Rhabarberrhabarber

Heute ist so ein Tag. Normalerweise sitze ich Punkt zehn Uhr diszipliniert am Manuskript, zumal die Zeit drängt. Heute bin ich wettersturzschlapp. Müsste zur Autogarage. Hätte einen Termin im Badischen zu erledigen. Sollte in der Pfalz Hundefutter kaufen. Brauche dringend ein Ersatzteil aus Hagenau. Muss einen Auftritt vorbereiten. Sollte den Veranstaltern mailen, welche Rosen in meiner Lesung vorkommen (damit die womöglich am Abend in der Vase stehen). Will meinen Moloch von Webseitensammlung vollkommen umwerfen und neu ausarbeiten, weil sich etwas Grundlegendes verändert hat. Will mit dem Hund wandern gehen.

Außerdem kreischt mich mein Manuskript an. Kunstvoll habe ich drei Ebenen verwoben und geschnitzt, bis diese Mühe beim Hören keiner mehr bemerkt. Jetzt muss die vierte rein, müssen Bilder geschaffen werden zur Musik. Mein Hirn sagt: Ich bin wetterschlapp, ich bin doch bei den ersten drei schon fast zusammengebrochen. Twitter noch ein bißchen, tippsle noch ein wenig...

Stattdessen greife ich mir den Walkman. Rimsky-Korsakoff: Sheherazade. Dazu lasse ich jetzt Nijinsky tanzen. Zehn Uhr zehn.

Und sollte ich mal aus Versehen berühmt und reich werden, schreibe ich eine Stelle für ein Faktotum aus: Webdesigner-Einkaufshelfer-Privatsekretär-Kaffeekocher-Chauffeur-undwasesallesnochsobraucht gesucht.

Kommentare:

  1. "Und sollte ich mal aus Versehen berühmt und reich werden, schreibe ich eine Stelle für ein Faktotum aus: Webdesigner-Einkaufshelfer-Privatsekretär-Kaffeekocher-Chauffeur-undwasesallesnochsobraucht gesucht."

    Es gibt so stereotype Gedankengänge von SchriftstellerInnen. Das entdekce ich gerade. Aber das deine so haargenau identisch mit meinen sind. :)

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  2. Wenn ich frech bin, vermute ich manchmal, dass viele Künstler in herkömmlichen Geschlechterrollenspielen solche Menschen heiraten können. Nur Frauen kommen wohl auf die Idee, jemanden dafür zu bezahlen ;-)

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  3. PS: Selten so lang und konzentriert gearbeitet wie heute. Man muss tatsächlich einfach nur irgendwo anfangen...
    ... und jetzt Feierabend.

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  4. Wie lang ist so lang?
    Das ist die lange Nase von Blanka Beirut!
    Noch was: Ist deine Heimstadt weit weg von Freiburg?

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  5. Sabine Kanzler9/7/09 09:33

    Manchmal muss man den Frust über die Unbillen der Welt einfach nur ins Universum hinausschreien, nicht? Dann klappt es auch mit dem Schreiben.

    In einem Fernsehbericht habe ich kürzlich gehört, Mozart habe ein "Zauberflötenhäuschen" gehabt, einen Pavillon im Garten. In den habe er sich einschließen lassen, um sich so zur Arbeit zu zwingen! Schon mal mit dem ortsansässigen Knast Kontakt aufgenommen?

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  6. @blanca
    Neun Stunden am Stück mit Minipausen.
    Frage 2: Näher an Paris als an Berlin ;-) (und so private Sachen sag ich nie öffentlich).

    @Sabine:
    Bin ich Mozart?!?
    Nein, mein Hund ist der beste Motivator: Arbeite ich als Freiberuflerin nicht, verdiene ich kein Hundefutter. Außerdem sitzt mir der Abgabetermin im Nacken (Mitte Aug. muss es stehen)...

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