in Dänemark verknüpfe, wenn ich all diese kleinen Hinweise auf mehr Überwachungsstaat und Bürgerspitzelei in ganz Europa heranwachsen sehe, dann fällt mir dazu nur eins ein: In einer solchen Gesellschaft möchte ich nicht leben.

    Drum habe ich auch eben eine Rezension zu einem Buch über eine absolut "sichere und intakte Gesellschaft" geschrieben.

    @Christa
    Solange der Geheimdienstler noch an der Uni studiert, musst du dir keine Sorgen machen. ;-)

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  8. Sorry Petra,

    aber das Thema, wie man mit terroristischer Bedrohung umgeht, halte ich für breiter und nicht auf Vorurteile, mögliche Bespitzelung und Panikmache reduzierbar. Noch nicht mal in Blogs.

    Und mit Tante Erna und dem biologisch hochkorrkten Tee bedienst Du genauso ein Klischee wie der SWR mit seinem Türken mit Bart.

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  9. Dessen bin ich mir absolut bewusst, Sabine. Tante Erna ist ein Klischee von einem Klischee.
    Möge sie zu einer Vielzahl unterschiedlicher Kolumnen und Meinungen anstiften!

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  10. Ich habe noch einen Lesetipp zum Thema für alle, die sich etwas intensiver damit beschäftigen möchten:

    Juli Zeh und Ilija Trojanow: Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte. Hanser Verlag

    Meinen Namen anklicken - führt auf die Seite zum Buch.

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  11. Es gibt ja durchaus verschieden Szenarien, wie solche Bedrohung aussehen kann. Und Maßnahmen dagegen als leicht hysterisch und als grundsätzliche Bedrohung der individuellen Freiheit abzutun...also, da komm ich nicht mehr mit.

    Will ich auch nicht mitkommen.....

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  12. Be alert but not alarmed hieß der nette Slogan unserer damaligen Howard-Regierung. Wir bekamen nach 911 (ohmegod ich sehe gerade ohne Schrägstrich ergibt sich aus dem Datum die amerikanische Notrufnummer - das ist ein Zeichen! - aber vermutlich bin ich hier mit meiner Verschwörungstheorie Jahre zu spät)eine schöne bunte Broschüre, wie man sich verhalten sollte.

    Hahahaha - da sind Millionen an Steuergelder in etwas investiert worden, was bei den meisten Leuten gleich ins Altpapier flog.

    Vielleicht gibt es sie wirklich, diese Menschen, die sich dann sicherer fühlen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass Journalisten überall Angst mit bekloppten Artikeln schüren und deshalb habe ich aufgehört regelmäßig Nachrichten zu schauen oder zu lesen.

    Und dennoch bekomme auch ich manchmal ein mulmiges Gefühl - so in Gedanken. Was mich daran ärgert ist, dass man nicht unberührt bleiben kann. Es bleibt etwas hängen. Da ich ja nun in Friedenszeiten aufgewachsen bin, habe ich es auch nie gelernt mich trotz Terrorängsten frei zu bewegen (Irland, Israel fallen mir spontan ein).

    Ich empfinde viele Maßnahmen an Flughäfen z. B. als Augenwischerei. Ich fühle mich nicht sicherer, nur weil irgendwo Nacktscanner benutzt werden und man keine große Zahnpastatube mit an Bord nehmen kann, aus der man locker mit 50 anderen Zutaten eine Bombe basteln könnte. Oder so wird gemunkelt.

    Wenn jetzt jemand in Dland vermeidet mit Zügen zu fahren, wenn er es nicht unbedingt muss, dann kann ich das durchaus verstehen. Ich denke mir nämlich, was habe ich davon mich nach Außen hin zu brüsten (Ich fahre jetzt extra mit dem Zug - basta!), wenn ich - Wahrscheinlichkeit hin oder her - 2 Stunden später zur Statistik werden könnte? Ich hänge an meinem Leben, ich will nicht in die Luft gesprengt werden. Auch nicht tot getrampelt. Und man kann hinterher noch nicht einmal mehr sagen: Siehste, ich hab Recht gehabt.

