E-Books als Werbefläche

Golem vermeldet, in den USA sollen E-Books jetzt mit Werbung bestückt werden, wobei der Form keine Grenzen gesetzt sind: Vom Video über Bilder bis zum Text ist technisch alles machbar. Dumm nur, dass man die Konsumlustmacher im Shakespeare oder Goethe dann nicht so einfach herausreißen kann.

Mir hat es vor allem die Möglichkeit angetan, Binnentextanzeigen zu schalten. Natürlich habe ich keine Mühen gescheut und kräftig Werber ins Boot geholt:

aus: Petra van Cronenburg: Das Buch der Rose

... Seither habe ich in den Rosen unermesslichen inneren Reichtum entdeckt. Guru Swami Rosadze zeigt dir an einem Wochenende den inneren Reichtum deiner Seele. Sofortbucher bekommen eine rosenfarbene Plastikperle gratis. Schönheit, Duft, Farben, das haben andere Blüten auch, wenngleich nicht immer in dieser Vielfalt. Darum Schmuck und Parfum von La Rose in Paris, damit Sie immer auf der duftenden Seite des Lebens sind! Die Rose aber ist für mich längst nicht mehr nur „Pflanze“ Kübelpflanzen im Angebot bei Gärtner Schneidmichtot – sie birgt die Geheimnisse der Menschen Heute schon an WikiLies gespendet?, die sie liebten, und sie erzählt die spannendsten Geschichten aus Kultur und Historie Kunden die dieses Buch kauften, bestellten auch "Abnehmen mit Rosa Moppel-Ich" und Verhüterli mit Minzgeschmack, wenn man auf sie hört. Eine einzelne Rosenblüte kann zu einer dieser berühmten Fasern werden, an denen man zupft reißfeste Watte im Großwindelpack, garantiert aus 100% Biobaumwolle – und plötzlich offenbart sich ein roter Faden. Und der lässt zusammen mit all den anderen roten Fäden vielleicht ein wenig ahnen, wie unermesslich reich dieses Gewebe sein muss Fashion kauft man bei Red Fabrics, das man doch immer nur in Teilchen betrachten kann, zufällig, ausschnitthaft, und manchmal völlig subjektiv.

Vielleicht kann dieses Buch ein wenig von dieser Faszination der „Königin der Blumen“ Immer wieder neu: Unsere privaten News über die Queen vermitteln. Und vielleicht ist dann der Rosenstrauch in Ihrem Garten nicht mehr nur Sorte XY, sondern eine lebendige Pflanze, die voller Geschichte und Geschichten steckt? Und die sie selbstverständlich bei Rosenzüchter Weltweitwichtig bestellen!
Na?
Natürlich habe ich jetzt Dollarzeichen in den Augen. Was Ebook-Shops können, können wir Autoren doch schon lange. Verkaufe Werbefläche in meinem nächsten Buch. Wetten, dass ich in diesem elend bezahlten Beruf dann endlich endlich einmal auf ein normales Monatsgehalt käme? Kauft, Leute, kauft!!! Noch gibt es obiges Buch werbefrei!

Kommentare:

  1. Liebe Petra,

    oh Himmel, bitte nein! Gibt es denn nie ein Ende der Werbung? Also E-Books mit Werbeseiten, wäre für mich definitiv ein Grund keine E-Books zu kaufen!
    Aus demselben Grund gucke ich auch keine Privatsender - ok, nicht nur deshalb. ;-)
    An die Werbeseiten in den Rowohlt-Büchern kann ich mich noch sehr gut erinnern! Ich habe massenhaft Taschenbücher von Rowohlt mit vergilbten abgewetzten Seiten:

    "Die bezaubernde Arabella sehnt sich nach einem reichen Mann ..." (Seite umblättern) "... deshalb sollten auch Sie Bundesschatzbriefe kaufen!"

