danke!

Ihr seid wunderbar. Auch wenn ich nicht ständig dazwischenquatsche, wie ich das sonst gern tue, weil ich mein Mundwerk nicht halten kann: Ich lese eure Kommentare zum letzten Beitrag mit großem Interesse und finde sie sehr aufschlussreich. Im Großen und Ganzen beweist die Kleinstgruppe hier vor allem, dass der Zugang zu Büchern viel individueller ist, als manche das gern hätten - und viel haptischer, als es einen die IT-Gurus glauben machen. Damit wäre eigentlich auch das Konzept der "Zielgruppe" ein absurdes, denn die eigentlich erstrebenswerte Zielgruppe wären ja die Themenzapper, die Grenzgänger, die Schubladenhopser - und nicht die "Beschränkten".

Ich behaupte das ja schon lange für die Medien: Der Mensch will herausgefordert werden, sonst verarmt er geistig. Als diese Portalseiten aufkamen, wo ich meine Zeitungsmeldungen thematisch konfigurieren kann, habe ich mich immer schlichtweg geweigert. Natürlich schlage ich oft zuerst die Kulturseiten auf. Aber ich will unbedingt auch mal die absolut dämliche Sensationsmeldung aus dem Vermischten lesen können oder den Aufmacher über die Börse, von der ich keine große Ahnung habe. Aber gerade darum...

Was mich auch wundert: dass die guten alten Newsletter noch funktionieren. Ich dachte immer, im Zeitalter der Spam- und Newslettervermehrung hätten die Leute das über. Dann habe ich mich jedoch dabei ertappt, dass auch ich welche abonniert habe. Allerdings habe ich auch genau diejenigen wieder gekündigt, bei denen ich die Hauptsache auf einer Website lesen muss. Newsletter bedeutet für mich ja gerade den Service, offline alles frei Haus zu bekommen.

Und ist es Zufall, dass keiner von euch Bücher aufgrund von Trailern aussucht? (Ich schau mir das Zeug ja auch nicht an). Ich werde eure Beiträge noch lange im Kopf wälzen und dann mal schauen, womit ich meine Website bestücke, denn der Nijinsky wird aller Wahrscheinlichkeit haptisch eher selten in den Buchhandlungen ausliegen. Wahrscheinlich wird es ein bunter Mix für die Individualisten. Nur einen Trailer werde ich nicht pfriemeln, das würde schon aufgrund der Rechte ein teures Vergnügen werden - unsereins schnippelt ja nicht frech alles zusammen wie bei youtube üblich. Dann doch lieber eine Lesung, aber da bräuchte es wieder Technik, die ich nicht habe und Make-up ;-)

Die Ideen gehen mir nicht aus. Eben hatte ich bei Twitter einen kurzen Dialog über Ebookformate, Bücher-apps, Browserlesen und den Zugang von Blinden. Ich ahnte gar nicht, welche Hürden da zu bewältigen sind - je nach Technik. Das Thema ist so spannend, dass ich gern mal im nächsten Jahr drangehen will, zumal es auch für meinen Brotberuf sehr relevant ist.

Und wenn ich mich jetzt etwas dünner machen sollte, liegt das nicht nur daran, dass ich ein rauschendes polnisch-russisch-deutsch-französisches Fest vorbereite, sondern auch ein letztes Kapitel für den Nijinsky schreiben muss. Dafür geht's nächste Woche dann mit einem richtig großen Thema weiter, ich kann das wohl auch schon verraten. Bei der Rezension der Studie Mehrwert (der meistgelesene Artikel aller Zeiten in meinem Blog) bin ich auf die Bücherfrauen aufmerksam geworden. Und weil ich berufsneugierig bin, habe ich mich dahintergeklemmt, was sich hinter diesem Verein eigentlich verbirgt. Zwei hochinteressante Bücherfrauen werde ich für meine Leserinnen und Leser interviewen - da freue ich mich schon drauf.

Im Moment muss ich nur ein Paradox lösen: Wie kommt es, dass ich im Sabbatsemester noch mehr arbeite als zuvor?

Kommentare:

  1. Buchtrailer mmh, man erfährt nicht viel übers Buch, finde ich. Reinlesen bringt den meisten Lesern eben mehr. Trotzdem finde ich Buchtrailer irgendwie gut, sofern sie professionell gemacht sind. Es gibt eben Sachen, die sollte man wirklich den Leuten überlassen, die was davon verstehen. Begleitend auf Verlagswebseiten zum Klappentext und evtl. Interviewvideos finde ich ganz gut.

