Kitschkiller

So - ich habe jetzt zum letzten Mal in diesem Jahr einen Supermarkt betreten und muss sagen, das war nach all der Schneeruhe doch sehr "strange". Schon lange nicht mehr habe ich so viele genervte, gehetzte und aggressive Zweibeiner auf einem Haufen gesehen - man könnte meinen, die Christenheit ziehe in den heiligen Krieg. Wie die Krieger fahren sie nämlich auch auf den Straßen. Und wer davon noch keine Depressionen hat, bekommt sie beim Einkaufen.

Erstens wird es in Frankreich immer abenteuerlicher, wirklich unverfälschte Frischware statt Convenience-Food zu erstehen. Selbst die Gänsestopfleber (das langweilige Must zum Fest) wird inzwischen fabrikartig hergestellt, aufbereitet, eingeschweißt, verdost, verglast und in rauen Mengen gestapelt. Dafür fahren wir für ein gutes Brot, das diese Bezeichnung auch verdient, schon 30 Kilometer. Und zweitens frage ich mich, wie man das Essen mit einem französischen Durchschnittsgehalt überhaupt noch bezahlen soll, wenn ein Kilo Gemüse schon so viel kostet wie ein Kilo Wildschwein. Aber wenigstens tropft aus allen Lautsprechern quietschesüße Xmas und die schlimmsten Aufreger werden mit Plastikzweiglein und Plastikbeerlein kaschiert. Nur wer genau hinschaut, erkennt, dass die Mobilen längst in Deutschland einkaufen und die Armen im Land immer mehr werden. Heute dürfte ich nicht an einem Elsassbuch schreiben, es käme das Gegenteil von Idylle heraus.

Deshalb schweige ich besser. Und wünsche all meinen Leserinnen und Lesern, die Weihnachten feiern, ein wunderschönes und ruhiges und besinnliches solches. Und allen anderen wünsche ich möglichst wenig falschen Kitsch und trotzdem ein gutes Essen. Und rutschet mer guet, ab'r nit uff dr' Strooß!

Ich verschwinde dahin, wo um diese Jahreszeit die nervigen Zweibeiner fast nie anzutreffen sind, dafür aber umso mehr Wildschweine: in den Bergwald!

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