roccultur 03

roccultur: Beißfester als Popkultur, authentisch wie Rocco, unser französischer Korrespondent von der berüchtigten Beauceron-Berger-Belgique-Connection.
Erschnüffelt vom Bodensatz der Feuilletons, herabgezerrt aus den Höhen des Kulturbetriebs. Kurz, knapp, mit einem Wau. Kunst und Literatur, geprüft auf Fresswert und Lustgewinn, bewertet zwischen Schlafen und Schlaraffen. Ein Happs und weg? Oder zum genüsslichen Dauerkauen geeignet? Roccultur hat Platz auch in der kleinsten Hütte.

JUGENDFREI

Aus aktuellem Anlass heute mit einem Kunst-Happening der ganz besonderen Art - aus dem Land, wo Bayern Franken sind und Franken keine Bayern.

Volkach heißt das idyllische Kulturstädtchen, das schon in den Medien von sich reden machte, und wer es bisher nicht kannte, braucht sich nicht zu schämen. Es liegt ungefähr dort, wo sich Main und Wein gute Nacht sagen, also in Unterfranken, etwas abgelegen von den brodelnden Kunstzentren der Welt. Das könnte jetzt anders werden.

Unter der Kuratorenschaft des Bürgermeisters soll am 9. Februar ein in Deutschland einmaliges Kunsthappening in der Gemeinde stattfinden, das jetzt schon in der Kunstwelt für Aufruhr im Gedärm sorgt:

Scatology meets feet

Happening auf dem Platz vor der Kläranlage mit anschließendem Sektbuffet im Rathaus von Volkach. Beginn 19:30 Uhr. Sagen jedenfalls irgendwie informierte Kreise.

DIE MÜFFELNDE VORGESCHICHTE

Worum geht es? Ich will es dezent und durch die duftende Blume erklären. In einem Dorf in meiner Nähe gibt es einen Menschen, den die anderen Menschen einen Scheisskerl nennen. Als er es wieder einmal zu weit getrieben hatte, sammelten einige Betroffene ihre Exkremente und schickten sie ihm in einem anonymen Päckchen. Die Polizei konnte die Täter der duftenden Schmierpost nie ermitteln.

Denn leider waren von den Scheissern nie DNA-Fingerabdrücke (sagt man da Finger?) genommen worden und der Dorfarzt verwies auf seine Schweigepflicht, was die Abstriche zur Krebsvorsorge betraf. Unter einem Innenminister Schäuble wäre dies mit einer effektiven Kloüberwachung und Hosenrasterfahndung natürlich nie einfach so durchgegangen. Hätten wir Hunde das Sagen, hätten wir die Urheber natürlich sofort errochen und mit dem Schwanz gewedelt.

Der Bürgermeister und seine Mannen hatten nun ein ähnlich gelagertes Problem in Volkach. Verschärft durch die Tatsache, dass jeder Täter durch mindestens einen Helfershelfer, der Schmiere stand, gedeckt wurde. Heimlich still und leise wurden braune Eier gelegt, dass einem schier österlich ums Herz wurde. Kurzum, ein "kreuzige ihn!" lag manchem vielleicht schon auf den Lippen, ein Kreuzzug sollte daraus werden.

Der Bürgermeister von Volkach war nicht so dumm wie unser Bürgermeister ums Eck. Er kennt nämlich die perfekte Lösung für das stinkendste Verbrechen an der Menschheit: Die DNA-Verbrecherkartei. In "Die Welt" konnten wir erfahren, wie tapfer er mit seinen Mitstreitern die Totalüberwachung in Volkach durchzusetzen sucht. Der Artikel sorgte für Furore. Unvermutete Synergien aus der ganzen Republik stürzten auf Unterfrankens öffentliches Örtchen ein. Die Idee für das Happening war geboren.

RASANTER ALS RASTERFAHNDUNG

Wie aus möglicherweise informierten Kreisen verlautet, soll Innenminister Schäuble die Schirmherrschaft für das Event übernehmen. Die Bemerkung des SPD-Fraktionssprechers über Korruption bei der Bahn hat diese dazu veranlasst, den Volkacher Totalüberwachungsspaß zu sponsern und Billigfahrkarten für das große Ereignis auszugeben. Madame Tussot soll als Leihgabe einen originalgetreuen Blockwart zur Verfügung stellen, ein Double vom Tom Cruise hält die Eröffnungsrede. Man überlegt, ob das neue Mehrzweckfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr nicht ein ideales Transportmittel für die gesammelten Kunstobjekte sein könnte.

Sollte "Scatology meets feet" - frei übersetzt "unterm Pflaster droht der Strand" - erfolgreich sein, so erwägen vielleicht informierte Kreise, die große DNA-Sause im nächsten Jahr zu wiederholen.
"Wir könnten das mit einem Kongress von Rechtsmedizinern und Staatsanwälten verbinden", sagte ein uninformierter Kreisender, "sobald die Bankenkrise auch die Juristen trifft, die ja auch nicht wenig Geld angelegt haben, wäre das unser Beitrag für neue Aufgabengebiete und Honorarquellen. Mit der Untersuchung menschlicher Täter-Hinterlassenschaften sind unsere Rechtsinstitute und Gerichte auf die Dauer einfach nicht ausgelastet."

AUSWEG AUS DER KRISE

Mein Tipp
: Auch wenn sie Volkach nie besuchen können oder das aufgrund gewisser Animositäten ihres geliebten Fifi ohnehin unterlassen wollten, machen Sie trotzdem mit:
Scheissen Sie für Deutschland!

Jede Stinkbombe, die sie im öffentlichen Raum hinterlassen und in Zukunft nicht mehr verschämt ins Tütchen stecken, ernährt Tausende notleidender Juristen, Rechtsmediziner und den Vorstand der deutschen Bundesbahn! Jedes Duftebröckchen, das sie in Zukunft nicht mehr entsorgen, macht Deutschland ein wenig sicherer! Als Dank für eine stetig wachsende Gen-Datenbank spendiert Ihnen das Innenministerium Verbrecherfotos künftig zusammen mit Hund - das ideale Geschenk für die ganze Familie.
Nicht zuletzt bringen die fröhlichen Tretminen nicht nur Farbe ins Alltagsgrau, sondern auch Happenings in ein Land, dass heftig und mächtig an seiner Kultur spart.

An alle Bürgermeister:
Die Kunstgeschichte lehrt uns, dass Stinkeskandale ein ideales Marketinginstrument für den regionalen Tourismus bedeuten. Nirgends machen Menschen so gern Urlaub wie an Orten, wo man sich völlig gehenlassen kann.

Künstlerische Studienobjekte:


Bleiben Sie stark, lassen Sie sich keinen Gummiknüppel für einen Knochen vormachen, und alles wird gut!
Eine geruhsame Nacht,
yours truly Rocco - heute mit einem besonders kräftigen HELAU.

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