Qualitätsjournalismus anno dunnemals

Wer klagt heutzutage nicht, dass das lokale Käsblatt im Niveau immer unerträglicher wird, dass "Qualitätsmedien" so lange an den Journalisten sparen, bis von Qualität kaum noch etwas in der Zeitung übrig ist? Es gehört fast schon zum guten Ton, auf Journalisten zu schimpfen und über Printmedien zu lästern. Aber war früher wirklich alles besser?

Beim Aufräumen fiel mir ein vergilbtes, noch handgetipptes Zeitungsmanuskript in die Hände, das ich 1984/85 als Zeitungsvolontärin "druckfähig" bearbeiten musste. Es ist der Artikel eines freien Mitarbeiters aus der Landredaktion der Badischen Neuesten Nachrichten, die damals zu den größten und wichtigsten Zeitungen in Baden-Württemberg zählte. Ich gebe das Original mit allen Fehlern unbearbeitet wieder - es darf währenddessen lustig geraten werden, welchen Beruf dieser freie Mitarbeiter ausübte!

Es ist mal wieder so weit, die Pfadfinder aus X. packen ihre Zelte. (...) "Zünfte" heißt das Schwerpunktthemmades Lagers und manche Gruppe hat sich das ganze Jahr darauf vorbereitet. Nachdem man das Zeltlager aufgebaut hat, will man versuchen 5 Tage zu Fuß diesem Thema nachzulaufen mal reinzuschauen in ...um dann in der übrigen Zeit diesen Berufen im Zeltlager nachzuvollziehen.

Nebenbei nimmt das Kochen jeder gruppe auf dem Holzfeuer sicherlich viel Zeit in Anspruch, aber sein selbtgebackenes Brot oder Postkarte aus Altpapier soll ein Ansporn sein nicht einfach als Turist Uurlaub zu machen sondern aktiv seine Freizeit selber zu gestal ten.

So wird ein für das Lager hergestelltes zahlungsmittel untereinander Geld sicherlich auch ein anreiz sein etwas Herzustellen und zu Vrekaufen, an den abendlichen Lagerfeuern mit Viel Musik und Gesang.
Die jüngsten Wölflinge 6-10 jährige haben ihr eigenes Programm . Bei ihnen werden die Räuber im Bayrischen Wald wiider hausen mit Spiel und Gesang.
VielMühe wird es für den einzelnen kosten sich einzuleben in die Gemeinschaft, mehr zu geben als man bekommt.

Ich bin damals als Volontärin aufsässig geworden und habe nicht nur den Artikel auf einem neuen Blatt völlig neu formuliert, sondern auch angeregt, man möge sich doch in Zukunft ein bißchen fähigere freie Mitarbeiter aussuchen, die nicht wertvolle Arbeitszeit in der Redaktion kosteten. Zur Antwort bekam ich sinngemäß: "Der ist spottbillig und willig, den müssen wir pflegen". Und dann wurde mir außerdem der Beruf des Herrn genannt - den könne man unmöglich wegen seiner Textqualität verprellen. Wer es bis hierher noch nicht erraten hat: Der Mann war Oberstudienrat in einem Gymnasium. Und das ist kein verspäteter Aprilscherz! Auch kein Scherz ist, dass sich die Einstellung zu Texthonoraren im Verhältnis zur Qualität eher verschärft hat. Ob dieser freie Mitarbeiter allerdings je eine Chance als Blogger hätte?

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