Literaturpreisrevolution

Ich habe mich auch schon maßlos darüber aufgeregt oder traurig resigniert. Die Rede ist von der ehernen Altersgrenze, die die meisten Literaturwettbewerbe und übrigens auch Stipendien als Filter vor die Teilnahme hängen. Für meinen Roman habe ich ein einziges (!) Stipendium in Deutschland gefunden, bei dem ich mich vom Alter und Wohnort her bewerben darf. Für Literaturpreise bin ich zu alt, wenn ich mich nicht gerade verdingen will, die "schönste Geschichte zu eingelegten Heringen", dotiert mit 52 Gläsern Bismarckheringen, abzugeben.

Die Altersgrenze ist allenfalls noch dann einsichtig, wenn gezielt Kinder und Jugendliche gefördert werden sollen. Warum aber soll ein hochbegabter 45jähriger, der vielleicht durch eine Scheidung ruiniert wurde, bei gleicher Qualität nicht genauso förderwürdig sein wie das 22jährige Arztsöhnchen mit Eigentumswohnung? Warum soll eine 38jährige nicht, wenn die Kinder groß sind, spät aber intensiv ihr literarisches Talent entdecken? Wer sagt uns, dass sie weniger begabt wäre als die 28jährige Bewerberin? Was macht einen Text schlechter als einen anderen, ist es wirklich das Alter? Ist es einer Jury nicht zuzumuten, Texte von 50jährigen zu lesen?

Alles spricht von Alterspyramide und dass endlich etwas für die wichtige neue Generation getan werden muss. Eine handelt. Frau Zappadong stürzt sich mutig in die Welt des Jugendwahns und initiiert eine kleine Revolution. Sie nimmt ungebeten und ungewollt, trotz strengsten Altersverbots an einem Literaturwettbewerb teil - nebst offenem Brief!

Es ist eine dieser feinen Ideen, die man selbst gern gehabt hätte. Und der man wünscht, dass sie sich verbreitet wie ein Virus. Kolleginnen und Kollegen, es sei zum Weitersagen empfohlen, zum Nachmachen. Damit die Literaturwelt endlich lernt, dass Schriftsteller keine Verfallsdaten haben und Texte kein Alter.

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1 Kommentar:

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