Doubletten in der Raum-Zeit

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Hier erklang eben ein herzhafter, blumiger französischer Fluch. Ich hatte eine so wunderbare Idee, um meinen Heimlich-Roman zu strukturieren und bestimmte Geschichten zu erzählen. Die Idee war so gigantisch in meinen Augen, außergewöhnlich dazu, dass ich vorhin per Suchmaschine und Wortschatz erst einmal Assoziationen herbeischaufeln wollte. Endlich hatte ich den wunderbaren Kunstpunkt gefunden, nach dem ich seit Wochen suche.

Und da wirft mich die Suchmaschine auf eine Rezension meiner Idee in der ZEIT. Im Berlin Verlag erschienen. Hoppla, denke ich und meine Gehirnwindungen mahlen hörbar langsam, hoppla, ich habe das Buch doch noch gar nicht geschrieben?

Künstlerpech. Ein berühmter Schriftsteller, von dem ich garantiert noch kein Buch gelesen habe, hat aus genau dieser Idee einen - völlig anderen - Roman gemacht. Und ausgerechnet dieses absolut seltene, schräge, völlig abstruse unbekannte Ding, das in meinem Roman im Mittelpunkt vorkommen sollte, zum Mittelpunkt seines Romans gemacht. Das nennt man dann den Fluch der späteren Buchgeburt. Die Idee ist verbrannt.

Was, wenn ich das nicht gemerkt hätte? Es wird weniger abgeschrieben, als man glaubt. Früher konnte man noch das Rad an drei Enden der Welt gleichzeitig erfinden. Heute schwirren, regnen, peitschen die Ideen durch den Hyperraum und ähneln sich wie Grippe-Erreger.

Und ich sitze wieder fast am Anfang, öffne alle Poren und Denk- und Fühlzellen und warte darauf, dass mich etwas Eigenes infiziert. Etwas, das nicht einer am anderen Ende der Welt längst geschrieben hat. Etwas, das erst mal brav in meinem Hirn bleibt und nicht als vervielfältigter Klon durch den Äther schwirrt. Aber eigentlich erzähle ich ja auch eine Geschichte, die schon tausend Mal erzählt wurde...

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