    Es ist kein typisch deutsches Phänomen, diese Angstschürerei, das Beschneiden von Bürgerrechten und die muntere Datensammelwut.

    Was mir Angst macht sind Aussagen wie ... wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten. Das ist eine Logik, der ich nicht folgen kann.

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  13. @Madam:
    Ich hab mir erlaubt den fünffach geposteten Beitrag auf einen zu reduzieren, da gab's irgendeinen technischen Fehler. Wenn man viel schreibt, sagt einem das System oft "...URL too long", wenn man dann die Backtaste benutzt (!), sieht man, dass der Beitrag trotzdem schon drin ist. Ein Mysterium, das ich auch nicht verstehe. ;-)

    @Sabine
    Can we agree to disagree?
    Ich habe das Gefühl, du erwartest irgendeine größere Antwort von mir? Aber wenn du mir indirekt Verengung oder Undifferenziertheit und einem Fernsehteam Skandalträchtigkeit vorwirfst (der Beitrag war im Übrigen äußerst differenziert und führte zu einer guten Diskussion auch mit Zuschauern), dann weiß ich einfach nicht, was ich sagen soll.

    Trojanow und Zeh ernteten mit ihrem Buch auch Kritik, sie würden übertreiben. Es ist tatsächlich so, dass die einen Menschen sich mit irgendwelchen Maßnahmen sicher fühlen und die anderen dadurch in den Errungenschaften einer Demokratie bedroht. Sonst gäbe es schließlich nicht so heiße Diskussionen um Vorratsdatenspeicherung, Nacktscanner, Generalverdacht gegen Religionen etc.

    Ich glaube nicht, dass es auf diese innere Spannung unserer Gesellschaft schnelle Antworten gibt - außer vielleicht der, nicht nur wachsam gegenüber Terroristen zu sein, sondern auch wachsam den Angelegenheiten gegenüber, die wir uns selbst kaputtmachen. Vergessen wir nicht: Sinn und Zweck jedweden Terrorismus ist es, Angst zu erzeugen und Gesellschaftssysteme auszuhöhlen. Und das funktioniert dann am besten, wenn eine Gesellschaft beim Demontieren mithilft.
    Historisch gesehen ist das einer der größen Teufelskreise.
    Und darauf habe ich keine Antworten, nur Fragen.

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  14. Hallo Petra,

    nein, ich erwarte keine alles erklärende und erlösende Antwort. Aber ich erwarte auch, dass man (Du) sich nicht lustig macht über "German Angst" - und so empfinde ich sowohl Deinen Blogbeitrag als auch manche Äußerung in den Beiträgen. So nach dem Motto "Wir sind ja so cool und haben den Durchblick..."

    Es geht mir um Achtsamkeit - zu häuslicher Gewalt, zu freiheitlichen Grundrechten UND EBENSO zu Bedrohungen aus einem terroristischen Umfeld, die so klar nicht greifbar sind wie die Schreie einer geschlagenen Frau oder eines schlecht ernährten Kindes aus der Nachbarwohnung.

    Wer an der einen Stelle Achtsamkeit fordert, der darf die in einem anderen Zusammenhang nicht ausschließen.

    Und damit steige ich aus der Diskussion aus - sie bringt vermutlich nicht viel weiter....

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  15. Liebe Sabine,

    ich bin froh, dass du endlich benannt hast, was dich stört, darum bringt die Diskussion doch weiter: Sie weitet den Horizont.

    Natürlich ist "German Angst" kein unbedingt auf Deutschland begrenztes Phänomen (obwohl philosophisch damit verbunden), wie Madam sehr richtig feststellt. Aber es ist deshalb ein dankbarer aktueller Aufhänger, weil man gerade darüber derzeit im Ausland massiv den Kopf schüttelt (ich habe die Innensicht nach 20 Jahren Emigration nicht mehr).