    Allerdings hatten sie ein starken Comedy-Effekt. Ich habe mich jedesmal köstlich amüsiert, weil man erst gedankenlos weiterlas, bis man bemerkte, dass es Werbung war. Im Vergleich zu heutiger hat diese Werbung fast ein wenig Charme.

    Auch, wenn angekündigt wird, Werbe-E-Books kostenlos oder billiger anzubieten, ist der Weg zur Dauerwerbung schon einmal erschlossen. Mir graut's.

    Liebe Grüße
    Nikola

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  2. Stimmt, der alte Rowohlt war der einzige, der das graziös geschafft hat, wenn auch nur einige Jahre, bis es nachgemacht und klebrig wurde. Es waren auch nie mehr als zwei Blätter im Buch, jedes mit eigenem Hirnschmalz gestaltet. Und: Man konnte sie unauffällig herausreißen! - Sagt, seiner Antiquiertheit voll bewusst, der alte Haptiker
    Philipp

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  3. Genau das habe ich gestern in einer Twitterdiskussion gesagt: Man konnte sie noch herausreißen. Und irgendwie waren sie ja wirklich Kult. Vielleicht wird mein Rosentext hier in 40 Jahren Kult, wenn wir dann die Werbung direkt ins Hirn eingespeist bekommen?

    Mich nervt etwas viel Perfideres, über das keiner redet:
    Die meisten E-Book-Verträge von Kollegen, die ich kenne, sind jämmerlich, die Honorare oft noch niederiger als beim Taschenbuch, weil die Herstellung ja ahahachso viel kosten würde. Und jetzt wird fleißig der Kuchen "Buch" aufgeteilt zum fröhlichen Verdienen. Die Schöpfer gehen wieder leer aus. Warum keine Werbebeteiligung für die Autoren? Warum keine höheren Honorare wegen größerer Werbefläche?

    Ist aber schon beim gedruckten Buch so. Ich verdiene, würde ich meine Bücher über Onlinehändler-Partnershop vertickern, an dessen Werbebeteiligung mehr als Honorar bei einem Verlag! Jedenfalls war das so, als man für einen Einkauf via Direktlink 15% vom Endpreis bekam.

    Die Zukunft könnte natürlich auch anders aussehen: Autoren behalten ihre E-Book-Rechte. Verdienen pro Exemplar einen sehr viel höheren Prozentsatz an Tantiemen. Und erfreuen ihre Leser mit werbefreien Büchern. Wäre das eine Option?

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  4. Ich muss gestehen, das Thema noch nicht wirklich durchdacht zu haben. Trotzdem eine deshalb nur oberflächliche Einschätzung:
    Beim Thema E-Book wird augenblicklich jede Woche eine andere Sau durchs Dorf getragen. Enriched - und wenn ja: womit? Nur Text, vielleicht auch Fotos oder gar Videos? Bonusmaterial?
    Im Moment heißt das Schweinderl "Werbung". Dieses böse Wort auszusprechen reicht, um dem Kulturbürger einen Schauder über den Rücken zu jagen.

    Ich bin sicher: Es wird E-Books mit Werbung geben. Und ehrlich: ich kann darin auch nicht den Untergang der Lesekultur oder gleich des ganzen Abendlandes sehen. Der alte Rowohlt zitierte zur Verteidigung der Werbung in seinen Büchern aus einem Brief von Tucholsky aus dem Jahr 1932, in dem es hieß: „Lieber Meister Rowohlt, liebe Herren Verleger: Macht unsere Bücher billiger!“ Ich vermute mal, dass Autoren damals anständiger bezahlt wurden und sich deshalb einen solchen Appell leisten konnten. Bücher bezahlbar zu halten und gleichzeitig die Schöpfer der Werke angemessen zu entlohnen, das könnte ein Ziel sein, bei dem ich Werbung akzeptiere.
    Ich weiß natürlich auch, dass die Marktmechanismen derzeit nicht so sind. Die Einnahmen aus Werbung würden sicherlich nicht den Schreibenden zugute kommen. Aber muss denn alles so bleiben, wie es ist?

