Auftrittstipps

Feine Programm- und Auftrittstipps hat mir heute jemand gegeben, der beruflich auf der Bühne steht:
  • Sei dir ganz klar darüber bewusst, was du kannst und nicht kannst.
  • Fang klein an mit dem, was du kannst, und plane das Gesamtkunstwerk für später.
  • Zeig deine Stärken.
  • Reagiere nicht auf Druck oder Erwartungen von außen; gib von innen, von dir.
  • Stell dir einen zehnminütigen Notauftritt vor: Was muss auf die Bühne?
  • Du brauchst immer länger als du glaubst.
  • Du machst das nicht zum ersten Mal.
Hat gewirkt. Als erstes fiel mir auf, dass ich nur 45 Minuten habe und längst viel zu viele Texte gesammelt. Als zweites fiel mir ein, dass ich auf einer Bühne von geschätzten zwei Quadratmetern bis zum Abgrund (ich hänge sozusagen auf dem Trockenboden des Tabakschuppens) eh nicht Ringelreihen tanzen kann. Und als Drittes kam mir die Idee, dass meine Gina mit ihren zwei Brillen und dem ländlichen Hintergrund eh nicht so wirkt, als könne sie alles auswendig.

Das hat mich so beflügelt, dass ich als Amuse Gueule einen Gogol tranchiert habe, weil seine russische Fresskunst so recht zu den französischen Völlereien passt*. Das Ganze endet dann doch tatsächlich direkt in der Vorspeise ...
Nur ich armes Tier werde wieder spät in der Nacht speisen müssen, denn das habe ich bei kulinarischen Auftritten gelernt: Und schwimmt der Zander noch so fein in Riesling, er meldet sich bei Bauchatmung garantiert im falschen Satz!

12.6.2009 in Odelshofen bei Kehl: "Genuss im Gepäck"

* Tragisch und traurig: Ausgerechnet Gogol, der sich im religiösen Wahn zu Tode gehungert hat, hinterließ uns die prächtigsten und lebensvollsten Essbeschreibungen.

Kommentare:

  1. Dem - du brauchst immer länger als du denkst - möchte ich widersprechen. Gerade wenn man sich unwohl fühlt, weil das Publikum nicht richtig mitgeht, zu wenig lacht oder in der ersten Reihe jemand sitzt, der ständig leicht mit dem Kopf schüttelt, neigt man dazu, schneller zu lesen. Das macht es nicht unbedingt besser, aber das ist meiner Erfahrung und ich stehe damit wohl nicht allein.

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  2. Nun Alexander, ich habe von einem Bühnenprofi erzählt. Was du schilderst, kann man mit verschiedenen Techniken vermeiden lernen - in Sprechausbildung oder Theaterkursen, die heute in fast jeder größeren Stadt auch für Laien angeboten werden. Empfehle ich Autoren, die öfter auftreten wollen, heiß!
    Und wenn man weiß, dass man unter Nervosität zu schnell liest, kann man auch das zeitlich berechnen ;-)

    "Genuss im Gepäck" ist aber keine reine Autorenlesung im Sinne von "da liest eine Texte vor". Der Mensch hat schon recht - wenn ich Lesetext für zehn Minuten habe, kann ich die mit meinen Requisiten und dem, was ich sonst noch erzähle, beliebig dehnen, der gelesene Text ist immer das Minimum.

    Bei solchen "szenischen" Lesungen, in die ein Menu eingebaut wird, ist ein genauer Zeitplan unabdingbar. Den muss schon der Techniker haben. Der Koch muss à la minute arbeiten und ich muss es auch einigermaßen - sonst entsteht eine Veranstaltung à la "Es gab was zu essen und irgend so ein Künstler hat im Hintergrund geschrammelt".

    Den Super-GAU an Publikum habe ich vielleicht schon hinter mir. 50 Leute, die einer nach dem anderen anfingen, intensivst zu gähnen. Einige nickten sogar ein. Es war die Hölle, zumal Gähnen ja ansteckt! Also habe ich mich an einen alten Ratschlag erinnert, nicht Leute direkt zu fixieren, sondern mir innerhalb des Publikums feste Punkte zu suchen. Es gab da links und rechts zwei Balken.

    Ich habe für diese beiden Balken mein Bestes gegeben. Und war vollkommen fertig. Und dann kamen hinterher Leute reihenweise, die sich entschuldigten. Es sei ja so spannend gewesen und bewundernswert, dass ich nicht mitgegähnt hätte.

    Der Grund für die plötzlich ausbrechende Schlafkrankheit: Der Saal war übel überheizt und schon zu Anfang mangelte es an Sauerstoff. Auf der Bühne dagegen zog es aus den Hinterräumen, so dass ich gar nicht mitbekam, wie mein Publikum in der Bratröhre schmorte...

    Und dann habe ich ja noch den Altersvorteil. Falls einer an Tisch Sieben ständig leicht den Kopf schüttelt, kann ich das mit der Brille, die ich für den Auftritt brauche, gar nicht erkennen, ob er nicht die Speisekarte meint. ;-)

    Ich bin da ganz zuversichtlich, ich war noch nie zu schnell fertig...

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