Aufgeräumt

Madame schuftet heute auf dem virtuellen Speicher: Aufräumen ist angesagt. Nach einem kleinen Frühjahrsputz ist hoffentlich das virtuelle Aushängeschild wieder auf dem neuesten Stand. Außerdem habe ich entdeckt, dass mein neuestes Rennomierprojekt bald zu haben ist. Irgendwie kann ich immer noch nicht ganz glauben, dass ich das war, die das geschafft hat...

Zwiespältiger waren meine Gefühle beim Aktualisieren sämtlicher Veröffentlichungen und der Projekte in Planung. Auf der einen Seite empfinde ich eine seltsame Mischung aus Scham, Panik und Verzweiflung darüber, dass es nur die Engländer, Litauer und Italiener schaffen, noch Bücher von mir zu verkaufen. Abgesehen von ein paar Elsass-Hörbüchern, deren Verlag schon keine Website mehr hat, bin ich in Deutschland derzeit unsichtbar, nicht mehr existent, weg vom Fenster. Ein Nichts. Bitter lachend könnte ich mich jetzt Möchtegernautorin nennen.

Auf der anderen Seite erfüllt mich die Liste mit Staunen und Stolz. Was für einen weiten Weg habe ich zurückgelegt! Wie hart und vielseitig habe ich gearbeitet, welche Verlage habe ich begeistern können! Wie verrückt die Produktionen teilweise verliefen...

Ich erinnere mich noch, wie ich in der Endphase meines Erstlings von Polen nach Frankreich umziehen musste und sämtliche Daten im Handgepäck nicht aus den Augen ließ, weil ich dem Umzugsgut nicht ganz traute, ob es auch alles heil ankommen würde. Wie sich beim zweiten Buch gleich zwei Verlage um mich rissen und ich mich schweren Herzens für ein Angebot entscheiden musste. Nicht ahnend, dass bald beide Verlage untergehen würden. Ich fühle noch die Aufregung, als mir die BBC mailte und um meine Telefonnummer bat - was muss ich gestammelt haben! Ich bin schier gestorben vor Aufregung, als ich den Regisseur und Kameramann am Flughafen Entzheim abholte und nach Straßburg chauffierte. Im letzten Augenblick hatten uns alle interessanten Institutionen die Drehgenehmigung für ein Live-Interview verweigert und auch das Museum für moderne Kunst ließ sich von der BBC nicht beeindrucken. Nie werde ich vergessen, wie die Chefin des Museumsrestaurants uns kurzerhand zu sich bat und wir von dort - ohne ihr Wissen - frech durch eine Hintertür in einen Gang mit prächtiger Aussicht schlichen. Und ich sah aus, wie man aussieht, wenn man gerade eine private Katastrophe hinter sich hat...

Auf falsche Ratgeber und Markt-Trend-Schwätzer bin ich in all den Jahren gefallen, auf jede Menge harte - wertvolle wie demontierende - Kritiker und auf wenige Menschen, die meine Stärken herauskitzelten und mich motivierten. Manche halfen mir, die zu werden, die ich jetzt bin. Furchtbar naiv war ich, viel zu beeinflussbar und unsicher, aber auch ehrgeizig und nicht unterzukriegen. Bis die Routine kam, der Hornhautmantel und dann die Erkenntnis, dass nur ich selbst wissen kann, wohin es mit mir gehen soll. Nach all den Jahren ist die Liebe zu Büchern und bestimmten Themen gewachsen - und ein eiserner, unerschütterlicher Wille dazu. Ich muss ja schreiben. Ich könnte sonst genauso gut das Atmen einstellen.

Drei Verlagsverkäufe, zwei Verlagspleiten, eine Fusion und zwei radikale Programmumgestaltungen habe ich überlebt. Jetzt bin ich selbst ein leeres Blatt, meine Bücher gibt es im Handel derzeit nur noch antiquarisch. Ich könnte heulen.
Stattdessen schlage ich einen neuen Band meines Lebens auf. Darin werde ich die alten Fehler nicht mehr machen, sondern neue. Vor allem aber bin ich jetzt endlich reif dazu, nur noch die Bücher zu schreiben, die mir selbst wirklich ganz und gar am Herzen liegen und in der Feder brennen. So eine plötzlich zum Nichts gewordene Schriftstellerin kann es sich leisten, rücksichtslos neu anzufangen. Mit Partnern, die zu mir passen und mit Büchern, in denen ich meine Stärken austoben kann.

Der Melancholie zuliebe werden ein paar der "alten Schinken" 2011 neu aufgelegt. Das wären als erstes natürlich mein Elsassbuch, dem sollen dann meine beiden Romane folgen. Und dann wird es Zeit, endlich wieder ein gutes neues Buch zu schreiben. Mein Nijinsky-Projekt weist mir den Weg...

Kommentare:

  1. in Deutschland unsichtbar? Ein Fall fuer Leszek? Wo ist PvC!?

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  2. Haben Sie mal eine Scheffin, deren jedes zweite Wort "Schaffenskrise" ist und die nur immer schafft. Das schafft einen. Wäre sie lieber Schaffnerin geworden.

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  3. ha jo, da wer se jetscht im Warnstreik.

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  4. Für mich und für die Leser deiner Bücher wirst du immer sichtbar bleiben, Petra, ob sie nun hier oder anderswo verkauft werden! Und dein beispielloser Kampfgeist ist und bleibt ansteckend.

    Herzlichst
    Christa

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  5. Männer, genau euren Humor habe ich gebraucht, danke! Trecker fahren wäre noch besser ... wie Otto... ;-)))Liebe Christa, du hast ja auch schon einiges hinter dir und schreibst immer weiter - auch das ist ein Vorbild!
    Herzlichst,
    Petra

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