    Die E-Books eröffnen völlig neue Möglichkeiten der Herstellung und des Vertriebs von Büchern. Die Macht der Verlage steht hier auf äußerst tönernen Füßen und Autoren wären gut beraten, diese Chance zu nutzen. Wenigstens informieren sollte sie sich, dann könnte man ihnen keine Ammenmärchen über teure Produktionen und schwierige Distributionen mehr erzählen.
    Wer E-Book-Rechte für ein Almosen hergibt, verdient auch nichts anderes.

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  5. Matthias, diese E-Books sind im englischsprachigen Raum bereits da, es ist also nur eine Frage der Zeit, wann sie über den Teich schwappen - vor allem in einem dank E-Book auch globalisierten Markt. Wenn das Gerücht stimmt, dass der Kindle im Frühjahr nach Deutschland kommt, na dann...

    Und was die Sauen betrifft, gebe ich dir vollkommen Recht: der deutsche Buchmarkt ist derzeit der große Zögerer, wo immer gleich der Untergang des Abendlandes prophezeit wird. Und dann wird man wieder hinterherhinken müssen, weil alle anderen die Nase vorn haben. Viele Sauen sind noch muntere und mutige Experimente, manche auch halbherzige Versuche, dabei zu sein. Man kann aber auch beobachten, dass Großverlage hohe Summen in Transmedia-Produkte investieren - die sie natürlich wieder hereinbekommen wollen. Das kommt alles, garantiert!

    In ein paar Jahren wird nichts mehr so sein, wie es einmal war. Warum ich das so frech behaupte? Weil ich gerade mit Staunen sehe, wie selbst Ortsgemeinden nicht mehr nur auf schöne gemalte Schilder setzen, sondern auf die i-phone-App und GPS. Die Menschen da draußen leben bereits jetzt, was viele Verlage noch nicht bieten.

    Natürlich habe ich maßlos übertrieben mit meiner Satire. Für den Schockeffekt, weil ich deinen letzten Satz nur unterstreichen kann. Ich will damit sagen: Liebe Papierautoren, wacht endlich auf. Schaut endlich hin, was gemacht wird, was möglich ist - und wo ihr dabei bleiben werdet.

    Ich selbst bin ja noch viel schlimmer als meine eigenen Satiren. Ich kann mir bereits im touristischen Bereich E-Books vorstellen, bei denen ich mich als Autor von Werbung finanzieren lasse, um damit Lektoren, Grafiker etc. zu entlöhnen und gleichzeitig über die Werbetreibenden zusätzlich zu distribuieren. Und ich blicke eigenlich hoffnungsfroh und lustig in die Zukunft: Verlage und Buchhandel haben sehr viel mehr zu verlieren als wir Autoren!

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  6. Noch so eine Geschäftsidee, von der ich orakele, dass sie kommen wird (zumindest habe ich so etwas in Eigenregie mal vor): Ein Buch in drei Qualitätsklassen:

    1.Eine kleinere elektronische "Auskopplung" zum Verschenken und Appetitmachen

    2. Das gesamte Buch als E-Book günstiger als Papier und von mir aus mit Werbung.

    3. Und dann die absolut werbefreie, ganz besonders prächtig gestaltete, aber auch teurere Luxusausgabe auf Papier für all die Haptiker in limitierter Auflage.

    Wenn es nämlich wirklich so viele Haptiker gibt, wie sie sich outen, dann sind diese LeserInnen mit herkömmlichen eintönigen Billig-Papierbüchern schlicht vernachlässigt. Die haben dann das verdient, was Winzer längst anbieten: Ein Cuvée Prestige mit nummerierten Flaschen, pardon Büchern! (Als in der ersten Medienkrise ein Kollege nach dem anderen Weinhändler wurde, sagte ich immer, wenn schon, dann werde ich Winzer).

