"Man muss eigensinnig sein"

Absolut lesenswert, weil nicht nur vergnüglich, sondern auch nachdenkenswert: Das Interview des Börsenblatts zwischen den beiden Verlegern Klaus Wagenbach (Wagenbach Verlag) und Andreas Rötzer (Matthes & Seitz): "Wir sind ein Gewerbe voller Verrückter".

Ich lege es vor allem AutorInnen ans Herz, die sich fragen, wann denn endlich statt Durchfall der Durchbruch kommt, wie man mit dem Zeigefinger von Coach und Seminarleiter die Bestsellerformel berechnet und was man so alles beachten muss, wenn man schon alles beachtet hat. Vergesst alle Instanttipps aus Ratgebern und Foren! Was da über Verleger gesagt wird, wirkt nämlich auch bei Autoren, etwa:
"Ich glaube auch, dass man Glück braucht, aber man kann dem Glück den Boden bereiten mit einem Programm, das möglichst unerschrocken einer eigenen Idee folgt, man muss sich treu sein - oder sich finden [...]. Es geht darum, den Geist der Zeit in sich zu tragen, ohne dem Zeitgeist auf den Knien zu liegen." (Zitat Rötzer)
 oder Zitat Wagenbach:
"Man muss eigen-sinnig sein im Wortsinn."
Außerdem ist die Rede vom Einfangen der wilden Leser und von charakterlosen Buchhandlungen, vom Ernstnehmen von Autorenwünschen - und warum Frauen mehr können als Männer, sich aber manchmal zu wenig zutrauen.

Kommentare:

  1. seit ich hier mitlese, hat sich mein Horizont erweitert. danke.

    einen angenehmen Tag wünscht
    Josefa

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  2. Ich danke ebenfalls und wünsche ein herzliches Willkommen, Josefa!
    Allerdings geht der Dank in diesem Punkt ans Börsenblatt...
    Schöne Grüße,
    Petra

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  3. Ja, da war sie wieder, die Sache mit dem eigenen Programm / der eigenen Stimme / dem eigene Thema / dem eigen 'Branding' / dem eigenen Tiger der Angst. Man glaubt ja nicht wie schwer es sein kann, statt:

    "Wie soll/will ich sein?" (bzw. schreiben)

    einfach mal die Frage zu stellen:

    "Wer bin ich und was habe ich zu erzählen?"

    Im Alltag verwischen die Fußspuren von Intuition und Inspiration ganz schnell, wenn Angepasstheit und Marktorientierung drüber trampeln.

    Hilft eine Harke? Oder sollte ich Gräser säen?

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  4. einfach mal die Frage zu stellen: "Wer bin ich und was habe ich zu erzählen?"
    Die Frage zu stellen, ist sicher einfach.

    Hilft eine Harke? Oder sollte ich Gräser säen?

    Weder noch! Ziehen Sie ringsherum einen Zaun.

    Das geht aber nur, wenn das Terrain Ihr Eigentum und schuldenfrei ist und Sie nicht Gras sähen müssen, um sich davon zu ernähren.

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  5. Lieber Heinrich,
    Sie glauben gar nicht, wie schwer es ist, sich die Frage "Habe ich etwas zu sagen" selbstkritisch zu stellen. Eine Flut nichtssagender Manuskripte wird jährlich von Verlagen abgelehnt (und eine andere Flut aus anderen Gründen).

    Mit Ihrem letzten Satz haben Sie recht, man muss natürlich unbestechlich sein, also in einer Situation leben, in der man Nein sagen kann. Trotzdem möchte ich behaupten, dass eine solche Situation eher im Kopf entsteht als wirtschaftlich (Ausnahme: echte Not). Denn auch ein armer Künstler kann sich sagen: "Was habe ich denn noch zu verlieren? Jetzt kann ich mir alles leisten, auch den Eigen-Sinn".

    Schöne Grüße,
    Petra

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