Buchhandel on oder off

Passend zum letzten Thema gibt es Lesestoff in Sachen Buchhandel. Gar nicht so einfach scheint die Sache mit den Schubladen zu sein, zumal seit einiger Zeit zwei viel größere Schubladen angeblich gegeneinander kämpfen: Offline-Buchhandel, also stationärer, und Online-Buchhandel. Wer wird gewinnen?

Zwei Beispiele zeigen, dass es angebrachter wäre, die Scheuklappen von den Augen zu nehmen und zu erkennen: Unsere Welt ist längst keine gespaltene mehr. Virtuelle Welt und "real life" durchdringen sich gegenseitig.

Die Stuttgarter Buchhändlerin Susanne Martin, die auch als @SchillerBuch twittert, argumentiert im Börsenblatt eindrücklich, warum keine Buchhandlung auf einen Web-Auftritt verzichten sollte. Tatsächlich habe auch ich mich schon mehrfach geärgert, dass ich vor einer Reise in fremde Städte zwar jeden Orthopäden oder Handtaschenladen in der Suchmaschine finde, aber selten wenigstens eine aussagekräftige "Visitenkarte" der ortsansässigen Buchhandlungen. Und wenn ich bei meinem Leib- und Magenbuchhändler bequem und jederzeit per Mail meine Bestellung loswerden kann, um erst dann zu ihm zu fahren, wenn alles da ist, so bindet mich das erst recht an den Laden. Mein Buchhändler ist sogar so vif, dass er mir per Mail Vorschläge für Recherchen oder Bücher zu bestimmten Themen macht - nicht zu reden von den zufälligen Fundstücken, die ich dann im Laden noch zusätzlich einpacken lasse. So zeigt auch Susanne Martin: Die Kunden von heute bewegen sich on- wie offline. Wohl dem, der sie an beiden Orten abholen kann.

Allerdings ist der ach so grenzenlose Onlinehandel dann oft nicht besser als das schlecht sortierte Geschäft im echten Leben. In dieser Hinsicht sorgt Hugendubel derzeit für sehr negative Schlagzeilen. Anspruchsvolle Kunden, die glauben, in einem Onlineshop seien tatsächlich alle im VLB gelisteten Bücher auch käuflich zu erwerben, unterliegen nämlich einem Irrtum. Der Hugendubel Verdi Infoblog will wissen, dass Hugendubel scheinbar mit Methode Bücher aus dem Programm wirft, die der katholischen Kirche nicht passen könnten. Bücher zu Kirchenkritik und Homosexualität seien besonders betroffen.
Die Aufregung darum verstehe ich allerdings nicht so ganz: Ein Austritt als Kunde dürfte leichter zu bewerkstelligen sein als ein Kirchenaustritt.

Support your local hero ;-)

Kommentare:

  1. Sehr schön und sehr wahr.
    Da könnte ich eigentlich gleich mal positiv-Werbung für meine Lieblings-Buchhandlung in Nürnberg machen:

    Buchhandlung Jakob, ein alter Familienbetrieb in x-ter Generation, wo man mir wirklich zu JEDEM Buch, bei dem ich eine Frage hatte - egal ob Fachbuch, Belletristik oder ganz Seltsames - eine fundierte Auskunft geben konnte. Flankiert in der selben Straße von Hugendubel, Thalia UND Joker kämpfen sie tapfer um's Überleben.

    Online hier zu erreichen:
    http://www.buch-jakob.de/

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  2. Das ist aber jetzt die einzige offene Firmenwerbung, die ich in diesem Blog nicht zensiere (!!! gibt sonst so viele Spam-Schmeißfliegen) - weil ich finde, wir Autoren und auch die Leser, die in Zukunft noch Vielfalt wollen, sollten ein Herz für solche Buchhandlungen haben.

    Wenn ich bei schönem Wetter endlich dazu komme und mehr Zeit habe, will ich zu diesem Thema im Blog auch ein Interview führen.

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  3. Danke für den Hugendubel-Hinweis, das Blog kannte ich noch gar nicht.

    Klar, man muss nicht bei Hugendubel kaufen. Aber das Blog wird ja von Leuten geschrieben, die bei Hugendubel arbeiten und das weiterhin gerne tun würden, ohne sich wie der verlängerte Arm des katholischen Fundamentalismus zu fühlen.

    Die Entwicklung scheint aber immer mehr weg von der Buchhandlung hin zum Kaufhaus zu gehen. Ein zentrales Warenwirtschaftssystem für alle Filialen ersetzt z.B. die Auswahl der Titel durch die am Ort für ein Fachgebiet verantwortliche Person, das war jedenfalls die Tendenz vor einigen Jahren.

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