Output, Input und Hyperventilation

Da bin ich wieder. Leicht levitierend. Angefangen hat alles mit einer niedlichen Hyperventilation, die ich mir sonst nicht einmal bei plötzlichem Bergsteigen im Schnee zuziehe. Mein Dingens, sprich der Anfang, der bereits steht, hatte nämlich so etwas wie Uraufführung, gesprochen von der Autorin unter den kritischen Ohren der Verlegerin. Und obwohl ich Atmen und Sprechen einmal gelernt habe, vergaß ich das alles, trieb mich Dingens doch in den Schwindel. Das anschließende Urteil trieb mich in den Glückstaumel.

Etwa dreißig Minuten Text stehen nun also ziemlich fertig, abgesehen von ein paar auszutauschenden Wörtern. Inzwischen habe ich auch die Musik dazu auf den Ohren und bei einem der Stücke eine kleine Sensation entdeckt. Ganz zufällig, unbeabsichtigt, hat da jemand mit dem Dingens zu tun. Und der lebt jetzt nicht mehr nur in meinem Kopf, sondern hat sich aus dem Ei gepellt und macht Flugversuche in der Realität - ein kaum zu beschreibendes Gefühl.

Nun geht alles ganz schnell, denn im September / Oktober soll das Hörprojekt ja bereits erscheinen. Wer wird Dingens sprechen? Welche Stimme passt zu meiner Art Text? Wer wird verfügbar sein? Allein das Ausspinnen dieser Frage erzeugte den zweiten Schub an Hyperventilation. Ich glaube, ich werde am Tag vor den Studioaufnahmen vor Aufregung vergehen. Allein die Vorstellung, dass diese endgültige Geburt nicht maschinell über eine Druckerei laufen wird, sondern über einen lebendigen Menschen - kaum zu fassen. Jemand wird tiefer als jeder Leser oder Hörer in meinen Text einsteigen, sich mit der Gedankenwelt befassen, die über Monate mein Leben beherrscht. Den Dingens teilen... Zwei Tage Dingens-Mikrokosmos unter Ausschluss der Welt.

Ich musste nachher zwei Stunden lang mit dem Hund über die tauenden Wiesen rennen, um mich halbwegs zu erden. Alles ist so aufregend. Vor allem, wenn man so direkt in eine Produktion eingebunden ist, nicht einfach nur Text abliefert, irgendwer sagt: "schön haben Sie das gemacht", und das war es dann. Ab mit dem Manuskript in die Maschinerie. Diesmal ist das hohes Dingens-Fieber, unheilbar, schlimmste Nebenwirkungen: Euphorie und Energie. Und hoffentlich im Herbst dann mindestens so ansteckend wie die Vogelgrippe.

Bis dahin ist harte Arbeit zu leisten und ich muss noch ein Interview mit einem vorbereiten, der für viele ein Halbgott ist. Journalistisch sind das die größten Herausforderungen, weil man sich sehr gut vorbereiten und einlesen muss - und vor allem all das vergessen. Damit man den Menschen hinter den Bildern erkennt.
Selten war Arbeit so spannend, so beflügelnd, so hart und intensiv. Sie fühlt sich jedoch nicht wie Arbeit an, auch wenn der Schlaf fehlt - das ist ausgelebte Leidenschaft.

Und auf einmal passiert etwas, das Hanna Schygulla in einer Dokumentation über ihr Leben sinngemäß so beschrieb: In meinem Leben gab es immer wieder diese Zeiten, wo sich plötzlich ganz viele Kreise schlossen.

Kommentare:

  1. Na das klingt doch alles schonmal super. Ich freu mich. :)

    Kurz, knapp, bündig,
    Marco

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  2. Ein Hanna-Schygulla-Zitat! Ein Hanna-Schygulla-Zitat!

    http://www.youtube.com/watch?v=KspHzIKwQsk

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  3. Dieses Dingens macht mich immer neugieriger ... das muss ja ein echter Wunderwuzzi sein - was das alles losbrechen lässt!
    Ich wünsche dir ganz viel wundersames Fliegen und eine punktgenaue Landung!
    Und freu mich mit dir!
    Alles Liebe
    Gabi

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  4. Danke an alle fürs Mitfreuen!
    Der Wunderwuzzi (herrliches Wort) macht es mir ja extrem schwer, immer so geheimnisvoll zu schweigen - aber ich denke, wenn ich eines Tages aufdecken werde, worum es geht, werden auch Nichtkenner sagen: "Ah, der!" Zumal da noch ein ganz besonderes... nein, wird nicht verraten, top secret.

    @jueb:
    Wenn du die Schygulla auch so magst, musst du fast nach Frankreich kommen, da ist die grande dame äußerst aktiv und kreativ zwischen Videokunst, Theater und Musik!

    Herzlichst,
    Petra - wieder wunderwuzzend ;-)

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