Bücher wie Brei

Allerorten wird darüber nachgedacht, ob das Abendland nun endlich untergeht und wo die Ursachen schlimmster Verblödung liegen. Dabei ist es ganz einfach: Die moderne Verblödung lauert in den immer dümmeren Büchern, mit denen sich der Buchmarkt langsam aber sicher dem Primitivismus anheim gibt.

Dabei kann man heutzutage alles innerhalb von drei Tagen lernen, ja Buchhaltung sogar in drei Stunden. Wen wundert es dann noch, dass sich auch die Schriftstellerei nach Ratgebermanier, fein nach Anleitung, in ebenfalls drei Tagen erlernen lässt! Man hat nichts dabei zu lernen, sondern nur vieles zu verlernen; nichts zu erfahren, sondern manches zu vergessen. Jeder Mensch kann das, weil jeder Mensch denken und schreiben kann.

Bestseller werden heute nicht mehr von Schriftstellern mit Rückgrat und Charakter geschrieben. Je unreflektierter ein Text, je mehr mit prallem Leben und Sachen gespickt statt mit Wissen, Reflexion und Können - desto mehr hat solch ein Buch Aussichten auf den ganz großen Massenerfolg. Dabei stehen die Chancen für seichte und dümmliche Literatur so gut wie nie: An nichts ist größerer Mangel als an Büchern ohne Verstand.

Viel Lärm um Schund herrscht auf dem Buchmarkt, jeder trötet einem lauthals seine Werbung entgegen. Sicherlich ein guter Weg, dabei als Autor seine Intelligenz zu verlieren, aber noch empfehlenswerter wäre es, erst einmal die Bücher im eigenen Heim wegzuwerfen, auch wenn es schwer fällt! In der Kunst, sich unwissend zu machen, ist die wahre Kunst der Selbsterziehung die nötigste, die schönste, aber die am seltensten und am stümperhaftesten geübt wird.

Das Volk ist Brei, Bücher sollen wie Brei werden - und wer es beherrscht, im Einheitsbrei zu rühren und kräftig mitzumischen, ist der Schriftsteller der Zukunft!

Ja ja, man könnte heulen angesichts der Lage. Eine schimpfliche Feigheit, zu denken, hält uns alle zurück. Drückender als die Zensur der Regierungen ist die Zensur, welche die öffentliche Meinung über unsere Geisteswerke ausübt. Die Meinung ist die Küche, worin alle Wahrheiten abgeschlachtet, gerupft, zerhackt, geschmort und gewürzt werden.

So kurz vor dem Untergang des Abendlandes in seiner unendlichen Verblödung - gibt es da noch Auswege? Sind unsere Buchhandlungen noch zu retten vor billiger Abgreifware? Vielleicht, denn nicht an Geist, an Charakter mangelt es den meisten Schriftstellern, um besser zu sein, als sie sind. Aus Eitelkeit entspringt diese Schwäche. Ja, Rettung gäbe es. Wer auf die Stimme seines Herzens hört statt auf das Marktgeschrei, und wer den Mut hat, lehrend zu verbreiten, was ihn das Herz gelehrt, der ist immer originell. Aufrichtigkeit ist die Quelle aller Genialität...

Nein, dieser Beitrag ist nicht von mir. Ich habe mir nur erlaubt, die herrlich ironischen Gedanken des großen Stilisten, Essayisten und Journalisten Juda Löw Baruch, auch als Ludwig Börne bekannt, ins Moderne zu übersetzen. Originalzitate in Kursivschrift. Sein Text "Die Kunst, in drei Tagen zum Originalschriftsteller zu werden" stammt von 1823.

Kommentare:

  1. Offensichtlich ist das Verständnis von Ironie seit dem Jahr 1823 ebenfalls kontinuierlich gesunken. Weil ich vorhin eine entsprechende entsetzte Zuschrift bekommen habe, möchte ich noch einmal klarstellen: Ich habe zwar manchmal ein Schandmaul, aber ich bin wirklich nicht Ludwig Börne.

    Ich hab dann mal ebenso entsetzt geguglhupft: "wie funktioniert Ironie" - tatsächlich, der moderne Internetuser steht da ziemlich allein im Regen.
    Ob ihm der fortschrittsgläubige Settembrini in Thomas Manns (ein Meister der feinen Ironie!) Zauberberg weiterhelfen kann: "„Ach ja, die Ironie. Hüten Sie sich vor der hier gedeihenden Ironie, Ingenieur!"

    Aber dem Inscheniör ist nichts zu schwör, wenn er erfährt (Quelle: Wikipedia): "dass Ironie nur verstanden wird, wenn der Empfänger kritisch mitdenkt." Vorsicht also mit Wikipedia-Niveau, demnach bin ich hier eine tragische Ironikerin: Ich tue ahnungslos, obwohl die Katastrophe direkt und erkennbar bevorsteht...

    Ironically yours,
    the author

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  2. Ich möchte hier gerne aus dem Film "Conair" zitieren, ein Film über gefangene, die ein Flugzeug entführen, mit dem sie transportiert werden.
    In einer Szene tanzen sie dann zu dem Lied "Sweet Home Alabama" von Lynyrd Skynyrd.

    Die Szene wird von einer der Figuren so kommentiert:
    "Definiere Ironie. Ein Haufen Idioten tanzt in einem Flugzeug zu einem Lied das von einer Band gesungen wurde, die durch einen Flugzeugabsturz berühmt wurde."

    Fiel mir nur grade so ein. :)

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  3. Herrlich... und dann noch "sweet home"...
    Fallen mir übrigens gleich noch sämtliche Monty Python Filme ein!
    Grüßle,
    Petra

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