Dolce Vita

Eben habe ich nach Endkorrektur meine Übersetzung in den virtuellen Äther geblasen und mache Feierabend, ein Wort - so habe ich aus dem Theaterstück gelernt - das die Franzosen als Gruß (schöner Feierabend) nicht kennen.

Was macht eigentlich eine Autorin, die zwei Wochen mit Doppelschichten hinter sich hat? Richtig: Sie gibt das Schreiben auf. Wenigstens für kurze Zeit. Jetzt wird erst mal gefeiert, indem ich mir eine fremdländische Speise koche, "Lewwerknepp" (sagt man das so?) habe ich mir aus der Pfalz mitgebracht, und hoffe, sie revoltieren nicht im Magen, wenn man französischen Wein dazu trinkt.

Morgen ist dann der arg vernachlässigte arme Hund dran. Riesenwaldspaziergang, bei dem wir dann oben auf dem Berg wieder den Proviant miteinander teilen. Und mir anschließend all die "Zeitverschwendungen" gönnen, die man während des Schreibens verdrängt. Was einem manchmal den Eindruck vermittelt, entweder würde die Zeit nur so dahinrasen oder das Leben verschwendet oder beides zusammen.

Ich würde gern wieder einmal der Nase nach durch die Welt fahren, erst kurz vor jeder Kreuzung entscheiden, welche Richtung die schönere sein könnte, ohne auf Ortsnamen und Karten zu schauen. Ich würde gern einmal wieder einen Markt besuchen oder den Hofladen eines Gemüsebauern, Frische, Farben und Düfte inhalieren, mich auf Geschmäcker freuen. Oder gehe ich endlich in die Sonderausstellung über die Markgräfin Sibylla Augusta in Rastatt, bevor es zu spät ist? Ins Museum Frieder Burda wollte ich außerdem... Ständig verschiebe ich so etwas auf Regentage - und wenn man schreibt, nimmt man Regen bekanntlich nicht mehr wahr.

Ich stelle fest, man muss kein Franzose sein, um das Wort "Feierabend" nicht zu kennen. Schriftsteller haben da durchaus nicht nur Sprachdefizite. Ich ahne jetzt schon: Wenn ich zur süßen Faulenzia über die Grenze fahre, tippe ich zwar nicht, denke aber daran, dass dort ja mein Roman spielt. Und so werde ich zur "Handlungs"reisenden...

Kommentare:

  1. Ach, LEBERKNÖDEL sind das! Da muss ich an die Berge von Choucroute Garnie denken, die wir früher im Elsass verspeist haben.
    "Handlungsreisender" finde ich übrigens genial.

    Herzliche Grüße, und genieß alles schön
    Christa

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  2. Jaja, die Leberknödel. Als ich diese auch für mich fremdländische Speise bei einem pfälzischen Winzer zum ersten Mal auf dem Teller hatte, fragte ein französischer Freund am Tisch mit kugelrunden Augen: "Das ist lustig, ihr spielt in Deutschland gern Golf und ihr esst auch unheimlich gern Golfbälle?" Und dann berichtete er von einem eigenartigen Essen, gelblichen Kugeln, die wie Gummi auf dem Teller hüpften, wenn man sie von oben fallen lasse...
    Tja, Knödel muss ich tatsächlich selbst machen oder importieren - die sind in Frankreich unbekannt.

    Herzliche Grüße,
    Petra

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