    Natürlich gibt es blinden Aktionismus (statt berechtigter Maßnahmen) auch anderswo. Ich erinnere mich an meinen Aufenthalt in Paris, als man dort wegen Terrordrohungen sämtliche Papierkörbe und Mülleimer der Stadt demontiert hatte. Die riesigen Müllhaufen auf den Bahngleisen und Gehwegen wären ein viel dankbareres Versteck gewesen.

    Bin ich cool? Bin ich unachtsam? Mir gingen von den "Anekdoten", die ich hier erzählt habe, einmal alle Haare aus. Ich fürchte nur, ich bin in einer anderen Humorkultur aufgewachsen. In der darf man sich vor allem über sich selbst lustig machen, über die ach so coole Anekdotenerzählerin, die bibbernd und völlig irrational sieben Jahre lang kein Fenster in einem anderen Raum öffnen kann. Ich bin kein bißchen besser als Tante Erna mit ihrem Tee.

    Ich verstehe Angst. Aber genau deshalb schau ich anders hin.

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  16. @Madam

    Du beschreibst eindrücklich Gedanken, die mir auch ständig durch den Kopf gehen. Ich hänge ja auch an meinem Leben und wünsche niemandem anderen auf der Welt einen solch sinnlosen Tod.
    Ich ganz persönlich glaube leider, dass es keinen wirksamen Schutz gegen meinen eigenen Tod gibt. Ich kann die Verkehrsregeln streng beachten, dreimal links und rechts schauen und vielleicht fährt trotzdem ein Besoffener auf den Gehweg in mich hinein. Das macht mich nicht zu einem Gegner gegen Verkehrsregeln, aber vielleicht lebe ich anders und schaue nicht dreimal, sondern einmal?

    Auf der anderen Seite wundere ich mich, wie Leben von Politikern und Journalisten immer wieder mit unterschiedlichem Maß gemessen wird. Jetzt redet keiner mehr über etwas anderes (obwohl der jetzige Hinweis laut Medien schon 2009 akut war).
    Als eine Bombendrohung für den Strasbourger Weihnachtsmarkt SEHR konkret war, hat sich kein Schweinlein dafür interessiert, haben wir nichts gehört - erst später durch Zufall davon erfahren.

    Da frage ich mich: Warum jetzt dieser Aufruhr, warum bei anderen Gelegenheiten nicht?
    Warum fallen diese Millionen, die in den Sand gesetzt werden, jetzt kaum einem auf - wo doch ausgerechnet noch der Haushalt beschlossen wurde?
    Warum ist die Diskussion über eine kaum greifbare Gefahr so viel größer als die Diskussion um all die Gesetze, die im Moment im Affenzahn durch den Bunderat gepeitscht werden und die Bürger noch hart treffen werden?
    Fragen über Fragen...

    Auf der anderen Seite hat es durchaus einen gewissen Witz, wie viele Bürger gegenreagieren, etwa, indem sie sich am Flughafen vor allen Leuten nackt ausziehen. Deine letzte Frage ... ja, was passierte, wenn wir alle gläserne Menschen wären, wenn jede Intimität und jedes Geheimnis abgeschafft wäre?

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  17. Verstehe ich das richtig ... "im Ausland schüttelt man massiv den Kopf" wg. dieser Angst?

    In welchem Ausland? Ich könnte mir vorstellen, die Aussies würden eher nicken, denn hier wird teilweise auch massiv geschürt (boat people).
    Nun bietet Dland ja immer ein nettes Ziel, um sich lustig zu machen. Und dann fahren sie mit ihren importierten deutschen Autos und vergessen wo sie hergekommen sind.

