Blogparaden

Bevor (wahrscheinlich nicht nur) ich in eine faule, sonnige Osterpause verschwinde, möchte ich ein Marketinginstrument für Blogs vorstellen, das unter AutorInnen so gut wie unbekannt scheint. "Blogparaden" kommen ursprünglich aus dem Businessbereich, lassen sich aber auf jedes andere Thema anwenden. Vorteil: Sie bringen völlig neue Leserschichten ins Blog, man kann sich je nach Thema einen Fachruf erwerben und je nach Vernetzung natürlich und vor allem die eigenen Bücher promoten.

Der Kulturmanager stellt ebenfalls fest, dass Künstler sich diesem Instrument irgendwie noch verweigern oder es nicht kennen. Ein Gastbeitrag bei ihm beschreibt (mit Beispiel), wie man sich Blogparaden als Aktion in der Bildenden Kunst vorstellen kann. Natürlich lassen sich diese Gedanken auch auf Bücher projizieren.

Was ist eine Blogparade?

Mehrere Blogger, deren Blogs sich irgendwie zum Thema ergänzen, tun sich zusammen. In einem fest umrissenen Zeitraum (mehrere Wochen) bearbeitet jeder von ihnen das vorgegebene Thema aus seiner Sicht. Wichtig ist: Alle kündigen gemeinsam zum Start auf ihren eigenen Blogs den Beginn der Blogparade an und verweisen im Social Web und in ihren eigenen Blogs stets mit Links auf die Arbeit der anderen.
Das unterscheidet sich also von den sogenannten "Stöckchen", einer Art Kettenbriefaktion, die zwar lustig zu lesen ist, aber den Vorgängern meist gar nichts bringt, weil die nachfolgenden Blogger zum Verlinken und Werben für die anderen oft zu faul sind.

Andere Möglichkeit: Ich setze ein Schwerpunktthema im eigenen Blog und lade dazu Gastautoren ein, deren Blogs ich natürlich auch bewerbe. Und die wiederum schreiben in ihren Blogs mit Link darüber, wo ihr Gastbeitrag zu finden ist und warum.

Solche Werbemaßnahmen denkt man sich natürlich nicht einfach nur danach aus, wessen Nase man gerade nett findet. Man will ja gemeinsam etwas erreichen und kann - wie im Beispiel des Kulturmanagers, sogar für Aktionen gesponsert werden. Wichtig ist deshalb eine Strategie, welche Vernetzungen mit welchem Thema den Teilnehmenden am meisten bringen - schließlich will man ja erreichen, dass sich die Leserkreise überschneiden und neue Leser in neue Blogs finden. Umso idealer, wenn man die Aktion kräftig per Twitter, Facebook etc. unterstützt. Daran wird deutlich: Man muss Partner suchen, die bereit sind, nicht nur zu nehmen, sondern aktiv mitzumachen und fleißig zu verlinken.

Wie kann so etwas in der Literatur aussehen?

Ich muss mir zuerst die Frage stellen: Wen will ich als neue Leserschaft erreichen? Buchleser? Kollegen? Geschäftskontakte aus der Branche?

1. Buchleser finden

Ich vernetze mich hier idealerweise mit Blogs, auf denen sich vorwiegend Leser tummeln - die im Idealfall auch Interesse für meine Bücher haben. Denkbar wären Blogparaden, bei denen z.B. Frauenromanautorinnen reihum ihr Lieblingsbuch einer Kollegin rezensieren, Krimiautoren über ihre Erfahrungen mit Polizeirecherche berichten oder Gartenbuchautoren ihre Lieblingstipps für die Pflanzzeit loswerden.Das ließe sich sogar über die Buchwelt hinaus ausweiten: Man könnte mit etablierten Gartenblogs zusammenarbeiten, die Krimiblogger finden vielleicht sogar bloggende Kriminaler und die Frauenromanautorinnen kennen sicher andere Blogs, wo sich ihre Leserinnen gern aufhalten, etwa bei Frauenzeitschriften.

2. Kollegen finden

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die meisten Blogs von Autoren so geschrieben sind, dass sie selten von den potentiellen oder tatsächlichen Lesern der Bücher besucht werden. Kollegen interessieren sich für die Kämpfe am Buch, für Recherchemethoden, für all den Psychokram, der einem beim Schreiben unterkommt. Das kann man forcieren und ausnutzen, indem man sich unter Kollegen feste Themen dazu vorgibt und sich vernetzt. Mit dieser Methode lassen sich unbekanntere Autorenblogs ins Bewusstsein heben und mit ein wenig Austausch eine kleine Community unter Kollegen bilden.

3. Geschäftskontakte finden

Je breiter man über die eigene Branche berichtet, desto eher mischt sich auch die Leserschaft. Mit einer Blogparade kann man Kontakte knüpfen, die den Blick über den eigenen Tellerrand weiten. Nehmen wir das Beispiel Kinderbuch: Daran arbeiten nicht nur Autoren, sondern auch Illustratoren, Verleger, Agenten, Buchhändler. Warum also nicht einfach aus jedem Beruf ein paar Blogger nehmen und über ein gemeinsames Thema eine Parade veranstalten? Das ist zum einen hochspannend für die Käufer von Kinderbüchern, zum anderen finden sich hier nicht nur Kollegen. Vielleicht kommt es "real life" zur Lesung, weil man die Buchhändlerin kennengelernt hat? Vielleicht kommen von der Agentin wertvolle Tipps für die Autoren? Überhaupt gäbe es ungeahnte Möglichkeiten, wenn man eine solche Bloggeraktion mit Aktionen im Leben verknüpfen könnte!

