Grenzgängerei

Dann will ich mal das Geheimnis lüften, was es ständig im Wald zu tun gibt und woran ich arbeite, wenn ich nicht gerade Bücher schreibe oder eines übersetze.

Stichwort Grenzwald: Genauer gesagt handelt es sich um die Orte Nothweiler (Pfalz) und Wingen (Elsass), also den Naturpark Pfälzer Wald und den Parc régional des Vosges du Nord, die beide Biosphärenreservat der UNESCO sind (gemeinsame Webseite, dt / fr.). Die Zollgrenzen und Schlagbäume im Wald sind seit Schengen zwar verschwunden, das Gebiet liegt aber auf französischem und deutschem Boden.

Das Projekt: Zwischen beiden Gemeinden soll in deren Auftrag ein Rundwanderweg entstehen, der den Einheimischen wie den Touristen zweisprachig das Phänomen der Grenzüberschreitungen näherbringen soll - in Themen wie Geschichte, Kultur, Natur etc. Ein Handbuch in Broschürengröße wird die Installationen vor Ort ergänzen und vertiefen. Dabei legen wir viel Wert auf Erlebnischarakter statt pädagogischem Zeigefinger. Gefördert wird das Projekt durch Pamina 21.

Das Team: Wir - das ist ein nicht nur perfekt zweisprachiges, sondern auch bikulturelles Grüppchen. Die aufwändige Koordination auf Europaebene und bei den Kommunen erledigt Josiane Podsiadlo. Andreas Mischke von Amides entwickelt alles, was mit Kommunikation, Design, Layout, Fotografie etc. zu tun hat. Dazu gehört, dass bei diesem Konzept nicht die üblichen gewohnten viereckigen Tafeln in der Landschaft stehen werden, sondern künstlerisch gestaltete Objekte. Mato Suss ist die Künstlerin, die sie entwirft und sich von Landschaft und Inhalten inspirieren lässt. Und Petra van Cronenburg (D) arbeitet zusammen mit Josiane Podsiadlo (F) an allem, was Dokumentationsrecherche, Texten und Übersetzen betrifft.

Der grenzüberschreitende Weg: Im nächsten Frühjahr bereits zu erwandern, komplett ... wir arbeiten auf Hochtouren.

So klingt das also, wenn man das Projekt knapp und knöchern darstellt. Die eigentliche Arbeit ist unwahrscheinlich komplex und (be)reich(ernd), weil sie im ständigen - mehrsprachigen - Dialog mit Landschaft und Menschen stattfindet. Dazu gehört auch, dass man sich intensiv mit der Geschichte und Kultur der Region beschäftigt, aber auch mit Themen wie Natur- und Landschaftsschutz und nachhaltigem Tourismus, mit kommunalen und politischen Strukturen ebenso wie mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Mentalitäten. Kommen die beruflichen Orientierungen im Team dazu, die sich fabelhaft ergänzen - und das Arbeiten mit verschiedenen Medien der Kommunikation.

Kurzum, das ideale Kontrastprogramm zum Schriftstellern im einsamen Kämmerchen - perfekte Erdung nach Buchfiktionen. Und zwischen meiner Arbeit als Buchautorin und Übersetzerin bildet das eine passende Brücke, von den Inspirationen ganz zu schweigen. Ich witzle schon jetzt: Bücher verramschen Verlage heutzutage oft schon nach wenigen Monaten und Ebooks werden auch einmal ganz schnell vom Händler gelöscht. Die Texte, die ich jetzt schreibe, sollen dagegen Unwetter und Winter überstehen ... das ist doch mal was. Und dass mich das Thema Grenzgängerei nicht nur hier im Blog ständig zwickt, sondern auch im Hinterkopf unter dem Stichwort Literatur, braucht nun nicht mehr zu verwundern.

Den Wasgau, wie man das Burgenland zwischen Elsass und Pfalz auch nennt, kann man übrigens nebst Rezept mit Kastanien und einem für Kougelhopf in meinem Elsassbuch erleben - siehe die hemmungslose Werbung rechts im Menu.

Notiz: Das Foto im letzten Beitrag zeigt die Aussicht von der Straße, die auf Pfälzer Seite nach Nothweiler hinaufführt (zum Vergrößern anklicken)

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