Buy-out bald out?

Auch wenn die Urteile noch nicht rechtskräftig sind, gibt es doch gute Nachrichten für freiberufliche Journalisten: Durch eine einstweilige Verfügung ist zuerst einmal die Rahmenvereinbarung der ZEIT für freie Mitarbeiter vom Tisch, die einen Buy-out vorsah. Die Verlage Springer und Bauer scheiterten ähnlich.

Was ist eigentlich ein Buy-out?
Weil freie Journalisten kaum von Texthonoraren leben können, war es früher üblich, den eigenen Artikel mehrfach zu verwerten. Man schickte ihn an mehrere Zeitungen im Land, und wer ihn exklusiv haben wollte, zahlte ein entsprechend höheres Honorar. Bei geschickter Mehrfachverwertung konnte man sich so über Wasser halten.

Dann erfanden Zeitungsverleger die Methode, selbst mehr Geld zu machen: durch Buy-out fremden geistigen Eigentums. Unter Buy-out-Verträgen tritt der freie Journalist alle Rechte an seinem Text an eine Zeitung ab. Er bekommt dafür allerdings kein höheres Honorar, das für die entgangene Mehrfachverwertung entschädigen würde. Er bekommt auch kein Exklusivhonorar, das höher sein sollte als für ein einfaches Abdruckrecht. Er bekommt vielmehr das oft jämmerliche, bei vielen Zeitungen seit Jahren rückläufige Honorar - und verzichtet auf jeden weiteren Verdienst aus seiner geistigen Leistung.
Dafür "verwertet" die Zeitung seinen Artikel mehrfach, online, in Datenbanken, bei Partnerunternehmen. Und streicht das Honorar, das früher der Journalist selbst verdienen konnte, ins eigene Säckel - ohne jede Provision für den Autor.

Ein Grund übrigens, warum ich persönlich journalistisch die Beine hochlege. Es lohnt sich nicht mehr. Ich habe keine Lust, für andere "anschaffen" zu gehen. Und die Bruttohonorare für den Einmalspaß sind lausig.

Wer sich diesen Luxus der persönlichen Verweigerung nicht leisten kann oder will*, ist bei den Freischreibern gut aufgehoben. Die haben nämlich den Protest von 50 ZEIT-Autoren organisiert und kämpfen wie DJV und Verdi für die Abschaffung der Buy-out-Klauseln.
Buy-out sei Enteignung, sagen sie zu Recht.

* Man muss Buy-out-Verträge nicht unterschreiben und kann entsprechende Klauseln kommentarlos streichen. Natürlich kommt dann oft die Erpressungsmasche, dass man keinen Auftrag bekommt. Deshalb ist es wichtig, dass sich freie Journalisten im großen Maßstab, am besten organisiert, verweigern.


Ich berichtete bereits über:

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