Alles zu viel Arbeit? Das tut man doch nicht?

Mir kommt immer wieder zu Ohren, wie eifersüchtig und neidisch es in der deutschen Autorenszene zugehen soll, wo KollegInnen PR-Aktionen von den eigenen KollegInnen offen kritisieren. Ich persönlich gönne es jedem, der allein durch Verlagsmacht zum Bestseller hochgewuchtet wird und sich für seine Bücher auch auf Wunsch des Verlags nicht engagieren muss. Aber ich kann und mag mir nicht vorstellen, dass irgendwer gemeinsame Aktionen in den Social Media auch nur annähernd anrüchig finden könnte - ich habe nämlich (toitoitoi) bisher nur das Gegenteil kennengelernt. Sollte jemandem trotzdem ein ewig Gestriger begegnen: laufen lassen. Sich nicht beirren lassen. Ja, man tut das. Ja, es ist absolut normal, sich zu vernetzen und gemeinsam etwas für die eigenen Bücher, die eigene Arbeit zu tun. Wer es nicht glaubt, der sollte sich einmal die Social Media Aktivitäten von Deutschlands Literaturverlag Nr. 1 (inklusive seiner AutorInnen) anschauen: Hanser. Kann man sich vieles abschauen. Sogar Literaten dürfen das also.

Was die Arbeit betrifft: Es lohnt sich. Wer bloggt, muss ständig etwas dafür tun, um neue Leserschichten zu finden und wegfallende Surfer zu ersetzen. Gemeinsam ist man stärker.
Nun muss ich zugeben, dass ich selbst kaum die Disziplin aufbringe, an einer Blogparade dranzubleiben. Es geht aber durchaus eine Nummer kleiner!

Bestes Beispiel war meine "Frauenwoche für Buchmacherinnen", als ich im Januar eine Woche lang täglich einen Beitrag zum Thema Frauen und Büchermachen im Blog brachte. Damit ich mir nicht alles selbst aus den Fingern saugen musste, habe ich zwei BücherFrauen interviewt und schon war die Vernetzung perfekt. Die BücherFrauen haben aktiv meine Frauenwoche auf ihrer Website, bei Twitter und Facebook begleitet - und die Mädchenmannschaft hat einen meiner Blogbeiträge aufgenommen und mich später interviewt.
Das Ganze hatte weitreichende Folgen: Ich bin selbst BücherFrau geworden, habe für meine Arbeit wichtige Kontakte hinter den Kulissen knüpfen können und meine Blogleserschaft kurzzeitig vervierfacht und langfristig verdoppelt. Die Vernetzungen und die Art meiner Beiträge hat immer wieder andere positive Folgen gebracht - zuletzt die, dass ich nun schon zweimal fürs Buchreport-Blog geschrieben habe.

Der Erfolg war so groß, dass ich diese Frauenbuchwoche nächstes Jahr anders aufziehen möchte - etwas entspannter über einen längeren Zeitraum und nicht nur in Eigenarbeit. Ich stelle mir Gastbeiträge vor oder eine Vernetzung mit anderen Branchenblogs. Und vielleicht reicht es dann 2012 auch, nicht nur bei einer Nominierung zum Virenschleuderpreis erwähnt zu werden, sondern selbst nominiert zu werden?

Folgen haben solche Aktionen längst auch im Leben außerhalb des Webs - ich taste mich derzeit an Ideen für Vorträge oder Workshops und werde außerdem aus meiner Aktion "Ich bastle ein Buch" einen Ratgeber machen für alle, die dieses Abenteuer ebenfalls wagen wollen. Ich orientiere mich zwar an meinen Blogbeiträgen, werde das Ganze jedoch entsprechend straffen und als reelle Hilfe formulieren - mit wichtigen Adressen, Grundlagen etc. Ein echter Ratgeber eben. Auch das ist das Wunderbare am Vernetzen: Die Ideen gehen einem nicht aus und irgendwann wird aus dem Bloggen vielleicht auch einmal wertige Arbeit.

Damit wünsche ich all meinen fleißigen Leserinnen und Lesern wunderschöne, erholsame, sonnige Ostertage! Und falls noch jemand das ultimative Geschenk per Osterhase sucht, empfehle ich den Damen dies hier und den Herren das da (erste Rezension lesen!)

update: 
Nicht von der Technik und den Zahlen abschrecken lassen, Frank Koebsch hat in seinem Blog eine erste Bilanz von der Startphase seiner Blogparade in der Bildenden Kunst gezogen. Man kann daran ganz gut sehen, wie es funktionieren kann, auf ein Blog aufmerksam zu machen.

Sehr lesenswert ist außerdem diese Zusammenfassung, was eine Blogparade ist, wie sie funktioniert und was man beachten sollte. (Anmerkung zum trackback / pingback im Artikel: Funktioniert leider nicht zwischen Blogger und Wordpress, habe auch noch nicht herausgefunden, wie sich dieses Problem austricksen lässt.)

1 Kommentar:

  1. Danke für die Nennung unser Artikels - Blogparade in der Bildenden Kunst.
    Viel Erfolg mit Deinem Blog und schöne Osterferien

    Frank

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