Selbstdruck - nur zu!

Es ist schon verrückt, welches Furore mein Artikel über die derzeitige Schweigemisere in Verlagskonzernen macht und wie man ihn im Web so unterschiedlich interpretiert. Dummerweise platziert nämlich gerade ein Kaffee- und Krimskramsladen gleichzeitig eine Werbeaktion fürs billige und einfache Buch. Und so kommt es, dass einige Leutchen nun meinen, mein Artikel sei als Freibrief zu verstehen, es sich leicht zu machen mit Selbstverlag und ähnlichen Auswegen - oder gar als eine Werbung für die Billiganbieter im Do-it-yourself-Geschäft ansehen. Die sollten erst mal noch meinen Zusatz genau lesen.

Aber ... ich muss als Kaffeetrinkerin (italienisch) ganz klar und laut ins Web hinaustrompeten: JA! Verlegt eure Bücher selbst! Pfeift auf die bösen bösen Verlage. Druckt, was das Zeug hält, bastelt e-books, das bißchen Vertrieb und Marketing kann heute auch jeder selbst und im Internet kostet es ja nichts. Und Bücher kann man übrigens auch auf dem Wochenmarkt verkaufen.
Bitte, liebe Schreibende, die ihr fest und eisern daran glaubt, dass die Welt euer Manuskript braucht und die Autoren keine Verlage, tut es! Noch heute! In Massen!

Ich klinge sarkastisch? Klar, und wie. Ich bin sogar gemein.
Ich habe nämlich eine Utopie. Wenn die extremen Wartezeiten tatsächlich von der Arbeitsüberlastung der Verlagsangestellten verursacht werden, weil immer weniger Leute in den Verlagen immer mehr Arbeit machen müssen, und immer mehr Leute glauben, mal schnell Schriftsteller werden zu können, dann sollte man doch im Darwin-Jahr an so etwas wie eine natürliche (Kaffee)Auslese denken? Also mal so gesagt: PoD-Verfahren, selbstgebastelte e-books, Kaffeebücher für Tante Erna ... das alles wirkt wie ein Schnellreiniger von Verlagsschreibtischen!

Ob es arg verrückt klingt, einem gewissen Kaffeeröster rasenden Absatz zu wünschen, damit danach die Verlagslektoren für die Überlebenden mehr Zeit haben?

PS: Ich bin noch gemeiner und sarkastischer drauf, als ich klinge. Tante Erna hat nämlich gerade angerufen. Das ist die, die meine Bücher zu kompliziert findet, weil man sie nicht beim RTL-Gucken nebenbei lesen kann. Tantchen hat mir gehörig den Kopf gewaschen. Sie verstünde überhaupt nicht, was ich immer für ein Gedöns um meine neuen Projekte machen würde, und all diese Bewerbungen und dann noch extra ein Agent, und immer so arm und immer am Warten, das sei doch nicht normal! Also sie könne das jetzt nicht mehr länger mit angucken, sie nehme das jetzt in die Hand und schenke mir zu Weihnachten ein Kaffeerösterbuch. Und dann geht das schwuppdiwupp und ich hätte meinen Bestseller schon nächstes Jahr. Weil, wenn ich das Buch hätte, könnte ich mit dem gleich zu diesen Castings gehen und dann komm ich ins Fernsehen und der Frank Elsner wohnt doch ums Eck bei mir. Tante Erna will ernsthaft meinen Agenten ersetzen.

Der Begriff Coffee-Table-Book hat für mich seit heute eine völlig neue Bedeutung.

PPS: Tante zu verschenken. Gebe ein Pfund Kaffee gratis dazu.

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