    Das geht mir dann aber auch gegen den Strich, dazu bin ich zu deutsch. Nur weil man eine Kultur nicht begreift, ist sie nicht gleichzeitig schlecht.
    *Deutschtummodus Ende*

    Mit meinem Beispiel von der Statistik wollte ich nichts anderes sagen, alsdas jeder Mensch seine rationalen u. irrationalen Ängste hat. Dafür kann niemand etwas. Ich fliege ja trotzdem regelmäßig, auch wenn ich Angst vorm fliegen habe. Nicht jedes Argument ist allgemeingültig, man schlägt sich halt so durch, um die Welt um sich herum zu verstehen.

    Was meinen Scherz mit der Telefonnummer anging ... damit wollte ich nur zum Ausdruck bringen, dass je nachdem wie ein Mensch "gepolt" ist, jedes Für und Wider (in diesem Fall Verschwörungstheorien) irgendwie scheinbar logisch argumentiert werden kann und wenn sich niemand die Mühe macht für sich selbst zu denken und/oder auch woanders seine Informationsquellen findet, dann wird es mir persönlich zu manipulativ.

    Ich kann dem nur mit Humor begegnen, sonst kriege ich permanent nach unten gegrabene Mundwinkel. Sieht nicht so schön aus, so alt bin ich noch nicht.

    Natürlich ist Angst schüren ein Motiv von Terroristen. Genauso wie das Angst schüren von Politikern, wenn sie Gesetze erlassen (wollen), die die Freiheit stinknormaler Bürger einschränkt und alles nur damit sie sagen können: Wir tun was. Umgekehrt würden wir uns aufregen, wenn gar nichts sichtbares von Staatsseite passiert.

    Ich habe keine Antwort, die hat wohl niemand.

    Danke für den Hinweise mit dem zu langen Beitrag und der Fehlermeldung - ich wollte schon aufgeben, aber wie du offenbar gesehen hast, habe ich es dann doch ein paar Mal versucht hehe und war trotzdem blind.

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  18. Für den Deutschtummodus, Madam, ein Sälblein ;-) : Ich bezog mich auf europäische Stimmen (auch aus Medien), wie sie z.B. ARTE präsentiert hat. Für mich ein Sender, der wohltuend über Tellerränder blickt und sehr gut differenziert!
    Das ist kein Lustigmachen, dieses Kopfschütteln, sondern eher die Meinung: Merken die denn gar nicht, dass nebenher die Politiker einen Beschluss nach dem anderen vor deren Nase vorbeirasen lassen, während alle abgelenkt sind? (Damit sind nicht nur Antiterrormaßnahmen gemeint, sondern auch so Späße wie Sozialgesetzgebung, Krankenkassenregelungen etc.) Was natürlich derzeit auch ein mindestens europäisches Problem ist.
    Aber man darf durchaus nationale Unterschiede feststellen, wer alles schluckt, bis es zu spät ist - und wer auf die Straße geht. (s21 wäre kein Gegenargument, weil es viel zu spät kommt).
    Und es schütteln ja auch eine Menge Deutsche diesen Kopf (z.b., weil's grad so gut passt, hier http://ulrichkasparick.wordpress.com/

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  19. *lach wegen meines Deutschtums - ich darf verraten, dass ich erst als Expat ein mini nationales Bewusstsein erlangt habe und das wiederum habe ich mir von meiner 2. Heimat und den Mitmenschen abgeguckt :-)

    Was menschliches Verhalten und Politik angeht, da habe ich gerade ein witziges science-fiction oder fantasy book - man kann es nicht so richtig einordnen - gelesen. Hach dachte ich, wie witzig, voll auf den Punkt gebracht.
    Ab der Hälfte des Buches wurde mir leicht langweilig, weil mmh dachte ich, das kenne ich doch alles ... und war dann naiverweise leicht enttäuscht.

    Fazit: Wir können nur menschlich reagieren und wie diese Reaktion aussieht, hängt von vielen Faktoren ab.

    Das war mein Wort zum Sonntag.

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