    Suche ich regelmäßig danach? Nö.

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  2. Ach ja, Trailer.... ich muß sagen, an die hab ich nicht mal gedacht.

    Und wie Madam käme es mir gar nicht in den Sinn, etwa danach zu suchen.

    Wenn ich mal über einen gestolpert bin, war es oft genug so, daß man sich köstlich amüsieren konnte ob der unfreiwilligen Komik.
    Denn bei einer solchen "Produktion" kann so viele danebengehen - besser gesagt, kann man so schnell danebengreifen, daß man ganz anderes bewirkt als beabsichtigt.

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  3. Ich liebe Trailer .... movietrailer!
    Da schaue ich mir fast jeden an, ist ja auch so etwas ähnliches wie ein Klappentext für einen Film.
    Trailer für Bücher hingegen sind ein völlig überflüssiger Medienmix. Meine Meinung.

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  4. Trailer?

    Die Pest....jedenfalls die meisten und auf alle Fälle für Bücher!

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  5. Bei den Buchtrailern geht's mir wie Madam: Solche Sachen sollte man Profis überlassen. Und diejenigen, die dann nicht nur so tun, als seien sie welche, kosten auch richtig Geld. Dann sollten diese Buchtrailer aber auch da laufen, wo Werbung hingehört: Im Fernsehen! Und das kostet noch mehr Geld... Lohnt sich das wirtschaftlich?

    Ein herausragendes Beispiel für Werbung auf allen möglichen Kanälen ist für mich der Hanser Verlag (http://www.hanser-literaturverlage.de), der zeigt, wie überholt das Klischee von verstaubter Literaturszene ist. Die haben einen eigenen youtube-Kanal (http://www.youtube.com/user/HanserVerlag und eine feine Filmproduktionsfirma.

    Da kann man sehen: Trailer laufen sehr mäßig. Was gefragt ist: Längere Videos (ca. 5 min.) mit Autoreninterviews zum Buch oder Lesungen von Promis, die man schon immer mal sehen wollte.
    Mein Problem: Ich habe gar nicht die Zeit, ständig Videos anzuschauen.

    @Matthias
    Das gute alte Problem der Literaturverfilmungen. Deshalb frage ich mich, rein von der Werbung her gesehen: Wenn ich schon zu einem solch problematischen und darum aufwändigen Instrument greife, wen will ich da eigentlich abholen? Filmfans? Die lesen entweder sowieso AUCH oder sie lesen auch dann nicht.

    @Jan
    Ich hätte schon mal Lust zu einem absolut trashigen Trailer. Das wäre doch ein Traum im Feuilleton: "Sie ist der Ed Wood der Literaturvideos" ;-)))

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  6. Hach Sabine, wäre ich Ed Wood, würde ich auch dein Buch verfilmen! Vielleicht unterlegen wir Schostakowitsch? Die Bilder würde ich in einem Wackelrahmen mit feinem Krawattenmuster laufen lassen... (oi bin ich heute wieder kreatief...)

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  7. Hach Sabine, wäre ich Ed Wood, würde ich auch dein Buch verfilmen!

    Wie heißt das Buch bitte?

    Der neugierige Heinrich

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  8. Heinrich,

    Sie sind leider nicht die Zielgruppe. Es ist Ratgeber"literatur" und wird sich mit dem Thema "Bewerben" und strategischen Überlegungen zur beruflichen Entwicklung befassen.

    Aber vielleicht haben Sie ja Kinder, Enkelkinder, Nichten, Neffen und andere weitere Verwandte im entsprechenden Alter?

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  9. Einen eigenen youtube Kanal - als Verlag - finde ich klasse. Oder als Autor, so man denn das Videomedium beherrscht. Besser als was bei facebook. Ich will ja nicht ständig über facebook lästern, vielleicht kapiere ich es auch einfach nicht, aber das Interface bei denen ist mir zu hässlich.

    Ich habe aber auch schon bei youtube schlechte Rezensionsvideos von Bücherwürmern gesehen - die sind dann auch unfreiwillig komisch oder befördern mich direkt ins Koma. Was manche Leute alles machen, um Bücher umsonst zu bekommen ...

