Grenzland


Tja, da bin ich schon wieder. Zurück aus der grünen Hölle, die man hier ansehen und durch Klicken vergrößern kann. Ich wollte mir nämlich mal gemütlich einen meiner nächsten Arbeitsplätze ansehen. Und das ist mir noch nie passiert: Auf diesem Hochplateau gab ich es auf, die Bergstraße, an der zwei Autos nicht aneinander vorbei passen, weiter fahren zu wollen. Ich wendete, flüchtete. Für Fahrten in solche entlegenen Orte hatte ich mir einmal ein Handy angeschafft, weil es so schön beruhigt, aus einem Bergloch im Notfall wenigstens noch Signale abgeben zu können. Normalerweise ist da nämlich keiner. Normalerweise läuft man dort Stunden, ohne einer Menschenseele zu begegnen.

Heute konnte man dort nicht einmal mehr umfallen, so dicht war der Verkehr. Der Wald stank erbärmlich nach Abgasen, Blech, Blech, Blech und Motorräder ohne Ende (ich auch noch, ja), und an der Buntheit der Nummernschilder konnte man erkennen, dass man sich mitten in Europa befand - oder zumindest an einem Punkt, an dem alle Europäer auf einmal einfallen. Pech, denn in der Nähe liegt eine bekannte Sehenswürdigkeit, die wahrscheinlich heute unter dem Gewicht von Touristen wieder ein wenig mehr bröselte. Pech, dass die Pfälzer ausgerechnet zur Reisezeit die wenigen Straßen sperren und umbauen müssen, die sie dort überhaupt haben.

Wenigstens kenne ich jetzt die Umleitungen. Und weiß, dass ich dorthin besser unter der Woche fahre, so oft wie möglich, bevor der Winter kommt. Dann geht das nur noch mit Schneeketten. Wenn mich die Orientierung nicht trügt, geht der Blick auf dem Foto nach Deutschland, rechts davon läuft man nach Frankreich hinüber. Überall an diesen Hängen verlief früher die "Grüne Grenze", wo jeder so seine Schleichwege kannte, wo über die Berge geschmuggelt wurde, weil man früher in Europa eben noch schmuggeln musste. Ich erinnere mich noch gut an eine winzige Zollstation an einem Waldweg, gekennzeichnet durch einen Schlagbaum. Der Zöllner kam dann nachts immer mit einer riesigen Taschenlampe und einem Rausch im Gesicht. Einfach weiterfahren war nicht möglich, wenn zur Kontrolle nicht auch ein Schwätzchen heraussprang für ihn - denn dort oben war es verdammt einsam und langweilig. Tja, heute verkehrte dort die Welt.

Ein Eckchen weiter verläuft übrigens eben jenes Gebirge mit seinen vielen Burgen, von dem ich in meinem Elsassbuch erzähle: "Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt" / Elsass-Hörbuch, es ist das Kapitel mit meinem Spezial-Kugelhopf-Rezept. Zu Fuß ein Katzensprung, mit dem Auto nur über Riesenumwege erreichbar.

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