Qualitätsoffensive

Jetzt habe ich so viel über Innovationen und Branchenveränderungen aus dem anglo-amerikanischen und europäischen Raum berichtet, dass mir völlig entgangen ist: Auch die deutschsprachige Buchbranche kann Initiative zeigen und auf neue Entwicklungen reagieren.

Das ist so selbstverständlich nicht. Der VS hat die Mindestempfehlung für Lesungshonorare erstmalig nach über zehn Jahren mit einem Update von 50 auf 300 Euro versehen. Auch der Normvertrag, an dem sich Schriftsteller orientieren können, um zu Mindeststandards in Vertragsverhandlungen mit Verlagen zu kommen, hat schon satte zwölf Jahre auf dem Buckel und damit sämtliche technischen Entwicklungen erfolgreich verschlafen.

Das soll nun anders werden. Der Verband deutscher Schriftsteller und der Börsenverein des deutschen Buchhandels wollen sich ab nächster Woche in enger Zusammenarbeit mit Verlagen und Autorenvertretern zu einem Runden Tisch zusammen setzen, um eine Qualitätsoffensive zu starten. Grundlage der Diskussionen soll die gemeinsame Erklärung zur Vergütung belletristischer Werke sein, die einige wenige Verlage 2005 mit dem VS abgeschlossen hatten. Darin erklären sich Verlage wie Lübbe, Rowohlt, Fischer oder Kunstmann und Hanser bereit, ihren Autoren mindestens 10% beim HC und mindestens 5% beim TB (auflagengestaffelt) zu zahlen.

"Wir sind uns bewusst", erklärte ein Sprecher des Börsenvereins, "dass wir in einem zunehmend globalisierten Markt gute Autoren nicht mehr halten können, wenn Verlage sie und ihre Bücher nicht entsprechend pflegen und fördern. Doch erstreckt sich diese Pflege nicht allein auf finanzielle Verbesserungen."
Der VS betont, es gehe nicht an, dass selbst die alten Normverträge immer wieder unterlaufen würden. Das reiche von Sachbuchverlagen, die ihre Fotografen nicht ordentlich bezahlen, über Dumpingtantiemen bis zu zunehmend unbezahltem Outsourcing (!) von Verlagsleistungen an die ohnehin belasteten Autoren. "Wir müssen Fakten schaffen, bevor unsere Autoren zu Amazon, Google oder Apple abwandern. Uns bricht jetzt schon das Mittelfeld weg, weil es nicht mehr gefördert wird!", hieß es von VS-Seite.

Die Liste der Themen liest sich so, dass man den Diskusionspartnern eine baldige und effektive Einigung wünscht. Allein die Tatsache, dass sich die Partner so schnell an einen Runden Tisch setzen wollen, lässt vermuten, dass das Problem drängt: Jahrelang wurden Autoren wie Schreibmaschinen behandelt, ihre Bücher lieblos auf den Markt geworfen. Es war abzusehen, dass sich solche Schriftsteller anderweitig orientieren und Qualität nicht automatisch nachwächst.

Unter dem etwas blumigen Titel "LovelyRelations" wollen die Partner bei einer gemeinsamen Tagung in München nächste Woche zunächst definieren, was "Autorenpflege" bedeutet und wie man sie effektiv in großen wie kleinen Häusern umsetzen kann. Weitere Gespräche sollen bis zur Buchmesse in Frankfurt folgen. "Autoren sind untreu geworden, weil sie bei einem Verlagswechsel allenfalls zu gewinnen haben. Wir müssen sie wieder als Menschen und Kreative wahrnehmen und an die Verlage binden", sagte eine Sprecherin von Random House. "Wenn Amazon einem Autor mehr Wir-Gefühl bietet als ein Verlag, dann läuft eindeutig etwas falsch."

"LovelyRelations" ist eine Idee, die längst überfällig war in der Branche. Ich werde selbstverständlich ab nächster Woche direkt berichten und danke schon jetzt den BücherFrauen für den direkten Draht in die Verlagswelt!

Lovelybooks hat mir nach fröhlichem Weiterzwitschern meines Beitrags bei Twitter bestätigt, dass hinter LovelyRelations wohl doch nicht Holtzbrinck stecke. Journalistisch versierten Lesern wird wohl aufgefallen sein, dass es in diesem Artikel auffallend an Namen zu den Zitaten mangelt. So möchte ich pünktlich zum Feierabend vermelden: Hinter LovelyRelations steckt selbstverständlich der erste April. Wäre ja noch schöner, wenn sich jemand tatsächlich derart für Autorenpflege interessieren würde! ;-)

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