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  10. Sabine,
    danke für die Info!
    Ja, ich gehöre gar keiner Zielgruppe (mehr) an.
    http://heinrich11.wordpress.com/2010/03/18/endlich/

    Gruß Heinrich

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  11. @Madam
    Ich beobachte immer wieder, wie Autoren (nicht Verlage) klagen, Social Media bräuchten so viel Zeit und es komme nichts herum bei all dem Twittern, FB, Bloggen, Foren... Wenn man dann genauer hinschaut, nutzen die Leute unendlich viel, aber nur relativ privat und ungezielt. Sie tauschen sich aus, tratschen hier und reden dort. Das bringt in der Tat außer schönen Gefühlen nichts. Ich sehe das, wenn ich solche Beiträge wie diesen hier bringe: kaum Leser. "Herum" kommt etwas, wenn ich über knallharte Fakten schreibe.

    Ich rate deshalb immer, sich aufgrund der Eigenart der eigenen Bücher / Schreibe sehr genau Gedanken zu machen, wo man seine Leser eher findet - und sich dann mit einem guten Plan auf höchstens zwei oder drei Kanäle zu konzentrieren, die einem liegen und sich idealerweise ergänzen können. (Ich habe meine Leserschaft im Blog z.B. durchs Twittern verdreifacht).

    Ich finde vllt. eher Leser mit einem historischen Roman in einem Leserforum fürs Genre als bei FB. Bei FB finde ich vllt. eher interessante Partner für Recherchen eines Sachbuchs als in einem Katzen-Content-Blog. Ein witziger Krimi kann mit einem spritzigen Video punkten. Ein Blog versorgt mich mehr mit Tiefe als Twitter, aber bei Twitter kann ich rasend leicht Kontakte knüpfen, warmhalten und vor allem Informationen abonnieren.

    Ich betrachte unterschiedliche Medien wie Staubsaugerdüsen: Hübsch müssen sie nicht sein, aber gut und gezielt das Gewünschte aufsaugen. ;-) Bei FB würde ich eintreten, wenn ich dadurch an mehr Opern- und Ballettfans käme - aber da informiere ich mich zuerst bei Fachmenschen, ob sich der doch große Aufwand und Nutzen die Waage halten. Privat kann ich darauf verzichten.

    Beruflich wollte ich nicht mehr darauf verzichten. Es ist unwahrscheinlich, welche Leute man via Social Media kennenlernen kann, so leicht wie früher nie. Und zwar nicht einfach nur zum virtuellen Tratsch, sondern konkret für die Arbeit und Real-Life-Bekanntschaften. Der zweite Teil meines Nijinsky-Buchs ist sozusagen bei Twitter entstanden, die wichtigsten Kontakte kamen dort zustande.

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  12. Ja, das kann gut sein, dass man wichtige Kontakte per social media knüpft und das viele Autoren nicht konkret, sprich gezielt "arbeiten", sondern auf zu vielen Hochzeiten falsch tanzen.


    Zu Videoblogs allgemein noch mal ... ich mag die Kreativität, die dahinter steckt.

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  13. Ich oute mich hier als als Umberto - Eco - Fan, in dessen Interview in der FAZ ich zum Thema "Bücher" gerade folgenden Text gefunden habe:

    "Alles, was wir über uns wissen, verdanken wir der Überlieferung aus Büchern, und das seit bald zweitausend Jahren. Bisher aber gibt es keinen Beweis dafür, dass die elektronischen Geräte ähnlich lange überdauern werden. Und dann ist da unsere taktile, haptische, auch emotionale Verbindung mit Büchern. Wenn wir im Keller Bücher finden, die wir einst als Kind gelesen haben, bewegt uns das. Wenn wir aber eines Tages die Diskette finden, die wir als Kind verwendet haben, kann unser Computer sie nicht mehr lesen, und die Diskette ist dieselbe wie die einer beliebig anderen Person. Dass wir den persönlichen Kontakt verlieren, ist nicht nur für Bibliophile ein Desaster. Eine kleine Minderheit elektronischer Taliban wird nur mit iPads und E-Books umgehen, alle anderen werden Bücher weiterhin brauchen, davon bin ich überzeugt."

    Hier das ganze Interview:

    http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~E1C38D6D5FA81405C80DA32D360CF89E6~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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  14. Danke Sabine! Das Interview direkt zum Anklicken. Dazu gibt es auch ein papierenes Buch im Hanser Verlag:
    Jean-Claude Carrière + Umberto Eco: Die große Zukunft des Buches.

    (Habe ich eigentlich schon gesagt, dass ich ein Revival von haptischen Preziosen und limitierten Luxusausgaben voraussehe?

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