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  7. Ich selbst bin ja noch viel schlimmer als meine eigenen Satiren. Ich kann mir bereits im touristischen Bereich E-Books vorstellen, bei denen ich mich als Autor von Werbung finanzieren lasse, um damit Lektoren, Grafiker etc. zu entlöhnen und gleichzeitig über die Werbetreibenden zusätzlich zu distribuieren.
    Vor 20 Jahren habe ich zusammen mit einem Kollegen einen Radreiseführer zur 100 Schlösser Route im Münsterland geschrieben. Er enthielt viel zum Thema passende Werbung. Durch die Anzeigen wurde die Produktion bezahlt und - wie du es vorschlägst - über die Werbetreibenden wurde ein Teil auch abgesetzt. Ist also gar nicht soooo neu, aber das weißt du ja selbst.

    Und ich blicke eigenlich hoffnungsfroh und lustig in die Zukunft: Verlage und Buchhandel haben sehr viel mehr zu verlieren als wir Autoren!
    Sehe ich genauso. Wie heißt es bei den Bremer Stadtmusikanten - waren ja schließlich auch Künstler: "Etwas Besseres als den Tod findest du überall."

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  8. Klar, die Idee ist alt, aber ich kann ja nicht alle Zusatzideen für die Gründung eines Imperiums hier preisgeben ;-)))

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  9. aber ich kann ja nicht alle Zusatzideen für die Gründung eines Imperiums hier preisgeben

    Es ist völlig egal, ob sie sie jetzt preisgeben, oder dann, wenn Sie als Einzelperson damit am Markt sind.

    (Außer Sie habe ein angemeldetes Patent - aber selbst die schützen nicht immer)

    Ich kenne den "Erfinder" von blinkenden Hundhalsbändern. Der Einzige, der heute an Hundehalsbändern nicht einen einzigen Cent verdient, ist dieser Mann!

    Wenn Sie zwischen E-Book und haptischen Bedürfnissen eine Idee haben, für die es einen Markt gibt, ist es von Vorteil, wenn Sie in einem oder mit einem Konzern arbeiten, der schon sehr mächtig ist.

    Aber wenn ich es einem Menschen in der heutigen Zeit zutraue, auch noch knapp über dem Studentenalter ein Imperium zu gründen, dann sind Sie es verehrte PvC!

    Gruß Heinrich

    P.S. Können sie dann auch nachträglich jemanden in die betriebliche Altersversorgung aufnehmen? *fingerheb*

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  10. Ach Heinrich,
    in Sachen Imperien leide ich leider an der Gnade der falschen Geburt. 1975 las ich mit unterschiedlichen Stimmen das erste Comic-Hörbuch der Welt ein und wurde nicht berühmt, weil keiner wusste, was Hörbücher waren; aber die Rumpelrauschkassetten haben sie sich alle ausgeliehen. Die anderen sagten: Du spinnst, Comics kann man doch nicht vorlesen!

    In den frühen 80ern erfand ich durch Ideenklau bei Walt Disney das "enhanced paperbook", bei dem die LeserInnen selbst entscheiden konnten, wie das letzte Drittel verläuft. Da meinten Freunde dann: Kannste mich auch noch ins Buch reinschreiben? Der Anfang dieses Fantasyschinkens um einen Hund namens Spüro Fieselschweif (Entenhausen lässt schon wieder grüßen) und einige sehr verkleidete Freunde rottet noch heute gut behütet in einer Schublade.

    Und meine Idee vom Gesamtkunstwerk hat Richard Wagner schon gehabt.

    Also hudele ich weiter, bis ich eines Tages als Wildschwein wiedergeboren werde. Dann kann ich hämisch grunzen und sagen: "Was kratzt es die Sau, wenn sich eine Eiche an ihr schubbert!"

    Huch. Ich hab die Pointe vermasselt. Irgendwie sollte hier eine andere Pointe hin...

    Schöne Grüße,
    Petra

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