Grüne Weihnacht

Drei besondere Geschenktipps habe ich heute - und sie sind passend zur Tapete hier alle irgendwie grün. Will heißen: Man kann sie auch als Weihnachtsabstinenzler genießen und vor allem - das ganze Jahr über verschenken.

Livestream: Wintersonnenwende in Irland

Die Freude kann man sich kostenlos mit einem Mausklick machen, denn der leibliche Zugang wird jährlich nur sehr begrenzt in einer Lotterie vergeben, um die achäologische Fundstätte zu schützen. Ich selbst hatte immerhin schon einmal das Vergnügen, bei einer Simulation dabei zu sein, ein unvergessliches Erlebnis. Die Rede ist von der irischen Steinzeitanlage Newgrange, die nicht nur als Grabanlage, sondern auch für Zeremonien gebaut worden war. Genau zur Wintersonnenwende trifft dort ein Lichtstrahl ins Innere der sonst komplett dunklen Anlagen und wandert durch einen Gang in eine bestimmte Kammer. Frohe Botschaft schon für die Steinzeitmenschen: an diesem Tag werden die Nächte wieder kürzer, die Tage länger, das Licht kehrt zurück.

Den Live-Stream im Internet gibt es von den rührigen Iren am Tag der Wintersonnenwende, dem 21.12. zwischen 8:30 und 9:30 morgens, denn die Sonne geht derzeit kurz vor neun Uhr auf. Wer nicht dabei sein kann, bekommt auch nachträglich Aufnahmen und jede Menge Infos auf der Newgrange-Seite.

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Musik: Strange New Land (Nadia Birkenstock)

Ich bin stolze Besitzerin all ihrer CDs und wundere mich immer wieder von Neuem. Dieser Musikerin mag man kaum abnehmen, dass sie nicht aus Irland oder wenigstens Schottland stammt! Musikerin ist übrigens zu wenig gesagt, Nadia Birkenstock ist nicht nur Profi an der keltischen Harfe, sondern auch in der Stimme. "Strange New Land" kommt in betörend schöner Aufmachung daher wie ein Juwel aus einem exotisch grünen Land. Das Album enthält diesmal Stücke, die Nadia Birkenstock selbst geschrieben und arrangiert hat - und die sind ideal dafür geeignet, in eben jenes grüne Wunderland zu driften, vom Alltag abzuschalten und gute Laune zu züchten. Oder ganz einfach die Schönheit von Musik zu genießen.

Allerdings wäre es viel zu schade, die CD nur als Untermalung zu benutzen, denn sie entwickelt ihre Qualitäten mit jedem neuen Hinhören stärker. Nadias glasklare Stimme zur perlenden Harfe, die Arrangements der anderen Instrumente (Gabriele Steinfeld: Violine, Elisabeth Wand: Violoncello, Tom McConville: Fiddle, Romin Katzer: Percussion, Oliver Jochims: Bodhran) - das verhält sich zum üblichen Irish Folk etwa wie eine wertvolle Inkunabel aus alten Zeiten zum Buntbild einer Zeitschrift. Hier treffen sich traditionelle Weisen mit moderner Lebensfreude, klingt klassische Musik mit tänzerischen Rhythmen. Irgendetwas hat diese Musik von alten keltischen Knotenmustern: Beim ersten Hören klingt sie eingängig und schlicht - folgt man einem Strang, ist man gefangen, will jeden neuen Knotenpunkt erkunden - und entdeckt eine fein gesponnene, reiche, neue Welt, von der man sich nicht mehr trennen mag.

CD Strange New Land von Nadia Birkenstock, erschienen 2008 bei Laika Records (3510245.2) - Für Tourdaten in Deutschland ihre Website besuchen (Namen anklicken, die Fotos zur CD sind übrigens eine Augenweide)!

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Musik: To rooms curved as wombs von Vic Fin

Diese CD ist dreifach grün. Grün wie diese Neuentdeckungen sehr seltener Perlen, die einem im Alltag leider nie automatisch vor die Füße rollen. Grün im Design. Und grün wie das berühmte "Heavenly Grass" von Tennessee Williams. Damit ist auch schon gesagt, dass Literaturliebhaber hier ganz besondere Freuden finden: Vic Fin benutzt nicht nur Originallesefragmente von Tennessee Williams und Alex Haley, sie komponieren aus den Worten heraus eine eigenständige musikalische Kunstform. "My feet took a walk in heavenly grass" wird dabei zum Programm, auf eben diesen Spaziergang werden die Zuhörer abgeholt, auf eine leise wie kraftvolle Reise zwischen Jazz und Ambiance, Literaturvertonung und Experimentalklängen, Ohrwurmqualitäten (summer breeze!) und Stimmüberraschungen.

So kann man das Zielpublikum zum Glück kaum eingrenzen, der Name des Labels beschreibt es besser: Music for open minds, "Musik für offene Genießer" möchte ich das übersetzen. Neben der Literatur gibt's auch Musikanspielungen aus der Geschichte, etwa den Song "i dreamed serge gainsbourg is still alive". Glanzstück dieser Mischungen mit der Historie ist ein Mix, an dem man sich nicht satthören kann: "unhappy diva". Puristen müssen sich in Acht nehmen, denn hier singt Maria Callas in gar nicht mehr so virtueller Zwiesprache mit einem modernen Musiker (Originalaufnahme aus Lakmé von Delibes von 1954) und bekommt in all ihrer Melancholie ungeahnte Dance-Qualitäten.

Die größte Entdeckung für mich ist die Stimme von James O. Belcher, die einem mehr als nur unter die Haut geht. Der Mann ist unverschämt reich an Timbres und Stimmlagen, die er wechselt, als würde nur der Wind über das himmlische Gras streichen ... Und wenn er dann auch noch Tennessee Williams spricht und singt (they that come late to the dance), dann läuft man schon barfuß über Samt und spürt den Soul in der Lyrik.
In meinem Haus wurde die CD sowohl von 70jährigen Jazz-Hardlinern wie von jungen Leuten, die einen "tollen Hintergrund" für Parties mögen, als Suchtstoff empfunden.

CD To rooms curved as wombs von Vic Fin, erschienen 2008 bei Music for open minds (MFOM008)

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