Emigracja

Eben trifft mich wie ein Hammerschlag die Erkenntnis, dass ich in diesem Jahr 20 Jahre Emigration feiere, wobei ich abzüglich der vier Jahre in Polen nun also 16 Jahre in Frankreich lebe. Es korreliert seltsam mit der Stimmung, die mich in jedem Februar bei zunehmendem Licht ereilt: Es wäre eigentlich längst Zeit, weiter zu ziehen. Irgendwie geht mir die Sesshaftigkeit schon wieder auf die Nerven. Und dann dieses Heimweh nach dem Osten, das eigentlich kein Heimweh sein kann und mich doch zerreisst: Bin ich nicht da, sehne ich mich hin. Bin ich dort, kann ich das Bleiben nicht aushalten.

Und dann schlagen einem die eigenen, angeblich unbewusst erfundenen Projekte Schnippchen. Da sind die Koffergeschichten, die auf die Bühne wollen. Von Gina Grumbier, die im falschen Land landet und ihr Traumland sucht. Und da ist dieser Roman, in dem die Protagonistin nicht wagt, einen Koffer zu öffnen, ihren Koffer... Dieser Roman, der gegen alle Vernunft und wider jedes bessere Wissen nach Jahren immer lauter nach Aufmerksamkeit schreit.
Ach ja, der Dingens war auch ein ewig Reisender. Nirgendwo zuhause und überall.

Seltsame Stimmung mit Zugvogelahnungen. Manchmal kaum auszuhalten. Aber so oft ist es dann nur der kommende Frühling...

Kommentare:

  1. Dann warst du ja zur Zeit von Tschernobyl noch im unsicheren Deutschland und hast Pech gehabt, wo doch, nach Auffassung der Fanzosen, die verstahlten Teilchen an der Grenze zu Deutschland angehalten haben :)

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  2. Schlimmer, Alex, ich habe dann zehn Jahre nach dem GAU nur einen Tagesausflug entfernt von Tschernobyl gewohnt und fleißig masurische Bioprodukte gegessen, bis ich Jahre später durch die französische Presse erfuhr, dass die immer noch übel verstrahlt waren, was die Polen wiederum zensiert hatten.

    Heute, wo wir zum Glück endlich offene Grenzen haben, wissen es die Leute besser. Und in Zeiten des Internets sind solche Dementis schwieriger geworden. Inzwischen findet man uns aus Frankreich auch in pfälzischen und badischen Lokalen... ;-)

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