Heute beantrage ich die Rente ab 49, nein, was sage ich, ab 19: zum Lesen. Wir haben nämlich jetzt kostenlosen Lesestoff, bis die Erde verraucht. Mehr jedenfalls, als man in einem einzigen Menschenleben lesen kann. Mehr, als man während der Arbeitszeit schmökern kann, wenn man künftig in Deutschland bis ins Pflegeheim hinein malochen muss.
Google war anständig und hat sich diesmal auf wirklich richtig tote Schriftsteller gestürzt, die länger als 70 Jahre von den Würmern gefressen sind. So wird es künftig edle Preziosen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert als Farbscan online geben - eine gigantische Bibliothek. Eine gute Aktion, Welterbe zu bewahren. Und ich hoffe, sie fragen die noch lebenden Schriftsteller ganz brav, wenn sie in späteren Jahrhunderten herumscannen.
Noch mehr E-Books wird es auch geben. Es drang nämlich an mein Surfauge, dass Amazon künftig das Format epub auf dem Kindle zulassen will. Das ist natürlich keine Aktion reiner Menschenliebe, sondern knallharte Kalkulation, aber die Leser wird's freuen und mehr Konkurrenz allüberall könnte ja vielleicht endlich einmal die immer noch hohen Readerpreise ins Wanken bringen. Da fällt mir ein: Warum diskutiert eigentlich jeder aufgeregt die ohnehin niedrigen Buchpreise und will am liebsten noch die Zwei-Euro-Schwarte kostenlos, obwohl Autoren immer weniger verdienen? Warum bitte will keiner seinen Reader geschenkt haben, dafür, dass er einen Distributor reich macht??? Irgendetwas stimmt in dieser Logik ganz und gar nicht!
Moment, die Hauptsache kommt noch. Falls die Typen von der Rente anklopfen oder die Bundesregierung oder euch sonstwer vom Lesen abhalten will - da hilft nur das (gefunden via glaserei):
Aus Unvernunft geboren
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Meine ganz persönliche Geschichte in Sachen Schriftstellerkuriositäten begann 2009 - und sie hat ständig irgendwie mit Boris Godunov zu tun. Oder mit diesen ...

5 Kommentare:
Das ist ja alles schön und gut, nur, dass das Leseinteresse sich in den meisten Fällen eher nicht auf solche Bücher richtet ;) Und gegen die Zeitnot lesen viele ja schon mit gutem Tempo an: Es geht nicht darum, Inhalte mitzunehmen, sondern Seiten zu lesen. Das ist die Hausnummer!
Irgendwann muss ich mal einen Radikalbeitrag schreiben: Ich bin ja schon froh, wenn Leute die Aufschrift auf der Klopapierpackung lesen (können / wollen) ;-)
Darauf lässt sich aufbauen.
Ich habe mal, als ich noch zu viel Zeit hatte, völlig normalen Leuten bei einem Auftrittsprogramm Extremklassiker untergeschoben. Goethe war darunter der einfachste. Die waren hin und weg, wie lustig Klassik sein kann. Aber dazu muss ICH solche Scans lesen ;-)
Deshalb ziehe ich mich als Autorin auch immer ein wenig selbst an der Nase: Was tue ich persönlich eigentlich, damit Menschen Leselust bekommen und der Nachwuchs nicht wegstirbt?
If you ever interrupt me, you will see the nasty me! Hahahaha, selten so gelacht.
Aber zu den kostenlosen edlen Preziosen: Bei Thalia gibt es seit einiger Zeit zig Klassiker zum kostenlosen Download. Mit Kindle habe ich mich noch nicht so beschäftigt, finde es aber sehr gut, wenn ich auf diese Weise auch noch schöne Ausgaben zu sehen bekomme. Allemal besser als gelbe Reclamheftchen, auch als Scan.
Liebe Grüße,
Nikola
Nicht Kindle (der ist schwarz-weiß), sondern Google - noch sind beide Firmen nicht fusioniert ;-)
Ups. Soweit wollte ich natürlich nicht vorgreifen.;)
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